Aït-Ben-Haddou

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Aït-Ben-Haddou - im Abendlicht verschmelzen Felsen und Lehmbauten zu einer harmonischen Einheit.

Aït-Ben-Haddou (arabisch ‏آيت بن حدّو‎, auch als Aït Benhaddou transkribiert) ist ein Ksar (befestigtes Dorf) am Fuße des Hohen Atlas im Südosten Marokkos.

Lage[Bearbeiten]

Der Ort liegt mehr als 100 km südöstlich von Marrakesch beziehungsweise etwa 30 km in nordwestlicher Richtung von der Stadt Ouarzazate entfernt an einem Berghang in etwa 1300 m Höhe am Ufer des − meist ausgetrockneten − Asif Mellah.
Am Flussufer wachsen noch Dattelpalmen, die jedoch aufgrund der kühlen Höhenlage keine Früchte mehr hervorbringen, deren faserige Stämme jedoch in früheren Zeiten beim Bau von Decken und Aufgängen (Rampen) in den Tighremts eine wichtige Rolle spielten; aus den Palmwedeln wurden Matten, Körbe, Stricke u. ä. geflochten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stätte war Hauptort der Sippe (Aït) der Ben Haddou. Diese kontrollierten zur Zeit der Almoraviden im 11. Jahrhundert am Asif Mellah den Handel auf der alten Karawanenstraße zwischen Timbuktu und Marrakesch. Der größtenteils aus Stampflehm und − den in Südmarokko eher seltenen luftgetrockneten − Lehmziegeln errichtete Ksar dürfte jedoch jüngeren Datums sein. Die Angaben schwanken je nach Literatur vom 12. bis zum 16. Jahrhundert. Auch über die Anzahl der Bewohner kann keine genaue Angabe getroffen werden, jedoch wird von bis zu 1000 Menschen gesprochen, die in Aït Benhaddou gelebt haben sollen.

Architektur[Bearbeiten]

Das alte Dorf besteht aus mehreren eng aneinander gebauten und teilweise ineinander verschachtelten Wohnburgen (Tighremts). Deren Lehmmauern ruhen auf natürlichem Fels beziehungsweise größeren oder kleineren Findlingen. Die Bauten mit ihren Ecktürmen und Zinnen verleihen dem Ort sein wehrhaftes Aussehen, welches durch die Hanglage noch verstärkt wird. Die meisten Ecktürme waren im oberen Bereich mit geometrischen Motiven dekoriert, wobei die immer wiederkehrenden Rautenmotive als abstrahierte Augen gedeutet werden können und ursprünglich wohl eine apotropäische (Unheil abwehrende) Funktion hatten.
Die ursprünglich völlig fensterlosen Tighremts von Ait Benhaddou sind allesamt um Innenhöfe herum gebaut, durch welche Licht und Luft in die Stallungen und Lagerräume im Erdgeschoss sowie in die Wohn- bzw. Schlafräume in den oberen Geschossen gelangen konnte.
Auffällig ist, dass der alte Ksar von keinem Minarett überragt wird. In den von Berbern bewohnten Dörfern im Süden Marokkos gab es zwar einfache Gebetsräume, doch verzichtete man außerhalb der Städte (Marrakesch, Taroudannt, Tiznit) auf den Bau von Minaretten.
Auf der Bergkuppe oberhalb des Ksar liegt eine − im 17  Jahrhundert zur besseren Kontrolle der Bevölkerung errichtete − Kasbah.

Heutiger Zustand[Bearbeiten]

In der Vergangenheit hielten sich Verfall und Wiederaufbau die Waage, doch die seit Jahren nachlassenden bzw. ganz ausbleibenden Regenfälle mit daraus resultierendem sinkenden Wasserstand, die Abwanderung der Jugend in die Städte, die Witterung und die zusätzliche Belastung durch immer größer werdende Touristenströme stellen den dauerhaften Bestand der Siedlung jedoch in Frage. Der Wandel vom Dorf zum Freilichtmuseum scheint vor diesem Hintergrund unumkehrbar. Wie lange der Ort − angesichts des enormen Erhaltungsaufwands für die Lehmbauten − zumindest teilweise noch bewohnt sein wird, ist unklar. Für den Film Jesus von Nazareth wurde ein Großteil von Aït-Ben-Haddou gegen Ende der 1970er Jahre restauriert.
Nach aktuellen Aussagen (April 2012) eines ortskundigen Führers ist die Verlegung von Strom geplant. Danach wollen einige der Familien, die derzeit im "Neudorf" leben wieder umsiedeln.
Die beiden unten rechts im Bildvordergrund zu sehenden Tore wurden als Filmkulisse (Holz, Styropor, Kunstharz) errichtet, um die Wirkung des in sich geschlossenen Stadtbildes über das eigentliche Maß hinaus zu verstärken.

Bedeutung[Bearbeiten]

Trotz der Touristenströme und der sich immer wieder neu einfindenden Filmschaffenden aus aller Welt ist Ait Benhaddou eine der ganz wenigen noch halbwegs gut erhaltenen Lehmbausiedlungen in Südmarokko. Bekannt wurde Aït-Ben-Haddou durch seine Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO im Jahre 1987 und als Filmkulisse (z. B. Sodom und Gomorrha von Robert Aldrich oder Gladiator von Ridley Scott).

Aït-Ben-Haddou im Südosten Marokkos

Aït-Ben-Haddou als Filmkulisse[Bearbeiten]

Aït-Ben-Haddou diente als Kulisse für über 20 Hollywood-Produktionen, u. a.:

Umgebung[Bearbeiten]

In der weiteren Umgebung von Ait Benhaddou finden sich weitere architektonische Sehenswürdigkeiten (siehe Weblinks).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Herbert Popp: Weltkulturerbe Aït Ben Haddou (Marokko). Lokale Vermarktung eines Standortes von globalem Interesse. In: Geographische Rundschau 52 (6), S. 44-49. 2001
  • M. Weiß: Weltkulturerbe Aït Ben Haddou (Südmarokko) - der internationale Besichtigungstourismus verändert ein abgelegenes Berberdorf. Das Beispiel der lokalen Händler. In: Herbert Popp (Hrsg.): Lokale Akteure im Tourismus der Maghrebländer. (Maghreb-Studien, H. 12), Passau, S. 115-145. 1999
  • Arnold Betten: Marokko. Antike, Berbertraditionen und Islam – Geschichte, Kunst und Kultur im Maghreb. DuMont, Ostfildern 2009, S. 257f ISBN 978-3-7701-3935-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Aït Benhaddou – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

31.046388888889-7.125Koordinaten: 31° 3′ N, 7° 8′ W