Zülz

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Zülz
Biała
Wappen von Zülz
ZülzBiała (Polen)
ZülzBiała
Zülz
Biała
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Opole
Landkreis: Prudnik
Fläche: 14,71 km²
Geographische Lage: 50° 22′ N, 17° 36′ O50.36666666666717.6Koordinaten: 50° 22′ 0″ N, 17° 36′ 0″ O
Einwohner: 2524
(30. Jun. 2013)[1]
Postleitzahl: 48-210
Telefonvorwahl: (+48) 77
Kfz-Kennzeichen: OPR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: PrudnikProskau
Nächster int. Flughafen: Breslau
Katowice
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 29 Schulzenämter
Fläche: 195,82 km²
Einwohner: 10.904
(30. Jun. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 56 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 1610013
Verwaltung (Stand: 2011)
Bürgermeister: Arnold Hindera
Adresse: Rynek 10
48-210 Biała
Webpräsenz: www.biala.gmina.pl

Zülz, polnisch Biała Prudnicka, ist eine Landstadt in Polen mit rund 2500 Einwohnern. Sie liegt acht Kilometer nordöstlich von Prudnik (Neustadt) am Zülzer Wasser (Biała) und gehört dem Powiat Prudnicki, Woiwodschaft Oppeln an.

Geschichte[Bearbeiten]

Neustädter Turm

Im Südwesten ihres Herrschaftsbereiches hatten die Herzöge von Oppeln am Zülzer Wasser die Burg Bela errichtet, die Sitz eines Kastellans war. Unterhalb der Burg entstand als Ausgangspunkt für die weitere Besiedlung der Wälder an der Grenze zu Mähren ein deutsches Pfarrdorf Bela, das im Jahre 1225 erstmals nachweisbar ist. Von Bela aus wurden weitere Orte gegründet, wie Kostenthal (1225, heute: Gościęcin) und Kasimir (1240, heute: Kazimierz) bei Oberglogau.

Etwa um 1270 wurde zwischen dem Dorf und der Burg Bela eine Stadt Bela alias Czolz mit deutschem Recht gegründet. Ihre Anlage erfolgte in regelmäßiger Bebauung um einen Marktplatz, sie war ummauert und besaß zwei Stadttore.

Schon bald wurde die Stadt als Zolez und später Zülz bezeichnet, für das vier Kilometer östlich gelegene gleichnamige Dorf bürgerte sich die Bezeichnung Alt Zülz (Solec) ein und das Dorf Bela wurde Altstadt genannt. Dessen Kirche wurde zur Filialkirche der 1400 neu errichteten Stadtkirche. In den Vorstädten entstanden zwei Kapellen und Parochialschulen. 1311 wurde Zülz zum Sitz eines Vogtes; ab 1335 war in dem Städtchen, das ein Besitztum der Herzöge von Oppeln war, ein Archipresbyterat ansässig. Nach dem Tod des letzten Oppelner Piastenherzogs Johann II. gelangte die Stadt an die Habsburger in ihrer Eigenschaft als Könige von Böhmen. Sie verpfändeten den Besitz. Unter den verschiedenen Inhabern der Kammerherrschaft Zülz erlangten die Freiherren von Proskau, denen ab 1565 zunächst die Stadt und seit 1602 auch die neun Dörfer umfassende Herrschaft gehörte, besondere Bedeutung. Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts hatten sich vor allem in der Neisser Vorstadt zahlreiche Juden angesiedelt. Unter den Freiherren von Proskau blieb Zülz neben Glogau die einzige schlesische Stadt, aus der zum Ende des 16. Jahrhunderts die Juden nicht vertrieben wurden. 1601 verlieh Kaiser Rudolf II. auf ein Gesuch der Herren von Proskau hin den Zülzer Juden ein Schutzprivileg.

Während des Dreißigjährigen Krieges brach in dem Ackerbürgerstädtchen eine Pestepidemie aus, die 1633 die Einwohnerschaft fast vollständig auslöschte. Zur Erinnerung daran wurde eine Pestkapelle errichtet. Das 1699 verliehene Handelsprivileg erlaubte den Juden aus Zülz den Handel in Schlesien, Böhmen und Polen, damit erlangten sie die gleichen Rechte wie christliche Kaufleute. Wegen dieser Rechte erfolgte im 18. Jahrhundert ein starker Zuzug von Juden in die Stadt. Aus dieser Zeit stammt auch die umgangssprachliche Bezeichnung Judenzülz für die Stadt, während die jüdischen Bewohner auch den hebräischen Namen Makom Zadik (Ort des Gerechten) gebrauchten.

Schloss

Bei der Teilung Schlesien im Vorfrieden von Breslau fiel Zülz 1742 an Preußen. Infolge des von Friedrich Wilhelm III. am 11. März 1812 im Zuge der preußischen Reformen erlassenen Emanzipationsediktes, das die Zweitklassigkeit der Juden in Preußen aufhob und ihnen auch andernorts die Ansiedlung als freie Kaufleute ermöglichte, verließen die meisten Juden bald das Städtchen und zogen in die großen Städte. Diese Abwanderung war so stark, dass im Jahre 1914 die jüdische Gemeinde in Zülz ihre Auflösung beschloss.

1727 erfolgte unter den Freiherren von Proskau der Umbau des aus dem 16. Jahrhundert stammenden Schlosses mit seinem architektonisch wertvollen Kreuzgang. 1748 wurde Bartolomäus von Oderfeld neuer Besitzer der Kammerherrschaft Zülz, ihm folgten 1756 die Grafen Matuschka, bis 1841 die Teilung der Herrschaft begann. Die Stadt kaufte danach das Schloss, das zwischen 1874 bis 1923 als Präparandenanstalt und von 1875 bis 1925 gleichzeitig als Lehrerbildungsseminar genutzt wurde. Von 1926 bis 1934 befand sich darin eine Mädchenschule, seit deren Schließung wird das Gebäude als städtisches Gymnasium genutzt.

Am 22. Oktober 1896 erhielt Zülz, das seit 1816 dem Landkreis Neustadt O.S. angehörte, mit der Inbetriebnahme der 11 km langen ersten Teilstrecke der Neustadt-Gogoliner Eisenbahn-Gesellschaft von Neustadt einen Anschluss an das Eisenbahnnetz. Am 4. Dezember 1896 war auch der Bau des 31 km langen zweiten Teilstückes der Bahn, das von Zülz in das nordöstlich gelegene Gogolin führte, abgeschlossen. Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien 1921, die über die weitere staatliche Zugehörigkeit der Region entscheiden sollte, lag Zülz außerhalb des Abstimmungsgebietes, das nur den östlichen Teil des Landkreises Neustadt umfasste.

Am 18. März 1945 wurde Zülz von der Roten Armee besetzt und als Biała Teil Polens. Es wurde aber nicht die gesamte deutsche Bevölkerung vertrieben, so dass sich in der Gemeinde Zülz eine große deutsche Minderheit halten konnte. Ihr gehört auch der Bürgermeister an. Seit 2006 ist die Gemeinde offiziell zweisprachig, 2008 führte sie zweisprachige Ortsbezeichnungen ein.

1991 wurde der Personenverkehr auf der Bahnstrecke PrudnikKrapkowice eingestellt und 1992 die Strecke gänzlich stillgelegt.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen der Stadt Zülz nach dem jeweiligen Gebietsstand (spätere Zahlen ohne Gmina):[3]

Jahr Einwohner davon Juden
1780 2.036 1.001
1782 2.022 1.061
1787 2.408 1.156
1807 2.267
1825 2.462 1.109
1834 2.613 912
1845 2.684 591
1885 2.812
1905 2.816
Jahr Einwohner
1910 2.842
1933 3.744
1939 3.784
1961 2.832
1971 3.100
1980 2.900
1995 2.909
2000 2.831
2005 2.679

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen von Zülz zeigt in Rot eine silberne Burg mit Zinnenturm, der mit einem offenen Tor und einem Schild belegt ist. Der Schild zeigt das Stammwappen der Adelsfamilie Proskowski von Proskau: Gespalten von Rot und Silber, in jedem Felde ein querliegendes Hufeisen von verwechselten Farben.

In dieser Form taucht das Stadtwappen in einem Siegel von 1693 auf. Aufgrund zahlreicher Stadtbrände sind keine älteren Dokumente erhalten. Laut Hugo Saurma verlieh Kaiser Ferdinand I. der Stadt im ersten Jahr der Proskauschen Herrschaft 1564 dieses Wappen, das allerdings nur eine Vermehrung des alten Stadtwappens um den Schild der neuen Besitzer darstellt.[4]

Partnerstädte[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Gemeinde[Bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Zülz umfasst ein Gebiet von 195,82 km², auf denen rund 11.500 Einwohner leben.

Ortsteile[Bearbeiten]

  • Zülz (Biała)
  • Probnitz (Browiniec Polski; 1936–45: Proben)
  • Bresnitz (Brzeźnica; 1936–45: Brese)
  • Schelitz (Chrzelice)
  • Schartowitz (Czartowice; 1936–45 Fichtenwalde O.S.)
  • Dambine (Dębina; 1936–45: Klein Eichen)
  • Simsdorf (Gostomia)
  • Ernestinenberg (Górka Prudnicka)
  • Grabine (Grabina; 1936–45 Gershain)
  • Josefsgrund (Józefów)
    • Neuhof (Józefówek)
  • Kohlsdorf (Kolnowice)
  • Krobusch (Krobusz; 1936–45: Krähenbusch) mit
    • Ziabnik (Żabnik; 1936–45: Froschweiler)
  • Laskowiec (Haselvorwerk)
  • Ellguth (Ligota Bialska)
  • Lonschnik (Łącznik; 1936–45: Wiesengrund O.S.)
  • Mühlsdorf (Miłowice)
  • Mokrau (Mokra; 1936–45: Nassau O.S.)
  • Neudorf (Nowa Wieś Prudnicka)
  • Legelsdorf (Ogiernicze)
  • Olbersdorf (Olbrachcice)
  • Ottok (Otoki; 1936–45: Auenwalde)
  • Pogosch (Pogórze; 1936–45: Brandewalde) mit
    • Fronzke (Frączki; 1936–45: Frankhäuser)
  • Groß Pramsen (Prężyna)
  • Radstein (Radostynia)
  • Rosenberg (Rostkowice)
  • Altzülz (Solec)
  • Schmitsch (Śmicz; 1936–45: Lößtal)
  • Waschelwitz (Wasiłowice; 1936–45: Tiefengrund)
  • Wilkau (Wilków; 1936–45: Willenau)

Die Ortschaft Czyżowice (Zeiselwitz) wurde in den 1990er Jahren aus der Gemeinde Biała in die Gemeinde Prudnik ausgegliedert.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Bevölkerung der Gemeinde Zülz nach Nationalitäten laut der letzten polnischen Volkszählung 2002.[5]

Nationalitäten in Zülz
Nationalität Anzahl Anteil
Polnisch 5830 48,0 %
Deutsch 5191 42,7 %
Schlesisch 571 4,7 %
keine Angabe 536 4,4 %

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes Chrząszcz: Geschichte von Zülz. (Sonderabdruck aus der Zeitschrift Oberschlesische Heimat) (djvu-Datei)
  • Johannes Chrząszcz: Geschichte der Stadt Zülz in Oberschlesien; von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. (Mitautoren: Hanke, Israel Rabin; Herausgeber: Magistrat Zülz, 1926)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zülz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 3. Dezember 2013.
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 3. Dezember 2013.
  3. Quellen der Einwohnerzahlen:
    1780, 1782, 1807, 1834, 1845: [1] – 1885: [2] – 1910: [3] – 1933, 1939: [4] – 1971: Heinz Rudolf Fritsche: Schlesien Wegweiser. Bechtermünz Verlag, Augsburg 1996 – 1980: Encyklopedia Powszechna PWN – 1995, 2000, 2005: [5]
  4. Vgl. Hugo Saurma, Hrsg.: Wappenbuch der Schlesischen Städte und Städtel. Berlin 1870
  5. Vgl. Polnisches Haupt-Statistikamt (GUS) (xls)