Kleines Knabenkraut

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Kleines Knabenkraut
Kleines Knabenkraut (Orchis morio)

Kleines Knabenkraut (Orchis morio)

Systematik
Familie: Orchideen (Orchidaceae)
Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Orchideae
Untertribus: Orchidinae
Gattung: Knabenkräuter (Orchis)
Art: Kleines Knabenkraut
Wissenschaftlicher Name
Orchis morio
L.

Das Kleine Knabenkraut (Orchis morio)[1], auch Salep-Knabenkraut oder Narrenkappe genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Knabenkräuter (Orchis) innerhalb der Familie der Orchideen (Orchidaceae).

Beschreibung und Phänologie[Bearbeiten]

Illustration aus Sturm
Ausschnitt eines Blütenstandes und Blüten.
Zygomorphe Blüte

Das Kleine Knabenkraut ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 8 bis 50 Zentimetern erreicht. Die meist in einer grundständigen Rosette stehenden Laubblätter sind lanzettlich, meist spitz, gelegentlich auch mit abgerundeter Spitze, 3 bis 10 Zentimeter lang und etwa 1 bis 2 Zentimeter breit. Der Stängel ist kräftig, etwas kantig und nach oben hin violett überlaufen.

Der Blütenstand ist meist reichblütig. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und dreizählig. Die Blütenfarben sind überwiegend purpurrot, können aber auch nahezu weiß sein. Das mittlere Kelchblatt und die Kronblätter bilden einen Helm. Die seitlichen Kelchblätter besitzen ein auffälliges, grünes Linienmuster und stehen etwas ab. Die Lippe ist bis 10 Millimeter lang und 16 Millimeter breit, schwach bis mäßig dreilappig. Die Seitenlappen sind flach ausgebreitet oder nach hinten geschlagen. Die Lippenbasis ist heller mit dunkleren Punkten oder Strichmuster. Der zylindrische Sporn ist aufwärts gebogen und kürzer als der Fruchtknoten.

Das Kleine Knabenkraut zählt zu den ersten Pflanzenarten, die auf einer Wiese blühen. Es erscheint bereits Ende April, im Mittelmeergebiet bereits ab März.

Ökologie[Bearbeiten]

Das Kleine Knabenkraut ist blütenökologisch eine Scheinsaftblume, weil im Sporn kein Nektar enthalten ist. Da das Kleine Knabenkraut selbststeril ist, kann sie ohne Bestäubung der Blüten keine Samen bilden.

Verbreitung, Standorte und Gefährdung[Bearbeiten]

Habitus im Habitat

Durch die Vielgestaltigkeit der Orchis morio-Gruppe ist das Verbreitungsgebiet schwer abzugrenzen. Das Kleine Knabenkraut ist ein europäisches Florenelement. Orchis morio im engeren Sinne ist in Europa, Nordafrika, Vorderasien und Kaukasien verbreitet. Sein Areal erstreckt sich nordwärts bis England, Skandinavien und bis zum Baltikum; das südliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Portugal und nordwestliche Afrika über Kreta bis zur Türkei.[2]

Im Tiefland Mitteleuropas tritt es vereinzelt auf und steigt in den Alpen kaum über Höhenlagen von 1500 Metern. An seinen Standorten tritt es zuweilen in größeren, mäßig dichten, individuenreichen Beständen auf.[2] In der Nordhälfte Deutschlands hat das Kleine Knabenkraut nur noch sehr wenige Standorte.

Es kommt auf Magerrasen, mitunter auch auf Trockenrasen, mäßig feuchten Wiesen,trockeneren Bereichen von Feuchtwiese und lichten Wäldern vor. Es braucht ungedüngte Standorte. Es besiedelt in Mitteleuropa Halbtrockenrasen und einschürige Trockenwiesen ebenso wie einschürige, kurzrasige feuchte Wiesen.[2]

Das Kleine Knabenkraut ist gilt als Charakterart Verbandes Mesobromion. Es hat eine breite ökologische Amplitude, da sie sowohl auf kalkreichen als auch auf kalkfreien Magerrasen vorkommt.

Das Kleine Knabenkraut gedeiht am besten auf stickstoffarmen, schwach sauren oder leicht basischen Wiesenboden, der nicht dauernd trocken sein sollte.[2]

Durch Düngung wurden viele Standorte in Fettwiesen umgewandelt und daher vernichtet.[2]

Das Kleine Knabenkraut ist eine Orchidee, die im 19. Jahrhundert noch sehr häufig war. Sie verträgt kaum Düngung, toleriert diese aber zumindest zeitweise noch etwas mehr als beispielsweise das Brand-Knabenkraut. In der Nordhälfte Deutschlands sind weit mehr Vorkommen erloschen als in Süddeutschland.

Um auf die Gefährdung dieser Orchidee hinzuweisen, wurde das Kleine Knabenkraut vom Arbeitskreis Heimischer Orchideen (AHO) in Deutschland im Jahr 1991 zur Orchidee des Jahres gewählt.

Hybriden[Bearbeiten]

Das Kleine Knabenkraut (Orchis morio) hybridisiert mit nahe verwandten Arten wie dem Schmetterlings-Knabenkraut (Orchis papilionacea), Sumpf-Knabenkraut (Orchis palustris) und der Pyramiden-Hundswurz (Anacamptis pyramidalis).

Systematik[Bearbeiten]

Das Artepitheton morio leitet sich vom griechischen Wort moros für Narr ab.

Nach neueren taxonomischen Erkenntnissen wird Orchis morio der Gattung Anacamptis zugeordnet: Anacamptis morio (L.) R.M.Bateman, Pridgeon & M.W.Chase.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korr. u. erw. Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  • Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi, Arno Wörz (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 8: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklassen Commelinidae Teil 2, Arecidae, Liliidae Teil 2): Juncaceae bis Orchidaceae. Eugen Ulmer, Stuttgart 1998, ISBN 3-8001-3359-8.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kleines Knabenkraut. In: FloraWeb.de.
  2. a b c d e  Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas. 2. Auflage. Band 5: Schwanenblumengewächse bis Wasserlinsengewächse, Franckh-Kosmos, Stuttgart 2000, ISBN 3-440-08048-X.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kleines Knabenkraut (Orchis morio) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien