Massaker von Katyn

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Dieser Artikel behandelt das Massaker von Katyn. Zum Film darüber siehe den Artikel Das Massaker von Katyn.
Zum Massaker von Chatyn, einem weißrussischen Dorf, siehe Chatyn.
Exhumierte Mordopfer, Katyn, April 1943

Beim Massaker von Katyn (auch Massenmord/Mord von Katyn oder kurz Katyn) ermordeten Angehörige des sowjetischen Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten (NKWD) zwischen dem 3. April und 19. Mai 1940 etwa 4.400 polnische Offiziere in einem Wald bei dem Dorf Katyn, 20 Kilometer westlich von Smolensk. Dieses Massaker gehört zu einer Serie von Massenmorden an 24.000 bis 25.000 Berufs- oder Reserveoffizieren, Polizisten und anderen Staatsbürgern Polens, darunter vielen Intellektuellen, an mindestens fünf verschiedenen Orten in den Sowjetrepubliken Russland, Ukraine und Weißrussland. Die Mordserie wurde auf Initiative des Diktators Josef Stalin vom Politbüro der Kommunistischen Partei der Sowjetunion befohlen. Der Ortsname „Katyn“ repräsentiert in Polen die gesamte Mordserie und wurde zum nationalen Symbol für das Leiden von Polen unter sowjetischer Herrschaft im Zweiten Weltkrieg.[1]

Im Februar 1943 fanden Soldaten der Wehrmacht die Massengräber der bei Katyn Ermordeten. Das NS-Regime gab die Funde am 13. April 1943 bekannt, um die Anti-Hitler-Koalition zu schwächen, NS-Verbrechen zu verdecken und zu rechtfertigen. Die Sowjetunion leugnete ihre Verantwortung, lehnte eine internationale Untersuchung ab und lastete das Verbrechen dem NS-Regime an. An dieser Geschichtsfälschung hielt sie bis 1990 in ihrem Machtbereich fest.

Ein US-Untersuchungsausschuss bewies 1952 die NKWD-Täterschaft, Historiker bestätigten dessen Ergebnis. Nachdem neue Archivfunde veröffentlicht worden waren, räumte der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow am 13. April 1990 die sowjetische Verantwortung für diese Massenmorde ein und drückte dem polnischen Volk sein Beileid aus. Die Ministerpräsidenten Russlands und Polens, Wladimir Putin und Donald Tusk, gedachten 2010 in Katyn erstmals gemeinsam des Verbrechens und seiner Opfer.

Noch lebende Täter wurden strafrechtlich jedoch nicht verfolgt. Eine Klage von Opferangehörigen, Russland habe ihnen Einsicht in die Ermittlungsakten, behördliche Auskunft über die Todesumstände der Opfer, deren juristische Rehabilitierung und Schmerzensgeld verweigert, wies der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) am 21. Oktober 2013 endgültig ab.

Hintergründe[Bearbeiten]

Sowjetisierung Ostpolens[Bearbeiten]

Die Zweite Polnische Republik war seit ihrer Gründung 1918 mit Sowjetrussland verfeindet. Polen siegte im Polnisch-Sowjetischen Krieg (ab 1920) und erhielt 1921 im Frieden von Riga erhebliche Teile der Ukraine und Weißrusslands zurück, die es durch die Teilungen Polens ab 1772 an das Russische Kaiserreich verloren hatte. Die Sowjetunion betrachtete diese Gebiete dagegen als rechtmäßiges Gebiet Russlands und wollte die 1921 festgelegten Grenzen zu Polen revidieren. Der polnische Staatschef Józef Piłsudski erstrebte britisch-französische Garantieerklärungen und Bündnisse mit kleineren Nachbarstaaten in Osteuropa, um Polens Unabhängigkeit gegen sowjetisches und deutsches Hegemoniestreben zu sichern.[2] Polen und die Sowjetunion schlossen 1932 einen Nichtangriffspakt, den sie 1934 um zehn Jahre verlängerten.

Am 24. August 1939 steckten NS-Deutschland und die Sowjetunion im „Hitler-Stalin-Pakt“ ihre Interessengebiete in Osteuropa ab. In einem geheimen Zusatzprotokoll vereinbarten sie unter anderem die Aufteilung Polens „für den Fall einer territorial-politischen Umgestaltung“. Nach dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 besetzte die Rote Armee am 17. September ohne Kriegserklärung mit 500.000 Soldaten Ostpolen, kämpfte ebenfalls gegen die polnischen Truppen und besiegelte so deren Niederlage gegen die Deutschen. Die polnische Regierung ging nach Rumänien ins Exil. Viele polnische Soldaten flohen ins Ausland oder ergaben sich und gingen in deutsche oder sowjetische Kriegsgefangenschaft.[3] Die Rote Armee machte in Ostpolen etwa 250.000 Kriegsgefangene.[4]

Gemäß dem deutsch-sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag vom 28. September teilten die Sieger Polen untereinander auf[5] und zerstörten dann je auf ihre Weise gezielt den polnischen Staat, seine Verwaltungsstrukturen, Parteien und Institutionen. Beide Seiten verfolgten den Klerus und die intellektuelle Elite, wobei die Deutschen bereits Massaker an polnischen Juden verübten. Die Sowjetunion rechtfertigte ihre Besetzung Ostpolens als angebliche Befreiung dort lebender Ukrainer und Weißrussen von polnischer Gewaltherrschaft und legitimierte den Anschluss der besetzten Gebiete an benachbarte Sowjetrepubliken mit manipulierten Volksabstimmungen.[6] Ihre Politik zielte in ganz Osteuropa auf die Bildung von scheinbar autonomen Sowjetrepubliken mit ethnisch homogener Bevölkerung ab.[7] Das NKWD verhaftete 110.000 meist polnische Bürger Ostpolens wegen „antisowjetischer“ Aktivitäten[8] und deportierte von Februar 1940 bis Juni 1941 um die 320.000 Polen in sowjetische Gebiete.[9] Ein Befehl des Oberkommandos der Roten Armee legitimierte das Ausschalten von „Konterrevolutionären“ jeder Nationalität oder Volkszugehörigkeit in den Grenzregionen der Sowjetunion, traf damit aber vor allem polnische Berufs- oder Reserveoffiziere, Polizisten, Beamte, Richter, Rechtsanwälte, Lehrer und Kleriker.[10]

Diese Maßnahmen standen in der Tradition geheimer „nationaler Operationen“ des NKWD in der Zeit des Großen Terrors 1937–1939. Darunter war auch die mit dem NKWD-Befehl Nr. 00485 am 11. August 1937 begonnene „Polnische Operation“ gegen angebliche Sabotage-, Spionage- und Militärorganisationen des Feindstaates Polen auf sowjetischem Boden. Unter diesem Vorwand waren in 14 Monaten 143.000 Sowjetbürger polnischer Herkunft, mit polnisch klingenden Namen oder Kontakten nach Polen verhaftet worden; 111.091 davon wurden als „liquidiert“ (ermordet) registriert.[11]

Lagersystem[Bearbeiten]

Lawrenti Beria (1899–1953); seit 1938 Volkskommissar (Leiter) des NKWD

Die Sowjetunion hatte die zweite Genfer Konvention zum Schutz von Kriegsgefangenen von 1929 nicht unterzeichnet, aber bis 1939 erklärt, sie dennoch achten zu wollen. Am 18. September 1939 unterstellte das Politbüro der KPdSU jedoch etwa 125.000 polnische Kriegsgefangene der Zuständigkeit des NKWD und entzog sie damit völkerrechtlichem Schutz.[12]

Am 19. September 1939 erließ Volkskommissar Lawrenti Beria im NKWD den Geheimbefehl 0308, eine Verwaltung und acht Lager für Kriegsgefangene einzurichten. Zum Chef der neuen Abteilung ernannte er Pjotr Soprunenko. Diesem wurden ab 1940 auch die zu Internierten umdefinierten Gefangenen unterstellt.[13] Ab 20. September brachte das NKWD seine Gefangenen in sieben für deren Menge zu kleine und schlecht ausgerüstete Durchgangs- und Überprüfungslager. Sie mussten in Zelten, Notunterkünften oder unter freiem Himmel nächtigen, Wertgegenstände abgeben, erhielten kaum Nahrung, Wasser und medizinische Versorgung. Viele starben in den ersten Wochen an durch mangelnde Hygiene verursachten Krankheiten. Ab 1. Oktober 1939 registrierte man alle Häftlinge und notierte in Fragebögen ihre soziale Herkunft, schulische und militärische Ausbildung, Berufe, politische Parteizugehörigkeit und ihren Familienstand. Ihr Tagesablauf war minutiös geregelt, jedoch durften sie sich im Lager frei bewegen. Sie wurden politischen Indoktrinationsversuchen unterzogen und durften ihre Religion nicht ausüben.

Nach der Entlassung von etwa 42.000 Ukrainern und Weißrussen ab dem 3. Oktober 1939 und der Übergabe von etwa 43.000 Gefangenen aus westpolnischen Gebieten an die Wehrmacht ab dem 23. Oktober verblieben noch 39.600 Kriegsgefangene aus Ostpolen in NKWD-Lagern. 24.600 davon mussten in Arbeitslagern Zwangsarbeit leisten, 15.000 als besonders gefährlich eingestufte Offiziere wurden auf drei Speziallager verteilt.[14] Auf Befehl Berias vom 3. Oktober kamen 5.000 meist höhere Offiziere und Generäle nach Koselsk (Oblast Kaluga), etwa 3.900 Berufssoldaten und Reserveoffiziere, darunter auch jüdische und deutschstämmige Polen, nach Starobilsk (Oblast Luhansk, Ukraine) sowie etwa 6.500 Polizisten, Gendarmen, Grenzsoldaten, Angehörige der militärischen Abwehr und Gefängniswärter nach Ostaschkow auf der Insel Stolobny im nordrussischen Seligersee. In allen drei Lagern befanden sich einige Geistliche, in Ostaschkow zudem Gutsbesitzer, Juristen, Lehrer, Ärzte und Apotheker.[15]

Am 8. Oktober 1939 befahl Beria, diese drei Lager nach potentiellen Agenten, Feinden der Sowjetunion, Mitgliedern nationalistischer Organisationen und Zionisten zu durchsuchen. Für diese Aufgabe entsandte das NKWD Geheimdienstler und Verhörspezialisten der Staatssicherheit in jedes Lager. Nachdem Lagerhäftlinge Behandlung nach der Genfer Konvention verlangt und ein Lagerkommandant vom NKWD deren Text erbeten hatte, verpflichtete Soprunenko die Lagerkommandanten, sich nur nach den NKWD-Direktiven zu richten.[16] Am 24. November wies er darauf hin, die meisten Polen seien nach sowjetischem Recht sowjetische Bürger und nach der Gesetzeslage daher keine Kriegsgefangenen. Am 29. November machte der Oberste Sowjet alle Bewohner Ostpolens per Dekret zu sowjetischen Staatsbürgern.[17] Zudem unterstellte der Chefankläger des höchsten sowjetischen Militärgerichts die inhaftierten Polen am 28. Januar 1940 der Gerichtsbarkeit des NKWD.[18]

Das NKWD installierte ein Spitzelsystem in den Lagern, unterteilte die Gefangenen in Kategorien wie „Volksfeind“, „Spitzel“, „Saboteur“, „Terrorist“ oder „Verschwörer“ und ließ einige dieser Gruppen näher beobachten, um „Konterrevolutionäre“ herauszufiltern. Als „Volksfeinde“ galten polnische Sozialdemokraten, Nationaldemokraten, Piłsudski-Anhänger, höhere Offiziersränge, russische Flüchtlinge sowie Initiatoren von Selbsthilfegruppen und deren Teilnehmer im Lager. Die Spitzel ermittelten Personen, die religiöses Leben und Bildung unter den Gefangenen organisierten, und protokollierten patriotische, prowestliche und antisowjetische Aussagen. Sie deuteten auch unpolitische Vorträge als Deckmantel für konterrevolutionäre Tätigkeit. Wie aus ihren Berichten hervorgeht, ließen sich die Gefangenen nur zur Selbstversorgung des Lagers zwingen und waren kaum dazu bereit, bei Polens „Befreiung“ mit der Sowjetunion zusammenzuarbeiten.[19]

Bis zum 10. Februar 1940 erhielt die „erste Sonderabteilung“ des NKWD unter Leonid Baschtakow alle Verhörergebnisse aus den Lagern. Am 20. Februar schlug Soprunenko Beria vor, 400 bis 500 ukrainische und weißrussische Schwerkranke, Invaliden, über 60-Jährige und Fachkräfte, die nicht antisowjetisch aufgefallen seien, aus Koselsk und Starobelsk zu entlassen. Beria lehnte ab.[20]

Eigens entsandte Schnellgerichte des NKWD verurteilten etwa 600 Offiziere im Lager Ostaschkow bis Mitte Februar 1940 nach Art. 58, § 13 des sowjetischen Strafgesetzbuchs zu drei bis zehn Jahren Zwangsarbeit im Gulag. Am 28. Februar forderte das NKWD per Eilboten fünf Akten von Verurteilten an, die Beria Stalin am 3. März vorlegte. Bei diesem Treffen wurde wahrscheinlich entschieden, alle Häftlinge der Speziallager durch eine zentrale Troika verurteilen und als Staatsfeinde ermorden zu lassen. Als Grund wird vermutet, dass Stalin Beria seinen Wunsch signalisierte, die Führungselite Polens auszuschalten, dass aber das bisherige Verfahren dafür zu zeit- und personalaufwändig erschien und sich die Mordabsicht bei nur wenigen Entscheidungsträgern besser geheim halten ließ.[21]

Die Massenmorde[Bearbeiten]

Exekutionsbeschluss[Bearbeiten]

Anfang März 1940 legte Beria Stalin einen für das Zentralkomitee der KPdSU bestimmten vierseitigen Befehlsentwurf vor. Der Text führte aus: Die in NKWD-Lagern sowie Haftanstalten der Westukraine und Weißrusslands befindlichen polnischen Offiziere, Polizisten, Spione, Angehörige nationalistischer konterrevolutionärer Parteien, Grenzverletzer und andere seien „geschworene Feinde der Sowjetmacht, hasserfüllt gegenüber der sowjetischen Ordnung“. In den NKWD-Lagern seien „14.736 ehemalige Offiziere […], ihrer Nationalität nach über 97 Prozent Polen“, in den Haftanstalten weitere 10.685 Polen und weitere 1207 ehemalige Berufsoffiziere. Eine detaillierte Liste schlüsselte diese Gesamtzahlen nach militärischen Graden, sonstigen Berufen oder Funktionen, Parteizugehörigkeiten und Sozialstatus auf.

