Chinesischer Kalender

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Der chinesische Kalender, heute als „Bauernkalender“ (chinesisch 農曆 / 农历Pinyin Nónglì) bezeichnet, war der offizielle Kalender des Kaiserreichs China. Er ist eine Kombination aus einem Lunisolarkalender und einem Sonnenkalender.[1] Die traditionelle Bezeichnung war Huánglì (皇历, auch 黄历 ‚kaiserlicher Kalender‘); heute verwendete Bezeichnungen sind ebenfalls Xiàlì (夏曆 ‚Chinesischer Kalender‘), Yīnlì (陰曆 ‚Mondkalender‘) oder Jiùlì (舊曆 ‚Chinesischer Mondkalender‘).

Der chinesische Kalender wird heute noch im gesamten chinesischsprachigen Raum für die Berechnung traditioneller chinesischer Feiertage, wie des „Frühlingsfestes“ am 1. Tag des 1. Monats (春節 / 春节Chūnjié), des „Drachenbootfestes“ am 5. Tag des 5. Monats, (端午节Duānwǔjié), des „Mondfestes“ am 15. Tag des 8. Monats (中秋Zhōngqiū) und des „Doppel-Neun-Festes“ am 9. Tag des 9. Monat (重九節Chóngjiǔ; auch 重阳节Chóngyángjié) verwendet. Darüber hinaus dient er Anhängern der chinesischen Astrologie als Berechnungsgrundlage für die Festlegung „günstiger“ Tage, um Feste und Feiern zu begehen, bzw. der Vermeidung besonderer Aktivitäten an „ungünstigen Tagen“.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach dem Ende der Qing-Dynastie wurde der chinesische Kalender am 1. Januar 1912, dem Datum der Gründung der Republik China, durch den gregorianischen Kalender abgelöst. Die Wirren in den Jahren nach der Republikgründung, der chinesische Bürgerkrieg und die teilweise Besetzung Chinas durch Japan verhinderten zunächst, dass sich das neue Kalendersystem, das in China Xīlì (西曆 ‚westlicher Kalender‘) oder auch Gōnglì (公曆 ‚bürgerlicher Kalender‘) genannt wird, im ganzen Land durchsetzte. Die Regierung der Kuomintang erneuerte daher die Einführung des gregorianischen Kalenders am 1. Januar 1929, und mit der Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 galt der westliche Kalender in ganz China. In der Volksrepublik China wurde dabei auch die westliche Zeitrechnung mit der Zählung ab Christi Geburt übernommen, wohingegen in der Republik China auf offiziellen Dokumenten ab Gründung der Republik im Jahr 1912 gezählt wird (siehe hierzu Minguo-Kalender).

Regelwerk[Bearbeiten]

Grundprinzipien[Bearbeiten]

Im traditionellen chinesischen Kalender ist das Jahr in Monate unterteilt, die jeweils einem Mondphasenzyklus entsprechen (Synodischer Monat = 29,5 Tage). Ein chinesisches Kalenderjahr mit 12 Mondmonaten ist ca. 354 Tage lang und damit kürzer als ein Sonnenjahr mit ca. 365 Tagen. Um zu erreichen, dass der Beginn des Kalenderjahres (chinesischen Neujahr) immer in dieselbe Jahreszeit (zwischen 21. Januar und 21. Februar) fällt, wird in einigen Kalenderjahren ein dreizehnter Monat (Schaltmonat) eingeschoben (siehe Lunisolarkalender).

Unabhängig von den Mondphasen und von der Jahresdefinition mit 12 oder 13 Mondumläufen gibt es eine Gliederung nach dem Sonnenjahr (ca. 365 Tage). Das Sonnenjahr wird durch 24 Jahreseinteilungen in etwa gleichem Abstand gegliedert, wobei jede zweite davon ein Zhōngqì („zentrale Jahreseinteilung“) ist.

Der heutige Kalender gilt seit der Reform von 1645, die mit Hilfe der Jesuiten (Adam Schall von Bell) durchgeführt wurde. Er lässt sich in den folgenden fünf Regeln zusammenfassen:

  1. Bezugspunkt ist der 120. östliche Meridian (Peking: 116°25'O).
  2. Der Tag beginnt um Mitternacht.
  3. Der Neumond fällt immer auf den ersten Tag eines Monats.
  4. Die Wintersonnenwende der Nordhalbkugel fällt immer auf den 11. Monat.
  5. Wird ein Schaltmonat notwendig, so ist der erste Monat zwischen zwei Wintersonnenwenden, auf den kein Zhōngqì fällt, ein Schaltmonat. Der Schaltmonat erhält dieselbe Zahl wie der vorherige Monat. Wenn der Schaltmonat beispielsweise dem zweiten Monat (二月) folgt, dann heißt er einfach „Geschalteter Zweiter Monat“ (閏二月 / 闰二月rùn’èryuè).

