Arithmetisches Mittel
Das arithmetische Mittel (auch Durchschnitt) ist ein Mittelwert, der als Quotient aus der Summe aller beobachteten Werte und der Anzahl der Werte definiert ist. Sind die betrachteten Werte zufälliger Natur, kann das arithmetische Mittel auch als empirischer Erwartungswert angesehen werden.
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Definition[Bearbeiten]
Das arithmetische Mittel einer Menge von
Werten
ist definiert als
Gelegentlich wird zur Bezeichnung des arithmetischen Mittels auch das Durchschnittszeichen ⌀ verwendet.
Beispiele[Bearbeiten]
Das arithmetische Mittel aus 50 und 100 ist
.
Anwendungsbeispiel[Bearbeiten]
Ein Auto fährt eine Stunde lang 100 km/h und die darauf folgende Stunde 200 km/h. Mit welcher konstanten Geschwindigkeit muss ein anderes Auto fahren, um denselben Weg ebenfalls in zwei Stunden zurückzulegen?
Der Weg
, den das erste Auto insgesamt zurückgelegt hat, beträgt
und der des zweiten Autos
wobei
die Geschwindigkeit des zweiten Autos ist. Aus
ergibt sich
und damit
Interpretationen[Bearbeiten]
- Die Summe aller Abweichungen, die n Daten von ihrem arithmetischen Mittelwert haben, ist 0.
- Die Summe aller n Einzelwerte kann man sich ersetzt denken durch n gleiche große Werte von der Größe des arithmetischen Mittels.
- Die Summe der Quadrate der Abweichungen aller Daten vom Mittelwert ist kleiner als die Summe der Quadrate der Abweichungen von irgendeinem anderen Wert.
Arithmetisch[Bearbeiten]
Das arithmetische Mittel zweier Zahlen
ist diejenige Zahl
, für die gilt
Wahrscheinlichkeitstheoretisch[Bearbeiten]
Sind
Zufallsvariablen, die unabhängig und identisch verteilt mit Mittelwert bzw. Erwartungswert
und Varianz
sind, so hat der Stichprobenmittelwert
ebenfalls Mittelwert
, aber die kleinere Varianz
. Hat also eine Zufallsvariable endlichen Mittelwert und endliche Varianz, so folgt aus der Tschebyschow-Ungleichung, dass das arithmetische Mittel einer Stichprobe gegen den Erwartungswert der Zufallsvariablen stochastisch konvergiert. Das arithmetische Mittel ist daher nach vielen Kriterien eine geeignete Schätzung für den Erwartungswert der Verteilung, aus der die Stichprobe stammt. Es ist allerdings sehr empfindlich gegenüber Ausreißern (siehe Median).
Gewichtetes arithmetisches Mittel[Bearbeiten]
Es lässt sich auch ein gewichtetes arithmetisches Mittel definieren. Es erweitert den Anwendungsbereich des gewöhnlichen (ungewichteten) arithmetischen Mittels im statistischen und im wahrscheinlichkeitstheoretischen Sinne auf Werte von unterschiedlicher Signifikanz.
Deskriptive Statistik[Bearbeiten]
Das gewichtete Mittel wird beispielsweise verwendet, wenn man Mittelwerte
,
aus
Stichproben der gleichen Grundgesamtheit mit verschiedenen Stichprobenumfängen
miteinander kombinieren will:
.
Wahrscheinlichkeitsrechnung[Bearbeiten]
Sind die
unabhängig verteilte Zufallsgrößen (d. h.
ist eine Zufallsgröße mit den Zufallsvariablen
und
ist eine Zufallsgröße mit den Zufallsvariablen
…) mit gemeinsamem Erwartungswert
aber unterschiedlichen Varianzen
, so hat der gewichtete Mittelwert ebenfalls Erwartungswert
und seine Varianz beträgt
.
Wählt man
,
so vereinfacht sich die Varianz zu
.
Aus der Cauchy-Schwarzschen Ungleichung folgt
.
Die Wahl der Gewichte
oder eine Wahl proportional dazu minimiert also die Varianz
des gewichteten Mittels. Mit dieser Formel lassen sich die Gewichte
abhängig von der Varianz des jeweiligen Wertes, der dementsprechend den Mittelwert mehr oder weniger stark beeinflusst, zweckmäßig wählen.
Sind die
speziell Stichprobenmittelwerte vom Umfang
aus derselben Grundgesamtheit, so hat
die Varianz
, also ist die Wahl
optimal.
Beispiele[Bearbeiten]
Das arithmetische Mittel
der
Zahlen 1, 2 und 3 beträgt 2, das arithmetische Mittel
der
Zahlen 4 und 5 beträgt 4,5. Das arithmetische Mittel aller 5 Zahlen ergibt sich als mit dem Stichprobenumfang gewichteter Mittelwert der Teilmittelwerte:
Liegen die Beobachtungen als klassierte Häufigkeit vor, kann man das arithmetische Mittel näherungsweise als gewichtetes Mittel bestimmen, wobei die Klassenmitten als Wert und der Klassenumfang als Gewicht zu wählen sind. Sind beispielsweise in einer Schulklasse ein Kind in der Gewichtsklasse 20 bis 25 kg, 7 Kinder in der Gewichtsklasse 25 bis 30 kg, 8 Kinder in der Gewichtsklasse 30 bis 35 kg und 4 Kinder in der Gewichtsklasse 35 bis 40 kg, so lässt sich das Durchschnittsgewicht als
abschätzen.
Weiteres Beispiel: Ein Bauer stellt im Nebenerwerb 100 kg Butter her. 10 kg kann er für 10 €/kg verkaufen, weitere 10 kg für 6 €/kg und den Rest muss er für 3 €/kg abgeben. Zu welchem (gewichtetem) Durchschnittspreis hat er seine Butter verkauft? Lösung: (10 kg · 10 €/kg + 10 kg · 6 €/kg + 80 kg · 3 €/kg) / (10 kg + 10 kg + 80 kg) = 400 € / 100 kg = 4 €/kg. Der mit der jeweils verkauften Menge gewichtete Durchschnittspreis entspricht also dem fixen Preis, zu dem die Gesamtmenge verkauft werden müsste, um den gleichen Erlös zu erzielen wie beim Verkauf von Teilmengen zu wechselnden Preisen.
Der Mittelwert einer Funktion[Bearbeiten]
Als Mittelwert der Riemann-integrierbaren Funktion
wird die Zahl
definiert.
Die Bezeichnung Mittelwert ist insofern gerechtfertigt, als für eine äquidistante Zerlegung
des Intervalls mit der Schrittweite
das arithmetische Mittel
gegen
konvergiert, vgl. [1].
Ist
stetig, so besagt der Mittelwertsatz der Integralrechnung, dass es ein
gibt mit
, die Funktion nimmt also an mindestens einer Stelle ihren Mittelwert an.
Der Mittelwert der Funktion
mit dem Gewicht
(wobei
für alle
) ist
.
Für Lebesgue-Integrale im Maßraum
mit einem endlichen Maß
lässt sich der Mittelwert einer Lebesgue-integrierbaren Funktion als
definieren. Handelt es sich um einen Wahrscheinlichkeitsraum, gilt also
, so nimmt der Mittelwert die Form
an; das entspricht genau dem Erwartungswert von
.
Der Mittelwert einer Funktion hat in Physik und Technik erhebliche Bedeutung insbesondere bei periodischen Funktionen der Zeit, siehe Gleichwert.
Quasi-arithmetischer Mittelwert (f-Mittel)[Bearbeiten]
Sei f eine auf einem reellen Intervall
streng monotone stetige (und daher invertierbare) Funktion und seien
Gewichtsfaktoren. Dann ist für
das mit den Gewichten
gewichtete quasi-arithmetische Mittel definiert als
.
Offensichtlich gilt
Für
erhält man das arithmetische, für
das geometrische Mittel, und für
das k-Potenzmittel.
Dieser Mittelwert lässt sich auf das gewichtete quasi-arithmetische Mittel einer Funktion
verallgemeinern, wobei
in einem die Bildmenge von
umfassenden Intervall streng monoton und stetig sei:
Einzelnachweise[Bearbeiten]
- ↑ H. Heuser: Lehrbuch der Analysis, Teil 1, 8. Auflage, Teubner, Stuttgart 1990. ISBN 3-519-12231-6






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