Winzerla

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Dorf bei Orlamünde siehe Winzerla (Orlamünde).

Koordinaten: 50° 53′ 51″ N, 11° 34′ 35″ O

Winzerla
Stadt Jena
Höhe: 170–200 m ü. NHN
Einwohner: 10.439 (30. Jun. 2014)
Eingemeindung: 1. Oktober 1922
Postleitzahl: 07745
Vorwahl: 03641
Panorama von Winzerla vom Lämmerberg aus gesehen
Panorama von Winzerla vom Lämmerberg aus gesehen
Wohngebiet Winzerla

Winzerla ist ein im Südwesten gelegener Stadtteil der kreisfreien Stadt Jena in Thüringen.

Lage und Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Starkes Nordlicht über Winzerla, Herbst 2003

Winzerla liegt zwischen der südlichen Vorstadt Jenas, mit der Winzerla durch die Ernst-Abbe-Siedlung im Norden, bestehend aus zahlreichen Reihenhäusern, verbunden ist, dem Stadtteil Burgau im Osten und dem Stadtteil Göschwitz im Süden.

Südwestlich, jenseits des alten Ortskernes, erreicht man das von Laubwäldern geprägte und von Kleingartenanlagen dominierte Landschaftsschutzgebiet Trießnitz. Wanderer gelangen von der Trießnitz, vorbei an weiteren Kleingartenanlagen, über einen Anstieg von etwa 270 Metern auf die Hochebene Mönchsberg (ehemals "Rotheberg") (399 m NHN). Ein Wanderweg führt zum höchsten Punkt in Jenas unmittelbarer Umgebung (422 m NHN).

In westlicher Richtung unterliegt das Profil Winzerlas einem ständigen leichten Anstieg: Die 6-stöckigen Wohngebäude werden von Einfamilienhäusern, Garagenanlagen und Kleingärten abgelöst, unter anderem befindet sich hier das Wohngebiet Im Hahnengrund. Westlich der bebauten Zone erreicht man über unbebaute, teilweise landwirtschaftlich genutzte Flächen (unter anderem Weideland) die bewaldete Zone am Abhang der Ammerbacher Platte.

Nordwestlich von Winzerla liegt der kleine Stadtteil Ammerbach am gleichnamigen Gewässer, dessen dörflicher Charakter vollständig bewahrt ist. Durch den Ort führt die schmale L 2308, die weiter nach Bucha führt, für PKWs vor der Fertigstellung des Jagdbergtunnels eine beliebte Ausweichstrecke bei Staus auf der A 4.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche, Ostern 2009

Die erste urkundliche Erwähnung von Winzerla erfolgte 1325. Neben dem Weinanbau – worauf auch der Name des Dorfes zurückgeht – wurde hier auch Hopfen für die Bierbrauer in Jena und später auch in Winzerla selber angebaut. Die älteste Überlieferung von Hofbesitzern stammt aus der Zeit von 1421–1425.[1]

1922 erfolgte trotz Widerstandes die Eingemeindung zu Jena.

Am 11. April 1945 zerstörten amerikanische Jagdbomber eine deutsche Flakstellung nahe Winzerla. Dabei fanden fünf Soldaten den Tod, die auf dem Ortsfriedhof in der Oßmaritzer Straße Einzelgräber erhielten, die jedoch nicht mehr vorhanden sind. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge setzte den Gefallenen jedoch nach der Wende ein Erinnerungsdenkmal.[2]

Das generelle Wachstum Jenas und seiner Industrie hatte auch Auswirkungen auf Winzerla. Nachdem die Carl-Zeiss-Werke in Jena immer mehr Fuß fassten, wurde 1967 der Grundstein für das Heizkraftwerk Jena-Süd gelegt. Der durch das Wachstum des VEB Carl Zeiss Jena bedingte wachsende Bedarf an Wohnfläche führte ab 1970 und als zweiten Bauabschnitt ab 1980 zum Bau von 5500 Neubauwohnungen. So wohnten 2006 circa 11.200 Menschen in diesem ungefähr fünf Quadratkilometer großen Stadtteil.

Neuere Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauliche Veränderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brunnen

Im Winterhalbjahr 2007/08 wurde der Platz unterhalb des Sparkassengebäudes umgestaltet. Die Arbeiten wurden im Mai 2008 abgeschlossen. Am Ende der schon früher vorhandenen circa 300 m langen Wasserrinne in West-Ost-Richtung wurde eine Terrasse mit breiten Treppenanlagen und Bänken, die zum Sitzen einladen, errichtet. Hinter der Terrasse lief das Wasser aus der Rinne über eine kaskadenartige Konstruktion in das Becken des bereits früher vorhandenen Springbrunnens mit einer Flößer-Figur. Der Brunnen wurde vergrößert und fasst circa 74 Kubikmeter Wasser bei einer Tiefe von ungefähr 30 cm.