Die Berechnung des chinesischen Kalenders ist deswegen so kompliziert, weil sie nicht auf den Mittelwerten fußt sondern auf den exakten astronomischen Stellungen von Mond und Sonne. Die Zeit zwischen zwei Zhōngqì schwankt zwischen 29,44 und 31,44 Tagen, die eines synodischen Monats zwischen 29,27 und 29,84 Tagen. Daher kommt es in seltenen Fällen vor, dass auf einen Monat zwei Zhōngqì fallen und es Monate gibt, auf die kein Zhōngqì fällt, die aber nicht Schaltmonate sind (scheinbare Schaltmonate).

Schaltmonate[Bearbeiten]

Die folgende Tabelle zeigt für den Zeitraum 2012–2016 wie sich die Schaltmonate auswirken. Kursiv gesetzte Monatsanfänge bezeichnen einen Schaltmonat (闰), der nach dem regulären Monat eingefügt wird. 2012 begann das Wasser-Drache-Jahr (im 60-Jahre-Zyklus; 壬辰 rénchén das 29. Jahr), das vom 23. Januar 2012 bis 9. Februar 2013 lief. Es hatte den 4. (chinesischen) Monat als Schaltmonat.

Monatsanfang im gregorianischen Kalender[2]
Chinesischer Monat 壬辰
2012/2013
癸巳
2013/2014
甲午
2014/2015
乙未
2015/2016
丙申
2016/2017
1. Monat 正月 23. Januar 2012 10. Februar 2013 31. Januar 2014 19. Februar 2015 8. Februar 2016
2. Monat 二月 21. Februar 2012 12. März 2013 1. März 2014 20. März 2015 9. März 2016
3. Monat 三月 22. März 2012 10. April 2013 31. März 2014 19. April 2015 7. April 2016
4. Monat 四月 21. April 2012
21. Mai 2012
10. Mai 2013 29. April 2014 18. Mai 2015 7. Mai 2016
5. Monat 五月 19. Juni 2012 8. Juni 2013 29. Mai 2014 16. Juni 2015 5. Juni 2016
6. Monat 六月 19. Juli 2012 8. Juli 2013 27. Juni 2014 16. Juli 2015 4. Juli 2016
7. Monat 七月 17. August 2012 7. August 2013 27. Juli 2014 14. August 2015 3. August 2016
8. Monat 八月 16. September 2012 5. September 2013 25. August 2014 13. September 2015 1. September 2016
9. Monat 九月 15. Oktober 2012 5. Oktober 2013 24. September 2014
24. Oktober 2014
13. Oktober 2015 1. Oktober 2016
10. Monat 十月 13. November 2012 3. November 2013 22. November 2014 12. November 2015 31. Oktober 2016
11. Monat 十一月 13. Dezember 2012 3. Dezember 2013 22. Dezember 2014 11. Dezember 2015 29. November 2016
12. Monat 十二月 12. Januar 2013 1. Januar 2014 20. Januar 2015 10. Januar 2016 29. Dezember 2016

Chinesische Schaltmonate (1984-2025)

Jahr(年) Schaltmonat(闰月) Jahr(年) Schaltmonat(闰月)
1984 Geschalteter 10. Monat(闰十月) 2006 Geschalteter 07. Monat(闰七月)
1987 Geschalteter 06. Monat(闰六月) 2009 Geschalteter 05. Monat(闰五月)
1990 Geschalteter 05. Monat(闰五月) 2012 Geschalteter 04. Monat(闰四月)
1993 Geschalteter 03. Monat(闰三月) 2014 Geschalteter 09. Monat(闰九月)
1995 Geschalteter 08. Monat(闰八月) 2017 Geschalteter 06. Monat(闰六月)
1998 Geschalteter 05. Monat(闰五月) 2020 Geschalteter 04. Monat(闰四月)
2001 Geschalteter 04. Monat(闰四月) 2023 Geschalteter 02. Monat(闰二月)
2004 Geschalteter 02. Monat(闰二月) 2025 Geschalteter 06. Monat(闰六月)

Die 24 Jahreseinteilungen[Bearbeiten]

Das Jahr des Chinesischen Bauernkalenders (auch Festkalender, 農曆nónglì) ist untergliedert in 24 Stationen, die 24 Jahreseinteilungen (jiéqì 節氣), die das Sonnenjahr in 24 Teile gliedern. Genauer gesagt, wird die Ekliptik in 24 Teile (von je 15°, chūnfēn = 0° bis jīngzhé = 345°) unterteilt. Diese Stationen sind traditionell wichtig für die chinesische Landwirtschaft und werden auch heute noch in den meisten Kalendern in China und Taiwan verzeichnet[3]. Klimatisch gesehen treffen sie eher für Nordchina zu, für Südchina weniger.

Die zwölf Zhōngqì teilen die Ekliptik in zwölf Teile von jeweils 30°, wobei die Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen vier der zwölf Zhōngqì sind. Der mittlere zeitliche Abstand zwischen zwei Zhōngqì beträgt somit ein Zwölftel eines tropischen Jahres oder 30,43685 Tage und ist etwas länger als der mittlere synodische Monat von 29,53059 Tagen.

Beginnend mit Yǔshuǐ (雨水) ist jede zweite Station ein Zhōngqì (中氣). Aufgrund der Schaltjahre im Gregorianischen Kalender und der elliptischen Umlaufbahn der Erde ergeben sich leicht unterschiedliche Zeitabstände zwischen zwei Jahreseinteilungen. Deshalb schwanken die Daten etwas gegenüber dem Gregorianischen Kalender.

節氣(節) 中氣(氣)Zhōngqì
315° 立春Lìchūn Frühlingsanfang (3.–5. Februar) 330° 雨水Yǔshuǐ Regenwasser (18.–20. Februar)
345° 驚蟄Jīngzhé(1) Erwachen der Insekten (5.–7. März) 春分Chūnfēn Frühlingstagundnachtgleiche (20.–22. März)
15° 清明Qīngmíng Helle Klarheit bzw. helles Licht (4.–6. April) 30° 穀雨Gǔyǔ Getreideregen bzw. Saatregen (19.–21. April)
45° 立夏Lìxià Sommeranfang (5.–7. Mai) 60° 小滿Xiǎomǎn Kleine Fülle/Ährenbildung (20.–22. Mai)
75° 芒種Mángzhòng Körner mit Grannen/Ährenzeit (5.–7. Juni) 90° 夏至Xiàzhì Sommerankunft (21.–22. Juni, Sommersonnenwende)
105° 小暑Xiǎoshǔ Kleine Hitze (6.–8. Juli) 120° 大暑Dàshǔ Große Hitze (22.–24. Juli)
135° 立秋Lìqiū Herbstbeginn (7.–9. August) 150° 處暑Chǔshǔ Ende der Hitze (22.–24. August)
165° 白露Baílù Weißer Tau (7.–9. September) 180° 秋分Qiūfēn Herbsttagundnachtgleiche (22.–24. September)
195° 寒露Hánlù Kalter Tau (8.–9. Oktober) 210° 霜降Shuāngjiàng Fallender Reif (23.–24. Oktober)
225° 立冬Lìdōng Winterbeginn (7.–8. November) 240° 小雪Xiǎoxuě Mäßiger Schnee (22.–23. November)
255° 大雪Dàxuě Großer Schnee (6.–8. Dezember) 270° 冬至Dōngzhì Winterankunft (21.–23. Dezember, Wintersonnenwende)
285° 小寒Xiǎohán Mäßige Kälte (5.–7. Januar) 300° 大寒Dàhán Große Kälte (20.–21. Januar)

(1)Ursprünglich 啟蟄Qǐzhé genannt wurde es zur Zeit Han Jingdis aufgrund eines Namenstabus auf den heutigen Namen geändert.[4]

Merkgedicht[Bearbeiten]

Das folgende Merkgedicht / bzw. -lied wird benutzt, um die 24 Stationen besser zu memorieren:

Lied Schriftzeichen Pinyin

《節氣歌》

春 雨 驚 春 清 谷天、
夏 滿 芒 夏 暑 相連、
秋 處 露 秋 寒 霜降、
冬 雪 雪 冬 小 大寒。

« Jiéqìgē »

chūn yǔ jīng chūn qīng gǔtiān,
xià mǎn máng xià shǔ xiānglián,
qiū chù lù qiū hán shuāngjiáng,
dōng xuě xuě dōng xiǎo dàhán.

Stationen 節氣 Jiéqì

水、蟄、分、明、穀雨〖谷天〗、
、小滿種、至、小、大暑〖相連〗、
暑、白分、露、霜降
、小、大至、寒、大寒

chūn, yǔshuǐ, jīngzhé, chūnfēn, qīngmíng, gǔyǔ(gǔtiān),
xià, xiǎmǎn, mángzhòng, xiàzhì, xiǎoshǔ, dàshǔ(xiānglián),
qiū, chùshǔ, báilù, qiūfēn, hán, shuāngjiàng,
dōng, xiǎoxuě, xuě, dōngzhì, xiǎohán, dàhán.

Traditionelle chinesische Feste[Bearbeiten]

Kurzzeichen Langzeichen Pinyin Deutsche Bezeichnung 2011 2012 2013 2014 2015
春节
农历新年
春節
農曆新年
Chūn jié (Frühlingsfest)
nónglì xīn nián
Chinesisches Neujahrsfest (Neujahr des chinesischen Kalenders), fällt auf den zweiten oder seltener dritten Neumond nach der Wintersonnenwende zwischen dem 21. Januar und 21. Februar. 03.02. 23.01. 10.02. 31.01. 19.02.
元宵节
灯节
元宵節
燈節
Yuánxiāo jié
Dēng jié
Laternenfest, fällt auf den 15. Tag des 1. Mondmonats. 17.02. 06.02. 24.02. 14.02. 05.03.
清明节 清明節 Qīngmíng jie (kurz: Qingming) Totengedenktag, fällt auf den 4., 5. oder seltener 6. April. Dieser Tag ist auch als Tag der Gräberreinigung bekannt. 05.04. 04.04. 04.04. 05.04. 05.04.
端午节 端午節 Duānwǔ jié Drachenbootfest, fällt auf den 5. Tag des 5. Mondmonats. Die an diesem Tag in Südchina stattfindenden Drachenbootrennen sollen die Erinnerung an den Dichter Qu Yuan wach halten. 06.06. 23.06. 12.06. 02.06. 20.06.
七夕节
乞巧节
女儿节
七夕節
乞巧節
女兒節
Qīxī
Qǐqiǎo jié
Nǚ’ér jié
Fest der Liebenden, der 7. Tag des 7. Mondmonats. 06.08. 23.08. 13.08. 02.08. 20.08.
中元节
盂兰盆会
鬼节
中元節
盂蘭盆會
鬼節
Zhōngyuán jié (daoistische Bezeichnung)
yú lán pén huì (buddhistische Bezeichnung)
Guǐ jié
Geisterfest, der 15. Tag des Geistermonats, des 7. Mondmonats. 14.08. 31.08. 21.08. 10.08. 28.08.
中秋节 中秋節 Zhōngqiū jié Mondfest, auch Mittherbstfest, fällt auf den 15. Tag des 8. Mondmonats. An diesem Tag werden Mondkuchen verschenkt. 12.09. 30.09. 19.09. 08.09. 27.09.
重陽節 重陽節 chóngyángjié Doppelneun, fällt auf den 9. Tag des 9. Mondmonats. An diesem Tag werden Ausflüge unternommen. 05.10. 23.10. 13.10. 02.10. 21.10.

Der 60er-Zyklus[Bearbeiten]

Hauptartikel: 60-Jahre-Zyklus

Der 60er-Zyklus der Jahre, Monate und Tage setzt sich aus einem Zyklus der zehn Himmelsstämme (tiāngān 天干) und der zwölf Erdzweige (dìzhī 地支), besser bekannt als die zwölf Tierzeichen, zusammen. Da 60 das kleinste gemeinsame Vielfache von 10 und 12 ist, gibt es 60 Kombinationen von Stamm und Zweig (gānzhī 干支), auch nach der ersten Kombination jiǎzǐ (甲子) genannt. Der 60-Tage-Zyklus geht mindestens bis ins 13. Jahrhundert v. Chr. zurück, auch der 60-Monat-Zyklus ist alt. Der 60-Jahre-Zyklus wurde im 3. Jahrhundert während der Han-Dynastie eingeführt. Heute ist nur noch der 60-Jahre-Zyklus beziehungsweise der 12-Jahre-Zyklus der Tierzeichen unter anderem für die chinesische Astrologie von Bedeutung.

Die zehn Himmelsstämme[Bearbeiten]

Hauptartikel: Himmelsstämme

Die zehn Himmelsstämme sind eine Kombination aus den fünf Wandlungsphasen sowie Yin und Yang.

