Dantchandou

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Landgemeinde Dantchandou
Landgemeinde Dantchandou (Niger)
Landgemeinde Dantchandou
Landgemeinde Dantchandou
Koordinaten 13° 25′ N, 2° 45′ O13.4119444444442.7577777777778Koordinaten: 13° 25′ N, 2° 45′ O
Basisdaten
Staat Niger

Region

Tillabéri
Departement Kollo
Fläche 1045 km²
Einwohner 71.843 (2010)
Dichte 68,7 Ew./km²

Dantchandou ist eine Landgemeinde im Departement Kollo in Niger.

Alternative Schreibweisen des Ortsnamens sind Dantiandou und Diantchandou. Historische Bezeichnungen des Gemeindegebiets lauten Fakara und Fameye.

Geographie[Bearbeiten]

Dantchandou liegt in einer hügeligen Hochebene in der Sahelzone. Das Gemeindegebiet wird in Nord-Süd-Richtung von einem Zubringer des Wadi Dallol Bosso durchquert.[1] Die Nachbargemeinden sind Tagazar im Norden, Koygolo im Osten, Harikanassou im Südosten, Kouré im Süden und Hamdallaye im Westen. Das Gemeindegebiet ist in 37 administrative Dörfer, zwölf Weiler und drei Lager gegliedert.[2] Der Hauptort der Landgemeinde ist das administrative Dorf Dantchandou.[3]

Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge beträgt rund 400 Millimeter. Die Regenzeit dauert von Juni bis September, die Trockenzeit von Oktober bis Juni. Die Vegetation im Gemeindegebiet ist von Sträuchern, Gräsern und einzeln stehenden Bäumen gekennzeichnet. In Dantchandou wachsen Anabäume, Arabische Gummi-Akazien, Niembäume und Wüstendatteln, die Sträucher Guiera senegalensis, Langfäden, Seyal-Akazien und Verek-Akazien sowie Grasarten wie Andropogon gayanus und Cenchrus biflorus. Die einstmals reiche Tierwelt ist durch Wildererei und Buschfeuer stark reduziert worden. Gelegentlich ziehen Westafrikanische Giraffen durch das Grenzgebiet zur Nachbargemeinde Kouré, wo sie ihr Hauptsiedlungsgebiet besitzen.

Geschichte[Bearbeiten]

Das erste Dorf im heutigen Gemeindegebiet wurde von einem Zarma namens Guilleyni in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet. Zu dieser Zeit war das Gebiet noch von einem dichten Wald bewachsen, der bald der menschlichen Urbarmachung des Landes zum Opfer fiel. Ein in den Diensten Guilleynis stehender Jäger entdeckte bei der Verfolgung einer verwundeten Giraffe eine Quelle, bei der das Dorf Dantchandou entstand. Zu den ersten Siedlern zählten Zarma, denen bald weitere Zarma aus Koygolo, Fulbe und Hausa sowie schließlich Tuareg aus Mali nachfolgten.

Nach der Ankunft der Franzosen wurde das Dorf Dantchandou zum Hauptort eines Kantons, der abwechselnd als Dantchandou, Fakara oder Fameye bezeichnet wurde.[1] Fakara und Fameye sind Namen der Hochebene am rechten Ufer des Dallol Bosso. Im Zuge einer landesweiten Verwaltungsreform ging 2002 aus dem Kanton Fakara die Landgemeinde Dantchandou hervor, während weiter südlich außerhalb des Gebiets des historischen Kantons Fakara die nigrische Landgemeinde Fakara geschaffen wurde.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bei der Volkszählung 2001 hatte Dantchandou 24.948 Einwohner. Für das Jahr 2010 wurden 34.832 Einwohner berechnet.[4] 98 % der Bevölkerung gehören der Volksgruppe der Zarma an. Außerdem leben Minderheiten von nomadischen Fulbe sowie Hausa und Tuareg in der Gemeinde. Die Einwohner von Dantchandou sind wie in ganz Niger mehrheitlich islamisch. Es gibt 13 Freitagsmoscheen im Gemeindegebiet.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Bevölkerung von Dantchandou lebt großteils vom Ackerbau. Zu den angebauten Nahrungsmitteln zählen Hirse, Augenbohnen, Sorghum, Sesam und Erdnüsse. Der zweitwichtigste Wirtschaftszweig ist die Viehzucht, vor allem von Schafen, Ziegen und Rindern. Sie geschieht in Form von Transhumanz, die von den Fulbe betrieben wird, oder durch sesshafte Bauern. Das Handwerk spielt nur eine geringe wirtschaftliche Rolle in Dantchandou. Vor allem die Frauen der Gemeinde betreiben Gemüseanbau und die Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte. Der Handel mit diesen Produkten gestaltet sich jedoch als schwierig, da es im gesamten Gemeindegebiet nur zwei Wochenmärkte gibt. Diese befinden sich in den administrativen Dörfern Dantchandou und Wankama. Die zu geringen Einkommen führen zu Landflucht und saisonalen Migrationen in die Hauptstadt und in die Nachbarländer.

Das kaum vorhandene Straßennetz trägt maßgeblich zur wirtschaftlichen und infrastrukturellen Isolierung der Gemeinde bei. Eine 24 Kilometer lange Nebenstraße in schlechtem Zustand verbindet den Hauptort von Dantchandou mit dem Hauptort der Nachbargemeinde Kouré, wo sie auf die Nationalstraße 1 trifft. Außerdem quert ein kleiner Abschnitt der Nationalstraße 25 das Gemeindegebiet. Die Gemeinde betreibt im Hauptort einen eigenen Radiosender namens Fakara guinda. Daneben übernehmen nach wie vor Griots die Aufgabe der öffentlichen Informationsvermittlung.

Das Bildungswesen ist unter anderem auf Grund niedriger Einschulungsraten unterentwickelt. Auch die Gesundheitsversorgung ist mangelhaft. Das nächste Krankenhaus befindet sich in der Hauptstadt Niamey. Es gibt in den meisten Teilen der Gemeinde reichliche Grundwasservorkommen. Die Wasserversorgung ist allerdings vielerorts durch jahreszeitliche Schwankungen und schlechte Wasserqualität beeinträchtigt. Die wichtigste Energiequelle der Haushalte ist Brennholz, was durch Abholzungen die Gefahr der Desertifikation verstärkt.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Plan de Développement Communal de la Commune Rurale de Dantchandou (PDF; 722 kB), veröffentlicht im Februar 2009, abgerufen am 9. Februar 2012.
  2. Répertoire National des Communes (RENACOM). Website des Institut National de la Statistique, abgerufen am 22. Januar 2011.
  3. Republik Niger: Loi n° 2002-014 du 11 JUIN 2002 portant création des communes et fixant le nom de leurs chefs-lieux (Online-Version; PDF; 108 kB).
  4. Institut Nationale de la Statistique du Niger (Hrsg.): Annuaire statistique des cinquante ans d’indépendance du Niger. Niamey 2010 (Online-Version; PDF; 3,1 MB), S. 56.