Ammendorf/Beesen

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Wappen von Halle
Ammendorf/Beesen
Stadtteil von Halle
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Koordinaten 51° 25′ 37″ N, 11° 58′ 57″ O51.42694444444411.9825Koordinaten: 51° 25′ 37″ N, 11° 58′ 57″ O.
Einwohner 7015 (31. Dez. 2010)
Eingemeindung 1. Jul. 1950
Vorwahl 0345
Verkehrsanbindung
Bundesstraße B91

Ammendorf/Beesen ist ein Stadtteil im Süden der Stadt Halle (Saale). Er besteht aus den ehemals selbstständigen Dörfern Ammendorf und Beesen.

Ammendorf[Bearbeiten]

Ammendorf erstreckt sich über die östlichen Bereiche des Stadtteils und war früher ein eigenständiger Ort mit ca. 21.000 Einwohnern und einer Fläche von ca 1935 ha. Das Ortszentrum markiert die Dorfkirche St. Katharinen, die auf einem Hügel oberhalb des nördlichen Randes der Saale-Elster-Aue steht.

Geschichte[Bearbeiten]

Revolutionäre Kämpfe im Frühjahr 1921 in Deutschland, Gesprengter Eisenbahnkörper in Ammendorf bei Halle (24. April 1921)
Die Schafbrücke über die Elster bei Ammendorf vor der Mündung in die Saale

Die ersten Nachweise einer Besiedlung des Gebietes stammen aus der Jungsteinzeit. Die erste urkundliche Erwähnung 1214 im Urkundenbuch der Stadt Halle. Ein gleichnamiges Adelsgeschlecht „von Ammendorf“ entstammte dem Ort.

Ammendorf hatte eine große Bedeutung bei der Industrialisierung der Stadt Halle. Frühzeitig begann die Nutzung der Braunkohle, welche in Ammendorf abgebaut wurde. Es entstand u.a. 1858 die erste Brikett-Fabrik (System Ing. Carl Exter) der Welt. Später erfolgten Industrieansiedlungen der Chemischen Industrie und des Maschinenbaus. Am bekanntesten war der Waggonbau Ammendorf (LOWA), gegründet als Waggonfabrik Gottfried Lindner AG.

Ammendorf war eine eigenständige Stadt, Stadtrecht seit 15. Dezember 1937, bis zur Eingemeindung am 1. Juli 1950.

In Ammendorf stand auch eine der größten Giftgas-Fabriken Deutschlands, die Orgacid GmbH. Bis 1945 wurde hier ca. 26.000 t des Kampfstoffes S-Lost (Senfgas) hergestellt, kam aber im Zweiten Weltkrieg nicht mehr zum Einsatz. Unter dem ehemaligen Ammendorfer Firmengelände an der heutigen Camillo-Irmscher-Straße liegen acht weitverzweigte grüngeflieste Zisternen, die auf Grund fehlender Baupläne nur schwer zu entgiften waren und nach der Wende hermetisch versiegelt wurden. Dennoch gelangten noch 1990 30 Tonnen Giftstoffe durch das Grundwasser an die Oberfläche.

In Ammendorf war von 1933 an ein sehr beliebtes und stets gut besuchtes Sommerfreibad (Entwidmung als öffentliche Einrichtung: 2010, Abriss: 2013) in Betrieb, welches bis zur Schließung aus Kostengründen nach Ende der Sommersaison 2003 Freizeit, - und Erholungsraum für den Süden Halles bot.[1]

Verkehr[Bearbeiten]

Durch Ammendorf führt die Bundesstraße 91, östlich des Ortes befindet sich der Bahnhof Halle-Ammendorf an der Thüringer Bahn. Am Bahnhof befindet sich außerdem die Straßenbahnendhaltestelle Ammendorf.

Beesen[Bearbeiten]

Beesen ist deutlich kleiner als Ammendorf und erstreckt sich über den westlichen Bereich des Stadtteils. Im Gutshof von Beesen, wurde 1594 eine Brauerei errichtet. Das Braumalz lieferte die Böllberger Mühle. Das Bier hieß Broihan und wurde in der Ammendorfer Broihanschenke verkauft. Heute hat Beesen keine größere Bedeutung, es ist hauptsächlich für das Spaßbad Maya Mare bekannt. In Beesen befindet sich die Endhaltestelle Beesen der Straßenbahn. Sehenswert ist die aus dem 12. Jahrhundert stammende St. Elisabeth Kirche.

Söhne und Töchter[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Engel: Ammendorf. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, 2. Auflage 2001.
  • Peter Findeisen und Dirk Höhne: Die Dorfkirchen in Halle (Denkmalorte – Denkmalwerte Bd. 3). Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt - Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle 2006, ISBN 3-939414-00-X. Zur St. Katharinenkirche in Ammendorf S. 22-31, zur St. Elisabethkirche in Beesen S. 32-45.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ammendorf/Beesen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Halles Sommerbad verschwindet, Mitteldeutsche Zeitung online vom 7. Juli 2013, abgerufen am 6. November 2013