Das Massaker von Katyn

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Dieser Artikel behandelt den Film Das Massaker von Katyn. Zu dem gleichnamigen Artikel zum historischen Ereignis siehe Massaker von Katyn.
Filmdaten
Deutscher Titel Das Massaker von Katyn
Originaltitel Katyń
Produktionsland Polen
Originalsprache Polnisch
Erscheinungsjahr 2007
Länge 118 Minuten
Stab
Regie Andrzej Wajda
Drehbuch Andrzej Wajda
Władysław Pasikowski
Przemysław Nowakowski
Produktion Michał Kwieciński
Musik Krzysztof Penderecki
Kamera Paweł Edelman
Besetzung

Das Massaker von Katyn (Originaltitel: Katyń) ist ein 2007 uraufgeführter Film des polnischen Regisseurs und Oscar-Preisträgers Andrzej Wajda über das Massaker von Katyn. Der Film basiert auf dem Buch „Post mortem – The Katyn Story“ von Andrzej Mularczyk.

Am 17. September 2007 kam Katyń in die polnischen Kinos und wurde auch von ganzen Schulklassen besucht. Der Film wurde u. a. für den Oscar des Jahres 2008 (Bester fremdsprachiger Film) nominiert.

Die Berlinale-Premiere des Films am 15. Februar 2008 wurde unter anderem von Bundeskanzlerin Angela Merkel besucht.[1]

Am 17. September 2009 lief der Film in deutschen Kinos an.

Im März 2010 wurde der Film aus Anlass eines Flugzeugabsturzes (siehe unten) kurzfristig im russischen Fernsehen gezeigt.

Handlung[Bearbeiten]

September 1939. Auf einer Brücke treffen polnische Flüchtlinge aus dem Westen, die vor den deutschen Truppen flüchten, auf polnische Flüchtlinge aus dem Osten, die vor der sowjetischen Besetzung flüchten. Polen ist geteilt. 14.000 polnische Offiziere kommen in sowjetische Gefangenschaft. Ihre Angehörigen erhalten nur wenige Informationen durch zensierte Briefe über ihren Verbleib. Unter den Gefangenen ist Andrzej. Sein Vater ist Professor an der Jagiellonen-Universität in Krakau. Seine Frau Anna flüchtet mit Töchterchen Nika über die Brücke in den Osten und findet ihn schließlich unter den Gefangenen in einem Lager. Sie kann Andrzej jedoch nicht zur Flucht überreden, da er seinen Fahneneid nicht brechen will. Anna kann schließlich dank der Hilfe eines Offiziers der Roten Armee nach Krakau zurückkehren.

In Krakau werden währenddessen sämtliche Professoren von den Nationalsozialisten verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. Andrzejs Vater, der sich ebenfalls unter den gefangen genommenen Professoren befindet, stirbt schließlich im KZ Sachsenhausen. Die Offiziere in sowjetischer Gefangenschaft werden in Lager abtransportiert. 1943 wird die Bevölkerung von den deutschen Besatzern über das Verbrechen von Katyń informiert. Listen mit den Namen der toten polnischen Offiziere werden veröffentlicht. Andrzej erscheint nicht auf der Liste und so bleibt Anna und ihrer Schwiegermutter die Hoffnung auf seine Rückkehr. Die Nationalsozialisten nutzen das Verbrechen der Sowjetunion für ihre Propaganda.

Nach dem Krieg übernehmen die Sowjetunion und die polnischen Kommunisten die Macht in Polen. Die Krakauer Bevölkerung muss nun die Propaganda über sich ergehen lassen und hinnehmen, dass behauptet wird, die Deutschen hätten die polnischen Offiziere ermordet. Mit den sowjetischen Truppen kehrt auch Jerzy, ein ehemaliger Offizier aus Andrzejs Regiment, zurück nach Krakau, obwohl er auf der Katyń-Liste stand. Nun ist er Major der Polnischen Volksarmee. Er informiert Anna über den Tod ihres Mannes, denn dieser hatte seinen Pullover getragen, in den der Name Jerzys gestrickt war, weshalb Jerzy irrtümlich auf die Katyń-Liste gekommen war. Einige Zeit später erhält Anna die Tagebuchaufzeichnungen ihres Mannes. Sie beweisen, dass die Offiziere von sowjetischer Seite ermordet wurden. Erst jetzt zeigt Wajdas Film die Ermordung der polnischen Offiziere in 20 Minuten. Einzeln werden die Gefangenen mit Schüssen in den Hinterkopf erschossen. Der General wird in einem Kellerraum gedemütigt und exekutiert.[2] Die Toten werden in Massengräbern verscharrt. Der Film endet mit dem Zuschütten der Gräber durch eine Planierraupe.

Musik[Bearbeiten]

Der Soundtrack stammt von Krzysztof Penderecki, der wie Wajda nahe Angehörige in Katyn verloren hat. Die Musik besteht aus Elementen seiner 2. und 3. Symphonie für Orchester (1980 und 1995) sowie seinem Polnischen Requiem (1984),[3] wurde aber passagenweise auch von ihm neukomponiert.[4]

Kritiken[Bearbeiten]

„Bisweilen gerät „Katyn“ zwar arg pathetisch, etwa wenn er vom Leid der Frauen und der Familien der gefangenen Offiziere erzählt, bevor diese den Tod finden. Doch die letzten zwanzig Minuten von Wajdas „Katyn“ gehören zu dem Eindrucksvollsten, das je im Kino vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs gezeigt wurde.“

Olaf Sundermeyer, Spiegel Online[5]

Ausstrahlung im russischen Fernsehen[Bearbeiten]

Wajda 2006 bei den Aufnahmen

Am 7. April 2010 gedachten russische Ministerpräsident Wladimir Putin und sein polnischer Amtskollege Donald Tusk in Katyn des Massenmordes, der nun 70 Jahre zurücklag.[6]

Der polnische Präsident Lech Kaczyński, der als scharfer Kritiker Russlands galt, reiste drei Tage später zu einer rein polnischen Gedenkfeier nach Katyn. Auf dem Weg zu dieser vom Rat zur Bewahrung des Gedenkens an Kampf und Martyrium organisierten Veranstaltung stürzte die Präsidentenmaschine ab. Alle 96 Insassen – darunter Kaczyński, dessen Ehefrau Maria und zahlreiche ranghohe Repräsentanten des Landes – fanden dabei den Tod.

Aus Anlass des Absturzes berichteten die russischen Medien auch über das Massaker von Katyn. Die russische Staatsführung sorgte dafür, dass Andrzej Wajdas Film am Abend nach dem Absturz erstmals im Staatsfernsehen gezeigt wurde. Dadurch erfuhren viele Russen zum ersten Mal vom Massaker von Katyn.[7]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Andrzej Wajda: Katyń. Prószyński, Warschau 2007, ISBN 978-83-7469-555-8. Von Wajda kommentiertes Drehbuch (polnisch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Das Massaker von Katyn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Deutsche im Rücken, die Russen vor sich. In: Berliner Zeitung, 16. Februar 2008. Zitat: „Die politische Grundlage dieses Massakers war der Hitler-Stalin-Pakt von 1939“.
  2. Andrzej Wajdas Vater, Hauptmann Jakub Wajda, gehörte zu den Kriegsgefangenen des Lagers Starobielsk, er wurde mit seinen Kameraden in einem NKWD-Keller in Charkow erschossen. Wajda erinnert mit der Szene vom General an das Schicksal seines Vaters. welt.de
  3. welt.de
  4. culture.pl
  5. Berlinale-Film „Katyn“: Geschichtslektion aus Polen. Spiegel Online, 15. Februar 2008
  6. Putin und Tusk gedenken des Massenmordes von Katyn (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung auf tagesschau.de vom 7. April 2010
  7. Mitgefühl auch ein Jahr danach. In: faz.net, 11. April 2011. Zitat: „Umfragen des Lewada-Zentrums hatten noch im März 2010 ergeben, dass der Hälfte der Russen das Verbrechen von 1940 unbekannt war und dass zwei Drittel derer, die etwas davon gehört hatten, noch immer die sowjetische Propagandalüge glaubten, dieser Massenmord sei eine deutsche Tat. Ende April gaben dann drei Viertel der Befragten an, über ‚Katyn‘ Bescheid zu wissen, und nur noch ein Viertel meinte, dass die polnischen Offiziere Opfer der Deutschen gewesen seien.“