Annaburg

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Annaburg
Annaburg
Deutschlandkarte, Position der Stadt Annaburg hervorgehoben
51.73277777777813.04555555555675Koordinaten: 51° 44′ N, 13° 3′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Landkreis: Wittenberg
Höhe: 75 m ü. NHN
Fläche: 224,19 km²
Einwohner: 7224 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 32 Einwohner je km²
Postleitzahl: 06925
Vorwahlen: 035385, 035386
Kfz-Kennzeichen: WB, GHC, JE
Gemeindeschlüssel: 15 0 91 010
Adresse der Verbandsverwaltung: Torgauer Straße 52
06925 Annaburg
Webpräsenz: www.annaburg.de
Bürgermeister: Erich Schmidt (SPD)
Lage der Stadt Annaburg im Landkreis Wittenberg
Brandenburg Sachsen Dessau Landkreis Anhalt-Bitterfeld Annaburg Bad Schmiedeberg Coswig (Anhalt) Gräfenhainichen Jessen (Elster) Kemberg Oranienbaum-Wörlitz Lutherstadt Wittenberg Zahna-Elster Zahna-ElsterKarte
Über dieses Bild

Annaburg ist eine Stadt im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt (Deutschland), gelegen an der Annaburger Heide.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Annaburg liegt ca. 35 km südöstlich von Lutherstadt Wittenberg.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Das Stadtgebiet umfasst die Stadt Annaburg sowie 10 Ortschaften mit 14 Ortsteilen:[2]

Gehmen
Kolonie
Meuselko
Hohndorf

Geschichte[Bearbeiten]

Prinzessin Anna von Dänemark und Norwegen, spätere Kurfürstin von Sachsen

Im 13. Jahrhundert errichteten die Askanier das Jagdschloss Lochau an der heutigen Stelle von Annaburg. Das Schloss brannte allerdings 1422 wieder ab. Albrecht III. befand sich zum Zeitpunkt des Brandes im Jagdschloss und konnte sich zunächst retten, verstarb aber wenig später an den Folgen der beim Brand erlittenen Verletzungen. Er starb als letzter askanischer Herzog. Urkundlich wurde das damalige Lochau erstmals am 4. April 1339 genannt. Rudolf I., Herzog von Sachsen-Wittenberg schenkt der Pfarrkirche in Prettin unter anderem den Ort Lochaw .

Ab etwa 1500 baute Kurfürst Friedrich der Weise die Anlage zu einer der ersten Villen nördlich der Alpen aus. Kennzeichen war ein großer, mit einem Wall umschlossener Garten mit mehreren aufwändig gestalteten Lusthäusern direkt angrenzend an das Schloss. An den Garten schloss sich ein weitläufiger Tierpark an. In dieses Refugium zog sich Friedrich oft aus seiner städtischen Hauptresidenz im benachbarten Torgau zurück, und dort verstarb er am 5. Mai 1525.

Der Mathematiker und Gefährte Luthers Michael Stifel erwartete als Pfarrer von Lochau 1533 den von ihm vorhergesagten Weltuntergang. Der Humanist Georg Spalatin hielt sich oft auf der Lochau auf.

1573 wurde der Neubau des noch bestehenden Schlosses (und damit auch die Stadt) nach der sächsischen Kurfürstin Anna von Dänemark und Norwegen (1532–1585) („Mutter Anna“) in Annaburg umbenannt und war bis zur endgültigen Auflösung 1821 Sitz des Amtes Annaburg. 1550 lebten im Städtchen Lochau 40 besessene Mann, darunter acht Anspänner, ein Lehnrichter, neun Gärtner und 22 Vorstädter.

Der Ortsteil Hohndorf war 1582–1583 von Hexenverfolgung betroffen. Zwei Frauen gerieten in Hexenprozesse. Die alte Richterin erlitt 1583 den Feuertod.[3] In Annaburg wurden der Schuster Georg Müller und seine Frau 1630 in einem Hexenprozess angeklagt. Die Ehefrau Anna wurde mit ewigem Landesverweis bestraft, der Mann mit Landesverweis für fünf Jahre.[4]

Die erste sächsische Hofapotheke befand sich ebenfalls in Annaburg. Im Juli 1754 wurde der Malificant, Malefiztäter (Gauner, Verbrecher) Johann Christian Noack hingerichtet und zur Abschreckung in Annaburg aufs Rad geflochten - eine der letzten Hinrichtungen dieser Art. Seit 1762 war das Schloss Annaburg Sitz eines Militärknabeninstituts, in dem über 500 Zöglinge vom 11. bis zum 15. Lebensjahr von Militärpersonen evangelischen Bekenntnisses unentgeltlich erzogen wurden. In einer neuerrichteten Kaserne war eine Unteroffiziervorschule untergebracht.

Seit 1780 betrieb der Amtsaktuar Christian August Seidel in Annaburg eine Maulbeerbaumplantage. Nach dem Wiener Kongress wurde Annaburg im Jahr 1815 preußisch. Nachdem Annaburg im 17. Jahrhundert das Stadtrecht verloren hatte, wurde dem Ort dieses Recht 1939 wieder verliehen. Im Zweiten Weltkrieg wurde in Annaburg das Stammlager für die indischen Kriegsgefangenen in Deutschland eingerichtet, aus denen sich später die Indische Legion der Wehrmacht rekrutierte.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Purzien wurde am 16. Februar 2003 eingemeindet.[5] Premsendorf kam am 3. August 2003 hinzu.[5] Löben gehört seit dem 1. Januar 2004 zu Annaburg.[6] Am 1. Januar 2011 wurden alle Städte und Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Annaburg-Prettin zur Stadt Annaburg vereinigt. Dadurch vergrößerte sich die Stadtfläche von 120,61 km² auf 224,61 km², die Einwohnerzahl stieg von 3.533 auf 7.611.

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Annaburgs Stadtrat besteht seit dem 1. Januar 2011 aus 20 Mandatsträgern in vier Fraktionen. In der größten Fraktion mit acht Mitgliedern haben sich Mandatsträger der Interessengemeinschaft Feuerwehr (IGF), der Freien Wähler Lebien (FWL), des Bürgervereins Plossig (BVP) und von Landwirtschaft Umwelt Natur (LUN) zusammengeschlossen. Sieben Mitglieder hat die Fraktion der Freien Wähler Annaburg (FWG) und der Linken. Die dritte Fraktion besteht aus Mitgliedern der CDU und der SPD und hat drei Mandatsträger. Zwei Vertreter hat die Fraktion der Freien Wähler Prettin (FWP).

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 7. Dezember 1993 durch das Regierungspräsidium Dessau genehmigt und im Landeshauptarchiv Magdeburg unter der Wappenrollennummer 59/1993 registriert.

Blasonierung: „In Silber auf grünem Rasen ein natürlicher Rosenstrauch mit fünf roten (3:2) gestellten Rosen.“

Annaburg hat seit dem Jahre 1678 ein eigenes Stadtwappen. Das Wappen mit seinen roten Rosen erinnert an das alte Lochauer Wurzelwort gloln = Heckenrose. Das Rosenwappen ist verhältnismäßig jung und stammt aus einer Zeit, in der Lochau schon Annaburg hieß. Es ist anzunehmen, dass die Rose gewählt wurde, da es um den Ort reichlich Heckenrosen gegeben hat. Es wird davon ausgegangen, dass die fünf Rosen sich auf die fünf Stadtteile beziehen. Als Annaburg nach dem Dreißigjährigen Krieg sein Stadtrecht verlor, führte es das Wappen weiter.

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge der Stadt Annaburg ist Grün - Weiß gestreift mit dem mittig aufgelegten Stadtwappen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kurz nach der Maueröffnung im Jahre 1989 entstand eine Städtefreundschaft zwischen Annaburg und der Gemeinde Verl in Nordrhein-Westfalen. Zu Beginn gab es Kontakte zwischen dem damaligen Hegeringsvorsitzenden von Annaburg und seinem Pendant in Verl, in deren Folge sich weitere Kontakte anderer Einrichtungen und der Verwaltungen beider Kommunen anschlossen, die schließlich zu dem Beschluss führten, eine offizielle Städtefreundschaft miteinander einzugehen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Eingang zum Vorderschloss

→ Siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Annaburg

  • Schloss Annaburg. Das ehemalige Jagdschloss Lochau (später Annaburg) mit weitläufigen Garten- und Parkanlagen wurde von Kurfürst August I. von Sachsen und seiner Gemahlin Prinzessin Anna von Dänemark und Norwegen zwischen 1572 und 1575 erbaut. Es war sowohl Ausflugsziel für die beim Kurfürsten sehr beliebte Jagd in der Lochauer Heide als auch Residenz der Kurfürstin Anna, die hier vielen Tätigkeiten nachging. Zu ihren Ehren wurde die Stadt 1573 in Annaburg umbenannt. Zwischen 1762 und 1921 wurde das Schloss als Militärknaben-Erziehungsinstitut genutzt.
  • Amtshaus. Das ehemalige Amtshaus von Annaburg wurde 1578 erbaut und beherbergt heute das stadtgeschichtliche Museum.
  • Unteroffiziersvorschule. Zwischen 1881 und 1921 genutzt, wird das Gebäude heute als Pflegeheim betrieben.
  • Evangelische Kirche am Markt
  • Marktbrunnen „Pfarrer Stifel“ aus Bronze und Sandstein von Vinzenz Wanitschke, aufgestellt 1997

