C/1861 J1 (Großer Komet)

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C/1861 J1 (Großer Komet)
Great Comet 1861.jpg
Eigenschaften des Orbits (Animation)
Epoche: 25. Mai 1861 (JD 2.400.920,5)
Orbittyp langperiodisch
Numerische Exzentrizität 0,9851
Perihel 0,822 AE
Aphel 109,3 AE
Große Halbachse 55,1 AE
Siderische Umlaufzeit ~409 a
Neigung der Bahnebene 85,4°
Periheldurchgang 12. Juni 1861
Bahngeschwindigkeit im Perihel 46,3 km/s
Geschichte
Entdecker John Tebbutt
Datum der Entdeckung 13. Mai 1861
Ältere Bezeichnung 1861 II
Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten von JPL Small-Body Database Browser. Bitte auch den Hinweis zu Kometenartikeln beachten.

C/1861 J1 (Großer Komet) (auch Komet Tebbutt genannt) war ein Komet, der im ganzen Sommer 1861 mit dem bloßen Auge gesehen werden konnte. Wegen seiner außerordentlichen Helligkeit und des erdnahen, extrem breiten Schweifes zählt er zu den spektakulärsten unter den „Großen Kometen“ der Astronomiegeschichte.

Entdeckungsgeschichte[Bearbeiten]

Am Abend des 13. Mai 1861 suchte John Tebbutt in Windsor (New South Wales), Australien den westlichen Himmel mit einem kleinen Fernrohr nach Kometen ab, als er ein schwaches nebliges Objekt auffand, dessen Helligkeit er auf etwa 5 mag schätzte. Er wusste nicht, ob es ein Komet war und beschloss, es in den nächsten Nächten weiter zu beobachten. Es zeigte aber zunächst keine bemerkbare Eigenbewegung, so dass er schon daran zweifelte, dass es ein Komet wäre. Erst am 21. Mai, acht Tage nach seiner Entdeckung, konnte er erstmals eine Bewegung vor dem Sternhintergrund feststellen und sandte eine Meldung an das Sydney Observatory, wo William Scott es auch beobachten konnte.[1] Am 27. Mai gelang es diesem erstmals, den Kometen mit bloßem Auge zu sichten.

Tebbutt sah aus seinen Beobachtungen, dass sich der Komet annähernd auf die Erde zu bewegte. Er konnte eine „grobe ungefähre Bahn“ des Kometen berechnen, die im Sydney Morning Herald publiziert wurde, ebenso wie die Vorhersage, dass der Komet sich um den 29. Juni der Erde nähern würde und die Erde nicht weit entfernt den Schweif des Kometen passieren würde. Tebbutt vermutete auch, dass der Komet um diese Zeit am Taghimmel sichtbar werden könnte. Diese Vorhersagen lösten aber anscheinend keine Bestürzung bei den Lesern aus, ganz im Gegensatz zur Wirkung ähnlicher Vorhersagen 50 Jahre später, als die Erde bei der Wiederkehr des Kometen Halley durch dessen Schweif ging.

Außergewöhnlicher Kometenschweif[Bearbeiten]

Am 3. Juni wurde der Komet in der Morgendämmerung in Kapstadt gesehen mit einer Helligkeit von 2 bis 3 mag und einer Schweiflänge von 3°. Nur zwei Wochen später war der Schweif schon „länger als der jedes anderen Kometen, der auf der [Süd-]Halbkugel gesehen wurde seit dem denkwürdigen von 1843“, wie ein Korrespondent des Herald am 19. Juni schrieb. Am 20. Juni konnte festgestellt werden, dass sich der Schweif des Kometen in zwei Teile aufgespaltet hatte, ein längerer von 40° Länge und ein kürzerer von 5° Länge, die weit auseinander klafften.

Am 30. Juni war der Komet noch vor Sonnenuntergang zu beobachten und die Helligkeit, die in der Nacht vom Schweif ausging, war so stark, dass sie Schatten auf einer weißen Wand warf, wie Johann Friedrich Julius Schmidt in Athen berichtete. Die Helligkeit des Kometenkerns lag dabei zwischen der von Venus und Jupiter. Der Grund für die ungewöhnliche Flächenhelligkeit des Schweifs wurde verursacht durch Vorwärtsstreuung des Sonnenlichts an Staubpartikeln in der Koma, da der Komet zwischen Sonne und Erde stand und sein Schweif fast in Richtung Erde zeigte. Möglicherweise ging sie sogar durch einen Teil des Staubschweifs, da es in jenen Tagen sehr viele auffällige Leuchterscheinungen in der Atmosphäre gab, wie John Russell Hind in England ebenso wie Tebbutt in Australien berichteten. Auch teleskopische Beobachtungen des Kometenkerns zeigten merkwürdige Effekte wie Lichtschleier und -strahlen.

Zeichnung des Kometenkopfs am 30. Juni

Nach diesem großartigen Schauspiel Anfang Juli nahm die Helligkeit des Kometen wieder spürbar ab. Während zunächst noch Schweiflängen von 90 bis 120° beobachtet wurden, gab es auch am 5. Juli noch Berichte über 85° Länge des Hauptschweifs und 30° Länge des Sekundärschweifs. David Livingstone konnte den Kometen am 6. Juli während seiner Reise auf dem Fluss Shire in Malawi beobachten.

Am 8. Juli schien der Sekundärschweif verschwunden gewesen zu sein, während der Hauptschweif noch um 30° lang war. Mit zunehmender Entfernung von Sonne und Erde nahm die Helligkeit des Kometen rasch ab. Am 12. Juli betrug sie noch 3 mag mit 20 bis 30° Schweiflänge und Mitte August 5 mag mit 2,5° Schweiflänge. Die letzte Beobachtung mit bloßem Auge erfolgte am 15. August durch Eduard Heis. Teleskopische Beobachtungen konnten noch bis zum 30. April des folgenden Jahres durch Friedrich August Theodor Winnecke und Otto Wilhelm von Struve in Russland weitergeführt werden, als die Helligkeit des Kometen unter 14 mag sank.[2][3]

Der Komet erreichte am 27. Juni 1861 eine Helligkeit von 0 mag.[4]

Auswirkungen auf den Zeitgeist[Bearbeiten]

Das Erscheinen des Kometen fiel zeitlich mit dem Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkriegs zusammen. Es gab aus diesem Anlass eine Vielzahl von Karikaturen, in denen der Komet mit dem Kopf verschiedener zeitgenössischer Politiker oder Militärs dargestellt wurde, wie Abraham Lincoln oder General Winfield Scott.[5]

Wissenschaftliche Auswertung[Bearbeiten]

Nach der ersten Berechnung einer parabolischen Umlaufbahn durch Tebbutt kurz nach der Entdeckung erfolgten bald darauf mit den Vorliegen weiterer Beobachtungsdaten zahlreiche weitere Versuche, die Bahnelemente des Kometen zu bestimmen, u.a. von Maurice Loewy, John Russell Hind, Asaph Hall und Horace Parnell Tuttle. Diese bestimmten jeweils parabolische Bahnen, in einem Fall auch eine hyperbolische Bahn. Im September 1861 konnte die wahre Umlaufbahn des Kometen erstmals durch Arthur von Auwers als elliptisch bestimmt werden.

Als der Komet bereits wieder verschwunden war, konnten Bahnelemente berechnet werden, die die gesamte Zeit seiner Sichtbarkeit umfassten. Heinrich Kreutz ermittelte schließlich 1880 aus 1159 Beobachtungsdaten über einen Zeitraum von 339 Tagen Bahnparameter des Kometen, die auf eine Umlaufzeit von 409 Jahren hindeuten. Der Komet hat damit nach dem Halleyschen Kometen die kürzeste Umlaufzeit aller Großen Kometen.

Kreutz berechnete diese Werte vor dem Aufkommen moderner Computer und konnte nur die wichtigsten Störeinflüsse von vier Planeten berücksichtigen. Richard L. Branham berechnete 2013 unter Verwendung von 2362 Beobachtungsdaten zwischen Mai 1861 und März 1862 und unter Berücksichtigung der Störeinflüsse aller Planeten und weiterer mathematischer Verfahren neue Bahnelemente für den Kometen.[6] Die folgenden Angaben beruhen auf den Bahnelementen von Kreutz.

Umlaufbahn[Bearbeiten]

Für den Kometen konnte eine elliptische Umlaufbahn bestimmt werden, die um fast 90° gegen die Ekliptik geneigt ist. Die Bahn des Kometen steht damit nahezu senkrecht auf der Bahnebene der Erde. Im sonnennächsten Punkt der Bahn (Perihel), den der Komet am 12. Juni 1861 durchlaufen hat, befand er sich mit etwa 123,0 Mio. km Sonnenabstand im Bereich zwischen den Umlaufbahnen der Venus und der Erde. Am 30. Juni erreichte er mit 0,13 AE/19,8 Mio. km die größte Annäherung an die Erde. Diese große Erdnähe war auch der Grund für seine beobachtete Helligkeit.

Der Komet bewegt sich auf einer langgestreckten elliptischen Bahn um die Sonne, die fast genau senkrecht zu den Bahnen aller Planeten steht. Eine solche Bahn ist über lange Zeit relativ stabil, da keine Annäherungen an die großen Planeten stattfinden. Nach den von Kreutz errechneten Bahnelementen könnte er zuvor bereits um das Jahr 1499 erschienen sein. Aus diesem Jahr gibt es zwar keine Berichte über einen auffälligen Kometen. Aus dem Fernen Osten gibt es allerdings aus dem Jahr 1500 Berichte über die Sichtung eines Kometen.[7] Die Bahnelemente dieses Kometen C/1500 H1, die aus 10 Beobachtungen abgeleitet wurden, deuten mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf hin, dass es sich um denselben Kometen gehandelt haben könnte wie den von 1861, die Umlaufzeit hätte danach vor dem letzten Periheldurchgang etwa 361 Jahre betragen.

Bei der letzten Passage durch das innere Sonnensystem im Jahr 1861 wurde die Bahnexzentrizität um etwa 0,001 und die Große Halbachse der Bahn von zuvor etwa 50,8 AE auf etwa 54,8 AE vergrößert, so dass sich die Umlaufzeit des Kometen erhöhte. Wenn er im Jahr 2063 den sonnenfernsten Punkt (Aphel) seiner Bahn erreicht, wird er etwa 16,3 Mrd. km von der Sonne entfernt sein, fast 109-mal so weit wie die Erde und über 3 ½-mal so weit wie Neptun. Seine Bahngeschwindigkeit im Aphel beträgt nur etwa 0,35 km/s. Der nächste Periheldurchgang des Kometen wird möglicherweise um das Jahr 2267 stattfinden.[8]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nick Lomb: The discovery of the Great Comet of 1861 by John Tebbutt. Abgerufen am 9. September 2014 (englisch).
  2. D. A. J. Seargent: The Greatest Comets in History: Broom Stars and Celestial Scimitars. Springer, New York 2009, ISBN 978-0-387-09512-7, S. 136–142.
  3. G. W. Kronk: Cometography - A Catalog of Comets, Volume 2. 1800–1899. Cambridge University Press, 2003, ISBN 0-521-58505-8, S. 293–302.
  4. Donald K. Yeomans: NASA JPL Solar System Dynamics: Great Comets in History. Abgerufen am 17. Juni 2014 (englisch).
  5. Americas studies blog - The Great Comet of 1861 and the Civil War. British Library, abgerufen am 9. September 2014 (englisch).
  6. Richard L. Branham: A New Orbit for Comet C/1861 J1 (Great Comet of 1861). In: Revista Mexicana de Astronomía y Astrofísica. Vol. 50, 2014, S. 109–118 (PDF; 408 kB). Die veröffentlichten Werte sind leider unbrauchbar, da sie einen groben Fehler enthalten und nicht entfernt die Bahn des Kometen von 1861 widerspiegeln.
  7. I. Hasegawa, S. Nakano: Periodic Comets Found in Historical Records. In: Publications of the Astronomical Society of Japan. Vol. 47, 1995, S. 699–671. (PDF; 337 kB).
  8. SOLEX 11.0 von A. Vitagliano. Abgerufen am 2. Mai 2014 (englisch).