Zaunrüben

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Zaunrüben
Rotfrüchtige Zaunrübe (Bryonia dioica)

Rotfrüchtige Zaunrübe (Bryonia dioica)

Systematik
Kerneudikotyledonen
Rosiden
Eurosiden I
Ordnung: Kürbisartige (Cucurbitales)
Familie: Kürbisgewächse (Cucurbitaceae)
Gattung: Zaunrüben
Wissenschaftlicher Name
Bryonia
L.

Die Zaunrüben (Bryonia) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae). Die etwa zwölf Arten sind in Eurasien und Nordafrika verbreitet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterirdischer Pflanzenteil der Rotfrüchtigen Zaunrübe (Bryonia dioica)
Illustration aus Johann Georg Sturm: Deutschlands Flora in Abbildungen der Rotfrüchtigen Zaunrübe (Bryonia dioica)
Blüte in Großaufnahme von Bryonia dioica
Kanarische Zaunrübe (Bryonia verrucosa) mit Früchten
Reife Früchte der Weißen Zaunrübe oder Schwarzbeerige Zaunrübe (Bryonia alba)

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zaunrüben-Arten wachsen als kletternde bis niederliegende, sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanzen.[1][2] Die knolligen Wurzeln[1] sind rübenförmig. Die oberirdischen, steif behaarten bis kahlen[1] Sprossachsen werden bis zu 4 Meter und sterben im Herbst ab. Die Ranken sind unverzweigt.[1][2]

Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattspreite sind kreis- bis ei- oder spießförmig, drei- bis fünfkantig oder handförmig drei- bis fünflappig.[1][2] Die Blattlappen sind eiförmig bis deltaförmig oder dreieckig. Auf den Blattspreiten sind keine Drüsen vorhanden.[1]

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zaunrüben-Arten sind meist zweihäusig (diözisch), selten einhäusig (monözisch) getrenntgeschlechtige Pflanzen.[1][2] Die Rotbeerige Zaunrübe (Bryonia dioica) ist zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch), das heißt, es gibt weibliche und männliche Pflanzenexemplare. Bei der Weißen Zaunrübe (Bryonia alba) dagegen finden sich Blüten beiderlei Geschlechts an einem Pflanzenexemplar, sie sind also einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch). Kreuzungen zwischen diesen beiden Arten durch Carl Correns, einem der drei Wiederentdecker der Mendelschen Regeln, führten 1903 zur Entdeckung der genetischen Verankerung des Geschlechtssystems bei Pflanzen.

Die Blüten sind immer eingeschlechtig. 4 bis 16 männliche Blüten stehen in seitenständigen, traubigen oder büscheligen Blütenständen zusammen. Meist zwei bis sechs (ein bis zehn) weibliche Blüten stehen in seitenständigen, schirmtraubigen bis traubigen Blütenständen zusammen. Es sind keine Tragblätter vorhanden.[1]

Die Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Blütenbecher (Hypanthium) ist mehr oder weniger glockenförmig. Die fünf Kelchblätter sind lanzettlich bis deltaförmig. Die Blütenkrone ist trichterförmig-glockenförmig bis fast radförmig. Die fünf kahlen Kronblätter sind bei einer Länge von 3 bis 7 Millimetern länglich-eiförmig bis eiförmig-lanzettlich. Die Kronblätter sind weiß bis cremefarben, grünlich-weiß oder gelblich-grün oder gelblich. Meist ist der Kronschlund grün und es sind schwache grüne Linien vorhanden.[1]

Bei den männlichen Blüten sind von den fünf Staubblättern vier in zwei Paaren verwachsen und eines frei und wirken wie drei Staubblätter. Die Staubfäden sind nahe dem Blütenbecherrand inseriert. Bei den weiblichen Blüten sind die einkammerigen Fruchtknoten eiförmig bis breit-ellipsoid und enthalten drei bis zehn Samenanlagen. Der schlank-säulenförmige Griffel endet in drei Narben, die zweilappig sind. Es können drei bis fünf Staminodien vorhanden sein oder sie fehlen.[1]

Die bei Reife roten bis orangefarbenen oder schwarzen, beerenähnlichen Früchte sind kugelförmig, glatt, öffnen sich nicht und enthalten zwei bis acht Samen. Die eiförmigen oder länglichen und abgeflachten Samen besitzen keinen Arillus.[1]

Inhaltsstoffe und Giftigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bei Reife roten oder schwarzen Beeren der Rotbeerigen und der Weißen Zaunrübe sind sehr giftig: Bereits 15 von ihnen können tödlich für ein Kind sein. Auch alle anderen Bestandteile der Pflanze, Wurzeln, Ranken und Blätter, sind giftig. Das Zerreiben der Beeren auf der Haut führt zu Hautreizung und Blasenbildung.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Männliche Blüten von Bryonia syriaca

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung Bryonia wurde 1753 durch Carl von Linné[3] aufgestellt.[4] Als Lectotypus-Art wurde 1929 Bryonia alba L. durch Mary Letitia Green in Proposals by British Botanists, Seite 190.[4]

Die Gattung Bryonia gehört zur Tribus Bryonieae in der Unterfamilie Cucurbitoideae innerhalb der Familie der Cucurbitaceae.

Arten und ihre Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gattung Bryonia ist in Eurasien und Nordafrika verbreitet.[5]

Es gibt etwa zwölf Arten in der Gattung Bryonia:[5][6]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • C. Jeffrey: A review of the genus Bryonia L. (Cucurbitaceae). In: Kew Bulletin, Volume 23, 1969, S. 441–461.
  • Stefanie M. Volz: Evolution of dioecy in the Cucurbitaceae genus Bryonia – a phylogenetic, phylogeographic, and SCAR-marker approach. Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Naturwissenschaften an der Fakultät für Biologie der Ludwig-Maximilians-Universität München, September 2008. Volltext-PDF.
  • Stefanie M. Volz, Susanne S. Renner: Phylogeography of the ancient Eurasian medicinal plant genus Bryonia (Cucurbitaceae) inferred from nuclear and chloroplast sequences. In: Taxon, Volume 58, 2009, S. 550–560. Chapter 2 – Volltext-PDF.
  • H. Schaefer, Susanne S. Renner: Phylogenetic relationships in the order Cucurbitales and a new classification of the gourd family (Cucurbitaceae). In: Taxon, Volume 60, 2011, S. 122–138.
  • Guy L. Nesom: Cucurbitaceae.: Bryonia Linnaeus. – textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Volume 6: Magnoliophyta: Cucurbitaceae to Droseraceae, Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 6, 2015, ISBN 978-0-1953-4027-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k Guy L. Nesom: Cucurbitaceae.: Bryonia Linnaeus. – textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Volume 6: Magnoliophyta: Cucurbitaceae to Droseraceae, Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 6, 2015, ISBN 978-0-1953-4027-3.
  2. a b c d e Bryonia bei Tropicos.org. In: Flora of Pakistan. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  3. Carl von Linné: Species Plantarum, 2, 1753, S. 1012. eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  4. a b Bryonia bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 21. Mai 2018.
  5. a b c d e f g h i j k T. Henning, N. Holstein, E. von Raab-Straube (2017): Cucurbitaceae. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  6. a b c d e f g Bryonia im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen im 16. Januar 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zaunrüben (Bryonia) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien