Anime-Convention

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Anime-Conventions sind weltweit stattfindende Treffen von Anime- und Manga-Fans.

Programm[Bearbeiten]

Cosplayer-Treffen auf der Leipziger Buchmesse 2011

Auf größeren dieser oft mehrtägigen Veranstaltungen mit teilweise tausenden von Besuchern haben sich bestimmte Angebote etabliert. Dazu gehören oft Räumlichkeiten für Aussteller (Händler, Clubs, Verlage etc.), Vorführungen von Anime in dafür eingerichteten Videoräumen, Wettbewerbe für Cosplay und Zeichnungen (meist im Verbund mit einer Ausstellung), Workshops zu unterschiedlichen Themen wie Manga-Zeichnen, Go usw. und Signierstunden von Ehrengästen aus dem In- und Ausland. Im Zentrum dieser Veranstaltungen befindet sich meist eine zentrale Bühne, auf der neben Cosplay auch andere Vorführungen geboten werden. Je nach Convention können auch noch weitere Besonderheiten hinzukommen.[1]

Die Stimmung auf Anime-Conventions ist vergleichbar mit großen Familienfesten, bei denen es einem Großteil des Publikums darauf ankommt, sich mit Gleichgesinnten zu treffen. Seit einigen Jahren verabreden sich Fans zunehmend schon vorher über das Internet in einschlägigen Foren und bekunden ihren Zusammenhalt beispielsweise durch eine einheitliche Kleidung (Cosplay) zu einem bestimmten Thema.[1]

Geschichtliche Entwicklung[Bearbeiten]

Moderne Anime-Conventions haben ihre Wurzeln in US-amerikanischen Science-Fiction-Conventions. Ab Ende der 1970er-Jahre fanden auf solchen Veranstaltungen in eigenen Bereichen Vorführungen von in den USA damals populären Anime-Fernsehserien wie etwa Star Blazers statt, zu denen sich auch bald aus Japan importierte Anime-Originalfassungen gesellten. Als erste eigenständige größere Anime-Veranstaltung überhaupt gilt die erste YamatoCon, die am 13. August 1983 in Dallas stattfand. Diese ersten Versuche hatten jedoch nicht lange Bestand, u. a. aufgrund der häufig wechselnden Organisatoren. Als erste längerfristig erfolgreiche westliche Anime-Convention etablierte sich ab 1990 die heute noch existierende Project A-Kon in Dallas.[2]

Entscheidend trug dazu bei, dass damals Anime wie etwa Akira auch außerhalb Japans einem größeren Publikum bekannt wurden. In der Folge entstanden ab Anfang der 1990er-Jahre in den Vereinigten Staaten immer mehr Veranstaltungen wie Anime Expo, Animethon, Otakon und JACON, die teilweise auch heute noch stattfinden und bis zu mehrere zehntausend Besucher anziehen.

In Europa und Australien folgte eine vergleichbare Entwicklung ab Mitte der 1990er-Jahre, was zeitlich recht gut mit der steigenden Verfügbarkeit von Anime und Manga in den jeweiligen Ländern übereinstimmt.[1]

Durch die zunehmende Verbreitung dieser Medien gründeten sich auch viele kleinere Veranstaltungen in Bereichen, die nicht von den großen und etablierten Veranstaltungen abgedeckt werden. Aber auch die Marktwirtschaft hat diese Veranstaltungen für sich entdeckt, und so werden neue Produkte häufig in einem solchen Rahmen präsentiert.

