Ziegenhain (Jena)

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Ziegenhain
Stadt Jena
Koordinaten: 50° 55′ 11″ N, 11° 37′ 30″ O
Höhe: 272 m
Fläche: 2,5 km²
Einwohner: 397 (30. Jun. 2014)
Bevölkerungsdichte: 159 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1913
Postleitzahl: 07749
Vorwahl: 03641
Blick auf den Ort
Blick auf den Ort
Steinkreuz bei Ziegenhain

Ziegenhain ist ein Stadtteil der Universitätsstadt Jena in Thüringen.

Lage und Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziegenhain liegt östlich vom Jenaer Stadtkern im mittleren Abschnitt eines östlichen Seitentales der Saale. Dieses „Ziegenhainer Tal“ beginnt beim Steinkreuz am Rande des Hochplateaus Wöllmisse/Kernberge und mündet nach etwa 3,5 km ost-westlichem Verlauf ins Haupttal ein. Die höchste Erhebung im Kranz der umgebenden Berge ist mit 391,7 m NN der „Windberg“ neben dem Parkplatz des Fuchsturms, der auf dem benachbarten Kirchberg (378,4 m NN) steht. Die heutige Siedlungsfläche liegt zwischen 230 und 300 m über NN und ist fast in ihrer Gesamtheit im Flächennutzungsplan als Denkmalschutzensemble eingetragen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung (als Cigenhain) war 1259, als Teil der Kaiserpfalz „Kirchberg“ ist das Dorf allerdings vermutlich viel älter. Seit 1435 war der Ort im Besitz des Klosters Bürgel. Bis zur Reformation war Ziegenhain ein bekannter Pilgerort zum wundertätigen Marienbild in der Marienkirche. Seit dem 18. Jahrhundert ist es vor allem als „Bierdorf“ der „trinkfesten Studiosi der Alma Mater“ und zusammen mit dem Fuchsturm als beliebtes Ausflugsziel der Jenaer und ihrer Gäste bekannt. Das rasante Anwachsen der Einwohnerzahl zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Industrialisierung (Zeiss und Schott) führte zur Aufgabe der kommunalen Selbstständigkeit und zur Eingemeindung als Ortsteil Jenas im Jahre 1913. Als einer der ersten Stadtteile wählte das Dorf 1995 eine eigene Ortsbürgermeisterin und einen Ortschaftsrat.

Die hauptsächlichen Erwerbsquellen des Dorfes waren die Landwirtschaft, Weinanbau und das Bierbrauen. Schon in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ging der Anteil der in der Landwirtschaft Beschäftigten deutlich zurück. Seit 1990 sind nur noch eine Schäferei und ein Nebenerwerbslandwirt vorhanden. Dafür entstanden 25 Klein- und Kleinstgewerbebetriebe.

Die Schreibweise des Ortsnamens veränderte sich in 700 Jahren häufig, zum Beispiel von Cigenhain (um 1259) über Zeegenhayn, Zceginhayn, Zegenhayn, Ziegenhann und weiteren zu Ziegenhayn und dem heutigen Ziegenhain. Der Name wird heute fast einmütig als „ein als Ziegenweide umhegtes Stück Wald“ gedeutet.

Sehenswürdigkeiten/ Marienkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekanntestes Baudenkmal ist die imposante ehemalige Wallfahrts- und nach der Reformation Gemeindekirche des Dorfes, die Ziegenhainer Marienkirche.[1] Alte Fachwerkhäuser und vor allem die Reste des jahrhundertealten Edelhofes prägen das Dorfbild.

Hauptartikel: Marienkirche (Ziegenhain)

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die bekanntesten Ziegenhainer sind mehrere Generationen der Botanikerfamilie Dietrich, die über 2 Jahrhunderte als Universitätsangestellte, Begleiter Goethes oder als Kräuterkundige wirkten und sich auch als botanici von Ziegenhain bezeichneten.[2]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ort Ziegenhain ist der Ziegenhainer, ein knotiger Wanderstock aus dem Holz der Kornelkirsche, benannt. Er wurde früher von Studenten der Jenaer Universität auch als Schlagwaffe benutzt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • G. Cosack, R. Jonscher: Von Ammerbach bis Zwätzen. Jena 1998
  • Heide, Klaus: Die Marienkirche in Ziegenhain bei Jena. Jena 2009
  • Volker Schmidt: Unser Ziegenhain; Historien aus einem alten, jungen Dorfe. Ziegenhain 2009

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ziegenhainer MARIENKIRCHE
  2. Biografie der Botanikerfamilie DIETRICH

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ziegenhain (Jena) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien