Auripigment

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Auripigment
Orpiment et réalgar (USA).jpg
Auripigment (gelb) mit einem Restanteil Realgar (rot)
Chemische Formel

As4S6

Mineralklasse nichtmetallartige Sulfide
2.FA.30 (8. Auflage: II/F.02) nach Strunz
02.11.01.01 nach Dana
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) P21/n (Raumgruppen-Nr. 14)
Farbe zitronengelb bis bronzegelb
Strichfarbe hellgelb
Mohshärte 1,5 bis 2
Dichte (g/cm3) 3,4 bis 3,5
Glanz harziger Fettglanz, Perlmuttglanz
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Spaltbarkeit vollkommen
Bruch blättrig, biegsam
Habitus selten kleine, prismatische o. blättrige Kristalle; körnige o. faserige Aggregate
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 2,40; nβ = 2,81; nγ = 3,02
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,62; zweiachsig negativ
Pleochroismus gelb-gelb-grüngelb
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten in Kalilauge (KOH) löslich, färbt sich beim Erhitzen rot
Besondere Kennzeichen hochgiftig!

Auripigment[1], auch unter der im englischen Sprachraum verbreiteten Bezeichnung Orpiment, den veralteten Namen Arsenblende, Rauschgelb oder Operment,[2] seltener unter seiner chemischen Bezeichnung Arsen(III)-sulfid bekannt, ist ein häufig vorkommendes Arsen-Schwefel-Mineral aus der Mineralklasse der nichtmetallartigen Sulfide.

Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung As4S6 und entwickelt meist blättrige oder faserige Aggregate und Krusten, seltener kleine, prismatische oder auch pseudorhombische Kristalle von zitronen- bis bronzegelber Farbe bei hellgelber Strichfarbe.

Auripigment wurde aufgrund seiner goldgelben Farbe trotz seiner Giftigkeit gerne als Pigment-Farbe in der Malerei eingesetzt.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Im Durchlichtmikroskop erkennt man grobe, transparent gelbe Partikel, die eine blättrige Struktur aufweisen. Zahlreiche Spaltflächen sind erkennbar. Das Mineral ist doppelbrechend, unter gekreuzten Polarisatoren erscheinen extrem bunte anormale rote und blaugrüne Interferenzfarben.

Beim Erhitzen wird Auripigment rot und vor dem Lötrohr zeigt er dieselben Reaktionen wie der Realgar.[3]

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Goldgelbe, durchscheinende Auripigmentkristalle aus der Twin Creeks Mine, Potosi, Humboldt County (Nevada), USA (Größe: 3,3 cm × 2,1 cm × 2,1 cm)

Die deutsche Bezeichnung leitet sich vom lateinischen aurum (Gold) ab. Weiterhin war es bekannt unter dem griechischen Arrhenicon und daraus abgeleitet Arsenicon, Arsikon, Arzikon. Im deutschsprachigen Raum tauchen Bezeichnungen wie Risigallum, Ruschgäl, Rüschelecht und Rauschgelb auf, später auch Königsgelb, Arsenblende, gelber Hüttenrauch und Operment(um). In Frankreich und England kannte und kennt man es als Orpiment, in Italien als Oropimento.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Auripigment zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur allgemeinen Abteilung der „nichtmetallartige Sulfide“, wo er zusammen mit Alacránit, Dimorphin, Duranusit, Laphamit, Pararealgar, Realgar und Uzonit die unbenannte Gruppe II/F.02 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Auripigment ebenfalls in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ ein, dort allerdings in die Abteilung der „Sulfide, Arsenide, Alkaide; Sulfide mit Halogeniden, Oxiden, Hydroxiden (H2O)“. Diese Abteilung ist zudem präziser unterteilt nach der Art der in der Formel enthaltenen Elemente, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit As, (Sb), S“ zu finden ist, wo es, nur noch zusammen mit Laphamit die unbenannte Gruppe 2.FA.30 bildet.

Auch die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Auripigment in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort in die Abteilung der „Sulfidminerale“ ein. Hier ist er namensgebendes Mineral der „Auripigmentgruppe“ mit der System-Nr. 02.11.01 und dem weiteren Mitglied Getchellit innerhalb der Unterabteilung „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der allgemeinen Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=2:3“.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Hellgelber, mit Calcit verwachsener Auripigment aus der Jiepaiyu Mine, Shimen, Hunan, China (Größe: 5,3 cm × 5,2 cm × 2,8 cm)
Orangefarbener, büscheliger Auripigment auf Baryt aus der Arsengrube El'brusskiy (Elbrusskii) am Elbrus, Nordkaukasus, Russland (Größe: 7,0 cm × 4,5 cm × 3,1 cm)

Auripigment entsteht neben Arsenik (As2O3) beziehungsweise Pararealgar (AsS) unter UV-Licht aus Realgar und hat damit meist dieselben Fundorte wie dieses. Weltweit gelten bisher rund 480 Fundorte für Auripigment als bekannt (Stand: 2014).[4]

Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Auripigmentfunde sind unter anderem die Arsen-Gold-Lagerstätte Shimen in der chinesischen Provinz Hunan, die La Libertad Mine bei Quiruvilca in der peruanischen Region La Libertad sowie die Getchell-, Lone Tree- und Twin Creeks Mine im Humboldt County (Nevada) in den USA, wo jeweils gut ausgebildete, mehrere Zentimeter lange Kristalle zutage traten.[5]

In Deutschland konnte Auripigment bisher vor allem im Schwarzwald in Baden-Württemberg und im Erzgebirge in Sachsen gefunden werden, in Österreich kennt man das Mineral vorwiegend aus verschiedenen Fundpunkten in Kärnten und in der Schweiz ist bisher nur die Grube „Lengenbach“ im Binntal (Kanton Wallis) als Auripigment-Fundort bekannt.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Chile, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Rumänien, Russland, der Slowakei und der Türkei.[6]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Struktur des Auripigments

Auripigment kristallisiert im monoklinen Kristallsystem in der Raumgruppe P21/n mit den Gitterparametern a = 11,475 Å, b = 9,577 Å, c = 4,256 Å und β = 90,68 Å sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.[7]

Die Kristalle sind in ihrer Struktur schichtweise aus Arsensulfidschichten im Verhältnis As2S3 aufgebaut, einer sogenannten Schichtstruktur, aufgebaut. Innerhalb der Schichten herrschen starke, homöopolare (nicht-polare) Atombindungen und zwischen den Schichten schwache Van-der-Waals-Bindungen vor.

Historische Verwendung[Bearbeiten]

helle, goldgelbe Strichfarbe von Auripigment

Schon seit dem Altertum wurde das rötlich-gelbe Auripigment verwendet, um Gold zu imitieren, denn es „gleicht dem Gold wie keine andere Farbe“, so Cennino Cennini. In Quellenschriften wie dem Leidener Papyrus X, dem Lucca-Manuskript oder der Mappae Clavicula befinden sich viele Rezepte für Goldschriften. Nachgewiesen wurde das Auripigment in der altägyptischen Kunst, Wandmalereien in Indien und China, mittelalterlichen Buchmalereien, Skulpturenfassungen und Tafelbildern, in venetianischen Gemälden des 15. und 16. Jahrhunderts sowie Niederländischen Stillleben des 17. Jahrhunderts und tibetischen Thankas aus gleicher Zeit.

Vor der Erfindung von Chromgelb war Auripigment das leuchtendste Gelb, das man in der Malerei kannte. Heute wird es in der Anwendung durch ungiftige Teerfarbstoffe ersetzt.

Auripigment wurde bereits in der Antike in Griechenland, im römischen Reich und in China als Medizin und kosmetisches Mittel gehandelt. Es war ein Bestandteil von Rhusma Turcorum (auch: rusma turcorum), einem der ältesten bekannten Mittel zur Entfernung von Körperbehaarung.[8] Rhusma Turcorum wurde aus einer zu einer Paste gerührten Mischung aus Auripigment, gelöschtem Kalk und Stärke hergestellt.

Dem „Handbuch der Heilmittellehre“ von Dr. Friedrich Oesterlen aus dem Jahr 1844 ist ein Rezept für Rhusma Turcorum zu entnehmen. Oestelen führt aus, dass hierbei nicht das Schwefelarsen, sondern das aus seiner Zersetzung durch Kalk entstehende Schwefelkalzium der wirksame Bestandteil sei. Weiter erörtert er, dass Auripigment auch als Ätzmittel bei Krebs benutzt würde: „[...] z. B. in Belgien zerschnitten zu kleinen Troehisken applicirt (Delnaie). Chinesen rauchen es außerdem mit Tabak (Macgnowan).“[9]

Der Verwendung in Rhusma Turcorum entspricht auch der Gebrauch von Auripigment in der Gerberei zum Enthaaren von Fellen.

Im Mittelalter wurde Auripigment auch als Siegelwachs benutzt und war wegen seiner markanten gelben Farbe immer wieder von Interesse für Alchemisten auf der Suche nach einer Methode, Gold herzustellen.

Moderne Anwendungen[Bearbeiten]

Auripigment wird teilweise noch in der Produktion von Wachstuch, Linoleum, Halbleiter und Photoleiter und Feuerwerk verwendet.

In Rhusma turcorum wird es im ländlichen Indien noch als Enthaarungsmittel eingesetzt. Es wird auch weiterhin in der Lederindustrie verwendet, um Haare aus Häuten zu entfernen.

Vorsichtsmaßnahmen[Bearbeiten]

Auripigment enthält einen hohen Arsenanteil und wird daher ebenso wie Realgar als giftige Substanz (R-Sätze R 23/25 Giftig beim Einatmen und Verschlucken, R 50/53 Sehr giftig für Wasserorganismen) eingestuft[10]. Der Umgang mit Auripigment erfordert besondere Vorsichtsmaßnahmen, wie unter Verschluss aufbewahren; Schutzhandschuhe und Augenschutz benutzen; bei der Arbeit nicht essen, trinken, rauchen; Freisetzung in die Umwelt vermeiden und als gefährlicher Abfall zu entsorgen. Beim Transport relevanter Mengen fällt es unter Gefahrgutklasse 6.1 mit der Gefahrnummer 60 über der UN-Nummer 1557. Ein Begleiter von Auripigment ist Arsenik, welches auf Grund seiner guten Löslichkeit eine wesentlich höhere Giftigkeit als reines Arsen besitzt. Die oral aufgenommene, tödliche Dosis kann für den Menschen bereits bei weniger als 0,1 g liegen!

Viele historische Quellen warnen vor der hohen Giftigkeit des Auripigments. 1738 beschrieb Sprong es: „Königsgelb: Dies ist aus den besten Auripigmentstücken gemacht und deshalb sehr giftig. Der Nutzer sollte daher nicht versuchen daran zu riechen indem er die Nase darüber hält“. Auch Valentin Boltz warnt in seinem Illuminierbuch 1549 explizit: „Und hüt dich du kein pensel dieser Farb leckest, denn es ist schedlich“. Cennini bezeichnet es als "propio tosco", wahrhaft giftig, und in vielen Büchern (Schramm) sowie Listen von Pigmentherstellern (Kremer) wird es in die Giftklasse 1 bzw. 2 eingeordnet. Es findet sich aber auch die Aussage, dass Arsentrisulfid wenig toxisch sei. Da es in Wasser und Salzsäure unlöslich ist, könne es nicht, oder nur in geringen Mengen vom Körper aufgenommen werden. Vergiftungserscheinungen können auf eine "Verunreinigung" mit dem Abbauprodukt Arsenik (As2O3) zurückgeführt werden, welches als berühmtes (Selbst-)Mordgift Verwendung fand.

Neben seiner Giftigkeit zeigt sich insbesondere bei alten Gemälden ein weiterer Nachteil des Auripigments: unter Lichteinwirkung (direkte Sonneneinstrahlung) reagieren die bei der Malerei verwendeten Lösungsmittel mit dem Auripigment, so dass das Gelb im Lauf der Jahrhunderte zerfällt. Dies wirkt sich insbesondere auch auf Grüntöne aus, welche die alten Meister in Ermangelung eines schönen grünen Pigments häufig aus Auripigmentfarblacken und einem blauen Pigment gemischt haben: dies ist der Grund, dass bei vielen alten Landschaftsgemälden durch das Verblassen des Gelbtons beispielsweise die Bäume blau geworden sind.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7. Auflage. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, New York 2005, ISBN 3-540-23812-3, S. 42.
  •  Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 483.
  •  Walter Schumann: Der neue BLV Steine- und Mineralienführer. 6. Auflage. BLV Verlags GmbH, München 2002, ISBN 3-405-16441-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Orpiment (Auripigment) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Auripigment – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. 4. Auflage. Christian Weise Verlag, München 2002, ISBN 3-921656-17-6.
  2.  Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 179 (Operment: 1546. Interpretatio nach Agricola).
  3.  Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 482.
  4. Mindat - Anzahl der Fundorte für Auripigment/Orpiment
  5.  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 64.
  6. Fundorte für Auripigment (Orpiment) beim Mineralienatlas und bei Mindat
  7. American Mineralogist Crystal Structure Database - Orpiment (englisch)
  8. Mittel zur Entfernung von Körperbehaarung
  9. Fr. Oesterlen: Handbuch der Heilmittellehre. 7. Auflage, Verlag der H. Laupp'schen Buchhandlung, Tübingen 1861, S. 99 (online verfügbar in archive.org)
  10. Eintrag zu CAS-Nr. 1303-33-9 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 30. März 2008 (JavaScript erforderlich)