  1. chin. jiǎ, jap. kinoe (木の兄) oder : Holz und Yáng
  2. 乙 chin. , jap. kinoto (木の弟) oder otsu: Holz und Yīn
  3. 丙 chin. bǐng, jap. hinoe (火の兄) oder hei: Feuer und Yáng
  4. 丁 chin. dīng, jap. hinoto (火の弟) oder tei: Feuer und Yīn
  5. 戊 chin. , jap. tsuchinoe (土の兄) oder bo: Erde und Yáng
  6. 己 chin. , jap. tsuchinoto (土の弟) oder ki: Erde und Yīn
  7. 庚 chin. gēng, jap. kanoe (金の兄) oder : Metall und Yáng
  8. 辛 chin. xīn, jap. kanoto (金の弟) oder shin: Metall und Yīn
  9. 壬 chin. rén, jap. mizunoe (水の兄) oder jin: Wasser und Yáng
  10. 癸 chin. guǐ, jap. mizunoto (水の弟) oder ki: Wasser und Yīn

Die zwölf Erdzweige[Bearbeiten]

Hauptartikel: Erdzweige

Die zwölf Erdzweige sind ein nicht nur für den Kalender verwendetes altes Nummerierungssystem im gesamten CJKV-Kulturkreis. Da jedem Erdzweig neben der Nummer auch noch ein Tier zugeordnet ist, besteht eine 1:1-Beziehung zwischen Erdzweig und Tierzeichen. Im Westen werden diese Tierzeichen häufig mit den Tierkreiszeichen der westlichen Astronomie und Astrologie gleichgesetzt; tatsächlich aber haben die beiden Bezeichnungen nichts miteinander zu tun. Die chinesischen Erdzweige (Tierzeichen) werden ebenfalls für die Bezeichnung der Jahre in einem Zwölf-Jahre-Zyklus verwendet.

  1. : Ratte (鼠 shǔ)
  2. chǒu: Büffel (牛 niú)
  3. yín: Tiger (虎 )
  4. mǎo: Hase (兔 )
  5. chén: Drache (龍 lóng)
  6. : Schlange (蛇 shé)
  7. : Pferd (馬 )
  8. wèi: Schaf (羊 yáng)
  9. shēn: Affe (猴 hóu)
  10. yǒu: Hahn (鷄 )
  11. : Hund (狗 gǒu)
  12. hài: Schwein (猪 zhū)

Weitere kulturelle Einflüsse[Bearbeiten]

Der tibetische Kalender[Bearbeiten]

Der traditionelle tibetische Kalender beruht auf dem 1. Kapitel des indischen Kālacakratantra und ist somit grundsätzlich indischer Herkunft. Er beruht auf dem Lunisolarjahr. Seine Berechnung setzt die Kenntnis komplizierter astronomischer Rechnungen, wie etwa der Mittelpunktsgleichungen von Sonne und Mond, und die Beherrschung von Kalkulationen auf dem Tibetischen Sandabakus voraus. Das Neujahrsfest heißt Losar und fällt in den Februar oder März, meist 4 Wochen später als in China. Was die verschiedenen in Tibet gebräuchlichen Jahreszählungen angeht, so enthalten diese einige Elemente, die chinesischer Herkunft sind.[5]

Der uigurische „Zwölf-Tiere-Kalender“[Bearbeiten]

1256 wurde Iran Teil des mongolischen Imperiums, 1258 China. Der mongolische Khan Hülegü ließ in Marâgheh im Westiran ein Observatorium für den Astronom Nâsir al-Din al-Tusi erbauen, bei dem auch einige chinesische Astronomen arbeiteten.

Im Resultat erhielt man den chinesisch-uigurischen Kalender, den al-Tusi in seinem Werk Zij-e Ilkhâni[6] beschreibt. Ein Zwölf-Jahre-Zyklus, mit Türkisch/Mongolischen Bezeichnungen der Tiernamen (auch bekannt unter dem Namen sanawât-e turki سنوات ترکی, "Türkische Jahre"), wurde in der Chronologie, Historiografie und in der Bürokratie in allen Türkisch und Persisch sprechenden Gebieten Asiens, von der heutigen Türkei bis in das heutige Indien, vom frühen Mittelalter bis in die frühe Moderne, genutzt. Im Iran wurde dieser Kalender in landwirtschaftlichen Aufzeichnungen bis zum Verbot im Jahre 1925 verwendet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]


Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aslaksen (2010), S. 21
  2. Reingold/Dershowitz: Calendric Calclations, Applet (abgerufen 2. April 2013)
  3. Bernhard Peter: "Kalender und Zeitrechnung: Wann ist chinesisch Neujahr?"
  4. The Chinese observe traditional and modern festivals and holidays, based both on the lunar and solar calendars. (Memento vom 16. März 2008 im Internet Archive)
  5. Dieter Schuh: Untersuchungen zur Geschichte der tibetischen Kalenderrechnung. Wiesbaden 1973.
  6. van Dalen et al. 1997

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Erdzweige – Schriftzeichen der Erdzweige und der 12 Tiere
 Commons: Himmelsstämme – Schriftzeichen der Himmelsstämme
 Commons: Jahreszeiten – Schriftzeichen der vier Jahreszeiten