Byczyna

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Byczyna
Wappen von Byczyna
Byczyna (Polen)
Byczyna
Byczyna
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Opole
Landkreis: Kluczbork
Fläche: 5,79 km²
Geographische Lage: 51° 7′ N, 18° 18′ O51.11666666666718.3Koordinaten: 51° 7′ 0″ N, 18° 18′ 0″ O
Einwohner: 3714
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 46-220
Telefonvorwahl: (+48) 77
Kfz-Kennzeichen: OKL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: KluczborkKępno
Schienenweg: KatowicePosen
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 182,89 km²
Einwohner: 9546
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 52 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 1604013
Verwaltung (Stand: 2012)
Bürgermeister: Ryszard Grüner
Adresse: Rynek 1
46-220 Byczyna
Webpräsenz: www.byczyna.pl

Byczyna [bɨˈʧɨna] (deutsch Pitschen) ist eine Stadt in der Wojewodschaft Oppeln in Polen. Sie ist Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde und gehört zum Powiat Kluczborski.

Geographie[Bearbeiten]

Byczyna liegt 16 Kilometer nördlich von Kluczbork (Kreuzburg) in der Oels-Kreuzburger Ackerebene. Nachbarorte sind Jaśkowice (Jaschkowitz) im Norden, Borek (Borek) und Sierosławice (Schiroslawitz) im Nordosten, Gosław (Goslau) und Paruszowice (Baumgarten) im Südosten, Biskupice (Bischdorf) und Sarnów (Sarnau) im Süden, Kochlowice (Kochelsdorf) und Polanowice (Polanowitz) im Südwesten sowie Miechowa (Omechau) und Ciecierzyn (Neudorf) im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Rathaus
„Deutscher Turm“ in der Stadtmauer

„Byscina“ wurde erstmals 1228 in einem Dokument des Herzogs Heinrich I. von Schlesien erwähnt. Aus Grabfunden kann jedoch geschlossen werden, dass hier schon im 12. Jahrhundert eine slawische Siedlung bestand. 1268 verlieh der Breslauer Bischof den bestehenden und künftigen Zehnten aus dem Pitschener Distrikt dem Breslauer Domkapitel. Es wird angenommen, dass um diese Zeit die Besiedlung mit Deutschen erfolgte und Pitschen deutschrechtlich umgesetzt wurde. Die Stadt wurde auf einem Hügel angelegt und erhielt auf einem ovalen Grundriss ein regelmäßiges Straßennetz. Sie war von einer Mauer umgeben, in der sich im Westen das „Deutsche Tor“ und im Osten das „Polnische Tor“ befanden. Auf dem rechteckigen Ring wurde das Rathaus errichtet.

Pitschen gehörte zunächst zum Oppelner Land (Silesia Opoliensis) . Als dieses 1202 dem Herzogtum Ratibor eingegliedert wurde, fiel Pitschen an das Herzogtum Schlesien (zu dem das Oppelner Land damals nicht gezählt wurde) und nach dessen Teilung 1248/51 an das Herzogtum Breslau. 1294 fiel Pitschen zusammen mit dem ganzen Nordosten des Herzogtums Breslau an das Herzogtum Glogau und bei dessen Teilung 1312 an das neue Herzogtum Oels. 1323 gelangte es schließlich an das Herzogtum Brieg, das Herzog Boleslaw III. 1329 zusammen mit dem Herzogtum Liegnitz als ein Lehen seinem Schwager, dem böhmischen König Johann von Luxemburg übertrug und damit der Krone Böhmen unterstellte. Der Übergang an Böhmen wurde 1335 mit dem Vertrag von Trentschin besiegelt. Nachfolgend wurde Pitschen von den Brieger Herzögen mehrmals verpfändet:

Durch seine Grenznähe zu Großpolen, das nur vier Kilometer entfernt lag, musste Pitschen häufig polnische Überfälle und Plünderungen erleiden. Während der Hussitenkriege wurde es vom Hussitenführer Dobeslaus Puchala eingenommen, der seinen Stützpunkt in Kreuzburg hatte.

Unter Herzog Friedrich II. wurde 1544 in Pitschen, wie im gesamten Herzogtum Brieg, die Reformation eingeführt. 1588 wurde in der Schlacht bei Pitschen der nach einer Doppelwahl zum König von Polen gewählte Maximilian III. im Auftrag von König Sigismund III. Wasa von Kanzler Jan Zamoyski geschlagen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde es von dänischen, schwedischen und polnischen Truppen sowie den Kaiserlichen heimgesucht und 1627 sowie 1637 zerstört. 1655 vernichtete ein Großbrand weite Teile der Stadt. Nach einem weiteren Brand 1757 erfolgte die Wiederaufbau in Ziegelbauweise.

Mit dem Tod des Herzogs Georg Wilhelm I., mit dem die Schlesischen Piasten im Mannesstamm erloschen, fiel Pitschen 1675 zusammen mit den Herzogtümern Brieg, Liegnitz und Wohlau durch Heimfall an die Krone Böhmen, die seit 1526 die Habsburger innehatten. Unter dem böhmischen Landesherrn wurde die Gegenreformation gezielt durchgeführt. 1707 mussten die Maßnahmen aufgrund der Altranstädter Konvention rückgängig gemacht werden. Sie führte allerdings auch dazu, dass die Stadt 1767 für die Katholiken eine Kirche erbauen musste.

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel Pitschen wie fast ganz Schlesien an Preußen. Nach der Neugliederung Preußens gehörte es seit 1815 Landkreis Kreuzburg O.S., der 1820 dem Regierungsbezirk Oppeln eingegliedert wurde.