Dem NKWD sei „vorzuschlagen“, über diese 14.700 ehemaligen Lagergefangenen und 11.000 anderen Häftlinge „in Sonderberatungen zu entscheiden und dabei die Höchststrafe – Tod durch Erschießen – anzuwenden“, „ohne die Inhaftierten vorzuladen, ohne … Anklage zu erheben.“  Beria schlug eine Troika für die „Sonderberatungen“ vor und setzte sich selbst, Wsewolod Merkulow und Leonid Baschtakow als Mitglieder ein.[22]

Am 5. März 1940 unterzeichneten die vier Politbüromitglieder Josef Stalin, Kliment Jefremowitsch Woroschilow, Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow und Anastas Mikojan diesen Beschluss. Die Zustimmung von Lasar Moissejewitsch Kaganowitsch und Michail Iwanowitsch Kalinin wurde mit „Dafür“ notiert. Berias Name wurde gestrichen und durch den seines Stellvertreters Bogdan Kobulow ersetzt. Der Beschluss wurde auf die Tagesordnung des Politbüros gesetzt, das ihn am selben Tag unverändert bestätigte.

Dieser Mordbefehl gilt nach Art und Ausmaß als einzigartig: Alle sechs Unterzeichner hatten höchste, teils mehrere Staatsämter inne, so dass das Politbüro nicht eigens zusammengerufen wurde. Da das Dokument keine der sonst häufigen Spuren einer Bearbeitung Stalins trägt, gilt es als vorher mit ihm abgesprochen.[23] Das Todesurteil für 26.000 Menschen war vorgegeben, die individuellen Urteilsgründe – erspitzelte, ungeprüfte und unprüfbare Aussagen, aus denen auf unverbesserliche, gefährliche sowjetfeindliche Einstellung gefolgert wurde – wurden der Troika nachträglich vorgelegt. Jeder Rechtsschutz für die Verurteilten fehlte.[24]

Laut erhaltener Aktennotiz gab Merkulow seine Kopie „Nr. 41“ am 28. März 1940 an die Kanzlei des ZK zurück: Demnach waren trotz der Geheimhaltung mindestens 41 Personen schriftlich über den Exekutionsbeschluss informiert. Pjotr Soprunenko gehörte nach Aussage seiner Tochter dazu.[25] Das Originaldokument wurde in einem auf Stalins Befehl eingerichteten Sonderarchiv des ZK aufbewahrt. Es befand sich in dessen Sektion 6 in einem versiegelten Umschlag im selben Ordner wie das geheime Zusatzabkommen zum Hitler-Stalin-Pakt. Da auf dem Umschlag vermerkt war, dass der spätere Staatschef Juri Wladimirowitsch Andropow ihn 1981 geöffnet hatte, nehmen Historiker, die das Dokument untersuchten, eine Einsichtnahme aller KPdSU-Generalsekretäre seit Stalin an.[26]

Vorbereitung[Bearbeiten]

Bei einer Konferenz in Moskau am 3. und 4. März 1940 befahl die NKWD-Zentrale den Lagerkommandeuren, die baldige Evakuierung der Lager vorzubereiten, und verbot ihnen streng, Urteile der Schnellgerichte vor dem Abtransport bekanntzugeben. Man brauche Raum für neue Kriegsgefangene aus dem sowjetischen Winterkrieg gegen Finnland (November 1939 bis März 1940). Um die Mordvorbereitungen zu kaschieren, wurde den Polen ihre Verlegung in Arbeitslager angekündigt.[27]

Auf Befehl Berias vom 7. März 1940 wurden am 13. April etwa 60.000 Ehegatten, Kinder sowie im Haus mitlebende Eltern der zu exekutierenden 26.000 Polen nach Kasachstan deportiert.[28] Ihre Wohnungen wurden Rotarmisten und KP-Mitgliedern zur Verfügung gestellt. Das war die zweite von vier großen Deportationen von Polen im Jahre 1940/41. Sie wurden nach Richtlinien ausgeführt, die Iwan Alexandrowitsch Serow erstellt hatte.[29]

In den Tagen nach dem Mordbeschluss befahl das NKWD 15 bis 20 Beamten aus den beteiligten Regionalverwaltungen von Charkow, Kalinin und Smolensk, den Staatsmassenmord so wie beschlossen streng geheim auszuführen. Bogdan Kobulow weihte unter anderem Dmitri Tokarjew, dessen Stellvertreter Wassili Pawlow und den „Kommandanten“ (Scharfrichter, Henker) Andrej Rubanow ein.[30] Am 15. und 16. März 1940 befahl Soprunenko den nach Moskau vorgeladenen Lagerkommandeuren und Leitern der Spezialabteilungen in den Lagern die „Organisierung des Abtransports der Kriegsgefangenen nach ergangenem Urteil“. Dabei wurde der ganze Ablauf festgelegt: Amtliche Befehle zum Abtransport sollten den Gefangenen vor ihrer Übergabe verlesen werden. Die Übergabeorte an Wachpersonal und Transportbegleiter wurden bestimmt. Die Waggons sollten jeweils mit Gruppen aus gleichen oder benachbarten Regionen besetzt werden, um ihnen ihre Entlassung vorzutäuschen. Fragen nach dem Transportziel sollten einheitlich mit „zur Arbeit in ein anderes Lager“ beantwortet werden. Aus verlässlichen NKWD-Angehörigen wurden Truppen zur Abholung von den Zielbahnhöfen, von dort zu den Hinrichtungsplätzen, Fotografen der Exekutionen, Todesschützen, Bestatter und weitere „Liquidatoren“ bestimmt.

Ab dem 16. März 1940 war den Lagerhäftlingen jeder Briefverkehr verboten. Sonderfahrpläne für die Transportzüge wurden erstellt. Bis Ende März wurden alle Wachmannschaften detailliert eingewiesen. Ab 1. April erhielten die Lagerkommandeure die ersten schematischen Listen mit jeweils 70 bis 300 Vor- und Nachnamen, Geburtsjahr – kein Tagesdatum – und Aktennummern von Häftlingen, die sofort an die jeweilige NKWD-Stelle der Zielregion zu „verlegen“ seien. Absender und Unterzeichner waren Baschtakow oder sein Stellvertreter Arkadi Gerzowski, die die Troika-Urteile durch Listeneinträge umzusetzen hatten. Dazu erhielt die Troika zuvor entsprechende Listen aus den Lagern mit den Gefangenenakten. Die Leitung der Gesamtaktion oblag Merkulow.[31]

Ausführung[Bearbeiten]

Karte mit Lagern und Mordplätzen

Die Gefangenen wurden vom 3. April bis 19. Mai 1940 in fensterlosen Waggons an ihre Hinrichtungsorte transportiert und dort direkt ermordet. Die Gefangenen aus Koselsk kamen nach Katyn, die aus Starobelsk nach Charkow und die aus Ostaschkow nach Kalinin (heute Twer).[32] An vorgesehenen Stellen waren zuvor mit Baggern nachts und streng geheim Gruben ausgehoben worden.

In Gnjosdowo bei Katyn mussten nach Zeugenaussagen von Überlebenden je etwa 30 Ankömmlinge vom Zug direkt in schwarz lackierte Busse mit weiß getünchten Scheiben umsteigen. Der Umsteigeplatz war von Truppen mit aufgepflanzten Bajonetten eng umstellt. Der Bus fuhr die Gefangenen an den etwa 15 km entfernten Hinrichtungsort im Wald. Dort wurden sie jeweils einzeln mit einem Genickschuss getötet, nur selten einem zweiten, bei aufgesetzter Mündung und einheitlichem Schusswinkel. Die Täter benutzten Pistolen der deutschen Marke Walther und bei Gustav Genschow (Karlsruhe-Durlach) hergestellte 7,65-Millimeter-Patronen, die die Sowjetunion seit 1928 in großen Mengen importiert hatte. Der ungeordneten Lage mancher Leichen zufolge wurden einige direkt am Rand der Gruben erschossen und fielen dann hinein. Vielen hatte man die Arme mit Seilschnüren auf dem Rücken gefesselt, einigen den Mantel über den Kopf gezogen, ihn um den Hals verschnürt und die Zwischenräume mit Sägemehl ausgestopft, um ihre Gegenwehr zu verhindern. Viele wiesen Knochenbrüche und vierkantige Einstiche von Bajonetten auf.[33]

Im NKWD-Sitz von Kalinin wurde nach Aussage Dmitri Tokarjews von 1991 jeder Häftling nach Feststellung der Personalien sofort in Handschellen gelegt und in einen schalldicht gedämmten Kellerraum geführt, wo zwei Täter seine Arme festhielten, ein dritter ihm in den Schädel schoss. Der Getötete wurde durch eine zweite Tür in ein Transportfahrzeug gelegt. Manche wurden auch dort am Rand der Gruben erschossen.

Nach den Morden eines Tages tranken die Täter Alkohol, nach Abschluss der ganzen Mordserie feierten sie ein Bankett.[34] Die Kommandanten der geleerten Lager mussten alle Personalakten der ermordeten Häftlinge verbrennen und nur ihre Transportlisten an die NKWD-Zentrale senden.[35]

Ausführende[Bearbeiten]

Wassili Blochin (1895–1955), Chef des Exekutionskommandos im NKWD

Die für die Ausführung wichtigsten Täter nach den Entscheidern (Politbüro) und Organisatoren (Troika und NKWD-Zentralverwaltung) waren die regionalen NKWD-Behördenleiter Jemeljan Kuprijanow (Smolensk), Pjotr Sergejewitsch Safonow (Charkow) und Dmitri Tokarjew (Kalinin).[36] Sie stellten aus ihren Untergebenen die an den Morden unmittelbar beteiligten Kraftfahrer, Baggerführer, Bestatter, Fotografen, Bewacher und Pistolenschützen zusammen. Weitere Täter gehörten zu dem Bataillon, das die Transporte begleitete, und zu lokalen NKWD-Stellen, so der Gefängnisdirektor Iwan Stelmach aus Smolensk.[37]

Die Moskauer NKWD-Zentrale stellte Exekutionskommandos aus Staatssicherheitsbeamten bereit, darunter die Leutnants Josif Gribow, Timofej Kuprij, Nikita Melnik und Andrej Rubanow. Ihr Leiter war der Major Wassili Blochin, der selbst die meisten Häftlinge aus Ostaschkow in Kalinin erschoss. Er soll entschieden haben, 250 Personen pro Nacht zu erschießen.[38] Zu den Ausführenden gehörten auch Agenten und Sonderbrigaden aus den Speziallagern, die der NKWD-Zentrale direkt unterstellt waren, Mitarbeiter der Verwaltungsabteilung für Kriegsgefangene und der Hauptverwaltung Transportwesen.

Beria hatte sie schon vor Beginn der Morde motiviert, indem er am 17. März 1940 einmal sechs und zweimal drei NKWD-Funktionäre aus den Regionalbehörden und Lagern beförderte. Sie alle wirkten nachweislich bei den Erschießungen mit. Am 26. Oktober 1940 belohnte Beria laut Aktenfund 124 namentlich genannte Täter „für die erfolgreiche Erfüllung von Sonderaufträgen“ mit einer „Geldprämie in Höhe eines Monatsgehalts“ (43 Personen) oder „800 Rubel“ (81 Personen). Andere wurden befördert. Die oberen Ränge stiegen vielfach rasch in hohe Positionen von Partei, Geheimdienst und Staatssicherheit auf und erhielten den Orden des Roten Sterns.[39] Widerspruch von Tätern gegen die Morde ist nicht bekannt.

Die Opfer[Bearbeiten]

Zahlen und Orte[Bearbeiten]

Eine von Pjotr Soprunenko unterzeichnete, bis 25. Mai 1940 erstellte Statistik zur „Liquidierung“ der „abtransportierten“ polnischen Kriegsgefangenen nannte folgende Zahlen:

Von diesen 14.587 Personen seien 395 in das Lager Pawlitschew Bor verlegt worden. Die Statistik belegt somit 14.192 Ermordete aus den drei Lagern, erfasste aber nicht die weiteren aus Gefängnissen, Arbeitslagern und Lazaretten verschleppten Polen. In Unterlagen, die Oberleutnant Zwetuchin (einer der Mörder) befehlsgemäß am 25. November 1940 an Leonid Baschtakow sandte, fanden sich zudem 3.435 alphabetisch geordnete Namen von ermordeten Polen aus Lagern der Ukraine. Diese „ukrainische Katynliste“ wurde nach 1990 gefunden und 1994 dem Generalstaatsanwalt Polens übergeben.[40]

Eine Geheimakte der Abteilung Kriegsgefangene des NKWD vom Dezember 1943 dokumentierte abschließend die Leerung der drei Speziallager für andere Behörden. Sie beziffert polnische Militär- und Polizeiangehörige, die zwischen 1939 und 1941 an Regionalbehörden des NKWD überstellt worden seien, auf 15.131.[41]

Der KGB-Vorsitzende Alexander Nikolajewitsch Schelepin schrieb am 3. März 1959 an Staatschef Nikita Sergejewitsch Chruschtschow, aufgrund eines Beschlusses der Troika des NKWD 1940 habe man 21.857 Vertreter der polnischen Bourgeoisie erschossen, darunter

  • 4.421 im Wald bei Katyn,
  • 3.820 (die aus Starobelsk) bei Charkow
  • 6.311 (die aus Ostaschkow) bei Kalinin,
  • 7.305 aus anderen Lagern und Gefängnissen der Westukraine und Westweißrusslands.

Er schlug Chruschtschow vor, alle im NKWD archivierten Personalakten der Ermordeten zu vernichten und nur die Listen der Troika-Urteile zu bewahren.[42]

Bisher wurden folgende Gräber mit Mordopfern aufgefunden, die auf den Exekutionsbeschluss vom 5. März 1940 zurückgeführt werden:

  • Wald bei Katyn: 4.410 bis 4.430 polnische Offiziere.
  • Dorf Mednoje: rund 6.300 polnische Armee-, Polizei- und Gendarmerieoffiziere sowie einige Zivilisten. Sie wurden in einem NKWD-Keller in Kalinin ermordet.[43]
  • Wald- und Parkgebiet bei Pjatychatky (Charkiw): 3.739 bis 3.896 Offiziere, ermordet in einem NKWD-Gefängnis in Charkow.
  • Waldgelände Kurapaty: 3.700 bis 4.500 Personen, ermordet wahrscheinlich im NKWD-Sitz in Minsk.[44]
  • Wald von Bykiwnja: vermutlich 3.435 Polen, da einige davon, die identifiziert wurden, auf der „ukrainischen Katyn-Liste“ verzeichnet waren. Es waren überwiegend Zivilisten aus einem Lager in der Ukraine. Sie wurden wahrscheinlich im NKWD-Sitz von Kiew ermordet. Das Grab wurde 2006 entdeckt.[45]
  • Ermordet in NKWD-Gefängnissen von Lwów (Lemberg) im Juli 1941: 2.464 Polen aus Arbeitslagern.[40]

Man versucht, möglichst viele dieser und weiterer Opfer zu identifizieren. Dies erschweren mehrere Faktoren: Vollzugsakten zu 7.305 Ermordeten aus anderen Lagern und Gräber von 3.880 in Weißrussland Begrabenen wurden bisher nicht gefunden. Weißrussische Behörden halten relevante Akten dazu geheim.[40] In Bykiwnja liegen einige polnische Mordopfer von 1940 mit Mordopfern der „Polen-Operation“ von 1937/38 in denselben Gräbern und können daher kaum voneinander unterschieden werden.[46] Dort wird das größte Gräberfeld mit Opfern stalinistischer Säuberungen in der Ukraine vermutet.[47]

Von den maximal 15.131 Ermordeten aus den drei Speziallagern wurden bisher mindestens 14.463 aufgefunden und größtenteils identifiziert.[48] Oft wird eine Gesamtzahl von 22.000 bis 23.000 damals ermordeten Polen genannt. Rund 24.000 bis 25.000 aufgefundene Tote werden auf den Exekutionsbeschluss für bis zu 26.000 Polen zurückgeführt. Hinzu kommen mindestens 7.000 von etwa 40.000 polnischen Häftlingen, die bei Flucht- oder Aufstandsversuchen, besonders nach dem deutschen Überfall im Juni 1941, ermordet wurden. Eine unbekannte Zahl kam in Arbeitslagern um.[49]

Tote von Katyn[Bearbeiten]

Unter den Toten von Katyn waren die Generäle Bronisław Bohaterewicz, Henryk Minkiewicz, Mieczysław Smorawiński und Konteradmiral Ksawery Czernicki sowie etwa 1.040 höhere Offiziere und über 3.400 Unteroffiziere, darunter etwa 300 Ärzte, über 200 Piloten, mehrere hundert Richter und Anwälte, über 100 Autoren und Journalisten, 43 Beamte, 20 Universitätsprofessoren, sieben Militär- oder Ordensgeistliche und drei Großgrundbesitzer.[50] Bis zu 900 von ihnen waren Juden.[51]

Bekannte Opfer waren der Ingenieur Adolf Morawski, der Lehrer Dobiesław Jakubowicz, der Sprengstoffexperte Tadeusz Tucholski, der Militärjurist Zbigniew Przystasz, der Rittmeister Zdzisław Sheybal und die Pilotin Janina Lewandowska.[52]

Überlebende[Bearbeiten]

Zygmunt Berling (um 1944)

Am 6. April 1940 befahl Merkulow, acht hohe Stabsoffiziere von der Erschießung auszunehmen, darunter Jerzy Wołkowicki, Marian Morawski und Leon Bukojemski-Nałęcz. Auf Befehl Merkulows wurden am 25. und 26. April 1940 Listen an die drei Speziallager gesandt, wonach man insgesamt 395 Personen als Informanten des NKWD oder Sympathisanten des Sowjetsystems von den Erschießungen ausnehmen und nach Pawlitschew Bor überstellen solle. Hinzu kamen einige, die man auf Eingaben von ausländischen Botschaften hin schonte oder freiließ. Andere, die zunächst für bestimmte Dienste ausgespart wurden, sandte man auf spätere Todestransporte.

Stanisław Swianiewicz wurde erst im Wald von Katyn von den anderen Offizieren seines Transports getrennt; er konnte als einziger Überlebender der Katyn-Opfer die Vorgänge beim Einstieg in die Busse zur Exekution bezeugen. Aus Koselsk überlebten der Fähnrich Władysław Cichy, der die Fahrt bis zum nahe Katyn gelegenen Bahnhof Gnjosdowo genau beschrieb, der Oberst Tadeusz Felsztyn sowie die Priester Kamil Kantak und Zdzisław Peszkowski.[53] Aus Starobilsk überlebten etwa Józef Czapski und Zygmunt Berling.

Als Gesamtzahl werden zwischen 432 und 452 Überlebende angegeben. Deren Zeugnisse bildeten bis 1990 eine Hauptquelle zur Widerlegung der sowjetischen Geschichtsfälschung.[54]

Suche nach den Vermissten[Bearbeiten]

Die nach Pawlitschew Bor verlegten Überlebenden erfuhren durch Briefwechsel, dass die Angehörigen der übrigen Offiziere seit März 1940 keine Post mehr von ihnen erhalten hatten und ihre Nachfragen bei Lagern und NKWD-Behörden nicht oder nichtssagend beantwortet wurden.[55] Agenten der Armia Krajowa suchten von Juni bis Oktober 1940 in der Umgebung der Lager vergeblich nach Spuren der ehemaligen Insassen. Einige prosowjetische, unwissentlich verschonte Offiziere sprachen mit Beria und Merkulow im Oktober 1940 über den Aufbau einer polnischen Einheit in der Roten Armee und forderten, auch national gesinnte Offiziere aus Koselsk und Starobelsk aufzunehmen. Darauf habe Beria geantwortet: „Nein, diese nicht. Mit denen ist uns ein großer Fehler unterlaufen.“[56]

Am 18. März 1941 meldete das Polnische Rote Kreuz (PCK) dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf die Vermissten und vermutete, die drei Speziallager seien aufgelöst worden.

Infolge des deutschen Überfalls am 22. Juni 1941 erließ die Sowjetunion am 25. August 1941 eine Amnestie für alle polnischen Kriegsgefangenen und erlaubte den Aufbau einer polnischen Freiwilligenarmee auf ihrem Boden. General Władysław Anders richtete ein Büro ein, das die Namen der vermissten, auf etwa 15.000 bezifferten Polen und letztbekannten Daten zu ihnen zusammentrug. Überlebende erläuterten die Vorgänge bei der Auflösung der drei Speziallager. Das Büro stellte auch anhand früherer NKWD-Mitteilungen und Rückmeldungen aus Polen fest, dass deren Insassen nicht vor März 1940 entlassen und nicht an die Wehrmacht überstellt worden sein konnten.

Es folgten Anfragen von Regierungsvertretern. Der polnische Botschafter in Moskau, Stanisław Kot, übergab der Sowjetunion im September 1941 Belege, dass in sowjetischen Lagern seit der Amnestie immer noch Polen gefangen gehalten wurden, ihnen Kontaktaufnahme zur polnischen Botschaft verweigert und keine Angaben erfolgten, wer freigelassen wurde. Dass das NKWD angeblich keine Namenslisten der Vermissten hatte, obwohl seine akribische Buchführung bekannt war, beunruhigte die Polen besonders. Außenminister Molotow erklärte ihr Fehlen mit Transport- und Verwaltungsproblemen. Der stellvertretende Außenminister Andrei Januarjewitsch Wyschinski dagegen behauptete ohne Nachweise, sie seien alle freigelassen worden. Für Details sei er nicht zuständig. Stalin antwortete seinem Besucher Władysław Sikorski am 3. Dezember 1941, die vermissten Polen seien wohl in die Mandschurei geflohen. In den offiziellen Gesprächsprotokollen ließ die Sowjetunion alle Dialoge über die Vermissten aus.[57]

Am 18. März 1942 erklärte Stalin General Anders, die Vermissten könnten sich in deutschen Lagern befinden. Die Rote Armee hätte nur Polen inhaftiert, die den Deutschen dienten. Am 8. Mai 1942 verbot die sowjetische Zensurbehörde der polnischen Botschaft, die baldige Freilassung der Vermissten anzukündigen, sowie alle Suchanzeigen von Familienangehörigen. Auf insgesamt 50 offizielle Nachfragen erhielten die Polen keine oder nur hinhaltende, vage und widersprüchliche Antworten, etwa dass die Vermissten ins Ausland geflohen, auf dem Heimweg zerstreut worden und gestorben seien. Die Polen vermuteten zwar ihren Tod, verdächtigten die Sowjetunion aber bis 1943 keines Verbrechens.[58]

Fund der Massengräber bei Katyn 1943[Bearbeiten]

Im Verlauf des deutsch-sowjetischen Krieges eroberte die deutsche Heeresgruppe Mitte Ende Juli 1941 die Region Smolensk. Polnische Zwangsarbeiter der Organisation Todt stießen im Wald von Katyn auf Menschenknochen, gruben einige Leichen in polnischen Uniformen aus und stellten ein Birkenkreuz bei der Fundstelle auf. Soldaten des im November 1941 nachgerückten Nachrichtenregiments 537 hörten von Dorfbewohnern, auf dem „Ziegenberg“ habe man Menschen erschossen. Sie meldeten dies im Herbst 1942 ergebnislos ihren Vorgesetzten. Oberstleutnant Friedrich Ahrens fand im Januar 1943 beim Birkenkreuz Knochen und vermutete eine Kriegsgräberstätte. Nach Frühlingsbeginn zog er den führenden deutschen Gerichtsmediziner Gerhard Buhtz hinzu. Dieser veranlasste am 29. März eine Probegrabung in einem von sieben flachen, mit jungen Kiefern oder Fichten bepflanzten Hügeln des Waldes, bei der man Leichen fand. Ab April mussten sowjetische Kriegsgefangene und Dorfbewohner die Massengräber öffnen: Dabei wurden Hunderte übereinander geschichtete Leichen in polnischen Uniformen sichtbar.[59]

Propagandaminister Joseph Goebbels erfuhr am 9. April 1943 von den Funden. Er beschloss sofort, die Leichen polnischen Intellektuellen zu zeigen, um durch deren Berichte das Bündnis von Polen und Russen gegen NS-Deutschland zu zerstören. Frühere Versuche dazu waren gescheitert, weil man behauptete Gräuel von sowjetischer Seite dem Ausland nicht beweisen konnte.[60] Er ließ eine siebenköpfige Delegation sowie einige Kriegsgefangene aus dem besetzten Polen nach Katyn fliegen, die die Gräber vom 10. bis 14. April besichtigten und die polnische Exilregierung in London informierten. Sie weigerten sich jedoch, die deutschen Angaben in Polen zu verbreiten.[61]

Am 13. April 1943 meldete das Deutsche Nachrichtenbüro im Rundfunk, deutsche Soldaten hätten im Wald von Katyn „mehr als 10.000“ Leichen polnischer Offiziere gefunden, die unbezweifelbar im Mai 1940 vom NKWD ermordet worden seien.[62] Polens Exilregierung verlangte am 15. April Aufklärung des Verbrechens von der Sowjetunion und kündigte an, beim IKRK eine Untersuchung der Funde zu beantragen. Von Goebbels veranlasst, beantragte das DRK am 17. April eine solche Untersuchung beim IKRK; kurz darauf ging auch der Antrag der Exilpolen ein. Am 23. April bot das IKRK eine neutrale Katyn-Kommission an, falls die sowjetische Regierung zustimme. Diese lehnte ab, stellte Polens Exilregierung am 24. April ein Ultimatum, ihren Antrag zurückzuziehen, und brach die Beziehungen zu ihr am 25. April ab.

Um die deutschen Angaben trotz der Absage des IKRK international bestätigen zu lassen, lud Goebbels zwölf Pathologen aus Staaten ein, die bis auf die Schweiz mit Deutschland verbündet, von ihm besetzt oder abhängig waren: Reimond Speleers (Belgien), Marko Antonow Markow (Bulgarien), Helge Tramsen (Dänemark), Arne Saxen (Finnland), Vincenzo Palmieri (Italien), Eduard Miloslavić (Kroatien), Herman Maximilien de Burlet (Niederlande), Alexandru Birkle (Rumänien), François Naville (Schweiz), František Šubík (Slowakei), Ferenc Orsós (Ungarn), František Hájek (Protektorat Böhmen und Mähren). Vom 28. bis 30. April 1943 besuchten diese den Fundort, inspizierten die aufgedeckten Massengräber und obduzierten einige unter ihrer Aufsicht exhumierte Leichen, um Todesursachen und Todesdatum festzustellen. Ferner ließ Goebbels die Gräber je zwei britischen und US-amerikanischen Kriegsgefangenen vorführen, die ihren Regierungen später davon berichteten.

Ferenc Orsós (links) übergibt den Abschlussbericht an Leonardo Conti (rechts; in der Mitte Reimond Speleers). Berlin, 4. Mai 1943

Die Kommission übergab ihren Abschlussbericht am 4. Mai 1943 an Reichsgesundheitsführer Leonardo Conti, der ihn als amtliches Gutachten herausgab. Als Indizien nannte es Aussagen von Einwohnern Katyns für Gefangenentransporte, Tagebucheinträge bis 9. April 1940, den Verwesungszustand von bis dahin 925 exhumierten Leichen, ihre Winterkleidung, fehlende Mückenstiche, vierstrahlige Stichverletzungen durch Bajonette, Jahresringe der Bäume auf den Gräbern und einheitliche Genickschüsse. Das Gutachten folgerte: „Aus den Zeugenaussagen, den bei den Leichen gefundenen Briefschaften, Tagebüchern, Zeitungen usw. ergibt sich, dass die Erschießungen in den Monaten März und April 1940 stattgefunden haben.“[63] Da die Sowjetunion das Gebiet damals militärisch besetzt hatte, sei die sowjetische Geheimpolizei GPU für das Massaker verantwortlich.[64]

Auch Vertreter des Polnischen Roten Kreuzes, darunter getarnte Mitglieder des polnischen Widerstands, besuchten Katyn, überprüften den Befund der Gerichtsgutachter und bestätigten ihn als zutreffend.[65] Bis zum 7. Juni 1943 gruben sie 4143 Leichen aus, von denen man 2815 identifizierte. Dann ließen die Deutschen die Exhumierungen einstellen.[66]

Folgen[Bearbeiten]

NS-Propaganda[Bearbeiten]

Joseph Goebbels

In die geplante, am 13. April 1943 begonnene NS-Propaganda-Kampagne waren wochenlang alle Medien im gesamten deutschen Einflussbereich einbezogen. Goebbels ließ Textvorlagen mit grausamen und erfundenen Details sowie übertriebenen Opferzahlen erstellen, Opferangehörige vorführen, Filme drehen. Er befahl den NS-Medien, „dies Propagandamaterial in weitestem Umfang auszunutzen. Wir werden die antisemitische Propaganda so hochkitzeln, dass wie in der Kampfzeit das Wort ‚Jude‘ wieder mit dem verheerenden Ton ausgesprochen wird, wie es ihm gebührt.“[67] Im Zusammenhang mit Katyn sei „immer wieder auf das jüdisch-bolschewistische Mordbrennen“ hinzuweisen.[68]

Das NS-Regime hatte schon seit dem Hitler-Stalin-Pakt 1939 schwere Völkerrechtsverletzungen der Roten Armee bei deren vereinbarten Eroberungen in Osteuropa erwartet. Hitler und Goebbels begrüßten die sowjetische Dezimierung der baltischen Intelligenz im August 1940: So seien diese Staaten für die spätere deutsche Eroberung „ungefährlicher“.[69] Die NS-Propaganda beabsichtigte, das seit Juli 1940 als Vernichtungskrieg geplante „Unternehmen Barbarossa“ als Befreiung der Völker Osteuropas von sowjetischer Herrschaft auszugeben. Die Funde bei Katyn bestätigten dieses Bild; nur das Ausmaß dieses Massenmordes überraschte das NS-Regime. An einer Information russischer Zivilisten über das Verbrechen und Bestrafung der Täter war man nicht interessiert.[70] Vielmehr benutzte die NS-Propaganda die Funde dazu,

  • im besetzten Polen gegen die Sowjetunion Stimmung zu machen, um gemeinsamen Widerstand polnischer und sowjetischer Partisanen gegen die deutschen Besatzer zu verhindern oder zu erschweren,
  • die Furcht der Deutschen vor den Russen zu schüren und sie so nach der verlorenen Schlacht um Stalingrad für den „totalen Krieg“ zu gewinnen,
  • vom Aufstand im Warschauer Ghetto (Beginn: 19. April 1943) abzulenken und eigene Massenmorde an Juden zu rechtfertigen, indem das Massaker als Ausfluss „jüdischer Bestialität“ dargestellt wurde,
  • die Westalliierten als Komplizen Stalins darzustellen, die vor „bolschewistischer Unmenschlichkeit“ kapituliert hätten, um einen Keil in ihre Koalition mit der Sowjetunion zu treiben,[71]
  • die Kriegsteilnahme von verbündeten Staaten Osteuropas zu fördern. So stellte die NS-Propaganda in Rumänien Massenmord als unvermeidbares Merkmal sowjetischer Herrschaft dar und bewegte damit viele Rumäniendeutsche zum Eintritt in die Waffen-SS.[72]

Den Bruch Stalins mit der polnischen Exilregierung im April 1943 sah Goebbels als Triumph seiner Kampagne an. Doch obwohl die Regierungen Großbritanniens und der USA frühzeitig Belege für sowjetische Täter vorliegen hatten und intern von deren Schuld überzeugt waren, hielten sie an der Anti-Hitler-Koalition fest. Der Sicherheitsdienst des Reichsführers-SS notierte in seinen „Meldungen aus dem Reich“, viele Deutsche hielten die Aufregung über Katyn für unberechtigt, „weil deutscherseits in viel größerem Umfang Polen und Juden beseitigt worden sind“.[73]

Das NS-Regime befürchtete seinerseits, die vorrückende Rote Armee werde NS-Verbrechen entdecken und bekanntmachen. Seit Juni 1942 hatte die Schutzstaffel daher Spuren der ersten Phase des Holocaust beseitigt. Dazu waren bei der „Sonderaktion 1005“ Massengräber sowjetischer Kriegsgefangener und polnischer Juden, die in der „Aktion Reinhardt“ vergast worden waren, geöffnet und die darin befindlichen Leichen verbrannt worden.[74] Um Verbrechensspuren in der Ukraine ebenso zu beseitigen, wurden im April/Mai 1943 Sonderkommandos gebildet. Denn die Rote Armee hatte östliche Teile der Ukraine zurückerobert und nahm dort ab 15. April 1943 ihrerseits Exhumierungen von NS-Opfern vor, deren Ergebnisse die Sowjetunion ab August 1943 bekanntgab.[75] Reichskommissar Hinrich Lohse hatte den Reichsminister für die besetzten Ostgebiete Alfred Rosenberg im Juni 1943 gewarnt: Man solle sich nur vorstellen, wie die Gegenseite ihr bekannt gewordene NS-Verbrechen ausschlachten würde, die Katyn bei weitem überträfen und wahrscheinlich nur wegen ihres Ausmaßes nicht geglaubt würden.[76]

In der Tradition der NS-Propaganda rechnen deutsche Rechtsextremisten das Massaker von Katyn gegen NS-Verbrechen auf, um diese zu relativieren.[77] Manche benutzen es zur Holocaustleugnung, indem sie unterstellen, so wie die „Katyn-Lüge“ habe man auch die „Auschwitz-Lüge“ erfunden, um die Judenmorde den Deutschen unterzuschieben.[78]

Sowjetische Propaganda[Bearbeiten]

Am 15. April 1943 erklärten Radio Moskau und die Prawda, Goebbels verbreite Lügen, um ein eigenes Verbrechen zu vertuschen. Die polnischen Kriegsgefangenen seien im Sommer 1941 bei Bauarbeiten gemeinsam mit sowjetischen Bürgern den „deutschfaschistischen Mördern“ in die Hände gefallen. Diese hätten archäologische Ausgrabungen bei Gnjosdowo verschwiegen.[79]

Nach der Rückeroberung von Smolensk im September 1943 sollte eine Sonderkommission den „Tatbestand der Erschießung kriegsgefangener polnischer Offiziere durch die faschistischen deutschen Okkupanten“ untersuchen. Zum achtköpfigen Leitungsgremium unter Nikolai Nilowitsch Burdenko, dem Chefchirurgen der Roten Armee, gehörten Jefim Smirnow (sowjetisches Rotes Kreuz), Wladimir Petrowitsch Potjomkin (Volkskommissar für Bildung), der Schriftsteller Alexei Nikolajewitsch Tolstoi und der Metropolit Nikolai. Fünf sowjetische Gerichtsmediziner, sechs Militärsanitäter und unbekannte NKWD-Beamte sollten ihnen zuarbeiten; ausländische Experten fehlten.

Der Kommissionsbericht folgerte aus anonymen Zeugenaussagen und Gutachten, ein deutscher „Stab des 537. Baubataillons“ habe die Polen im Herbst 1941 erschießen lassen. Um dieses Verbrechen zu vertuschen und der Sowjetunion unterzuschieben, hätten die Deutschen

  • Russen zu Falschaussagen bestochen,
  • von anderswo geholte Leichen in die geöffneten Gräber gelegt,
  • 500 russische Kriegsgefangene gezwungen, Dokumente und Beweise aus der Kleidung der Leichen zu entfernen,
  • diese dann erschossen, und zwar auf dieselbe Weise wie die Polen per Genickschuss mit Maschinenpistolen mit deutscher Munition, Kaliber 7,65.

Gerichtsmedizinisch sei erwiesen, dass man Polen wie Sowjetbürger im Herbst 1941 erschossen habe. Dies zeige der Verwesungszustand von 925 exhumierten Leichen, den man mit anderen exhumierten, zwei Jahre alten Leichen aus Smolensk verglichen habe. Dieser Befund werde durch Fundstücke bestätigt: Die meisten Taschen und Futterale der Uniformen seien aufgerissen oder -geschnitten gewesen, um Beweise gegen Fälschungen auszutauschen. Einige habe man jedoch übersehen: Darin hätten sich Briefe mit Daten zwischen 20. November 1940 und 20. Juni 1941 gefunden.

Die Gerichtsmediziner sollen die Leichen vom 16. bis 23. Januar 1944 untersucht haben; der Kommissionsbericht erschien am 24. Januar. Daher nimmt man an, dass nur wenige, schon exhumierte Leichen untersucht wurden. Direkte Belege für die angegebene Gesamtzahl von 11.000 Opfern, den Straßenbau der Polen bis Juli 1941 und ihre Erschießung durch Deutsche fehlten. Ein wortgleicher Bericht Merkulows und seines Stellvertreters über ihren Katynbesuch im Januar 1944 legt nahe, dass sie auch den „Burdenko-Bericht“ selbst verfassten oder überarbeiteten. Auf diese Geschichtsfälschung griffen spätere sowjetische Regierungen immer wieder zurück; sie blieb bis 1990 die offizielle sowjetische Version zu Katyn.[80]

In einem Schauprozess in der SBZ wurde elf angeklagten Wehrmachtsoffizieren unter anderem das Massaker von Katyn vorgeworfen. Acht davon wurden aus anderen Gründen zum Tod verurteilt und hingerichtet. Der Angeklagte Arno Dühre wurde zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Er soll laut sowjetischen Propagandaberichten die „ungeheuerliche Bluttat der Faschisten im Walde von Katyn“ beobachtet und zugegeben haben, dass dort 15.000 bis 20.000 Polen, Russen und Juden ermordet worden seien.[81]

Der sowjetische Generalstaatsanwalt Konstantin Gorshenin ließ im Sommer 1945 alle erreichbaren Polen festnehmen, die Katyn 1943 besichtigt hatten. Manche wie Edmund Seyfried wurden als Kollaborateure des NS-Regimes inhaftiert, obwohl sie 1943 keine Täter benannt, sondern nur Leichen obduziert und identifiziert hatten. Der Krakauer Staatsanwalt Roman Martini war an ihren Verhören beteiligt, weil er im Auftrag des polnischen Justizministeriums Material für einen Prozess zu Katyn sammelte. Westliche Medien berichteten mit teils fehlerhaften Angaben, er habe nur Belege für die Täterschaft des NKWD gefunden. Martini wurde am 12. März 1946, angeblich nach Übergabe seines Berichts, von zwei Ukrainern ermordet. Sie wurden gefasst, konnten aber aus unbekanntem Grund aus ihrer Haft fliehen. Ein sowjetischer Auftragsmord wegen Martinis Katyn-Untersuchung oder ein polnischer wegen seiner Kollaboration mit der Sowjetunion wurden vermutet.[82]

Im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher 1945–1946 legte die Sowjetunion das Massaker von Katyn dem „Baubataillon 537“ der Wehrmacht zur Last. Der sowjetische Ankläger Roman Andrejewitsch Rudenko war laut Zeugenaussagen im Jahre 1990 bei Erschießungen von Polen im Jahre 1940 in Charkow anwesend. Die Anklage sollte der Jurist Nikolai Sorja vorbereiten; er wurde am 24. Mai 1946 tot aufgefunden, seine Unterlagen blieben verschwunden.[83] Britische Diplomaten verlangten im Vorfeld Verzicht auf den Anklagepunkt Katyn, da sie fürchteten, eine Beweisaufnahme werde die Sowjetunion belasten und so den Gesamtprozess gefährden. Die polnische Exilregierung übergab ihre Informationen über die Ermordeten, später „Polnisches Weißbuch“ genannt, dem Chefankläger und dem deutschen Verteidiger.[84]