Museen[Bearbeiten]

  • Stadtgeschichtliches Museum. Im ehemaligen Amtshaus am Markt wird über die Geschichte der Stadt Annaburg informiert.
  • Das Museum im Hinterschloss informiert über die Entwicklung des Schlosses:
    • die Bau- und Nutzungsgeschichte mit den für Annaburg wichtigen Personen Friedrich III. (der Weise), Kurfürst August I. von Sachsen, Kurfürstin Anna Auguste von Dänemark (Gemahlin von August I.),
    • die Nutzung als Militär-Knaben-Erziehungs-Institut ab 1762 bis 1921,
    • die kurfürstliche Jagd in der Lochauer/Annaburger Heide.
    • Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Bedeutung der Fladerdecke, eine der ersten „Tapeten“ Europas, die 1987 vom Verein für Heimatgeschichte und Denkmalpflege e. V. freigelegt wurde.
  • Porzellanmuseum. Es gibt Einblicke in die Geschichte der Annaburger Porzellanproduktion, die 1874 begann und bis heute existiert.

Parks[Bearbeiten]

Tiergarten

Der Thiergarten in unmittelbarer Nähe des Schlosses mit jahrhundertealten Eichen, Ahornen und anderen Bäumen, der als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist, wurde ab 1498 von Friedrich dem Weisen, Kurfürst von Sachsen, angelegt. Dort wurden Hirsche und Rehe und im 18. Jahrhundert auch Auerochsen und Rentiere gehalten. Heute ist dort ein Naturlehrpfad und ein Teehäuschen zu finden.

Landschaften[Bearbeiten]

Die Annaburger Heide erstreckt sich vom Norden, Osten bis in den Süden um die Stadt herum und reicht bis über die Landesgrenzen zu Brandenburg und Sachsen hinaus. Sie wird zu einem Großteil als Bundeswehrtruppenübungsplatz sowie für forstwirtschaftliche Zwecke genutzt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof Annaburg liegt an der Eisenbahnlinie Roßlau–Lutherstadt Wittenberg–Falkenberg (Elster) und wird von Regionalbahnen der DB Regio fahrplanmäßig angefahren. Von 1902 bis 1996 verband die Prettin-Annaburger Kleinbahn Annaburg mit Prettin an der Elbe.

Annaburg ist mit der Bundesstraße 187 in Jessen (Elster) über die Landesstraßen L 113 und L 116 verbunden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Rudolf Trautmann (1908–1944), NS-Funktionär und von 1943 bis 1944 Mitglied des Reichstags

Personen, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

  • Friedrich III. (Sachsen), (* 17. Januar 1463 auf Schloss Hartenfels zu Torgau; † 5. Mai 1525 in Lochau), auch Friedrich der Weise, Kurfürst von Sachsen, residierte in Lochau ab etwa 1500 und verstarb hier 1525
  • August I. (Sachsen), (* 31. Juli 1526 in Freiberg; † 11. Februar 1586 in Dresden), auch Vater August, Kurfürst von Sachsen, ließ das Schloss Friedrich des Weisen 1571 abreißen und 1572 - 1575 neu erbauen
  • Anna von Dänemark und Norwegen (1532–1585) (* 22. November 1532 in Hadersleben; † 1. Oktober 1585 in Dresden), genannt Mutter Anna, Kurfürstin von Sachsen und Gemahlin August I. von Sachsen, Namensgeberin der Stadt Annaburg, residierte im neu gebauten Schloss Lochau (später Annaburg), betrieb ein Destillierhaus, beschäftigte sich mit der Herstellung von Medizin, Obst- und Kräuteranbau, Aquavitherstellung und Kochkunst. Schloss Annaburg beherbergte die erste sächsische Hofapotheke.
  • Michael Stifel, (* um 1487 in Esslingen am Neckar; † 19. April 1567 in Jena), Theologe, Mathematiker und Reformator, war Weggefährte Martin Luthers und als Pfarrer in Lochau (heute Annaburg) tätig
  • Justus Christian Thorschmidt, (* 23. Februar 1688 in Somsdorf bei Dresden; † 10. Juli 1750 in Annaburg), Pfarrer und Historiker

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Annaburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Bevölkerung der Gemeinden – Stand: 31.12.2012 (PDF) (Fortschreibung auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hauptsatzung der Stadt Annaburg
  3. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 637.
  4. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 457.
  5. a b StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  6. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004