Rosenkranz

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Gebetskette und dem Rosenkranzgebet. Weitere Bedeutungen siehe Rosenkranz (Begriffsklärung).
Rosenkranz
Rosenkranzring

Ein Rosenkranz ist eine Zähl- oder Gebetskette, die für das Rosenkranzgebet verwendet wird. Es kann aber auch die Bezeichnung für das Rosenkranzgebet selbst sein. In seiner häufigsten Form wird eine regelmäßige Abfolge von drei Gebeten – das Vaterunser, das Ave Maria und die Doxologie Ehre sei dem Vater – sogenannte Gesätze, mit der Betrachtung des Lebens und Sterbens Jesu verbunden.[1] Der Rosenkranz kann heute als das am weitesten verbreitete katholische Volksgebet angesehen werden.[2]

Begriffsherkunft[Bearbeiten]

Das Wort Rosenkranz stammt vom lat. rosarium, das mit ‚Rosengarten‘ übersetzt wird. Rosengewächse symbolisieren in der christlichen Ikonographie Maria, die Mutter Jesu. Das Motiv der Madonna im Rosenhag als Beispiel für einen Hortus conclusus steht für die Jungfräulichkeit Mariens. Auch ein Kranz aus Rosen auf dem Kopf ist ein Symbol der Jungfräulichkeit. In der Lauretanischen Litanei wird Maria als Rosa mystica (geheimnisvolle Rose) angerufen.

Der kirchenlateinische Begriff rosarium wurde später auf die Gebetskette übertragen und erscheint unter seiner deutschen Bezeichnung Rosenkranz erstmals im 15. Jahrhundert, wobei der genaue Zusammenhang bis heute nicht eindeutig geklärt werden konnte. Es wird angenommen, dass die Kette ursprünglich aus Rosenblüten bestand, die auf einer Schnur aneinandergereiht waren.[3] Der Rosenkranz als Devotionalie geht auf Gebetsketten aus dem Orient zurück. Da der Marienkult bereits früh in den byzantinischen Ostkirchen praktiziert wurde, hat der Rosenkranz seinen christlichen Ursprung im orthodoxen Christentum.

Theologischer Gehalt[Bearbeiten]

Als „marianische Leben-Jesu-Meditation“ verbindet der Rosenkranz Marienverehrung und Christusfrömmigkeit, die den irdischen Jesus in seiner Entäußerung in seinem Leiden betrachtet. Der thematische Bogen der christologischen Meditationspunkte reicht von der Verkündigung an Maria über Geburt, Wirken und Passion Jesu bis zu seiner Auferstehung und der Geistsendung an Pfingsten.[4]

Struktur und Gebetsweise[Bearbeiten]

Gebetsweise des katholischen Rosenkranzes:
(1) Kreuzzeichen,
Glaubensbekenntnis
(2) Vater Unser
(3) drei Ave Maria
(4) Ehre sei dem Vater
(5) fünf Gesätze mit je einem Vaterunser, zehn Ave Maria und einem Ehre sei dem Vater

Der Rosenkranz hat 59 Perlen. Die Eröffnung des Rosenkranzgebetes wird an einer am Kranz befestigten Kette mit einem Kreuz und drei kleinen Perlen gebetet, die von zwei großen Perlen gerahmt sind. Darauf folgen auf dem Kranz fünfmal zehn kleinere Kugeln (für die Ave Maria) und eine davon abgesetzte große (für das Vaterunser und Ehre sei dem Vater). Ein Vaterunser, zehn „Ave Maria“ und ein „Ehre sei dem Vater“ bilden ein Gesätz.

Fingerrosenkranz[Bearbeiten]

Fingerrosenkranz

Eine verkleinerte Form sind der sogenannte Fingerrosenkranz oder Rosenkranzring oder das Rosenkranzarmband. Der Ring besteht aus einem Ring mit zehn Erhebungen beziehungsweise zehn kleinen Perlen und einem Kreuz. Diese auch Soldatenrosenkranz genannte Form entstand im Mittelalter im Zuge der Kreuzzüge. An einem solchen Rosenkranz wird ein Gesätz abgezählt; fünfmal gebetet ergibt er einen großen Rosenkranz. Es gibt auch Versionen, bei denen die Anzahl der Perlen auf nur fünf verkürzt ist. Dabei wird an jeder Perle ein Ave Maria gebetet, wobei jeweils ein anderes Geheimnis angefügt wird.

Gebetsweise[Bearbeiten]

Siehe auch: Anleitung zum RosenkranzgebetAnleitung zum lateinischen Rosenkranzgebet

Gebetet wird der Rosenkranz wie folgt:

  • Kreuzzeichen, Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. (Mt 28,19 EU)
  • Apostolisches Glaubensbekenntnis, dabei wird das Kreuz in der Hand gehalten,
  • Ehre sei dem Vater und Vaterunser an der ersten großen Perle,
  • drei Ave Maria mit eingefügten Bitten um christliche Tugenden an den folgenden drei kleinen Perlen,
    1. Jesus, der in uns den Glauben vermehre,
    2. Jesus, der in uns die Hoffnung stärke,
    3. Jesus, der in uns die Liebe entzünde.
  • Ehre sei dem Vater und anschließend
  • Fünfzig Ave Maria, in Zehnergruppen (Gesätze) gegliedert. In jeder Zehnergruppe wird jeweils nach dem Wort „Jesus“ ein sogenanntes „Geheimnis“ eingefügt, ein Glaubenssatz, der dem Neuen Testament entstammt und das Leben Jesu und seiner Mutter Maria betrifft.

Jedes Gesätz wird eingeleitet mit dem Vater unser (an der großen Perle) und abgeschlossen mit dem Ehre sei dem Vater (vor der nächsten großen Perle). Manchmal wird nach dem Ehre sei dem Vater noch das Fatima-Gebet eingefügt, das jedoch nicht Bestandteil des Rosenkranzes ist.

Im Kompendium des Katechismus der katholischen Kirche ist ein eigenes Schlussgebet formuliert:

Bitte für uns, heilige Gottesmutter, dass wir würdig werden der Verheißungen Christi.
Lasset uns beten. Gott, dein eingeborener Sohn hat uns durch sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung die Schätze des ewigen Heiles erworben. Wir verehren diese Geheimnisse im heiligen Rosenkranz der seligen Jungfrau Maria. Lass uns nachahmen, was sie enthalten, und erlangen, was sie verheißen. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn.
Amen.

In Gemeinschaft kann das Rosenkranzgebet eingebettet sein in eine Rosenkranzandacht in einer Kirche oder Kapelle. Dabei wird das Gebet des ganzen Rosenkranzes oder einzelner Gesätze von passenden Liedern, marianischen Gebeten und meditativen Impulsen umrahmt. Den Abschluss des Rosenkranzes bildet oft eine marianische Antiphon.

Rosenkranzgeheimnisse[Bearbeiten]

Derzeit gibt es – in Fünfergruppen aufgeteilt – zwanzig Geheimnisse, die beim Rosenkranzgebet von der Kirche betrachtet werden. Den traditionellen fünfzehn hat Papst Johannes Paul II. im Oktober 2002 anlässlich des 24. Jahrestages seiner Wahl zum Papst mit dem Apostolischen Schreiben Rosarium Virginis Mariæ[5] eine vierte Fünfergruppe von Rosenkranzgeheimnissen, die „lichtreichen Geheimnisse“, hinzugefügt.[6]

Freudenreiche Geheimnisse (gaudii mysteria)[Bearbeiten]

Die freudenreichen Geheimnisse betrachten die Inkarnation und das verborgene Leben Christi:

deutsch lateinisch
Jesus, den du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast. (Lk 1,35 EU) Quem, Virgo, concepisti.
Jesus, den du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast. (Lk 1,39–56 EU) Quem visitando Elisabeth portasti.
Jesus, den du, o Jungfrau, in Betlehem geboren hast. (Lk 2,1–20 EU) Quem, Virgo, genuisti.
Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast. (Lk 2,22–24 EU) Quem in templo praesentasti.
Jesus, den du, o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast. (Lk 2,41–52 EU) Quem in templo invenisti.