Art. 21 des Londoner Statuts ließ Dokumente über bereits von alliierten Regierungen untersuchte deutsche Kriegsverbrechen als nicht zu verhandelnde Beweise zu. Demgemäß reichten die sowjetischen Ankläger den Burdenko-Bericht, der das Massaker von Katyn als konsequent realisierte „deutsch-faschistische“ „Politik der physischen Ausrottung der slawischen Völker“ einordnete,[85] als Beweismaterial ein.[86] Damit erhöhten sie ihre Erstangabe von 925 auf 11.000 Mordopfer. Gegen ihren Protest wertete der Internationale Militärgerichtshof die vorgelegten Beweise als unzureichend und ließ daher je drei Zeugen für Verteidigung und Anklage zu. In der Verhandlung vom 1. und 2. Juli 1946[87] berichtete Friedrich Ahrens von russischen Zeugen der Erschießungen im Wald von Katyn. Reinhard von Eichborn und Eugen Oberhäuser bestätigten, dass Ahrens erst Monate nach dem angeblichen Mordzeitpunkt in Katyn eingetroffen war und Soldaten seines Nachrichtenregiments niemand hätten unbemerkt erschießen können. Boris Basilewski, Bürgermeister von Smolensk, bestätigte, dass im Wald bei Katyn vor 1941 sowjetische Geheimpolizei einquartiert war. Marko Antonow Markow, der 1943 zur Ärztekommission in Katyn gehört hatte, gab nun an, er sei zur Unterschrift unter deren Bericht genötigt worden und habe bei seiner Einzelautopsie den Herbst 1941 als Todeszeitpunkt festgestellt. Er bestätigte aber Winterkleidung der Mordopfer.[88] Der Anklagepunkt Katyn wurde daraufhin aus Mangel an Beweisen fallengelassen und im Urteil nicht erwähnt. Anders als sonst erhob Rudenko dagegen keinen Einspruch.[89]

1969 bauten sowjetische Behörden im weißrussischen Dorf Chatyn eine Nationale Gedenkstätte der Republik Belarus für weißrussische Opfer deutscher Kriegsverbrechen. Die Wahl dieses Ortes mit dem ähnlichen Namen deuteten westliche Beobachter als Versuch, das Massaker von Katyn vergessen zu machen.[90] In den 1970er Jahren versuchte die Sowjetunion immer wieder, westliche Medienberichte über Katyn durch diplomatischen Protest zu verhindern und als Fortsetzung der Goebbels-Propaganda abzuwehren. Zugleich wurde jeder Hinweis auf Katyn aus sowjetischen Geschichtsbüchern und Enzyklopädien getilgt.[91]

In der DDR wurden Einwände gegen die offizielle Version als „faschistische Hetze“ verfolgt.[92] Die Pressezensur in der DDR regelte die Sprache der Medien zu Katyn bis ins Detail: Die Aussage „erschossen von den Nazis“ sei erlaubt, Datierung vor August 1941 sei verboten, polnische Häftlinge der Sowjetunion dürften nicht „Gefangene“ genannt werden.[93]

Politische Folgen für Polen[Bearbeiten]

Władysław Eugeniusz Sikorski, Chef der polnischen Exilregierung, um 1942

Polens Exilregierung hatte am 25. Februar 1943 erklärt, sie werde keine Veränderungen ihrer Ostgrenze nach dem Krieg akzeptieren. Nach der deutschen Bekanntgabe des Massakers bei Katyn suchte sie keine Kontakte mehr zu Vertretern der Sowjetunion; auch die Westalliierten blieben zunächst passiv.

Das fast zeitgleiche Eintreffen der Anträge Polens und Deutschlands beim IKRK nutzte Stalin für seine Ziele: Er warf Polens Exilregierung ein abgestimmtes Vorgehen mit den Deutschen gegen die Sowjetunion vor und verlangte am 24. April 1943 ultimativ, ihre Forderung nach sowjetischer Aufklärung des Massakers von Katyn zurückzunehmen und die Deutschen dafür verantwortlich zu machen. Um die Anti-Hitler-Koalition zu bewahren, drängte der britische Premier Winston Churchill General Sikorski, auf die öffentliche Aufklärung zu verzichten. Dieser erklärte sich dazu bereit, Polens Antrag beim IKRK zurückzuziehen. Obwohl Churchill dies Stalin am selben Tag übermittelte, brach Stalin am 25. April 1943 die Beziehungen zur polnischen Exilregierung ab. Damit isolierte er diese in der Anti-Hitler-Koalition und stellte die Weichen für ein kommunistisches Nachkriegspolen ohne Rücksicht auf westliche Interessen.[94]

Daraufhin einigten sich die seit Oktober 1939 entstandenen polnischen Widerstandsgruppen wie auch die Vertreter vier demokratischer Exilparteien rasch auf das gemeinsame Nachkriegsziel eines nichtkommunistischen, unabhängigen Polens mit der im Frieden von Riga 1921 vereinbarten Ostgrenze. Im August 1943 schlossen sie eine Zusammenarbeit mit der Sowjetunion, den polnischen Kommunisten und rechtsnationalen Parteien Polens aus. Dagegen bildeten polnische Kommunisten den Bund Polnischer Patrioten, den Stalin nun als politischen Partner für ein Nachkriegspolen zwischen Oder und Curzon-Linie unterstützte.[95]

Seit General Sikorski bei einem Flugzeugabsturz bei Gibraltar am 4. Juli 1943 ums Leben gekommen war, wurde ein Attentat auf ihn wegen seiner beharrlichen Forderung nach Aufklärung des Verbrechens von Katyn vermutet.[96] Das polnische Institut für Nationales Gedenken veranlasste 2008 eine gerichtsmedizinische Untersuchung seiner exhumierten Leiche. Sie ergab, dass er an den durch den Absturz verursachten inneren Verletzungen gestorben war.[97] Angebliche Aussagen verstorbener Zeugen für einen Auftragsmord sind unbelegt.[98]

Stalin, Roosevelt und Churchill auf der Terrasse der sowjetischen Botschaft in Teheran

Bei der alliierten Konferenz von Teheran (November 1943) gaben US-Präsident Franklin D. Roosevelt und der britische Premier Winston Churchill Stalins Wunsch nach, seine aufgrund des Hitler-Stalin-Pakts eroberten Gebiete in Ostpolen zu behalten, und beschlossen die Westverschiebung Polens. Die Aufklärung des Massenmords von Katyn wurde als Hindernis für diese Einigung betrachtet.[99] Beim Warschauer Aufstand 1944 befahl Stalin der Roten Armee, nicht einzugreifen. Erst nach dem Sieg der Wehrmacht ließ er sowjetische Truppen einrücken und überlebende polnische Widerstandskämpfer verhaften. Historiker erklären dies mit Stalins Ziel eines kommunistischen Polens nach dem Krieg.[100]

In der Volksrepublik Polen wurde das Massaker von Katyn tabuisiert und durfte öffentlich nicht thematisiert werden. Inoffiziell versuchten manche polnische Kommunisten jedoch (vergeblich), Aufklärung zu erreichen: so Edward Gierek seit 1970.[101] Auf dem XX. Parteitag der KPdSU im Februar 1956 erwähnte der sowjetische Parteichef Nikita Chruschtschow Katyn unter den Verbrechen Stalins nicht. Ende 1956 soll er dem neuen polnischen Parteichef Władysław Gomułka laut polnischen Zeitzeugen vorgeschlagen haben, sowjetische Schuld für Katyn in einer geplanten Rede in Moskau zuzugeben, um den Konflikt um Katyn zu lösen. Gomułka habe dies mit Verweis auf unkalkulierbare Folgen in Polen abgelehnt.[102]

Der polnische Historiker Włodzimierz Borodziej urteilte 2010:[103]

„Kein anderes Ereignis aus der ‚ersten Sowjetzeit‘ übte aber einen so starken Einfluss auf die nachfolgende polnische Geschichte aus wie der Massenmord an polnischen Offizieren, der durch den Namen ‚Katyn‘ symbolisiert wird. […] Im Zeichen des Kalten Krieges wurde der Massenmord, den die Sowjets bis zum Ende ihres Imperiums den Deutschen anlasteten, zu einem Symbol stalinistischer Gewaltherrschaft.“

Aufklärung[Bearbeiten]

Polens Exilregierung hatte am 14. April 1943 von General Stefan Rowecki, später auch von Sozialfürsorgedirektor Edmund Seyfried, dem Kriegsgefangenen Stefan Mossor und PCK-Delegationsleiter Kazimierz Skarżyński zunehmend exakte, unabhängig von den Deutschen erstellte Berichte aus Katyn erhalten. Sie nannten die deutsche Opferzahl von über 10.000 übertrieben, überschätzten sie anfangs aber ihrerseits auf 8.000.[104] Gerichtsmediziner Marian Wodziński stellte die bis 3. Juni 1943 ermittelten Fakten und Indizien fest:

  • 4.143 Personen seien in Reihen mit dem Gesicht nach unten in acht, davon sieben benachbarten Massengräbern, bestattet worden.
  • Laut mitgetragenen Impfzeugnissen und Tagebuchnotizen handle es sich um polnische Offiziere aus dem Lager Koselsk.
  • Die meisten Opfer seien anhand der bei ihnen gefundenen Gegenstände identifizierbar.
  • Ihr Transportweg von Koselsk über Smolensk und Gnjosdowo bis zum Wald von Katyn sei aus ihren Notizen, besonders denen von Adam Solski, klar ersichtlich.
  • Die winterlichen Holzschuhe der Toten in Grab 1 gegenüber den Sommeruniformen derer in Grab 8, Zeitungsausschnitte und Tagebuchnotizen belegten, dass die Gräber zwischen Mitte März und Anfang Mai 1940 angelegt und gefüllt worden seien.
  • Russische Zeugen (Parfeon Kiseljow, Sacharow) hätten damals Ankünfte polnischer Offiziere in Gnjosdowo beobachtet und Schreie und Schüsse im Wald gehört.
  • Nahegelegene, etwa fünf bis 15 Jahre ältere Gräber mit auf dieselbe Weise erschossenen Russen belegten einen seit langem genutzten Hinrichtungsort.[105]

Hinzu kamen die Ergebnisse des Suchbüros von General Anders mit Namenslisten der Vermissten, Berichte von überlebenden polnischen Offizieren über die drei Lager, die dortigen Verhöre, über Auflösung und Abtransport sowie Beobachtungen von schwedischen und spanischen Journalisten, die Katyn 1943 besuchen durften, und Protokolle der sowjetischen Antworten auf polnische Nachfragen.

Eine im Dezember 1944 in London gegründete Kommission trug diese Informationen zusammen. Ihr Bericht vermied eine Schuldzuweisung, legte aber anhand der präzise dargestellten Fakten die NKWD-Täterschaft nahe. Henryk Szymański übergab eine Frühfassung davon am 30. April 1943 an das Counter Intelligence Corps der USA und im Nürnberger Prozess 1946 an Verteidiger Otto Stahmer und Hauptankläger Robert H. Jackson. 1948 erschien eine erweiterte Fassung in London, die als vielfach übersetztes und neu aufgelegtes „Polnisches Weißbuch“ zur Hauptquelle der historischen Forschung wurde.[106]

Auch Owen O’Malley, britischer Botschafter bei Polens Exilregierung, sammelte Aussagen derer, die Katyn 1943 inspiziert hatten. In seinem Bericht vom 24. Mai 1943 warnte er Außenminister Anthony Eden: Die sowjetische Täterschaft sei fast unbezweifelbar, und ihr Verschweigen könne die Berufung des Westens auf moralische Werte untergraben. Großbritanniens Regierung hielt ihr Wissen jedoch geheim, um die Allianz mit der Sowjetunion nicht zu gefährden, und hinderte bis zum Kriegsende auch die Exilpolen daran, es zu veröffentlichen. Das wurde 1972 nach Freigabe von Akten des Foreign Office bekannt.[107]

In den USA fragten Journalisten bis 1945 kaum nach den Tätern von Katyn, sondern nur nach den Folgen für das Kriegsbündnis. Nur William L. Wight betonte in einem Aufsatz, die Winterkleidung der Opfer, die sie auch nach sowjetischer Darstellung trugen, widerspreche dem angeblichen Todeszeitpunkt im Sommer 1941. Ferner sei unerklärlich, dass die Sowjetunion vor der deutschen Invasion jahrelang nichts über den Aufenthaltsort der vermissten Polen gewusst haben wollte. Ihre vorgelegten Beweise für die deutsche Schuld ließen nur eine Frage offen: Wenn die Deutschen die Polen 1941 gefangen hätten, warum habe die Sowjetunion die polnische Exilregierung dann nicht sofort darüber informiert?[108] Das Medienecho darauf war negativ, da die meisten US-Bürger den Krieg bald beenden und keinen neuen Konflikt mit der Sowjetunion wollten.[109]

Seit 1948 erschienen polnischsprachige Berichte über Katyn in den USA. 1949 bat Charles Rozmarek, Präsident des 1944 gegründeten Polish American Congress, den US-Botschafter der UNO Warren Austin vergeblich, dort eine unparteiische Untersuchung des Massakers zu verlangen. Der Journalist Julius Epstein erreichte mit einem Artikel über Katyn, dass der Abgeordnete Ray J. Madden im September 1949 im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten eine neue Untersuchung des Massakers durch das IKRK beantragte. Erst nach Berichten, dass US-Soldaten im Koreakrieg wie die Mordopfer von Katyn mit Genickschüssen exekutiert worden seien, stimmte eine Mehrheit für Maddens Resolution.[110]

Eine daraufhin eingesetzte Kommission unter Arthur Bliss Lane sollte die Verantwortlichen für das Massaker feststellen und klären, ob US-Regierungsbeamte Akten dazu unterdrückt hatten. Sie befragte 81 Zeugen, darunter Überlebende aus den NKWD-Lagern und fünf Gerichtsmediziner der Katyn-Kommission von 1943, untersuchte hunderte Fundstücke aus den Gräbern und über 100 eingereichte schriftliche Aussagen. Die US-Regierung bat die Sowjetunion um Teilnahme und Übergabe von Dokumenten. Diese lehnte dies als beleidigende Provokation ab und übersandte nur den Burdenko-Bericht. Der Abschlussbericht vom 22. Dezember 1952 bekräftigte, dass die Beweislage für sowjetische Täter eindeutig sei. Viele, auch bundesdeutsche, Medienberichte machten sich diese Darstellung zu eigen.[111]

Der Bericht kritisierte in der damaligen McCarthy-Ära politisches Versagen der früheren US-Regierung: Mit Rücksicht auf das Kriegsbündnis und den erwünschten Aufbau einer Armee von Exilpolen auf sowjetischem Boden habe US-Präsident Roosevelt keinen Druck auf die Sowjetunion ausgeübt, den Verbleib der polnischen Offiziere aufzuklären, und selbst nicht an ihre Schuld geglaubt. Die Sowjetunion habe das Massaker bereits im Blick auf die Nachkriegszeit verübt, da die polnische Militärelite den Aufbau eines kommunistischen Satellitenstaates in Polen verhindert hätte. Die Kommission deckte Versuche auf, Tatsachen über Katyn zu unterdrücken: So hatte Roosevelt Botschafter George Howard Earle 1944 beauftragt, Informationen über Katyn zu sammeln, ihm dann aber verboten, das Ergebnis zu veröffentlichen, und ihn versetzt. Das Außenministerium hatte den Bericht des US-Offiziers John van Vliet über seinen Besuch Katyns 1945 als streng geheim eingestuft; er verschwand dann aus den Akten des US-Verteidigungsministeriums. Als Grund wurde vermutet, dass seine Brisanz den damals verhandelten Eintritt der Sowjetunion in die UNO nicht gefährden sollte.[112] Die Kommission empfahl, „die Sowjetunion über die UNO vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu bringen.“ Doch am 18. Juni 1953 lehnte der Auswärtige Ausschuss Maddens Antrag ab, den Fall Katyn weiter im Repräsentantenhaus zu behandeln, und ließ den Kommissionsbericht archivieren.[113]

Im September 2012 veröffentlichte das US-Nationalarchiv die Berichte von John van Vliet und Donald B. Stewart, die Katyn als deutsche Kriegsgefangene im Mai 1943 besuchen durften. Sie hielten sowjetische Täter wegen der Verwesung der Leichen und Tagebuchdaten für erwiesen. Roosevelt war früh darüber informiert, ließ entsprechende Hinweise aber unterdrücken. US-Regierungen beharrten also wider besseres Wissen bis 1990 darauf, die sowjetische Schuld am Massaker sei nicht eindeutig bewiesen.[114]

Polnische Emigranten hielten die Erinnerung an Katyn im Westen wach. Der Historiker Józef Mackiewicz, der Katyn 1943 auf deutsche Einladung besucht hatte,[115] benannte 1949 in seinem Buch offen die sowjetische Schuld.[116] Der Politikwissenschaftler Janusz Zawodny beschrieb in seinem Standardwerk Death in the Forest 1962 den Weg der Ermordeten und die Propagandakampagnen danach. Er benannte die sowjetische Geheimpolizei als Täter, deren Regierung als Auftraggeber, und kritisierte die Haltung der Westalliierten im Nürnberger Prozess als Kapitulation der Moral vor der Realpolitik. 1965 erschien die englische Übersetzung des polnischen Weißbuchs. Auch der britische Autor Louis FitzGibbon vertrat 1971 die sowjetische Schuld an Katyn und setzte sich für ein Katyn-Denkmal in London ein.[116] Nur wenige westliche Autoren (Gabriel Kolko, Peter M. Irons) bezweifelten eine sowjetische Täterschaft.[117] Der konservative Abgeordnete Lord St. Oswald erreichte eine Debatte über Katyn am 17. Juli 1971 im House of Lords.[118] Großbritanniens Regierung lehnte es jedoch ab, von der Sowjetunion Aufklärung und Strafverfolgung der Täter zu fordern, weil es ohne Beweis für einen Tötungsbefehl „legitime Restzweifel“ an ihrer Schuld gebe. Diese Haltung blieb bis 1990 bestehen.[106]

Erst seit der Glasnost-Politik Michail Gorbatschows konnten Bürger im Ostblock das Dogma der deutschen Täterschaft zu Katyn öffentlich in Frage stellen. Seit 1985 verlangten die Polen, unterstützt von westlichen Medien und Politikern, von der Sowjetunion verstärkt Aufklärung über das Massaker. Auf Vorschlag von General Wojciech Jaruzelski, der sich damit Sympathie in Polen erhoffte, wurde im Mai 1987 eine Kommission aus polnischen und sowjetischen kommunistischen Parteihistorikern eingesetzt. Die polnischen Mitglieder unter Leitung von Jarema Maciszewski legten beim Gründungstreffen einen Schriftsatz vor, der die Ungereimtheiten des Burdenko-Berichts herausstellte, und forderten Einsicht in dessen Ausgangsmaterialien. Da sie keinen Zugang zu zentralen sowjetischen Staatsarchiven erhielten und die sowjetischen Historiker unter Leitung von Georgi Smirnow den Burdenko-Bericht nicht wissenschaftlich überprüfen wollten oder durften, blieben Kommissionstreffen im März und November 1988 ergebnislos.[119]

Am 22. März 1989 schlugen der sowjetische Außenminister Eduard Schewardnadse, Gorbatschow-Berater Valentin Michailowitsch Falin und KGB-Chef Wladimir Alexandrowitsch Krjutschkow dem Politbüro intern vor, das Verbrechen des NKWD offiziell zuzugeben. Ein dazu erstellter interner KGB-Bericht vom April sprach erstmals von 12.000 polnischen Offizieren, die unbekannte sowjetische Täter ermordet hätten, so dass nur ein Teil davon in Katyn beerdigt worden sein könne.[120]

Im Mai 1989 widerlegten die polnischen Historiker in der Kommission den Burdenko-Bericht von 1944 und machten erstmals das NKWD für die Ermordung der Häftlinge von Koselsk in Katyn und zudem derer von Starobelsk und Ostaschkow verantwortlich, deren Massengräber mangels Archivzugang noch unauffindbar waren. Nachdem im Juni 1989 Polens erste nichtkommunistische Regierung unter Tadeusz Mazowiecki durch die erste freie Wahl des Senats und den folgenden Frontenwechsel einiger Blockparteien im Sejm zustande kam,[121] erhöhten die polnischen Medien den Druck auf die Sowjetunion zur Freigabe der Archivalien. Am 19. August 1989 veröffentlichte eine polnische Zeitschrift das Gutachten der polnischen Mitglieder der inzwischen aufgelösten Historikerkommission zum Burdenko-Bericht. Es wurde breit diskutiert.[122]

Nach dem Gräberfeld Kuropaty bei Minsk im Juni 1988 fand die sowjetische Stiftung Memorial bis Oktober 1989 weitere Massengräber der Stalin-Ära, darunter 4500 sowjetische Opfer, die seit 1935 in Katyn begraben worden waren.[123] Daraufhin verlangte Polens Generalstaatsanwalt von seinem sowjetischen Kollegen, noch lebende Täter zu ermitteln, um Entschädigungsansprüche Polens zu bestimmen. Am 1. November 1989 durften Opferangehörige erstmals Katyn besuchen. Ihr Begleiter, der aus Polen stammende US-Diplomat Zbigniew Brzeziński, forderte im sowjetischen Fernsehen ein sowjetisches Schuldeingeständnis als Basis einer Versöhnung mit Polen.

Am 22. März 1990 ordnete der Staatsanwalt von Charkow eine Untersuchung weiterer frisch entdeckter Massengräber an. Das Zentralkomitee der KPdSU verbot russischen Historikern, die die offizielle Version zu Katyn bezweifelten, den Abdruck ihrer Zeitungsartikel. Am 25. März 1990 gab die russische Historikerin Natalia Lebedewa in der Wochenzeitung Moskowskije Nowosti neue Aktenfunde bekannt, die die Schuld des NKWD belegten. Sie umging die Zensur, indem sie zuvor die Druckerlaubnis von Politbüromitglied Alexander Nikolajewitsch Jakowlew einholte.[124] Das Zentralkomitee erwog daraufhin ein Reise- und Zugangsverbot zu Staatsarchiven für sie, das aber nach Gorbatschows Erklärung vom 13. April 1990 unterblieb.[125]

1981 hatte der CIA-Offizier Robert G. Poirier originale Luftbildfotografien von 17 Flügen der Luftwaffe über die Gegend von Katyn von 1941 bis 1944 analysiert. Sie zeigten keine Eingriffe in das Landschaftsbild während der deutschen Besetzung, aber davor und nach der sowjetischen Rückeroberung im Herbst 1943. Auch Bulldozer, die Gräber planierten, und Personen, die Körper umhertrugen, waren darauf erkennbar. Sein Artikel blieb unbeachtet. Der Kunsthistoriker Wacław Maliszewski las ihn 1990 und fand die Originalfotografien deutscher Aufklärungsflüge über Katyn, Charkow und Mednoje im Nationalarchiv der USA. Er sammelte Zeugenaussagen aus der Gegend und schickte seinen Forschungsbericht an Polens Justizministerium. Dieses entsandte ab Mai 1991 Staatsanwälte nach Charkow und Mednoje, die dort mit Hilfe ortsansässiger Zeugen die bisher unbekannten Massengräber fanden, darunter auch das im Wald von Pjatychatky.[126]

Michail Gorbatschow (1985)

Anerkennung als sowjetisches Staatsverbrechen[Bearbeiten]

Am 13. April 1990 übergab Gorbatschow seinem Staatsbesucher Jaruzelski die originalen Exekutionslisten des NKWD und erklärte über die ITAR-TASS am selben Tag:[127]

„Die sowjetische Seite bringt ihr tief empfundenes Bedauern im Zusammenhang mit der Katyner Tragödie zum Ausdruck. Es handelt sich dabei um eines der schwersten Verbrechen des Stalinismus.“

Fast alle annähernd 15.000 verschwundenen polnischen Gefangenen seien 1940 dem NKWD übergeben worden und dann in dessen Listen nicht mehr aufgetaucht. Beria und Merkulow seien für das Massaker von Katyn verantwortlich.[128] Dass diese Erklärung Stalin und das Politbüro nicht erwähnte, deuten manche Historiker als letzten Versuch, die Schuld der Staatsführung zu vertuschen.[129]

Gorbatschow übergab Boris Nikolajewitsch Jelzin den originalen Exekutionsbeschluss vom 5. März 1940 beim Machtwechsel am 23. Dezember 1991. Er gab später an, das Dokument in jenem Monat erstmals gesehen zu haben. Waleri Boldin, Leiter des geheimen Sonderarchivs der KPdSU, öffnete den versiegelten Umschlag laut Notiz darauf im April 1989; nach seiner Angabe geschah dies im Auftrag Gorbatschows vor dessen Polenbesuch im Juli 1989. Das gesuchte Dokument wurde der Historikerkommission demnach mindestens zwei Jahre lang vorenthalten.