Von wirtschaftlicher Bedeutung waren neben den Handwerkern die Leineweberei sowie das Brauwesen. Auf den Jahrmärkten, die von der Nähe zur polnischen Grenze profitierten, wurden überwiegend Flachs, Honig, Wachs und Vieh gehandelt. Für das Jahr 1727 ist als Hohlmaß der „Pitschnische Scheffel“ belegt. 1875 erhielt Pitschen Eisenbahnanschluss an der Strecke von Kreuzburg nach Posen.

Der Bevölkerungsanstieg war mäßig: 1787 wurden 1313; 1825: 1593; 1905: 2306; 1939: 3021 und 1961: 2206 Einwohner gezählt. 1910 waren 82 % der Einwohner Deutsche. Sie sprachen sich bei der Volksabstimmung in Oberschlesien vom 20. März 1921 zu 97 % für den Verbleib bei Deutschland aus. Durch den Wegfall Ostoberschlesiens verlor Pitschen 1922 einen Teil seiner wirtschaftlichen Beziehungen.

Pitschen hatte auch eine jüdische Bevölkerung. Um 1850 gab es 105 Juden in Pitschen. Nach dem Ersten Weltkrieg in der Zeit des Kampfes um Oberschlesien verließen viele Juden Pitschen, sodass es im Jahre 1926 nur noch 40 Juden in der Stadt gab. Die Juden sprachen sich für den Verbleib Oberschlesiens bei Deutschland aus. Das 1882 errichtete Bethaus (kleine Synagoge) ist erhalten und ist heute im Privatbesitz. An dem Haus befindet sich kein Hinweis auf seine frühere Geschichte. Nach 1932/33 wanderten Juden aus, sodass es 1936 nur noch 18 Juden und 1939 keinen Juden mehr in der Stadt gegeben hat. Der jüdische Friedhof Pitschen ist auch erhalten. Er befindet sich außerhalb der Stadtgrenzen (ungefähr 3 km von der Stadt entfernt). Er liegt auf einem malerischen Hügel ungefähr 400 m von der Straße (in der Nähe eines Bahnüberganges) nicht weit vom Dorf Biskupice entfernt.

Durch die Nähe der polnischen Grenze war Pitschen bereits am ersten Tag des Zweiten Weltkrieges in den Krieg einbezogen; im Vorfeld war durch SS-Einheiten ein provokatorischer Überfall polnischer Truppen auf das Pitschener Forsthaus vorgetäuscht worden. Die Rote Armee erreichte Pitschen am 19. Januar 1945. Am 8. Mai 1945 fiel Pitschen als Folge des Zweiten Weltkriegs an Polen und wurde in Byczyna umbenannt. Bei Kriegsende wurden mehr als 200 Zivilisten erschossen, darunter am Bahnhof die Eisenbahner und Personen, die keinen Platz mehr im Flüchtlingszug bekommen hatten.[2] 1945/46 wurde die deutsche Bevölkerung weitgehend vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner waren zum Teil Heimatvertriebene aus Ostpolen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Evangelische Stadtkirche
  • Die katholische Pfarrkirche der Hl. Dreifaltigkeit wurde 1767 erbaut. Es ist eine Saalkirche mit spätbarocker Innenausstattung.
  • Die St.-Nikolaus-Kirche (heute St. Petrus) im Nordwesten der Stadt ist für das Jahr 1283 belegt. Ende des 14. Jahrhunderts wurde sie neu aufgebaut und 1886/88 erneuert. Ab 1556 diente sie als evangelisches, 1694–1707 als katholisches Gotteshaus. Auf einer am 9. Mai 2004 eingeweihten Gedenktafel in der Kirche stehen die Namen der bei Kriegsende 1945 getöteten Pitschener, die ermittelt werden konnten, darunter auch des Pitschener Pfarrers Karl Wradzidlo.[3]
  • Die St.-Hedwigs-Kapelle außerhalb der Stadtmauern entstammt ebenfalls dem 14. Jahrhundert.
  • Stadtmauer aus dem 15./16. Jahrhundert mit zwei Tortürmen und dem Sandturm.
  • Das Rathaus wurde nach einem Brand 1757 nach Entwurf des Architekten Johann Martin Pohlmann im Stil des Barock-Klassizismus wiederaufgebaut. 1945 wurde es zerstört und 1963/67 wiederaufgebaut.

Bekannte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Gemeinde[Bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Byczyna gliedert sich neben dem gleichnamigen Hauptort in folgende Ortsteile:

  • Biskupice (Bischdorf)
  • Borek (Borek; 1935–45: Waldungen)
  • Chudoba (Chudoba)
  • Ciecierzyn (Neudorf)
  • Dobiercice (Wilmsdorf)
  • Gołkowice (Golkowitz; 1936–45: Alteneichen)
  • Gosław (Goslau)
  • Jakubowice (Jakobsdorf)
  • Jaśkowice (Jaschkowitz; 1936–45: Auenfelde)
  • Janówka (Janowka)
  • Kochłowice (Kochelsdorf)
  • Kostów (Kostau)
  • Miechowa (Omechau)
  • Nasale (Nassadel)
  • Paruszowice (Baumgarten)
  • Pogorzałka (Hellewald)
  • Polanowice (Polanowitz; 1936–45: Kornfelde)
  • Proślice (Proschlitz; 1936–45: Angersdorf)
  • Pszczonki (Schonke)
  • Roszkowice (Roschkowitz; 1936–45: Röstfelde)
  • Sarnów (Sarnau)
  • Sierosławice (Schiroslawitz; 1936–45: Grenzfelde)
  • Wojsławice (Woislawitz; 1936–45: Kirchlinden)

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Byczyna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 9. Juli 2014.
  2. Georg Gunter: Letzter Lorbeer, 1974, S. 127
  3. Franz Scholz: Leiden und Sterben schlesischer Priester 1945/46, S. 78