Lichtreiche Geheimnisse (lucis mysteria)[Bearbeiten]

Die lichtreichen Geheimnisse betrachten einige besonders bedeutende Momente des öffentlichen Lebens und Wirkens Jesu. So seine Taufe im Jordan durch Johannes, sein Wunder bei der Hochzeit zu Kana, seine Verkündigung des Reiches Gottes, seine Verklärung auf dem Berg Tabor und die Einsetzung der Eucharistie beim letzten Abendmahl in Jerusalem.[7]


deutsch lateinisch
Jesus, der von Johannes getauft worden ist. (Lk 3,21–22 EU) Qui apud Iordanem baptizatus est.
Jesus, der sich bei der Hochzeit in Kana offenbart hat. (Joh 2,1–12 EU) Qui ipsum revelavit apud Canense matrimonium.
Jesus, der uns das Reich Gottes verkündet hat. (Mk 1,14 EU) Qui Regnum Dei annuntiavit.
Jesus, der auf dem Berg verklärt worden ist. (Lk 9,28–36 EU) Qui transfiguratus est.
Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat. (Mk 14,17–25 EU) Qui Eucharistiam instituit.

Schmerzhafte Geheimnisse (doloris mysteria)[Bearbeiten]

Die schmerzhaften Geheimnisse betrachten die Passion Christi:

deutsch lateinisch
Jesus, der für uns Blut geschwitzt hat. (Lk 22,44 EU) Qui pro nobis sanguinem sudavit.
Jesus, der für uns gegeißelt worden ist. (Joh 19,1 EU) Qui pro nobis flagellatus est.
Jesus, der für uns mit Dornen gekrönt worden ist. (Joh 19,2 EU) Qui pro nobis spinis coronatus est.
Jesus, der für uns das schwere Kreuz getragen hat. (Joh 19,17 EU) Qui pro nobis crucem baiulavit.
Jesus, der für uns gekreuzigt worden ist. (Joh 19,18 EU) Qui pro nobis crucifixus est.

Glorreiche Geheimnisse (gloriae mysteria)[Bearbeiten]

Die glorreichen Geheimnisse betrachten die Auferstehung Christi:

deutsch lateinisch
Jesus, der von den Toten auferstanden ist. (Lk 24,6 EU) Qui resurrexit a mortuis.
Jesus, der in den Himmel aufgefahren ist. (Apg 1,9–11 EU) Qui in caelum ascendit.
Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat. (Apg 2,1–13 EU) Qui Spiritum Sanctum misit.
Jesus, der dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat. (1 Kor 15,22–23 EU) Qui te, Virgo, assumpsit.
Jesus, der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat. (Offb 12,1 EU) Qui te, Virgo, in caelis coronavit.

Eigene Formulierungen[Bearbeiten]

Außerdem ist es möglich, eigene Rosenkranzgeheimnisse zu formulieren. Ein Beispiel dafür bietet das katholische Gebet- und Gesangbuch Gotteslob (Nr. 33, Abschnitt 6) mit den trostreichen Geheimnissen:

deutsch lateinisch
Jesus, der als König herrscht. (Offb 19,6 EU) Jesus, qui rex regnat.
Jesus, der in seiner Kirche lebt und wirkt (herrscht). (Eph 1,22–23 EU) Jesus, qui in ecclesia sua vivit et regnat.
Jesus, der wiederkommen wird in Herrlichkeit. (2 Petr 3,8–13 EU) Jesus, qui iterum venturus est in gloria.
Jesus, der richten wird die Lebenden und die Toten. (Röm 2,1–11 EU) Jesus, qui iudicabit vivos et mortuos.
Jesus, der alles vollenden wird. (1 Kor 15,35–58 EU) Jesus, qui omnia perficiet.

Wochenschema[Bearbeiten]

In der katholischen Kirche ist es üblich, die Geheimnisse des Rosenkranzes in wöchentlichem Rhythmus nach dem folgenden Schema zu beten:[8]


Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag
glorreiche Geheimnisse freudenreiche Geheimnisse schmerzhafte Geheimnisse glorreiche Geheimnisse lichtreiche Geheimnisse schmerzhafte Geheimnisse freudenreiche Geheimnisse


Bevor die „lichtreichen Geheimnisse“ eingeführt wurden, wurden abweichend von der Darstellung oben donnerstags die „freudenreichen“ und samstags die „glorreichen Geheimnisse“ betrachtet.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Das katholische Rosenkranzgebet entwickelte sich aus frühmittelalterlichen Gebeten, bei denen zunächst das Vater unser („Paternosterschnur“) und ab dem 11. Jahrhundert zunehmend das Ave Maria einhundertfünfzigmal in Zehnergruppen gegliedert wiederholt und mit Glaubensgeheimnissen und biblischen Texten über das Leben und Heilswerk Jesu Christi verbunden wurde.

Die älteste schriftliche Erwähnung einer Schnur mit aufgezogenen Steinen als Zählkette für wiederholt gesprochene Gebete in der Lateinischen Kirche schreibt diese Gebetsschnur der angelsächsischen Adligen Lady Godiva († um 1085) zu:

“The circlet of precious stones which she had threaded on a cord in order that by fingering them one after another she might count her prayers exactly were to be placed on a statute of the Blessed Virgin Mary.”

– William of Malmesbury: Gesta Pontificum Anglorum, 1125, Rolls Series 311.[9]

Im 11. Jahrhundert schuf Petrus Damiani (um 1006–1072) die Form des „Ave Maria“, wobei der Engelsgruß aus dem Lukasevangelium im Wortlaut verwendet wurde:

„Ave Maria, gratia plena. Dominus tecum. Benedicta tu in mulieribus.“

Lk 1,28 EU

Im 12. Jahrhundert kam der Brauch auf, dass in Klöstern die Konversen, die meist nicht lesen bzw. kein Latein konnten, statt der lateinischen Psalmen des Stundengebets andere Gebete verrichteten. Neben dem Vaterunser tritt auch das Ave Maria als Ersatzgebet für die Psalmen auf, letzteres insbesondere bei den Zisterziensern und Kartäusern. Für eine Reihe von 150 „Ave Maria“ kam in Anlehnung an die 150 Psalmen der Bibel der Name Marienpsalter auf.[10]

Das „Alte Passional“, eine mittelhochdeutsche Legendensammlung ohne Angabe des Verfassers, vergleicht das „Ave Maria“ mit einer himmlischen Rose. Hierin gründet wohl die Bezeichnung „Rosenkranz“ für die Zählkette und eine Ave-Maria-Gebetsreihe. Eine der Legenden erzählt von einem Marienverehrer, der eine Marienstatue mit einem geflochtenen Kranz aus Rosen zu schmücken pflegte. In einer Erscheinung soll er eines Tages die Botschaft bekommen haben, dass sich Maria über einen anderen Rosenkranz mehr freue, nämlich über 50 gebetete „Ave Maria“. Diese würden in ihren Händen zu Rosen, aus denen sie den schönsten Kranz flechten könne.

Der Zisterzienserabt Stephan von Sallay († 1252) formulierte eine Vorform der 15 Rosenkranzgeheimnisse.

Durch den Kartäusermönch Heinrich von Kalkar (1328–1408) kam die Gewohnheit auf, fünfmal zehn „Ave Maria“ zu beten und jeden Zehnerblock mit einem „Vaterunser“ zu beginnen und einem „Ehre sei dem Vater“ zu beenden.

Noch im späten Mittelalter gab es den Beruf des Paternosterers, der aus Knochen und anderen Materialien Perlen für Rosenkränze fertigte.

Rosenkränze aus dieser Zeit trugen oft statt eines Kreuzes eine farbige Quaste.

Renaissance[Bearbeiten]

Hölzerner Rosenkranz, gefunden auf der Mary Rose (England, 16.Jh.)

Die heute gebräuchliche Form des Rosenkranzes entstand im Advent 1409. Der Trierer Kartäuser Dominikus von Preußen († 1460) fasste die Ereignisse des Lebens Jesu in 50 Schlusssätzen (clausulae) zusammen, die sich an den (damals allein üblichen) ersten Teil des Ave Maria anschlossen. Adolf von Essen, ebenfalls aus dieser Kartause, verkürzte die „clausulae“ auf 15.

Weit verbreitet ist die von Alanus de Rupe um 1468 zuerst verbreitete Legende, dass der heilige Dominikus, Gründer des Dominikanerordens, die heutige Form des Rosenkranzes 1208 bei einer Marienerscheinung empfangen und sie in seinem Orden eingeführt haben soll. Die Legende erzählt, dass Maria den Rosenkranz Dominikus als Waffe im Kampf gegen die Albigenser geschenkt habe.

In seiner Bulle „Ea quae“ vom 9. Mai 1479 empfiehlt Papst Sixtus IV. das tägliche Beten des Rosenkranzes.

1508 wurde dem „Ave Maria“ der Schluss-Satz „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns …“ hinzugefügt.

In seinem Breve „Consueverunt“ vom 17. September 1569 legte Papst Pius V. den Text des „Ave Maria“ endgültig fest und regelte die Form des Rosenkranzgebets offiziell.

19. Jahrhundert (Papst Leo XIII.)[Bearbeiten]

Paul Cézanne: Alte Frau mit Rosenkranz, 1895/96

Leo XIII. war ein großer Verehrer des Rosenkranzgebetes, dem er zahlreiche Enzykliken und apostolische Schreiben widmete:

20. und 21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Nach Leo XIII. erschienen noch folgende päpstliche Schriften zum Rosenkranz:

Rosenkranzfest und Rosenkranzmonat[Bearbeiten]

Hauptartikel: Rosenkranzfest

Am 7. Oktober 1571 besiegte die katholische Seestreitmacht unter Juan de Austria, dem Stiefbruder des spanischen Königs, die türkische Mittelmeerflotte im Golf von Lepanto in der Seeschlacht von Lepanto vernichtend. Der Sieg wurde dem „Gebetssturm“ zugerechnet, bei dem in ganz Europa im Vorfeld der Seeschlacht das Rosenkranzgebet gebetet wurde. In der Folge stiftete Papst Gregor XIII. 1573 das Rosenkranzfest als Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Sieg und fügte es in den liturgischen Kalender ein. Nach dem Sieg über die Türken bei Peterwardein am 5. August 1716 erhob Papst Klemens XI. das Fest zu einem Fest der ganzen Kirche, das am ersten Sonntag im Oktober gefeiert wurde. Papst Pius X. führte diesen Gedenktag mit dem Gedenktag der allerseligsten Jungfrau Maria vom Rosenkranz (Beatae Mariae Virginis a Rosario) zusammen und legte ihn auf den 7. Oktober fest. Das Fest wird seit 1960 als Fest unserer Lieben Frau vom Rosenkranz begangen.[11]

1884 führte Papst Leo XIII. den Oktober als Rosenkranzmonat. Papst Johannes XXIII. empfahl 1959 den Rosenkranzmonat Oktober als Vorbereitung auf das Zweite Vatikanische Konzil. Papst Paul VI. widmete 1969 dem Oktober als Rosenkranzmonat ein apostolisches Schreiben.

Andere Formen des Rosenkranzes[Bearbeiten]

Neben der gebräuchlichen Form des Rosenkranzes gibt es in der katholischen Kirche noch verschiedene andere Rosenkranzformen, die sich in der Anzahl der Perlen und der Anordnung der Gebete unterscheiden. Auch in der evangelisch-lutherischen Kirche gibt es Ansätze, den Rosenkranz zum Gebet zu verwenden.

Barmherzigkeitsrosenkranz[Bearbeiten]

Der Barmherzigkeitsrosenkranz wird ebenfalls auf die traditionellen Rosenkranzperlen gebetet, enthält jedoch nicht das Ave Maria, sondern konzentriert sich auf die göttliche Barmherzigkeit in Jesus Christus. Er basiert auf Visionen der polnischen Ordensschwester Faustyna Kowalska (1905–1938). Die Gebete des Barmherzigkeitsrosenkranzes haben einen engen Zusammenhang mit der Eucharistie.

Rosenkranz Unserer Lieben Frau von den Tränen[Bearbeiten]

Der Rosenkranz Unserer Lieben Frau von den Tränen besteht aus 49 kleinen Perlen, er wird jeweils durch sieben größere Perlen für die sieben Gesätze unterteilt. Zusätzlich sind an einer kleinen Kettenverlängerung drei kleine Perlen und die Medaille „Unserer Lieben Frau von den Tränen“ angebracht. In der Gebetsfolge wird kein Glaubensbekenntnis, kein Vater Unser und auch nicht das Ave Maria gebetet, sie werden durch andere Gebete ersetzt.

Kleiner Rosenkranz zum Jesuskind[Bearbeiten]

Der kleine Rosenkranz zum Jesuskind besteht aus 15 Perlen, aufgeteilt in eine Dreier- und eine Zwölfergruppe. Jesus selbst soll 1636 der Unbeschuhten Karmelitin „Margarete vom Allerheiligsten Sakrament“, einer ehrwürdigen Dienerin Gottes, diesen „kleinen Rosenkranz“ offenbart haben mit der Aufforderung, ihn unter den Gläubigen bekannt zu machen.