Die im internationalen Vergleich verhältnismäßig geringen Besucherzahlen deutschsprachiger Veranstaltungen werden unter anderen darauf zurückgeführt, dass Comics in Deutschland nicht die gleiche Akzeptanz besitzen wie in anderen Ländern. So fehlt in Deutschland bis heute eine konkrete Kategorisierung für Comics, die als „für Kinder“, „für Sammler“ und „für Zwischendurch“ umschrieben wird. In diesem Zusammenhang wird auch die schlechte Kooperation zwischen den Verlegern literarischer Werke und anderen Medien wie Internet und Fernsehen kritisiert.[3]

Anime-Conventions im deutschsprachigen Raum[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Etwa seit Mitte der 1990er-Jahre gibt es in Deutschland regionale private Anime- und Manga-Treffen. Die erste regionale Anime-Convention in Deutschland war der iHAT in Hamburg, der zum ersten Mal im Juni 1998 stattfand. Die erste deutschlandweite Anime-Convention war das vom „Sailor Moon Online Fanclub“ (SMOF) organisierte Neo Moon Projekt vom 19. bis 20. September 1998 in Zorneding bei München, und die erste heute noch jährlich stattfindende Anime-Convention war der Anime Marathon des Anime no Tomodachi, der vom 26. bis 28. März 1999 in Königs Wusterhausen stattfand.

Die größten deutschsprachigen Conventions sind die erstmals im Sommer 1999 von der AnimaniA veranstaltete AnimagiC, die seit 2002 vom Animexx e.V. organisierte Connichi, sowie die 2009 erstmals durchgeführte DoKomi mit jeweils über 10.000 Besuchern.

Weitere Anime-Conventions in Deutschland:

Zu den mittlerweile eingestellten Anime-Conventions gehören u. a. die von 2001 bis 2006 von der ehemaligen Zeitschrift MangasZene an wechselnden Orten organisierte Bonenkai und die von 2003 bis 2006 in Ludwigshafen stattfindende Conneko[4], die jeweils wegen finanzieller Probleme aufgeben mussten, sowie die in Dresden von 1999 bis 2008 durchgeführte Shumatsu.

Österreich[Bearbeiten]

Schweiz[Bearbeiten]

Anime-Conventions international[Bearbeiten]

Die größte europäische Anime-Convention ist die französische Japan Expo in Paris mit 208.000 Besuchern[5], vor dem spanischen Salón del Manga in Barcelona mit 63.000 Besuchern.

Die größten Anime-Conventions in den USA sind die Anime Expo in Südkalifornien mit knapp 41.000 Besuchern und die Otakon in Baltimore/Maryland mit 22.000 Besuchern.

In Japan selbst gibt es keine Anime-Conventions im „westlichen“ Sinne. Die einzige vergleichbare Veranstaltung, der zweimal jährlich in Tokio veranstaltete Comic Market mit 550.000 Besuchern bei der 73. Veranstaltung, ist eine Verkaufsausstellung selbst gezeichneter Manga (Doujinshi) ohne Showprogramm.[6]

Liste der Manga- und Anime-Conventions[Bearbeiten]

Name Ort Jahre Besucher1 Besonderheiten
AniMaCo Deutschland, Berlin 2004–… 00.7000[7] Wechselt sich jährlich mit der Mega Manga Convention ab.
Anime Marathon Deutschland 1999–… Die vom Verein Anime no Tomodachi organisierte Veranstaltung wechselt jährlich ihren Standort und gehört in Deutschland zu den Ältesten ihrer Art.
Animuc Deutschland, Fürstenfeldbruck 2009–… 00.3000[8]
BiMaCo Deutschland, Bitterfeld-Wolfen 2011–… 000.400[9]
ChisaiiCon Deutschland, Hamburg 2009–…
Connichi Deutschland, Kassel 2002–… 024.000[10]
Contopia Deutschland, Dortmund 2012–… 00.2000[11]
CosDay² Deutschland, Frankfurt am Main 2011–… 00.3000 Anfangs monatliches Treffen unter dem Namen CosDay das seit 2004 veranstaltet wurde.
D-Con Schottland, Dundee 2009–2011 00.3000[12]
DeDeCo Deutschland, Dresden 2012–… 00.1500[13]
DoJaKu Deutschland, Dortmund 2010–… 000.600[14] Die Convention findet monatlich statt.
DoKomi Deutschland, Düsseldorf 2008–… 010.000[15]
Hanami Deutschland, Ludwigshafen am Rhein 2006–… 00.5200
JapAniManga Night Schweiz, Winterthur 2002–… 00.1750
Manga-Comic-Convention Deutschland, Leipzig 2014–… 031.000[16] Fand seit 2001 als Comicbereich der Leipziger Buchmesse statt, seit 2014 als separate Veranstaltung der Buchmesse.
Mega Manga Convention Deutschland, Berlin 2002–… 00.4500 Wechselt sich seit 2004 jährlich mit der AniMaCo ab.
NiCon Deutschland, Hannover 2005–… 000.800
NipponCon Deutschland, Bremen 2010–…
TiCon Deutschland, Würzburg 2008–… 00.1200[17]
Wie.MAI.KAI Deutschland, Wiesbaden 2007–… 00.1000[18]
1 Teils Veranstalterangaben

