Appenzell (Ort)

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Appenzell
Wappen von Appenzell
Staat: Schweiz
Kanton: Appenzell Innerrhoden (AI)
Bezirk: (Mit Gemeinde identisch)
Gemeinde: Appenzell
Schwende
Rütei2
Postleitzahl: 9050
Koordinaten: 748891 / 24408747.3308289.408615780Koordinaten: 47° 19′ 51″ N, 9° 24′ 31″ O; CH1903: 748891 / 244087
Höhe: 780 m ü. M.
Einwohner: 5751 (31. Dezember 2006)
Website: www.appenzell.org
Luftansicht von Appenzell

Luftansicht von Appenzell

Karte
Appenzell (Ort) (Schweiz)
Appenzell (Ort)
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Das Dorf Appenzell ist der Hauptort des Kantons Appenzell Innerrhoden in der Schweiz. Die Bezirke (politische Gemeinden) Appenzell, Schwende und Rüte teilen sich das Dorf, wobei der grösste Teil des Dorfes dem Bezirk Appenzell gehört. Der Ort liegt auf 780 m ü. M. am Fusse des Alpsteinmassivs.

Regionalpolitischer Sonderstatus[Bearbeiten]

Da sich verschiedene Bezirke das Dorf aufteilen, wurde schon im 16. Jahrhundert für gemeindeübergreifende Aufgaben (wie Baupolizei, Feuerwehr oder Wasser- und Energieversorgung) eigens eine Spezialgemeinde gegründet, die Feuerschaugemeinde, welche das Dorf Appenzell mit seinen Aussenquartieren umfasst.

Namensgebung[Bearbeiten]

Im lokalen Dialekt heißt der Ort [appə'tsœll] mit Betonung auf der letzten Silbe.[1]

1071 wurde das Dorf unter dem Namen Abbacella erwähnt. 1223 als Abbatiscella, was Abts Zelle (Parzelle des Abts) bedeutet.

Tourismus[Bearbeiten]

Appenzell ist das touristische Zentrum des Appenzellerlandes und Ausgangspunkt für Wanderungen ins Alpsteingebiet von Norden her, daher ist es ein beliebter Touristenort. In dem sehenswerten Dorf kann man sich auch mit appenzell-typischen Souvenirs (Alpaufzug-Motive) eindecken.

Verkehr[Bearbeiten]

Appenzell ist verkehrstechnisch gut erschlossen (Eisenbahnen und Hauptstrassen von Gossau SG, Altstätten sowie St. Gallen), Zugverbindungen bestehen nach Gossau (Zürich), nach St. Gallen und nach Wasserauen. Postautokurse gibt es nach HaslenTeufen und nach Eggerstanden.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Ortsbild Appenzells ist geprägt durch die Bauten aus der Zeit nach dem Brand von 1560. Teils bunt bemalte Holzhäuser mit geschweiften bzw. gebrochenen Giebeln verleihen ihm seinen besonderen Charakter, der am ursprünglichsten von den Häuserreihen in der Hauptgasse vermittelt wird. Typisch für den einheimischen Stil sind unter anderem die Häuser «Kreuz» und «Raben» an der Hauptgasse sowie die geschlossene Häusergruppe beim Gasthaus Falken an der Gaiserstrasse. Der Landsgemeindeplatz mit der Gerichtslinde ist von hohen und niedrigen Bauten unregelmässig begrenzt.

Kirchliche Bauten[Bearbeiten]

Ladengeschäfte in Appenzell
Einzelhöfe bei Appenzell

Die katholische Pfarrkirche St. Mauritius steht an erhöhter Stelle über dem linken Ufer des Flusses Sitter. Der Westturm, der Polygonalchor und die Krypta wurden um 1513, zum Teil nach 1560 erbaut. Das Langhaus von Enoch Breitenmoser stammt aus dem Jahr 1823. Das Innere beherbergt ein breites klassizistisches Schiff mit Doppelemporen. Der Hochaltar aus dem Jahr 1622 ist ein Werk von Bartholomäus Cades, die neobarocken Deckenbilder wurden von Franz Vettiger 1891 geschaffen. Der spätgotische Chor zeigt Wand- und Gewölbemalereien aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert, so auch eine Dorfansicht um 1620 von Moritz Girtanner[2].

Die reformierte Kirche wurde in den Jahren 1908–1909 von La Roche und Stähelin erbaut.

An der Hauptgasse steht die im spätgotischen Stil im Jahre 1561 erbaute Heiligkreuzkapelle; ein Ersatzbau für die 1560 bei einem Dorfbrand zerstörte Kapelle. Die Heiligkreuzkapelle wurde geweiht zu Ehren des Heiligen Kreuzes und der Vierzehn Nothelfer. Das Eingangsportal aus dem Jahr 1787 ist aus Sandstein. Die Kreuzwegstationen von 1787 stammen von J. A. Füxli. Restaurierungen der Kapelle erfolgten 1892 und 1964/65. Die barocken Holzbänke stammen ursprünglich aus der Kapelle St. Magdalena, Steinegg, und wurde 1949 montiert. 1964 wurde der Glasgemäldezyklus von Ferdinand Gehr mit den fünf Geheimnissen des Schmerzhaften Rosenkranzes gefertigt[3].