Der Christus-Rosenkranz[Bearbeiten]

Der Christus-Rosenkranz entstand in den 1960er Jahren durch das Bemühen der Mitglieder der Evangelischen Michaelsbruderschaft, Rudolf Ehrat, Herben Golzen und Walter Stökl, ein eng an das katholische Rosenkranzgebet angelehntes Gebet zu schaffen, das im Gegensatz zum traditionellen Rosenkranzgebet das Ave Maria nicht enthält und somit auch von evangelischen Christen gebetet und ökumenisch verwendet werden kann. Stattdessen wird dabei das aus der Kreuzwegandacht stammende Gebet „Wir beten dich an, Herr Jesus Christus und preisen dich, denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst“ wiederholt gebetet.

Verwandte Gebetsformen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Gebetskette

Auch in anderen christlichen Konfessionen und nicht-christlichen Religionen gibt es Gebete, die an Zählketten verrichtet werden. Dabei wird gelegentlich die Bezeichnung Rosenkranz auch unabhängig vom Ursprung des Begriffs in der Marienverehrung verwendet. In der orthodoxen Kirche hat der Rosenkranz als Zählkette für das Jesusgebet eine lange Tradition. Die Anglican Prayer Beads kombinieren Elemente des katholischen und orthodoxen Rosenkranzes.

Auch im Islam, im Buddhismus, im Hinduismus und anderen nicht-christlichen Religionen gibt es Gebetsketten, mit denen meditative Gebete verrichtet werden. Im Islam ist das der Tasbih, im Buddhismus und Hinduismus die Mala.

Die orthodoxe Gebetsschnur[Bearbeiten]

Komboskini

Die Gebetsschnur, russisch Tschotki und griechisch Komboskini genannt, besteht in seiner ursprünglichen Form nicht aus Perlen, sondern aus einer Schnur, in die Knoten geknüpft werden, an der das Jesusgebet verrichtet wird. Die geschlossene Schnur steht als Zeichen für das nie endende Gebet („Betet ohne Unterlass“). Sie wird in der orthodoxen Tradition beim Jesusgebet verwendet, weniger, um die Gebete zu zählen, sondern als Hilfe zur Konzentration und für einen gleichmäßigen Rhythmus. In der orthodoxen Kirche erhalten Mönche und Nonnen die Gebetsschnur zur Profess.

Nach russischem Brauch können Gebetszeiten des Stundengebets oder der Besuch der Liturgie durch die Rezitation einer bestimmten Anzahl von Jesusgebeten ersetzt werden. Auf diese Weise kann das Stundengebet auch gehalten werden, wenn die entsprechenden Bücher nicht zur Hand sind. Die Gebetsschnur hilft in solchen Fällen, die Gebete zu zählen.

Die (alt-)orthodoxe Lestowka[Bearbeiten]

Eine russische Lestowka

Vor allem bei den sog. Altorthodoxen ist die Lestowka, eine Art Rosenkranz aus Leder oder sonstigem Material in Gebrauch. Diese Gebetshilfe ist an den beiden Enden meist verbreitert, womit ein besondere Symbolik zum Ausdruck gebracht werden soll.

Der anglikanische Rosenkranz[Bearbeiten]

Anglican Prayer Beads

Die anglikanische Gebetsschnur (Anglican Prayer Beads) ist eine verhältnismäßig neue Gebetsform, die Elemente des katholischen und orthodoxen Rosenkranzes enthält. Lynn Bauman entwickelte in den 1980er Jahren die Form des anglikanischen Rosenkranzes, der aus einem Kreuz und 33 Perlen besteht. Für das anglikanische Rosenkranzgebet gibt es keine feststehende Form. Jeder Beter kann sich die Gebete, die er an den einzelnen Perlen spricht, selbst zusammenstellen. Bekannt ist beispielsweise eine Gebetsfolge, die das Trisagion und das Jesusgebet einbezieht.

