Alexander (Film)

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Oliver Stones Monumentalfilm Alexander aus dem Jahr 2004 schildert das Leben und Wirken von Alexander dem Großen. Der makedonische König gehört zu den größten Eroberern aller Zeiten und dehnte sein Reich bis nach Persien, Ägypten und Indien aus. Der Film konzentriert sich auf den Charakter Alexanders und die Historie und verzichtet bewusst auf die Darstellung der mythologischen Elemente, wie beispielsweise den gordischen Knoten, die Massenhochzeit von Susa oder das Orakel von Siwa.

Handlung[Bearbeiten]

Der alte Ptolemaios, der in seiner Jugend an Alexanders Seite gekämpft hat, erzählt dessen Geschichte.

Wir erfahren, dass Alexander in seiner Kindheit von seiner Mutter Olympias für ein gottgleiches, zu Großem bestimmtes Geschöpf gehalten wurde, während ihn sein Vater, der makedonische König Philipp II., zumindest zeitweise als Schwächling sah.

Nach Philipps Ermordung, bei der Olympias anscheinend eine entscheidende Rolle gespielt hat, wird der gerade erst 20-jährige Alexander zum König von Makedonien ernannt und beginnt einen Eroberungsfeldzug. Er dehnt sein Reich bis nach Persien, Ägypten und Indien aus und träumt davon, die Völker zu vereinen. Doch Alexanders Männer teilen seine Faszination für die „Barbarenvölker“ nicht und sehnen sich nach ihrer Heimat Makedonien. Alexanders Ehe mit der Asiatin Roxane, die zunächst kinderlos bleibt, wird nicht toleriert.

Alexander wird immer einsamer und verfällt mehr und mehr dem Wein. Im Streit tötet er Kleitos, einen seiner treuesten Gefährten.

Anschließend fällt Alexander in Indien ein. Nachdem er selbst in einer Schlacht schwer verwundet wurde, kehrt er mit seinem Heer nach Persien zurück und verbringt seine letzten Tage in Babylon. Als sein bester Freund Hephaistion, mit dem ihn eine homoerotische Beziehung verbunden hat, an einer vermuteten Vergiftung stirbt, hält Alexander seine Frau Roxane für die Mörderin und will sie töten, bis er erfährt, dass sie schwanger ist. Doch Alexander erlebt die Geburt seines Sohnes nicht mehr mit, denn er stirbt zuvor an Fieber.

Wissenswertes[Bearbeiten]

Als Grundlage für das Drehbuch diente die renommierte Alexander-Biografie von Professor Robin Lane Fox von der Oxford University aus dem Jahr 1973. Fox diente während der Dreharbeiten außerdem als historischer Berater, wenngleich Stone abweichend davon sich einige historische Freiheiten nahm. Gedreht wurde bei Marrakesch in Marokko, in London und in Thailand.

Die Weltpremiere fand am 16. November 2004 in Hollywood statt. In die deutschen Kinos kam er am 23. Dezember 2004.

Das Werk thematisiert die vermutete Homosexualität Alexanders des Großen intensiv. Dies führte zu Protesten aus Griechenland, weil dort befürchtet wurde, der Ruf des griechischen Nationalhelden könnte beschädigt werden. Angedrohte Klagen könnten der Grund sein, warum der Film auf die Darstellung eindeutiger homosexueller Handlungen verzichtet.

Aus wirtschaftlicher Sicht war der Film ein Flop. Produktions- und Marketingkosten von etwa 195 Millionen US-Dollar stand ein weltweites Einspielergebnis in Höhe von lediglich 167 Millionen US-Dollar entgegen.

Neben der Kinofassung (175 Minuten NTSC-DVD/168 Minuten PAL-DVD) existiert in einigen asiatischen und englischsprachigen Ländern ein Director’s Cut (167 Minuten NTSC- und PAL-DVD) sowie ein so genannter Final Cut (214 Minuten NTSC-DVD) von Alexander auf DVD und Blu-ray Disc.

Der Director’s Cut ist insgesamt acht Minuten kürzer (bezogen auf die NTSC-Laufzeit) als die Kinofassung. Stone hatte insgesamt 17 Minuten der ursprünglichen Fassung herausgeschnitten und neun Minuten neue Szenen eingefügt, um dem Film etwas mehr Tempo zu verleihen und ihn so massentauglicher zu machen.

Der Final Cut wurde nach dem Wortlaut von Oliver Stone von ihm erstellt, weil er selber feststellen musste, dass keine bisher veröffentlichte Fassung abgeschlossen und in sich stimmig sei. Der Final Cut sei mit nun ungefähr 3½ Stunden Laufzeit seine klarste Interpretation des unglaublichen Lebens von Alexander. Stone hatte für den Final Cut erneut Szenen eingefügt und die Handlungsstruktur gegenüber dem Director’s Cut nochmals umgestellt und abgeändert. Auch gibt es in dieser Fassung eine heutzutage selten gewordene Intermission, die den Film in zwei Hälften aufteilt.

In der Original-Fassung versuchte Oliver Stone, die unterschiedlichen Kulturen durch unterschiedliche Dialekte darzustellen. So spricht beispielsweise Alexander mit irischem Akzent, seine Mutter aber mit russischem Akzent.

Der Film war 2004 für sechs Goldene Himbeeren nominiert, darunter in den Kategorien schlechtester Film, schlechtester Hauptdarsteller (Colin Farrell), schlechteste Hauptdarstellerin (Angelina Jolie) und schlechtester Regisseur (Oliver Stone). Er erhielt keine einzige dieser „Auszeichnungen“ und ging daher „leer“ aus.