Gegen die Bekanntgabe und ihre Folgen protestierten Teile des sowjetischen Militärs und die Kommunistische Partei Russlands (KPR). Diese versuchte, die in der Duma diskutierte Freigabe weiterer NKWD-Dokumente aus dem Geheimarchiv ihrer Vorgängerpartei mit einer Verfassungsklage aufzuhalten. Jelzin ließ die wichtigsten Beweisdokumente für die staatliche Anordnung des Massenmords von 1940 daher veröffentlichen. Sein Chefarchivar übergab sie am 14. Oktober 1992 an Polens Präsidenten Lech Wałęsa.[130] Jelzin entschuldigte sich 1993 bei den Opferangehörigen mit den Worten: „Vergebt uns, wenn ihr könnt.“[131]

Unter Putin wurden die Opfer der Mordserie von 1940 offiziell weiterhin nicht als Opfer des stalinistischen Terrors anerkannt und einige Akten dazu zurückgehalten. Dmitri Tokarjew wurde 2008 in einer Jubiläumsschrift des russischen FSB (Geheimdienst) ohne Hinweis auf seine Teilnahme an den Morden von 1940 zum Helden der Nation stilisiert.[132] Am 28. April 2010 ließ Präsident Dmitri Anatoljewitsch Medwedew sieben seit 1992 veröffentlichte Dokumente auf die staatliche Internetseite Rusarchiv stellen: Nun könne jeder sehen, wer die Befehle zur Ermordung gab, und dass Russland seine Lektion aus der Geschichte lernen müsse.[133] Dies werteten russische Historiker und Menschenrechtler als notwendigen Schritt zur Abwehr eines russischen Geschichtsrevisionismus.[134]

So bestritten sowjetische Militärzeitschriften bis Ende 1991 sowjetische Täter oder polnische Opfer in Katyn.[135] 1995 schrieb Juri Muchin einen antipolnischen Artikel in der Prawda, 1997 W. Filatow, Chefredakteur eines militärhistorischen Journals, in der Zeitschrift Sowjetskaja Rossija.[136] Seit 1991 behaupteten manche russischen Historiker, im polnisch-sowjetischen Krieg von 1920 seien zehntausende russische Kriegsgefangene in polnischen Lagern umgekommen. Diese „Anti-Katyn“ genannte These löste eine Debatte unter polnischen und russischen Historikern aus. In deren Verlauf wurde die Zahl von etwa 18.000 russischen Seuchenopfern bestätigt, aber widerlegt, dass man sie absichtlich umkommen ließ, da die Seuchen zugleich auch Polen trafen.[137] Putin nannte Katyn-Opfer und an Krankheiten verstorbene russische Soldaten jedoch 2009 erneut in einem Atemzug.[138] Die KPR forderte 2010 eine neue Untersuchung zu Katyn und anderen Morden von 1940, obwohl russische und polnische Historiker inzwischen eine Fülle von Beweisen aufgedeckt, gesammelt und publiziert hatten.[139]

In zwei Schulbüchern von 2002 und 2003 für den regulären Geschichtsunterricht in Russland (9. Klasse) fehlen die Folgen der sowjetischen Besetzung Ostpolens und das Stichwort Katyn im Autorentext. Eins der Bücher führt jedoch im Quellenteil ein NKWD-Dokument zu Katyn auf. Das andere, von Putin 2007 empfohlene Buch rechtfertigt die stalinistischen Säuberungen der 1930er Jahre und Besetzungen im Gefolge des Hitler-Stalin-Pakts mit sowjetischen Argumentationsmustern als militärisch notwendig, ohne Hinweis auf das Leiden der besetzten Völker.[140]

Die am 26. November 2010 verabschiedete Erklärung der Duma „Über die Katyn-Tragödie und ihre Opfer“ bekräftigte nochmals, dass „dieses Verbrechen auf direkte Weisung von Stalin und anderen Vertretern der sowjetischen Führungsspitze begangen wurde“. Die Initiatoren betonten, man müsse das ganze sowjetische Staatssystem, nicht nur Einzelne verantwortlich machen. Dies wurde in Russland und Polen als weiterer Schritt zur Versöhnung begrüßt.[141]

Unterlagen des russischen Generalstaatsanwaltes zum Massaker, die 2011 an Polen übergeben wurden.

Historische Einordnung[Bearbeiten]

Die Forschung zu Katyn konzentriert sich seit 1990 auf die möglichst exakte Aufklärung der Massenmorde von 1940, die durch politische Öffnung, Dokumenten- und Grabfunde möglich wurde. Polnische Historiker hatten bis 1990 alle maßgebenden Werke zu Katyn verfasst; seit 1990 arbeiten polnische und russische Wissenschaftler eng zusammen und gaben die wichtigsten Neuausgaben zu Opfern, Verlauf und Tätern gemeinsam heraus.[116]

Die Verbrechen von 1940 gelten als Teil der stalinistischen Eroberungs-, Gleichschaltungs- und Vernichtungspolitik in Osteuropa, die der Hitler-Stalin-Pakt wesentlich ermöglichte. Historiker wie Michael Parrish betonen, dass Stalin und seine ergebenen Helfer die gesamte militärische und intellektuelle Elite Polens auslöschen wollten und dies nur durch Beteiligung aller bürokratischen Ebenen durchführbar war. Parrish beschrieb die aufeinander folgenden Maßnahmen als tödliches Gefälle, mit denen das NKWD die Häftlinge vollständig isolierte, entrechtete und der Auslöschung auslieferte.[142] Als Ursachen werden diskutiert:

  • eine starke antipolnische Haltung Stalins und ein Rachemotiv seit den sowjetischen Gebietsverlusten im polnisch-sowjetischen Krieg, an dem viele der Ermordeten teilgenommen hatten;
  • die in der politischen Führung der Sowjetunion verbreitete Vorstellung eines von verbündeten äußeren und inneren Feinden belagerten Staates;
  • die verbreitete antisowjetische Haltung von Polen, die aus den sowjetisch besetzten Gebieten stammten;
  • die sowjetischen Erfahrungen mit der Zwangskollektivierung und der „großen Säuberung“ 1937/38, in der sich ein Verfolgungsmechanismus herausbildete und weitere Verfolgungswellen in den Grenzgebieten schon vorbereitet wurden.[143]

George Sanford wertet folgende, bisweilen vertretene Einzelthesen als abwegig: Stalin und das NKWD hätten mit der Mordserie bereits die polnische Exilregierung entmachten oder Hitler einen Gefallen tun wollen; das NKWD habe die Morde mit der Gestapo gemeinsam geplant. Dagegen verwies Sanford auf die erhaltenen NKWD-Dokumente: Danach deuteten die Täter die konstante Weigerung der Polen, mit der Sowjetunion zusammenzuarbeiten, und ihre Immunität gegenüber sowjetischen Indoktrinationsversuchen als todeswürdigen Affront. Sie ordneten die Offiziere zudem dem polnischen Adel (poln. pańska Polska) zu, den sie als feindliche, gefährliche und darum endgültig zu vernichtende Klasse einstuften. Umstritten ist, ob das Ausmaß dieser Mordserie im Rahmen sowjetischer Gewaltpolitik gegen andere Nationen und Ethnien eine Besonderheit oder typische Normalität darstellt.[144] Claudia Weber zufolge waren die Massenmorde „Berijas erste Gewaltaktion als uneingeschränkter Herrscher des NKWD und ein Loyalitäts- und Gefolgschaftsbeweis an Stalin.“ Die Bedeutung dieser Tatsache für den Mordbeschluss und die Rolle des „Täternetzwerks“ im NKWD für die weitere Vertuschung von Katyn seien nicht genug erforscht.[145]

Viele Historiker deuten die Mordserie von 1940 im Kontext vorheriger und weiterer stalinistischer Massenverbrechen an Polen als Völkermord im Sinne der Völkermordkonvention von 1951.[146] Einige halten diesen Begriff für unpassend und sprechen stattdessen von „Klassensäuberung“ oder „Soziozid“.[147]

Ein weiteres Forschungsthema ist die jahrzehntelange Propagandalüge im Osten und der Umgang damit im Westen, bei dem „Katyn“ zu einer Chiffre für den Konflikt zwischen Moral und Realpolitik wurde. Gerd Kaiser urteilte 2002, es gehe dabei „immer zugespitzter um die Frage, ob eine grundlegend neue und gerechte Gesellschaftsordnung mit ‚Leichen im Keller‘ möglich ist.“[148]

Prozesse[Bearbeiten]

Ein Strafverfahren gegen Täter der Mordserie von 1940 hat nie stattgefunden. Auch eine Entschädigung der Opfer unterblieb. Die Haupttäter Beria und Merkulow wurden 1953 aus anderen Gründen hingerichtet; Blochin starb 1955. Zwar nahm das Oberste Militärgericht Russlands im Herbst 1990 Ermittlungen auf und befragte unter anderen Pjotr Soprunenko und Dmitri Tokarjew. Am 21. September 2004 stellte es das Verfahren jedoch ergebnislos ein und erklärte die meisten Ermittlungsakten für geheim. Das Gericht führte die Taten auf Machtmissbrauch einiger NKWD-Leiter zurück und schloss damit sowohl das sowjetische Politbüro als auch die ausführenden Täter aus dem Kreis der Verantwortlichen aus. Es erkannte nur anonyme Massenexekutionen, aber keine namentlich bekannten Mordopfer an.[149] Der Oberstaatsanwalt des Gerichts, Alexander Sawenko, erklärte am 11. März 2005, es sei nur der Tod von 1803 Insassen der drei Speziallager erwiesen, davon seien nur 22 identifiziert worden. Daher handele es sich nicht um einen Völkermord.[150]

Polens damaliger Staatspräsident Lech Kaczyński unterstützte 2008 einen Gesetzentwurf seiner Partei, das Verbrechen als Völkermord einzustufen, um eine Verjährung auszuschließen und damit eine Rehabilitierung der Opfer zu ermöglichen.[151] Der Vorstoß fand jedoch 2009 im polnischen Sejm keine Mehrheit. Dieser stufte Katyn als „Kriegsverbrechen mit Merkmalen eines Völkermords“ ein.[152] Das Oberste Gericht Russlands bestätigte im Januar 2009 das Urteil des Obersten Militärgerichts von 2004.[153]

Stalins Enkel Jewgenij Dschugaschwili prozessierte 2009 erfolglos vor einem Moskauer Gericht gegen die Zeitung Nowaja Gaseta, die mit einer Beilage der russischen Menschenrechtsvereinigung Memorial an Stalins Verbrechen, darunter seinen Mordbefehl für Katyn, erinnert hatte.[154]

Auf Antrag von Memorial stufte das Oberste Gericht Russlands die Geheimhaltung der Katyn-Akten im April 2010 als gesetzeswidrig ein.[155] Am 9. Mai 2010 übergab Medwedew Polen einen Teil der Akten (67 Bände) des vierzehnjährigen Prozesses, auch um künftigen Geschichtsfälschungen vorzubeugen.[156] Ende Mai 2010 wies das Oberste Militärgericht Russlands eine Klage von Memorial, das 2004 eingestellte Verfahren wieder aufzunehmen, wegen Verjährung endgültig ab.[157]

Franz Kadell urteilte 2011: „…der bis 2010 hingezogenen wirksam in Szene gesetzten Veröffentlichung einzelner Dokumente steht der willkürlich anmutende Wechsel von Öffnung und Schließung der staatlichen Archive gegenüber. Darüber hinaus haben es die russischen Staatsanwaltschaften und Gerichte bis heute verstanden, die Täter mehr zu schützen als zu verfolgen. Nie hat es eine Anklage gegeben. Der ‚Fall Katyn‘ […] zeigt, wie stark die Stalin-Zeit im gegenwärtigen Russland nachwirkt.“[158]

Am 19. November 2007 und am 24. Mai 2009 hatten fünfzehn Angehörige von Mordopfern beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eine Klage eingereicht: Russland habe entgegen Artikel 2 der EMRK keine ausreichenden strafrechtlichen Ermittlungen zum Tod ihrer Angehörigen durchgeführt und sie gegen Artikel 3 EMRK inhuman und erniedrigend behandelt. Der Staat Polen trat dem Prozess im Mai 2010 als Drittkläger bei. Am 5. Juli 2011 nahm der Gerichtshof die Klage zur Verhandlung an.[159] Am 6. Oktober 2011 führte er eine öffentliche Anhörung dazu durch.[160] Am 22. Oktober 2011 erklärte sich Russlands Außenminister Sergei Wiktorowitsch Lawrow bereit, sich außergerichtlich mit Polen über eine Rehabilitierung der Opfer zu einigen. Dem russischen Historiker Nikita Pietrow (Memorial) zufolge wollte Russlands Regierung die namentliche Rehabilitation einzelner Opfer vermeiden, um Entschädigungsansprüche von Opferangehörigen auszuschließen.[161]

Am 16. April 2012 urteilte der Gerichtshof: Wegen des Rückwirkungsverbots könne man die russische Behandlung der Taten von 1940 nicht beurteilen, die zu lange zurücklägen. Doch der Umgang der sowjetischen und anschließend der russischen Behörden mit zehn der 15 Kläger, die direkte Angehörige von Mordopfern sind, sei menschenrechtswidrig gewesen. Ihnen sei seit der russischen Unterzeichnung der Menschenrechtskonvention 1998 kein Zugang zu Untersuchungsmaterial gestattet worden. Sie seien nicht in die Untersuchung eingebunden worden, und Russland habe die Gründe für deren Einstellung im Jahr 2004 vor ihnen geheim gehalten. Das russische Militärgericht habe mit der Annahme, die Getöteten könnten aus den sowjetischen Lagern geflohen oder zu Recht zum Tod verurteilt worden sein, die Umstände des Massakers bewusst verschleiert und mangelnde Menschlichkeit gegenüber den Opferangehörigen gezeigt. Russland habe auch gegen Artikel 38 der EMRK verstoßen, indem es dem Gerichtshof die Akten zur Einstellung der Ermittlungen im Jahr 2004 vorenthalten habe.[162] Am 16. April 2012 verurteilte eine kleine Kammer des Gerichtshofs Russland deshalb zunächst wegen „menschenunwürdiger Behandlung der Angehörigen“ und unzureichender Zusammenarbeit der russischen Justiz, die ihm Einsicht in Ermittlungsakten verweigert hatte.[163]

Am 13. Oktober 2013 hob die Große Kammer des EGMR dieses Urteil großenteils auf: 1998, als Russland der EMRK beitrat, sei die Ermordung der Kriegsgefangenen bereits eine „nachgewiesene historische Tatsache“ gewesen, so dass den Angehörigen das Schicksal der Opfer nicht ungewiss gewesen sei. Daher sei die Einstellung strafrechtlicher Ermittlungen zu den Massenmorden durch die russische Justiz nicht als „unmenschliche Behandlung“ der Opferangehörigen zu beurteilen und begründe keinen Anspruch auf Entschädigungen. Die seit 2004 fehlende Zusammenarbeit der russischen Justiz mit dem EGMR verurteilte dieser weiterhin.[164]

Gedenken[Bearbeiten]

Katyn-Denkmal in Katowice, Polen
Katyn Memorial Cannock Chase
Katyn-Memorial Toronto

