Chuck Hagel

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Chuck Hagel (2013)

Charles Timothy „Chuck“ Hagel (* 4. Oktober 1946 in North Platte, Nebraska) ist ein US-amerikanischer Politiker (Republikanische Partei) und Vietnam-Veteran. Von 1997 bis 2009 war er US-Senator für den Staat Nebraska. Er arbeitete in Ausschüssen des Außenministeriums und von Geheimdiensten und lehrt in Washington, D.C. seit 2009 an der Georgetown University. Seit dem 27. Februar 2013 ist er Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten; am 24. November 2014 kündigte er seinen Rücktritt von diesem Amt an.

Werdegang[Bearbeiten]

Hagel wurde 1946 in North Platte, Nebraska als Sohn von Betty und Charles Dean Hagel geboren. Sein Vater war deutscher Herkunft.[1][2] Hagel besuchte die St. Bonaventure High School in Columbus, Nebraska, und machte 1966 seinen ersten Abschluss am Brown Institute for Radio and Television in Minneapolis. Er schloss sich der US Army an und diente im Vietnamkrieg als Infanteriesoldat in der 9. Infanterie-Division. Aufgrund seiner Verdienste dort erhielt er das Vietnamese Cross of Gallantry, die Army Commendation Medal, den Combat Infantryman Badge und zweimal das Purple Heart. Noch heute befinden sich in seinem Oberkörper Fragmente einer Landmine, durch deren Explosion er im März 1968 verwundet wurde.[3] Er schied 1968 im Rang eines Sergeant aus dem Militär aus. Anschließend war er von 1969 bis 1971 als Nachrichtensprecher und Talkshow-Moderator in Omaha tätig; 1971 graduierte er an der dortigen University of Nebraska.

Zwischen 1971 und 1977 arbeitete Hagel als Assistent im Stab des Kongressabgeordneten John Y. McCollister. Nach einer Tätigkeit als Lobbyist für den Reifenhersteller Firestone in Washington, D.C. war er von 1981 bis 1982 stellvertretender Leiter der Veterans’ Administration, aus der das heutige US-Veteranenministerium hervorging; nach einer Meinungsverschiedenheit mit Behördenleiter Bob Nimmo legte er diesen Posten nieder. Danach gründete er mit Freunden ein Mobilfunkunternehmen, das 1998 von AT&T für geschätzte 1,5 Milliarden Dollar übernommen wurde. Durch seinen Anteil wurde Hagel zum Millionär und hatte die nötigen finanziellen Mittel, in die Politik zu gehen.[4]

1996 trat Chuck Hagel bei der Wahl zum US-Senat in Nebraska an. Er bewarb sich um die Nachfolge des nicht mehr kandidierenden Demokraten J. James Exon, galt jedoch als Außenseiter gegenüber dem amtierenden Gouverneur Ben Nelson. Überraschend erhielt Hagel 56,1 Prozent der Stimmen. Er war damit der erste Republikaner seit Carl Curtis 1972, der eine Senatswahl in Nebraska gewann. Sechs Jahre später erzielte er bei seiner Wiederwahl mit einem Stimmenanteil von 82,8 Prozent das beste Ergebnis in der Geschichte dieses Staates.

Hagel kündigte im September 2007 an, im folgenden Jahr nicht erneut für den Senat zu kandidieren, ließ jedoch die Möglichkeit offen, seinem Land künftig in anderer Funktion zu dienen.[5] Er wurde im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2008 als möglicher Kandidat des Demokraten Barack Obama für das Amt des Verteidigungsministers gehandelt.[6] Auch für den Posten des Vizepräsidenten unter Obama war Hagel im Gespräch.[7] Obama entschied sich jedoch für Robert Gates als Verteidigungsminister und für Joe Biden als Vizepräsidentschaftskandidaten.

2009 wurde er als Nachfolger von James Jones zum Vorsitzenden des Atlantic Council gewählt. Chuck Hagel ist verheiratet mit Lillibet Hagel; die beiden haben zwei Kinder und leben derzeit in Virginia. Zur US-Politik gegenüber dem Iran und dem Nahen und Mittleren Osten allgemein äußerte Hagel in einem Interview im Juni 2008:

„Ich bin für bedingungslose, direkte Verhandlungen. Wir stecken in einer strategischen Sackgasse im Nahen Osten, und das ist unsere eigene Schuld. In den vergangenen sieben Jahren ist die Situation im Nahen Osten schlimmer geworden, ganz egal von welcher Warte aus man es betrachtet. Unsere Politik ist fehlgeschlagen. Wenn wir so weitermachen, wird der gesamte Nahe Osten in Flammen stehen.“[8]

Obama, Petraeus und Hagel über Bagdad (2008)

US-Präsident Barack Obama nominierte Hagel am 7. Januar 2013 als neuen Verteidigungsminister. Nach wochenlangen Debatten (siehe auch Filibuster) und einer ganztätigen Anhörung vor dem Senat am 31. Januar 2013,[9] bei dem er zu verschiedenen umstrittenen Äußerungen Stellung nehmen musste, bestätigte der US-Senat Hagel am 26. Februar 2013 mit der verhältnismäßig knappen[10] Mehrheit von 58 zu 41 Stimmen als neuen Verteidigungsminister.[11] Am folgenden Tag legte er den Amtseid ab und trat damit die Nachfolge von Leon Panetta an.[12][13] Obwohl Hagel Republikaner ist, lehnten neokonservative Interventionisten seine Nominierung ab, weil er erstens sich kritisch über Israels Siedlungspläne geäußert hat und zweitens infolge seiner eigenen Vergangenheit dem Krieg ablehnend gegenübersteht und die kriegerische Außenpolitik der Vorgängerregierung kritisierte.[14][15]

Hagel ist der erste US-Verteidigungsminister, der sich öffentlich gegen Nuklearwaffen ausspricht.[16] Er war unter anderem Mitglied der Kommission, die den Global Zero Handlungsplan für die vollständige weltweite nukleare Abrüstung bis zum Jahr 2030 erstellte.[17] Zudem war er Mitautor eines weiteren Berichts der Global Zero-Initiative aus dem Jahr 2012, in dem der Plan vorgelegt wurde, innerhalb der nächsten 10 Jahre die Anzahl der US-amerikanischen und russischen Nuklearwaffen um 80 % auf jeweils 900 Waffen zu reduzieren.[18] In einer Stellungnahme vom 31. Januar 2013 anlässlich der oben genannten Anhörung vor dem Senat äußerten die Mitautoren dieses Berichts Richard Burt, James E. Cartwright, Thomas R. Pickering und John Sheehan in einer Presseerklärung, dass Chuck Hagel, ebenso wie sie selbst, eine einseitige Abrüstung ablehne. Solange es Nuklearwaffen gebe, müsse die USA wirkungsvolle Abschreckungsmittel behalten. Die Weiterführung der Nuklearwaffenpolitik des kalten Krieges entspreche jedoch nicht den Anforderungen des 21. Jahrhunderts und sei nicht im Interesse der nationalen Sicherheit.[19]

Am 24. November 2014 kündigte Hagel seinen Rücktritt vom Amt des Verteidigungsministers an; er wird die Amtsgeschäfte allerdings weiterführen, bis ein Nachfolger feststeht. Über mögliche Gründe für den Rücktritt wurde spekuliert. Bekannt war, dass Hagel andere Ansichten über die Politik gegenüber dem syrischen Präsidenten Assad als Präsident Obama hatte.[20]

Werk[Bearbeiten]

  • Chuck Hagel (with Peter Kaminsky): America: Our Next Chapter. Tough Questions, Straight Answers. Ecco, New York 2008, ISBN 978-0-06-143696-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chuck Hagel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Chuck Hagel – Zitate (Englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lelyveld, Joseph. [1]. The New York Times Magazine, online edition, The Heartland Dissident, 12. Februar 2006. Abgerufen am 4. Januar 2012.
  2. Dufour, Jeff. Glenn Close and Chuck Norris push pet projects. The Hill, online edition, Under The Dome, May 11, 2006. Retrieved March 4, 2007.
  3. www.freitag.de
  4. www.wallstreetjournal.de
  5. Anti-war Republican and presidential hopeful Hagel to retire (Memento vom 7. Juli 2012 im Webarchiv Archive.today) - (AFP) – Sep 10, 2007
  6. US-Vorwahlen: Obama will Clintons K.O. mit Dollars erzwingen. In: Spiegel Online. 2. März 2008, abgerufen am 18. Dezember 2014.
  7. Marc Pitzke: US-Wahlkampf: Obamas Triumphtour frustriert McCain. In: Spiegel Online. 22. Juli 2008, abgerufen am 18. Dezember 2014.
  8. Die Idee, dass wir der Welt Demokratie bringen, war von Anfang an verrückt Chuck Hagel im Gespräch mit Olivia Schoeller im Magazin der Berliner Zeitung vom 28./29. Juni 2008
  9. Fmr. Sen. Hagel Testifies at Senate Confirmation Hearing. Videos der Anhörung vom 31. Januar 2013 auf: C-SPAN.org. Abgerufen am 25. April 2013.
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPeter Winkler: Unschönes Resultat: Chuck Hagel neuer Chef des Pentagons. In: nzz.ch. 27. Februar 2013, abgerufen am 18. Dezember 2014.
  11. www.defense.gov Senate Confirms Hagel as Defense Secretary; Frankfurter Rundschau: US-Senat wählt Chuck Hagel ins Amt
  12. New York Times, 7. Januar 2013, S. 1
  13. Panetta Bids Farewell to Defense Department Team
  14. Hubert Wetzel: US-Verteidigungsminister Chuck Hagel – Vom Infanteristen zum Herren über Amerikas Kriege. In: sueddeutsche.de. 7. Januar 2013, abgerufen am 18. Dezember 2014.
  15. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDamir Fras: Chuck Hagel: Obama nominiert Verteidigungsminister. In: fr-online.de. 7. Januar 2013, abgerufen am 18. Dezember 2014.
  16. Robert Burns: Chuck Hagel, Nuclear Weapons Opponent, Would Be First Defense Secretary With Anti-Nuke Stance. In: Huffington Post, 29. Januar 2013. Abgerufen am 20. April 2013.
  17. Global Zero: Global Zero Action Plan. Februar 2010 (PDF, abgerufen am 20. April 2013).
  18. James Cartwright, Richard Burt, Chuck Hagel, Thomas Pickering, Jack Sheehan, Bruce Blair: Global Zero U.S. Nuclear Policy Commission Report. Modernizing U.S. Nuclear Strategy, Force Structure and Posture. Global Zero, Mai 2012 (PDF, abgerufen am 20. April 2013).
  19. Global Zero: Criticisms of Chuck Hagel's and Global Zero's Position on Nukes Misleading and Wrong. A Statement by Ambassador Richard Burt, General (Ret.) James E. Cartwright, Ambassador Thomas Pickering and General (Ret.) John Sheehan. 31. Januar 2013, abgerufen am 20. April 2013.
  20. US-Verteidigungsminister tritt zurück Hagel geht, wer kommt? tagesschau.de, 24. November 2014, abgerufen am 24. November 2014.