Arnaldo Ochoa

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Arnaldo Tomás Ochoa Sánchez (* 1930 in Cacocum, Oriente, Kuba; † 12. Juli 1989 in Havanna) war ein kubanischer General, der hingerichtet wurde, nachdem er vor Gericht des Hochverrats für schuldig befunden wurde.

Biographie[Bearbeiten]

Ochoa wurde in eine alte Bauernfamilie im kubanischen Osten hineingeboren und erhielt zunächst nur die sechsjährige Volksschulausbildung.[1] Im März 1958 schloss er sich gemeinsam mit mehreren seiner Brüder Castros Guerillaarmee in der Sierra Maestra an, die gegen die Diktatur Fulgencio Batistas kämpfte. Im Revolutionskrieg spielte er eine entscheidende Rolle beim Fall von Santa Clara. Später wurde er enger Freund Raúl Castros. Ochoa soll der einzige Überlebende der Loyalisten von Camilo Cienfuegos gewesen sein, die 1959 zu einer gescheiterten Mission zum Sturz des Diktators Trujillo in die Dominikanische Republik geschickt wurden.[2]

Er nahm 1961 an der erfolgreichen Zurückschlagung der Invasion in der Schweinebucht teil und kämpfte im Bürgerkrieg gegen die Aufständischen im Escambray-Gebirge, bevor er in einer langen Reihe von Auslandseinsätzen zu einem der gefechtserprobtesten Befehlshaber der kubanischen Streitkräfte wurde.[1]

Im Jahre 1965 wurde er Mitglied der als Einheitspartei nach sowjetischem Vorbild gegründeten Kommunistischen Partei Kubas. Er war über zwanzig Jahre Mitglied des Zentralkomitees der Partei. Er absolvierte die Militärakademie in Matanzas und wurde später an die Frunse-Akademie in der Sowjetunion geschickt.

Zwischen 1967 und 1969 bildete Ochoa Rebellen in der Republik Kongo aus. Er wurde auf eine geheime Mission nach Venezuela geschickt, die jedoch mit einer strategischen Niederlage und dem Verlust von vielen Menschenleben endete.

1972 leitete er ein 500 Mann starkes kubanisches Kontingent, das die Armee von Sierra Leone ausbildete. Während des Jom-Kippur-Krieges 1973 diente er als Ausbilder syrischer Truppen auf den Golan-Höhen. Im Jahre 1975 wurde Ochoa nach Luanda, Angola, geschickt, um dort einen kritischen Feldzug gegen die FNLA zu führen. Dort erwarb er sich den Respekt sowohl von sowjetischen als auch kubanischen Militärs. 1977 wurde er zum Kommandeur der Kubanischen Expeditionsstreitkräfte in Äthiopien ernannt, die unter der Befehlsgewalt des sowjetischen Generals Petrow standen (Ogadenkrieg). Seine Erfolge gegen die somalische Armee beeindruckten die sowjetischen Befehlshaber. Im Jahre 1984 wurde Ochoa, inzwischen General und schon weithin als großer Internationalist bekannt, von Fidel Castro mit dem höchsten Militärorden als „Held der Republik Kuba“ ausgezeichnet. 1987 und 1988 war Ochoa Oberbefehlshaber der in Angola eingesetzten Truppen. In dieser Zeit ließ er nach späteren Angaben Raúl Castros drei Kubaner wegen Mordes an Angolanern als Kriegsverbrecher hinrichten.[3]

Am 12. Juni 1989, gab das kubanische Verteidigungsministerium die Inhaftierung und die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen den Divisionsgeneral Arnaldo Ochoa Sánchez wegen schwerer Fälle von Korruption, betrügerischer Nutzung ökonomischer Ressourcen und Drogenhandel bekannt. Zum Zeitpunkt seiner Verhaftung war Ochoa Kubas ranghöchster Militär nach den Castro-Brüdern.[4] Ochoa verbrachte einen Monat in einem Gefängnis auf einem Militärstützpunkt in West-Havanna. Er wurde vor ein Militärgericht gestellt, welches ihn in allen Punkten der Anklage für schuldig befand. Rund einen Monat hatte das Kubanische Fernsehen Mitschnitte der Gerichtsverhandlung gesendet, die von der Bevölkerung mit enormem Interesse verfolgt wurden.[5] Es gab keine weiteren Versuche, seine Hinrichtung aufzuschieben oder das Urteil gegen einen Mann anzufechten, der unter den meisten Kubanern als hoch respektabler General der kubanischen Streitkräfte angesehen wurde.

Es wird von einigen Leuten angenommen, dass die Verhaftung und Verurteilung Ochoas mit den sich zur gleichen Zeit verschlechternden Beziehungen zwischen Fidel Castro und Michail Gorbatschow zusammenhängt.[6] Ochoa war ein weitgehend unideologischer Mann, der große Teile von Gorbatschows Glasnost-Politik für sinnvoll hielt. Als der Kommunismus in der Welt in der Gefahr stand zu kollabieren, suchte Castro bedingungslose Konformität mit seiner Politik und Ochoas Pragmatismus könnte für ihn eine Bedrohung gewesen sein. Tatsächlich soll die kubanische Regierung den Rauschgifttransport von Kolumbien via Kuba in die USA als legitimes Kampfmittel gegen den Erzfeind betrachtet haben.[7]

In den frühen Morgenstunden des 12. Juli 1989 wurde Arnaldo Ochoa Sánchez (El Moro) gemeinsam mit drei weiteren Offizieren von einem Erschießungskommando hingerichtet. Papst Johannes Paul II. hatte die kubanische Führung zuvor um Gnade für die Verurteilten gebeten.[8] Ochoa wurde in einem anonymen Grab auf einem Friedhof in Havanna beigesetzt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Andrés Oppenheimer: Castro's Final Hour. The Secret Story Behind the Coming Downfall of Communist Cuba. (Teil 1: A Crack in the System: The Ochoa–De La Guardia Case, S. 17–163), New York: Simon & Schuster, 1992, ISBN 0-671-72873-3 (englisch)
  • Norberto Fuentes: Dulces guerreros cubanos, Barcelona: Seix Barral, 1999, ISBN 84-322-0841-8 (spanisch)
  • Norberto Fuentes: Narcotráfico y Tareas Revolucionarias: El Concepto Cubano, Universal, 2002, ISBN 978-0897299879 (spanisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b William A. DePalo, Jr.: Cuban Internationalism: The Angolan Experience, 1975–1988 (PDF), S. 67, in: Parameters vom Herbst 1993, abgerufen am 27. August 2014 (englisch)
  2. Félix José Hernández: Fidel Castro: la Infancia de un Jefe “Franqui narra como después de la muerte de Camilo, su tropa fue enviada a “liberar” a la República Dominicana, osea, a una muerte segura. Sus oficiales de la Sierra pasaron a ocupar puestos de segunda categoría. ¡El único que se salvó en aquel momento fue ... Arnaldo Ochoa!”
  3. AP: Raul Castro has no qualms over executing general in: Houston Chronicle vom 11. Juli 1989, abgerufen am 3. Juni 2012 (englisch)
  4. Bert Hoffmann: Kuba Beck 3. Auflage 2009, Seite 102
  5. Cuban War Hero, 3 Others Executed by Firing Squad, in: Los Angeles Times vom 14. Juli 1989, abgerufen am 26. Juli 2013 (englisch)
  6. Bert Hoffmann: Kuba Beck 3. Auflage 2009, Seite 102f
  7. Peter Schenkel Eisenherz Kuba unter Castro, Herbig-Verlag München 2008; S. 177 f.
  8. Cubans Defend Death Sentences Of Convicted Drug Smugglers, in: AP News Archive vom 11. Juli 1989, abgerufen am 26. Juli 1989 (englisch)