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b c  Sebastian Keller: Der Manga und seine Szene in Deutschland von den Anfängen in den 1980er Jahren bis zur Gegenwart: Manga – mehr als nur große Augen. GRIN Verlag, Mai 2008, ISBN 978-3-638-94029-0, S. 97–102.
  2. Dave Merrill: Anime conventions and their Yamato roots, Februar 2009
  3.  Sebastian Keller: Der Manga und seine Szene in Deutschland von den Anfängen in den 1980er Jahren bis zur Gegenwart: Manga – mehr als nur große Augen. GRIN Verlag, Mai 2008, ISBN 978-3-638-94029-0, S. 15.
  4. http://mac.animate.at/showthread.php?t=29742&page=4
  5. http://www.nintendomaine.com/site-redac-reportage-2012_japan_expo.html
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatWhat is the Comic Market. Comic Market Preparations Committee, Februar 2008, abgerufen am 22. Oktober 2009 (PDF; 2,3 MB, englisch).
  7. Stellungnahme Besucherfeedback 2012. AniMaCo e.V., 20. Januar 2014, abgerufen am 6. März 2014.
  8. Pia Harlass: Falsche Brüste kann man lernen. 17. April 2013, abgerufen am 9. März 2014.
  9. Faszination Manga und Anime. In: WochenSpiegel. 2. September 2013, abgerufen am 19. März 2014.
  10. Was ist die Connichi. In: Connichi Webseite. Connichi-Team / Animexx e.V., abgerufen am 19. März 2014.
  11. Darum kamen 2000 verrückt Verkleidete nach Dortmund. In: Ruhr Nachrichten. Lensing Medien GmbH & Co. KG, 30. Juni 2013, abgerufen am 7. März 2014.
  12. Japanese animation fans converge in Dundee. In: The Press and Journal. 3. August 2010, abgerufen am 21. März 2014.
  13. Lebendige Manga-Figuren in Dresden – Cosplay-Convention „DeDeCo“. In: DDN-Online. 23. Februar 2014, abgerufen am 6. März 2014.
  14. So schrill ist Dortmunds größter Anime- und Manga-Treff. In: Ruhr Nachrichten. 25. November 2013, abgerufen am 12. März 2014.
  15. Mehr als 10 000 Besucher bei der Comicmesse "Dokomi". In: Rheinische Post. 21. Mai 2013, abgerufen am 9. März 2014.
  16. Die Leipziger Buchmesse und das Lesefest „Leipzig liest“ begeistern 237.000 Besucher. Leipziger Messe GmbH, 16. März 2014, abgerufen am 19. März 2014.
  17. 1200 Manga-Fans aus ganz Deutschland in Würzburg. In: Main-Post. 21. November 2011, abgerufen am 8. März 2014.
  18. Anime-Manga-Szene trifft sich im Kasteler Bürgerhaus. In: Wiesbadener Kurier. 13. Juni 2012, abgerufen am 8. März 2014.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Anime-Convention – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien