Braunrote Stendelwurz

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Braunrote Stendelwurz
Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens)

Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens)

Systematik
Familie: Orchideen (Orchidaceae)
Unterfamilie: Epidendroideae
Tribus: Neottieae
Untertribus: Limodorinae
Gattung: Stendelwurzen (Epipactis)
Art: Braunrote Stendelwurz
Wissenschaftlicher Name
Epipactis atrorubens
(Hoffm. ex Bernh.) Besser

Die Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens),[1] auch Rotbraune Stendelwurz, Dunkelrote Stendelwurz oder Schwarzrote Stendelwurz, Braunroter Sitter oder Schwarzroter Sitter, Strandvanille oder Vanilleständel genannt, ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Orchideen (Orchidaceae).

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Braunrote Stendelwurz ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen zwischen 20 und 80 Zentimetern erreicht. Sie bildet ein kurzes, oft mehrtriebiges Rhizom mit zahlreichen fleischigen Wurzeln.

Die Pflanze blüht von Juni bis August mit aufrechtem, im oberen Teil dicht behaartem, meist purpur überlaufenem Blütenstand. Die zygomorphen Blüten können bisweilen in ihrer Farbe variieren, sind in der Regel aber braunrot oder auberginefarben gefärbt und werden durch Insekten, oft durch Bienen, bestäubt oder sind selbstbestäubend. Sie verströmen besonders bei warmem Wetter intensiven Vanilleduft, weshalb die Pflanze auch als „Strandvanille“ bezeichnet wird. Aus den gebildeten Kapselfrüchten werden die leichten, staubartigen Samen durch Wind verbreitet.

Von der Braunroten Stendelwurz sind natürliche Hybriden mit anderen Epipactis-Arten bekannt.

Vorkommen und Gefährdung[Bearbeiten]

Die Vorkommen der Braunroten Stendelwurz sind stets verstreut und reichen im Norden bis an die boreale, im Süden an die meridionale Zone und in Richtung Osten bis Zentralsibirien und zum Kaukasus. In Mitteleuropa fehlt sie im Tiefland mit Ausnahme an den sandigen Küsten. Auch insgesamt ist sie selten, kommt aber an ihren Standorten meist in meist kleineren Trupps oder in sehr lockeren, individuenarmen Beständen vor.[2] Die Braunrote Stendelwurz ist auch in Gebirgslagen anzutreffen, in den südlichen Alpen etwa bis auf Höhenlagen von 2400 Metern. Sie steigt in den Alpen bis in Höhenlagen von etwa 2000 Meter auf.[2]

Man findet die Pflanze in hellen Wäldern, Säumen und an trocken-warmen Standorten, bevorzugt auf basisch bis neutralen, nährstoffarmen, durchlässigen Sand- und Steinböden. Sie gilt aber auch als Pionierart, die gern Brachland, Bahndämme und Halden besiedelt, die sich in einem frühen bis mittleren Sukzessionsstadium mit Gras- und Staudengesellschaften und lichtem Birkenbestand befinden. Die Orchidee besiedelt auch extrem trockene Standorte und kommt selbst auf Sanddünen vor. Die Braunrote Stendelwurz gedeiht am bester auf kalkreichen, aber ausgesprochen stickstoffarmen, trockenen Böden. Sie bevorzugt lichte Gebüsche oder Trockenwälder.[2]

In Mitteleuropa ist die Braunrote Stendelwurz – wie alle Orchideen – seit Jahrzehnten im Rückgang begriffen, gehört jedoch nicht zu den stark bedrohten Orchideenarten. Wie alle einheimischen Orchideenarten steht die Braunrote Stendelwurz unter Naturschutz. Die Standorte der Braunroten Stendelwurz sind in den Dünen fast alle vernichtet worden. Vermutlich kommt sie heute noch auf Rügen und auf Usedom vor. Dass sie früher in den Küstengebieten wohl bekannt war, geht auch aus dem Volksnamen „Strandvanille“ hervor, der sich- außer auf den Standort- auf den Vanilleduft bezieht. Heute ist die Pflanze auch in den Kalk-Mittelgebirgen selten geworden.[2]

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Füller: Epipactis und Cephalanthera (Orchideen Mitteleuropas, 5. Teil). 4. Auflage (unveränderter Nachdruck der 3. Auflage von 1986). Westarp Wissenschaften, Hohenwarsleben 2005 (Die Neue Brehm-Bücherei, Band 329), ISBN 3-89432-310-8
  • AHO (Hrsg.): Die Orchideen Deutschlands. Verlag AHO Thüringen, Uhlstädt - Kirchhasel 2005, ISBN 3-00-014853-1

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Braunrote Stendelwurz. In: FloraWeb.de.
  2. a b c d  Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas. 2. Auflage. Band 5: Schwanenblumengewächse bis Wasserlinsengewächse, Franckh-Kosmos, Stuttgart 2000, ISBN 3-440-08048-X.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
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