Perlen des Glaubens[Bearbeiten]

Perlen des Glaubens

Entwickelt wurden die Perlen des Glaubens 1996 von Martin Lönnebo, einem Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Schweden. Bei der aus 18 Perlen bestehenden Kette hat jede Perle eine Bedeutung, steht für eine Lebensfrage, einen Gedanken oder ein Gebet. Feste Gebetsformulierungen gibt es nicht. Bei jeder Perle wird zum entsprechenden Thema eine Meditation gehalten oder ein Gebet gesprochen. Anfang und Ende der Kette ist eine große goldene Perle, die Gottesperle. Darauf folgt eine Perle des Schweigens, eine Ich-Perle, eine Taufperle, eine weitere Perle des Schweigens, eine Wüstenperle, wiederum eine Perle des Schweigens, eine Perle der Gelassenheit, eine weitere Perle des Schweigens, zwei Perlen der Liebe, drei Geheimnisperlen, eine Perle der Nacht, eine weitere Perle des Schweigens, eine Perle der Auferstehung und eine weitere Perle des Schweigens.

Gesundheitliche Aspekte[Bearbeiten]

Das British Medical Journal berichtete im Jahr 2001 von einer Studie der Universität Pavia, bei der herausgefunden wurde, dass Rosenkranzgebete und Mantras, bei denen sechs Mal pro Minute geatmet wird, positive psychologische und möglicherweise physiologische Effekte hervorrufen.[12][13]

Unter psychologischen Gesichtspunkten ist das Rosenkranzgebet als repetitives Meditationstraining einzuordnen, obwohl dieser Begriff erst in jüngster Zeit entstanden ist. Die von dem Musikpädagogen Hermann Rauhe und dem Präventivmediziner Gerd Schnack entwickelte Entspannungsmethode des repetitiven Meditationstrainings ist quasi die säkularisierte Form sowohl des Rosenkranzgebets als auch des Jesusgebets, weil sie auf demselben Prinzip beruht, nämlich der rhythmischen Wiederholung einer Formel, die sich nach und nach an der Atmung orientiert und bei regelmäßiger Übung sehr positiv auf den Parasympathicus wirkt.[14]

Als Mittel, um sich das Rauchen abzugewöhnen, schlägt der Wiener Sozialmediziner Michael Kunze vom Nikotininstitut Wien das Rosenkranzgebet vor. Er sieht im Rosenkranzgebet eine gute Entspannungsübung. Außerdem werde die Konzentration auf das Gebet gelenkt und die Gedanken dadurch von der Zigarette weg.[15]

Rosenkränze in der Bildenden Kunst[Bearbeiten]

Malerei[Bearbeiten]

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Stationswege (Rosenkranzwege)[Bearbeiten]

Stationswege für die Rosenkranzgeheimnisse gibt es beispielsweise in Maria Plain bei Salzburg (Barockzeit, fünfzehn Stationen) – in Maria Plain befindet sich auch ein weiterer Kalvarienberg der Barockzeit mit fünf Stationen der schmerzhaften Geheimnisse. Ein Rosenkranzpark mit 16 Stationen befindet sich im niederösterreichischen Katzelsdorf.

Schmuck[Bearbeiten]

Das Komboloi gehört in vielen orientalisch geprägten Ländern zum männlichen Accessoire und Spielzeug.

Rosenkränze wurden bereits im Mittelalter als Schmuck getragen. Im Barock erfreute sich dies ebenfalls großer Beliebtheit, wird aber heute von Katholiken eher als anstößig empfunden.

In vielen orientalisch geprägten Ländern gehören die ursprünglich religiösen Ketten zum männlichen Accessoire und Spielzeug. Dazu gehören zum Beispiel die griechischen Kombologia, die auch Sorgenperlen genannt werden. Sie gleichen dem islamischen Tasbih, der ebenfalls vor allem bei männlichen Jugendlichen zum Modeschmuck geworden ist.

Literatur[Bearbeiten]

  • Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hrsg.): Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls 156. Bonn 2002 (online verfügbar in deutsch und latein)
  • Edelsteine, Himmelsschnüre. Rosenkränze und Gebetsketten. Katalog Salzburg Dommuseum 2008.
  • Urs-Beat Frei, Fredy Bühler (Hrsg.): Der Rosenkranz. Andacht – Geschichte – Kunst. Benteli, Bern 2003.
  • Ludwig Maria Grignion von Montfort: Le secret admirable du très saint Rosaire - Pour se convertir et se sauver. Flavigny (F) 2005. ISBN 2-87810-052-2. Deutsch: Der heilige Rosenkranz - Das wunderbare Geheimnis der Bekehrung und des Heils.
  • Romano Guardini: Der Rosenkranz Unserer Lieben Frau – Gedanken über das Rosenkranzgebet. Würzburg 1940.
  • Leonard Holtz: Mysterium und Meditation. Rosenkranzbeten heute. Paulinus, Trier 1976, ISBN 3-7902-0117-0.
  • Heinrich Janssen: Perlen des Gebets. Der Rosenkranz, Hinführung und geistliche Deutung. Herder, Freiburg i. Br. 2003, ISBN 3-451-28232-1.
  • Wilfried Kirsch: Handbuch des Rosenkranzes. Dom-Verlag, Wien 1950.
  • Karl Joseph Klinkhammer: Ein wunderbares Beten. So entstand der Rosenkranz. Johannes-Verlag, Leutesdorf 1980, ISBN 3-7794-1158-X.
  • Christoph Kühn: Der Rosenkranz nach Johannes Paul II. Eine Darstellung der 20 Rosenkranzgeheimnisse. Illustrationen von Gian C Olcuire. Naumann, Würzburg 2003, ISBN 3-88567-088-7.
  • Rainer Scherschel: Der Rosenkranz – das Jesusgebet des Westens. 2. Auflage. Herder, Freiburg i. Br. 1982, ISBN 3-451-18396-X.
  • Markus Weber (Hrsg.): Das Rosenkranzgebet. Gebetete Heilige Schrift. 2005. (online; PDF; 3,1 MB)
  • Pietro Principe: Der Rosenkranz. Liberia Editrice Vaticana, Vaticano 2002, ISBN 88-209-7410-X.
  • Daniel Tibi: Glaubensperlen. Hinführung zum Rosenkranzgebet. EOS, St. Ottilien 2009, ISBN 978-3-8306-7338-5.
  • Daniel Tibi: Rosenkranz. Betrachtung des Lebens Jesu mit den Augen Marias (PDF-Datei; 842 kB)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johannes XXIII., Apostolisches Schreiben über das Rosenkranzgebet für den gerechten Frieden der Völker vom 29. September 1961.
  2. Michael Rüdiger: Rosenkranz. III. Historisch. In: Lexikon für Theologie und Kirche 3, achter Band, Freiburg (Breisgau) 1999, Sp. 1303-1305; Andreas Heinz: Rosenkranz. II. Im Christentum. In: Gerhard Müller u. a.: Theologische Realenzyklopädie, Bd. XXIX, Berlin-New York 1998, ISBN 3-11-016127-3, S. 401-407
  3. D. Johann Georg Krünitz: Oeconomische Encyclopädie - Lemma Rosenkranz
  4. Andreas Heinz: Rosenkranz. II. Im Christentum. In: Gerhard Müller u. a.: Theologische Realenzyklopädie, Bd. XXIX, Berlin-New York 1998, ISBN 3-11-016127-3, S. 404f.
  5. Apostolischen Schreiben Rosarium Virginis Mariæ
  6. vgl. ebd. Nr. 21
  7. Kath.net: Öffentliches Rosenkranzgebet an der Münchner Mariensäule 12. Oktober 2006.
  8. Apostolischen Schreiben Rosarium Virginis Mariæ, Nr. 38.
  9. William of Malmesbury: Gesta Pontificum Anglorum, 1125, Rolls Series 311.
  10. Michael Rüdiger: Rosenkranz. III. Historisch. In: Lexikon für Theologie und Kirche 3, achter Band, Freiburg (Breisgau) 1999, Sp. 1303f.
  11. Schott: Das vollständige römische Messbuch, Ausgabe 1963, S. 1076
  12. Luciano Bernardi, et al.: Effect of rosary prayer and yoga mantras on autonomic cardiovascular rhythms: comparative study. In: 323. British Medical Journal, 2001, S. 1446–1449, abgerufen am 19. März 2011 (englisch).
  13. Bericht bei nano online vom 21. Dezember 2001.
  14. Vgl. Hermann Rauhe/Gerd Schnack: Topfit durch Nichtstun. RMT – die Formel für optimale Energie. Kösel, München 2002, ISBN 3-466-34446-8, S. 40–41, 100 ff.
  15. Kath.net: Artikel Rosenkranz: Mehr als ein Psychotrick für Raucher-Aussteiger 1. August 2006.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Rosenkranz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Rosenkranz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Rosenkranz – Quellen und Volltexte