Die einzige bekanntere Verfilmung des Alexander-Stoffes vor Oliver Stones Alexander ist der Monumentalfilm Alexander der Große von Robert Rossen aus dem Jahr 1956.

Kritiken[Bearbeiten]

Positiv[Bearbeiten]

„Es gibt Zeiten, in denen mich die Menschheit echt nervt, besonders meine Landsleute und ganz besonders die Kritiker. Dass Oliver Stone von diesen Leuten kollektiv in den Dreck gezogen wird, stößt mich ab – nein – macht mich sogar wütend! […] Alexander ist ein beeindruckendes Spektakel voller Visionen, Ideen und großartiger Schauspielkunst.“

Harry Knowles: Ain't it Cool News[3]

„Selbst wenn der Film die Welt nicht erobert, so ist Stones Alexander doch die Schlacht wert. Wie JFK und Geboren am 4. Juli verbindet er Geschichte und Politik zu einer wilden, erinnerungswürdigen und atemberaubenden Reise.“

Michael Wilmington: Chicago Tribune[4]

„Der Film schlittert mehrmals nah am Kitsch entlang (ungnädige Zuschauer würden den Film als zu hysterisch betrachten), aber Stones Mut zum Wagnis hat seinen ganz eigenen Reiz.“

Rene Rodriguez: Miami Herald[5]

Negativ[Bearbeiten]

„Ein kindisches Drehbuch, konfuser Verlauf und erschreckend schlechte Schauspieler machen diesen Oliver-Stone-Film zu einer großen Enttäuschung.“

Manohla Dargis: The New York Times[6]

„Diesen Film zu schauen, ist wie im Unterricht eines Geschichtslehrers zu sitzen, der nicht einmal gut erzählen kann.“

John Venable: supercala.com[7]

„Was immer monumental ist, Oliver Stones angebliches Herzensprojekt über den größten Schlachtenlenker der Weltgeschichte hat es nicht. „Alexander“ bleibt trotz einer respektablen Leistung Colin Farrells ohne Brennpunkt und entwirft über drei Stunden die bedauernswerte Geschichte des Scheiterns eines Riesenprojektes.“

Flemming Schock: Filmspiegel[8]

Faktentreue[Bearbeiten]

Das berühmte Mosaik der Schlacht bei Issos diente den Filmdesignern als Vorlage für das Aussehen und das Kostüm von Alexander (Mosaik, Pompeji, ca. 150–100 v. Chr., nach einem um 320 entstandenen Gemälde)

Wie häufig in den Filmen des Genres Monumentalfilm hält diese Produktion einige historische Fakten zurück und stellt bloße Vermutungen auf. Deutlich hervorzuheben ist aber gerade in diesem Film der erkennbare Versuch, die Antike lebendig werden zu lassen. Die Macher bemühten sich, griechische Kleidung und Ausstattung jener Zeit historisch richtig wiederzugeben und auch auf Verfälschungen der Geschichte möglichst zu verzichten. Obwohl dies keineswegs immer gelingt und der Film trotz der Mitwirkung von Robin Lane Fox bei den meisten Althistorikern Enttäuschung weckte, grenzte sich Alexander insgesamt klar ab von früheren amerikanischen Sandalenfilmen.

Einige Beispiele für Fehler bzw. Änderungen:

  • Aus Gründen der filmischen Dramaturgie wurden Ereignisse an einen anderen Ort verlegt beziehungsweise an einen anderen Zeitpunkt. So wurde Alexander der Große nicht in der Schlacht am Hydaspes durch einen Pfeil schwer verwundet, sondern bei der Belagerung von Multan, als er sich angeblich alleine dem gesamten feindlichen Heer stellte, bis ihm seine Truppen zu Hilfe eilten. Im Anschluss dieser Verletzung fasst Alexander im Film selbst den Beschluss zur Umkehr, nach der antiken Überlieferung kam es hingegen nach der Schlacht am Hydaspes zu einer Meuterei, weshalb er zur Umkehr gezwungen war. Anders als sein historisches Vorbild ist Stones Alexander daher weitgehend frei von Hybris und Größenwahn.
  • Besonders für Kindheit und Privatleben Alexanders stützt sich das Drehbuch offensichtlich nicht auf den allgemein recht zuverlässigen Geschichtsschreiber Arrian, sondern auf die von Legenden und Anekdoten durchsetzte Alexanderbiographie des Philosophen Plutarch. So findet sich im Film vieles, was zwar in einer antiken Quelle so oder ähnlich berichtet wird, was aber von den meisten Wissenschaftlern längst als Fiktion enttarnt worden ist. Alles in allem entspricht der Film eher dem Forschungsstand der 1960er Jahre als dem seiner Entstehungszeit.
  • Der Name Roxana stammt aus dem Altpersischen Rauḫšna (gesprochen Ara-uchschna, ‏روشنک‎ Roschanak) und bedeutet „Morgenröte“ oder „die Strahlende“. Die Rolle wurde von einer Afroamerikanerin gespielt, obwohl sie als Perserin eine hellere Hautfarbe hatte.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung (PDF; 71 kB) der FSK
  2. Freigabe der Jugendmedienkommission
  3. http://www.aintitcool.com/node/18886
  4. http://movies.zap2it.com/movies/movies/reviews/text/0,1259,---23703,00.html
  5. http://ae.miami.com/entertainment/ui/miami/movie.html?id=187183&reviewId=16744
  6. http://movies2.nytimes.com/2004/11/24/movies/24alex.html
  7. http://www.supercalafragalistic.com/alexanderreview.htm
  8. http://www.filmspiegel.de/filme/filme.php?id=2280

Weblinks[Bearbeiten]