Nationalsozialistischer Untergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 2011 wurde Winzerla überregional bekannt als der Ort, an dem sich Anfang der 1990er Jahre im Winzerclub (heute „Hugo“) die Neonazis Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe kennenlernten, die später als rechtsextreme Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund des Mordes an neun Migranten und der Polizistin Michéle Kiesewetter beschuldigt wurden.[3] Mundlos und Zschäpe stammten direkt aus Winzerla.

Am 18. Juni 2000 wurde der Neonazi und spätere NPD-Funktionär Ralf Wohlleben mit 111 Stimmen in den Ortschaftsrat von Jena-Winzerla gewählt, wo er bis Ende 2002 die Zuständigkeit für den Bereich Jugend übernahm.[4] Wohlleben wird verdächtigt, die NSU-Terroristen unterstützt zu haben und befindet sich seit Ende 2011 in Untersuchungshaft.[5]

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Winzerla gliedert sich in den alten Dorfkern um die Kirche, ein Wohngebiet in Fertigteil-Bauweise (Plattenbauten, 5-Etagen-Wohnblöcke), errichtet ab 1970, und ein Wohngebiet in Fertigteil-Bauweise mit 6-Etagen-Wohnblöcken, errichtet ab 1980. An dieses schließt sich das Wohngebiet Hahnengrund (Gemarkung Ammerbach) an, das ab 2000 bebaut wurde. Seit Mitte der 1990er Jahre wurden einige Wohnblöcke modernisiert und deren Fassaden farbig gestaltet.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heizkraftwerk Jena-Süd

In Winzerla gibt es zwei Einkaufszentren (WIN-Center, Columbus-Center), zwei Jugendclubs und verschiedene Bildungseinrichtungen (ein Gymnasium, eine Gemeinschaftsschule und zwei Grundschulen). Dazu kommen noch zwei Hotels und zwei Seniorenheime. Im alten Ortskern existieren zudem eine Kirche und ein Friedhof.

Auf der dem Wohngebiet gegenüberliegenden Seite der Bundesstraße 88 befindet sich ein kleines Gewerbegebiet, unter anderem bestehend aus dem Heizkraftwerk Jena-Süd, einem Verwaltungsgebäude der Thüringer Energie, dem Hauptgebäude der Stadtwerke Energie Jena-Pößneck, dem Freizeitbad GalaxSea, einem Sportzentrum und einem Wäschereibetrieb.

Das markanteste Gebäude von Winzerla ist das Heizkraftwerk Jena-Süd mit seinen 225 m und 185 m hohen Schornsteinen, welche seit der Umstellung von Kohle auf Erdgas im Jahre 1996 stillgelegt sind. Das Kraftwerk mit einer Leistung von 199 MWel produziert Elektroenergie, die für das E.ON-Netz Thüringens bereitgestellt wird und versorgt das Stadtgebiet Jena mit Fernwärme und Warmwasser (225 MWth).

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Nahverkehr in Jena

Winzerla wird im ÖPNV durch die Straßenbahnlinien 2 und 3 sowie durch die Buslinien 10, 12 und 18 bedient. Alle Linien verkehren werktags mindestens im 20-Minuten-Takt.

Über die durch Winzerla führende Rudolstädter Straße ist der Ort in circa 2 km Entfernung in Südrichtung mit der A 4 (Auffahrt Jena-Göschwitz) verbunden. Nach Norden verbindet der Straßenzug Rudolstädter Straße/Kahlaische Straße Winzerla mit dem Stadtzentrum von Jena. Die Lobedaer Straße verknüpft den Ort mit der östlich verlaufenden B 88.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mir hat der Ort immer gefallen. Geschichte und Geschichten aus Winzerla. Herausgeber: Eberhard Warncke-Seithe, Stadtteilbüro Winzerla; Bearbeitung der Texte: Reinhard Jonscher. Jena 2005, OCLC 254971911.
  • Reinhard Jonscher: Von Ammerbach bis Zwätzen. Geschichte der Jenaer Vororte. Jena 2012 (Bausteine zur Jenaer Stadtgeschichte; 15). ISBN 978-3-942176-21-7

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Winzerla (Jena) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andrei Zahn: Die Einwohner der Ämter Burgau, Camburg und Dornburg: ein Beteregister aus der Zeit um 1421–1425. (= Schriftenreihe der AMF. 55). Mannheim 1998.
  2. Mathilde Menzel: Ich kenne meinen Vater nur von Fotos. In: Thüringische Landeszeitung. 7. Mai 2013.
  3. Günter Platzdasch: Wo alles begann. In: FAZ.net. 25. November 2011, abgerufen am 16. Dezember 2014.
  4. Jenaer Amtsblatt mit Bekanntgabe der Ergebnisse der Wahl des Ortschaftsrates (PDF; 500 kB)
  5. Pressemitteilung Bundesgerichtshof vom 29. November 2011: Weitere Festnahme im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen Mitglieder und Unterstützer der terroristischen Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)“