Am westlichen Dorfeingang steht das 1586 bis 1587 gegründete Kapuzinerkloster Mariä Lichtmess. Die Klosterkirche wurde 1688 neu gebaut, das Kloster erhielt 1925 einen Neubau von Hans Burkard. Das Kircheninnere beherbergt frühbarocke Altäre. Am Hochaltar ist eine Kreuzabnahme von Giulio C. Procaccini aus dem Jahr 1605 zu sehen, am Seitenaltar rechts eine Madonna mit Heiligen aus den Jahren 1610–1620 und am Seitenaltar links Mariä Lichtmess, 1935 von Johann Hugentobler geschaffen[4]. Das Kloster wurde per Ende August 2011 geschlossen; das Gebäude geht an den Kanton Appenzell über.[5]

Südlich der Hauptgasse steht das Kapuzinerinnenkloster Maria der Engel. Die Kirche wurde 1621/22 im Spätrenaissancestil durch die Misoxer Meister Giovanni Altern und Andrea Toscano erbaut. Das Innere der Kirche enthält eine kassettierte Tonne. Die Klostergebäude errichteten 1679–1682 Jost Mosbrugger und Christian Zünd nach einem Modell des Paters Marquard Imfeld[6]. Das Kloster wurde im April 2008 geschlossen; die Gebäude wurden einer Stiftung übergeben.[7][8]

Im westlichen Ortsteil Rinkenbach steht die 1661 erbaute Kapelle St. Anton mit einem frühbarocken Hochaltar aus dem Jahr 1666 und einer 1673 geschaffenen Kanzel im Knorpelstil. Die Seitenaltäre sind aus dem 18. Jahrhundert.

Nördlich des Ortes, auf der Steig in Mettlen, steht die Kapelle St. Karl, erbaut 1620.

In der Fraktion Sonnenhalb, südlich von Appenzell, steht die Kapelle Maria in Sonnenhalb. Diese entstand 1796 und wurde 1861 neu gebaut. Der Altar ist in ländlich verspätetem Barock mit gotischer Pietà um 1400 im «weichen» Stil.

Zwischen der Sitter und dem Bleichwäldibach liegt die Lourdeskapelle.

Weltliche Bauten[Bearbeiten]

Bahnhof von Appenzell

Das Rathaus ist ein spätgotischer Bau aus den Jahren 1561–1563 von Hans Bilchenfelder. Die Fassadenfresken zeigen Darstellungen aus der Appenzeller Geschichte, geschaffen 1928 von August Schmid. In den Ratssälen sind Wandgemälde von Caspar Hagenbach d.J. aus dem Jahr 1567[9].

Die Landeskanzlei wurde 1914 von Adolf Gaudy, der neue Flügel 1954 von Hans Burkard erbaut[10].

Neben dem Kapuzinerinnenkloster steht das 1563–1570 erbaute sogenannte «Schloss», ein der Anlage nach spätgotisches, im Detail der Renaissance verpflichtetes Patrizierhaus[11].

Ebenfalls im Kern spätgotisch, aber mit klassizistischem Ausbau, ist das Haus Ebneter-Kölbener, in dem sich heute die Raiffeisenbank befindet. Im Erdgeschoss, der Schalterhalle der Bank, sind um 1580 geschaffene Wandmalereien (8 Tugenden) von Caspar Hagenbuch d.J. zu sehen[12].

In Mettlen führt eine gedeckte Holzbrücke über die Sitter. Diese wurde wohl um 1766 von einem Mitglied der Baumeisterfamilie Grubenmann gebaut[13].

Nördlich von Appenzell befindet sich der Burghügel mit der Ruine Clanx. Die Burg wurde 1219 unter Abt Ulrich VI. von St. Gallen erbaut. Ihre Zerstörung durch die aufständischen Bauern löste 1401 die Appenzeller Freiheitskriege aus. Die Ausgrabung der 1402 zerstörten Burg erfolgte 1949[14].

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rainald Fischer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Appenzell Innerrhoden. Das Innere Land. Das Dorf Appenzell. Birkhäuser AG, Basel 1984, ISBN 3-7643-1629-2. (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz, Band 74.) S. 129–390, 490.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Appenzell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. S. Sonderegger: Die Orts- und Flurnamen des Landes Appenzell, Bd. I: 300, Frauenfeld 1958
  2. Fischer, 1984, 140–224.
  3. Fischer, 1984, 284–286.
  4. Fischer, 1984, 227–235.
  5. Kath.ch
  6. Fischer, 1984, 251–284.
  7. Kapuzinerinnen haben Kloster Appenzell verlassen. orden-online.de. Abgerufen am 6. Mai 2012.
  8. Leitbild und Konzept – Stiftung Kloster Maria der Engel Appenzell. maria-der-engel-appenzell.ch. Abgerufen am 6. Mai 2012.
  9. Fischer, 1984, 287–314.
  10. Fischer, 1984, 315.
  11. Fischer, 1984, 344–349.
  12. Fischer, 1984, 331.
  13. Fischer, 1984, 375,376.
  14. Fischer, 1984, 480-483.