Da öffentliches Gedenken an Katyn das sowjetische Geschichtsbild angriff, war es in der Volksrepublik Polen bis 1988 nur illegal, in Katyn gar nicht möglich. Daher entstanden in einigen westlichen Staaten stellvertretend Katyn-Denkmäler, etwa in Cannock Chase, Staffordshire, Vereinigtes Königreich (1979), Toronto, Kanada (1980), Johannesburg, Südafrika (1981), Doylestown (Pennsylvania, Bucks County), Bergen, New Jersey (1991), Baltimore und Adelaide, Australien (2000) sowie Stockholm, Schweden.[165]

Ein Obelisk mit eingraviertem Schriftzug „Katyn 1940“ und einem in Stacheldraht gefangenen polnischen Adler[166] durfte 1976 nach fünfjährigem Konflikt weder im Stadtzentrum von London noch im Stadtteil Chelsea, aber auf dem Gunnersbury Cemetery in London Borough of Hounslow aufgestellt werden.[106]

Seit 1980 legten Polen Kränze und Blumen auf ein symbolisches Katyngrab auf dem Powązki-Friedhof in Warschau. Dort versammelten sich im Sommer 1981 täglich Hunderte oder Tausende, um Kerzen für die Opfer anzuzünden. Am 31. Juli 1981 stellten Anhänger der Solidarność dort heimlich ein Kreuz mit der Aufschrift „Katyn – 1940“ auf.[167] In der folgenden Nacht entfernten unbekannte Funktionäre des polnischen Staatssicherheitsdienstes das Kreuz.[168] Ein als Aufsteller Verdächtigter wurde zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Jedoch wurden weiter an dieser Stelle Kränze für die Opfer von Katyn abgelegt. 1985 ließ die polnische Führung unter Jaruzelski dort 1985 ihrerseits ein Kreuz mit der Aufschrift „Den polnischen Soldaten, Opfern des Hitler-Faschismus, die in der Erde von Katyn ruhen“ aufstellen. 1988 wurde diese Aufschrift abgeschliffen, das erste Kreuz wurde 1989 wiedergefunden und am selben Platz wieder aufgestellt.[169]

Erst der politische Wandel in Polen und der Sowjetunion seit 1985 ermöglichte eine würdige Bestattung der bei Katyn Ermordeten und ein öffentliches, auch gemeinsames polnisch-russisches Gedenken an sie. Damit verlor Katyn allmählich seine Bedeutung als antisowjetisches Fanal und wurde zum Ort persönlicher Trauer.[170] Das 1993 eröffnete Katyń-Museum Warschau, eine Nebenstelle des Muzeum Wojska Polskiego, enthält vor allem die bei ihnen gefundenen persönlichen Gegenstände, ihre Namen, biografische Skizzen und Fotografien von Ausgrabungen.[171] Polen erklärte den 13. April, an dem das Massaker der Welt bekannt und an dem es von der Sowjetunion eingestanden wurde, zum Gedenktag an die Katyn-Opfer.[172] Am 22. Februar 1994 schlossen Russland und Polen ein Abkommen über die Gräber und Gedenkorte der Opfer von Krieg und Repression.[173] Die russischen Behörden erleichterten polnischen Opferverbänden den Zugang zu Katyn. 1999 bis 2000 gestalteten beide Seiten gemeinsam den Soldatenfriedhof Katyn neu. Er umfasst auch russische Opfer des Stalinismus und soll so zur Versöhnung von Polen und Russen beitragen.[174] So erklärte Polens Premierminister Jerzy Buzek zum 60. Jahrestag des Massakers im polnischen Fernsehen, Katyn solle ein Symbol der gemeinsamen Erinnerung und Verpflichtung werden, einen schwierigen Teil der eigenen Geschichte zu bewältigen, zum Segen der eigenen Zukunft, der Stärkung freundlicher Gefühle zwischen Polen und Russen und des Aufbaus freundschaftlicher Beziehungen zwischen beiden Staaten.[175]

Der Regisseur Andrzej Wajda, dessen Vater, Hauptmann Jakub Wajda, 1940 in Charkow ermordet worden war,[176] leistete 2007 mit dem ersten polnischen Film zum Thema – Das Massaker von Katyn – einen Beitrag zum internationalen Gedenken an das Verbrechen und an dessen jahrzehntelange Verleugnung.[177]

Am 7. April 2010 begingen die Ministerpräsidenten Polens und Russlands den 70. Jahrestag des Massakers auf dem Friedhof von Katyn erstmals gemeinsam. Am 10. April 2010 starben Staatspräsident Lech Kaczyński und 95 Polen, darunter Vertreter der „Familien von Katyn“, bei der Anreise zu einer weiteren Gedenkveranstaltung beim Flugzeugabsturz bei Smolensk. Die Trauer über ihren Tod ließ Polen und Russen zusammenrücken. Das Moskauer Staatsfernsehen strahlte erstmals Wajdas Film aus. Das verbesserte die Kenntnis vieler Russen, die noch der sowjetischen Propagandalüge über Katyn geglaubt hatten.[178] Der russische Abschlussbericht zu den Absturzursachen vom Januar 2011 verursachte jedoch neue Spannungen zwischen den Regierungen beider Staaten.[179]

Der Präsident der russischen Stiftung Memorial, Arseni Borissowitsch Roginski, beschrieb am 22. April 2010 die bestehenden Probleme des gemeinsamen Gedenkens: Während Polen eine Opferrolle und den Widerstand überbetonten, sei russisches Gedenken konfus und selektiv. Die Erinnerung an Katyn sei ein notwendiger und noch immer unzureichend wahrgenommener Anstoß zum russischen Gedenken an die ganze Stalinzeit:[180]

„Wir müssen die Untersuchungen zu diesem Verbrechen, die 2004 eingestellt wurden, wieder aufnehmen. Wir müssen ohne Ausnahme alle Archivmaterialien der Öffentlichkeit zugänglich machen. Wir müssen ein juristisches Urteil über das Verbrechen von Katyn fällen. Wir müssen alle Opfer rehabilitieren. […] Es müssen die Normen des Völkerrechts angewendet werden: Katyn ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder ein Kriegsverbrechen. Man muss alle Namen offen nennen, angefangen mit Stalin.“

Franz Kadell betonte 2011: Weil die Deutschen Nachbarn der Polen seien, sei es wichtig für sie, zu wissen, dass das Gedenken an Katyn für Polen eine „sakrale nationale Angelegenheit“ sei.[181]

Am 15. Juli 2012 weihte Patriarch Kyrill I. eine neu erbaute Russisch-Orthodoxe Kirche in Katyn ein, die zur Aussöhnung zwischen Polen und Russen beitragen soll.[182]

Weiterführende Informationen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Bibliografie
  • Maria Harz: Bibliografia zbrodni katyńskiej materiały z lat 1943–1993. Wyd. 1. Wojskowy Historisches Institut, Warschau 1993.
  • Izabela Kowalska, Elżbieta Pawińska (Hrsg.): Zbrodnia katyńska: bibliografia 1940–2010. Zentralbibliothek, Warschau 2010, ISBN 978-83-89875-29-7.
Quellen und Dokumente
  • Wojciech Materski (Hrsg.): Katyn: Documents of Genocide. Documents and Materials from the Soviet Archives turned over to Poland on October 14, 1992. Warschau 1993, ISBN 83-8547950-3.
  • KARTA Zentrum/Polski Memorial (Hrsg:):
    • Band 1: Rozstrzelani w Katyniu. … („Erschossen in Katyn. Alphabetische Liste der 4410 polnischen Gefangenen von Koselsk, die im April/Mai 1940 erschossen wurden. Nach sowjetischen, polnischen und deutschen Quellen.“)
    • Band 2: Rozstrzelani w Charkowie. …. („Erschossen in Charkow. Alphabetische Liste der 3739 polnischen Gefangenen von Starobelsk, die im April/Mai 1940 erschossen wurden. Nach sowjetischen und polnischen Quellen.“)
    • Band 3: Rozstrzelani w Twerze. … („Erschossen in Twer. Alphabetische Liste der 6314 polnischen Gefangenen von Ostaschkow, die im April/Mai 1940 erschossen und in Miednoje begraben wurden. Nach sowjetischen und polnischen Quellen.“); alle Warschau 1997.
  • Natalia Lebedewa (Hrsg.): Katyn'. Mart 1940 – sentjabr' 2000 g. Rasstrel. Sud'by živych. Ėcho Katyni. Dokumenty. Moskau 2001.
  • Russlands Akademie der Wissenschaften und Polnische Akademie der Wissenschaften (Gemeinschaftsausgabe in polnischer Sprache), Hrsg., Natalia S. Lebedewa, Professor Wojciech Materski und Assistenten:
    • Katyń. Dokumenty Zbrodni, Volume 1: Jeńcy Nie Wypowiedzianej Wojny. Sierpień 1939-Marzec 1940. („Katyn. Dokumente eines Verbrechens, Band 1: Gefangene eines nicht erklärten Krieges, August 1939 bis März 1940.“) Warschau 1995.
    • Katyń. Dokumenty Zbrodni, Volume 2: Zagłada. Marzec–Czerwiec 1940. („Katyn. Dokumente eines Verbrechens, Band 2: Die Vernichtung. März bis Juni 1940.“) Warschau 1998.
    • Katyń. Dokumenty Zbrodni, Volume 3: Losy Ocalałych, Lipiec 1940–Marzec 1943.(„Katyn. Dokumente eines Verbrechens, Band 3: Das Schicksal der Überlebenden, Juli 1940 bis März 1943“) Warschau 2001.
    • Katyń. Dokumenty Zbrodni, Volume 4: Echa Katynia, Kwiecien 1943 – Marzec 2005. („Echos von Katyn, April 1943 bis März 2005") Warschau 2006.
  • Anna M. Cienciala, Natalia Lebedewa, Wojciech Materski: Katyn: A Crime Without Punishment – Documents translated by Marian Schwartz, Anna M. Cienciala and Maia A. Kipp. Yale University Press, New Haven 2007, ISBN 978-0-300-10851-4. (Ins Englische übersetzte Dokumente der Bände 1-3 der Gemeinschaftsausgabe Katyń. Dokumenty Zbrodni mit einer Einführung. Die Dokumente von Band 4 sind aufgelistet.)
Berichte Überlebender
  • Josef Czapski: Unmenschliche Erde. Mit einem Vorwort von Manès Sperber. Köln/Berlin 1967.
  • Association of the Families of the Borderland Settlers (Hrsg.): Stalin's Ethnic Cleansing in Eastern Poland, Tales of the Deported 1940–1946. 2000, ISBN 1-872286-88-7.
  • Salomon W. Slowes: Der Weg nach Katyn. Europäische Verlagsanstalt, 2000, ISBN 3-434-50497-4.
  • Stanislaw Swianiewicz: In the Shadow of Katyn: Stalin's Terror. Borealis, 2002, ISBN 1-894255-16-X.
  • Teresa Kaczorowska: Children of the Katyn Massacre: Accounts of Life After the 1940 Soviet Murder of Polish POWs: Accounts from Polish Families Torn by the 1940 Mass Murder in Soviet Camps. Mcfarland & Co, 2006, ISBN 0-7864-2756-6.
Historische Standardwerke
  • Zbrodnia Katyńska w świetle dokumentów. („Das Verbrechen von Katyn im Licht der Dokumente“), London 1948.
  • Adam Moszyński: Lista katyńska. London 1949; 2. erweiterte Auflage. 1972.
  • Polish Cultural Foundation (Hrsg.): The Crime of Katyn. Facts and Documents. London 1965.
  • Józef Mackiewicz: Katyn – ungesühntes Verbrechen. Thomas, Zürich 1949; englisch: The Katyn Wood Murders. London 1951.
  • Janusz Kazimierz Zawodny: Death in the Forest: The Story of the Katyn Forest Massacre. (1962) Hippocrene Books, Nachdruck, 1988, ISBN 0-87052-563-8. (Textauszug online, Faksimile der Ausgabe 1971); deutsch: Zum Beispiel Katyn. Klärung eines Kriegsverbrechens. (1971)
  • Louis FitzGibbon: Katyn. A Crime without Parallel. Tom Stacey, London 1971, ISBN 0-85468-052-7.
Forschung
Polnische Autoren
Russische Autoren
  • Waltenina Parsadanowa, Juri Sorja: Katyn. Dokumente, Indizien, Versionen. In: Neue Zeit. Moskauer Hefte für Politik. 1990, Nr. 16, S. 34–36.
  • Oleg Jasnow: Katynskaja drama: Kozelʹsk, Starobelʹsk, Ostaškov: sudʹba internirovannych polʹskich voennoslužaščich. Moskau 1991, ISBN 5-250-01410-0.
  • Wladimir Abarinow: Katynskii labirint. Moskau 1991.
  • Wladimir Abarinow: The murderers of Katyn. Hippocrene Books, New York 1993, ISBN 0-7818-0032-3.
  • Natalia S. Lebedewa: Katyn. Prestuplenie protiv chelovechstva. Moskau, Kultura 1994.
  • Rudolf G. Pikhoia, Natalia S. Lebedewa, Aleksander Gieysztor, Wojciech Materski und andere (Hrsg.): Katyn. Plenniki nieob'iavlennoi voiny. Moskau 1997, ISBN 5-89511-002-9.
  • Victor Zaslawsky: Klassensäuberung. Das Massaker von Katyn. Wagenbach, 2007, ISBN 978-3-8031-2579-8 (Rezension von Jürgen Zarusky).
Britische und US-amerikanische Autoren
  • John P. Fox: Der Fall Katyn und die Propaganda des NS-Regimes. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 30. Jg. 1982, H. 3, S. 462–499 (Volltext online (PDF; 8,8 MB); Rezension).
  • Allen Paul: Katyn: The Untold Story of Stalin's Polish Massacre. Scribner Book Company, New York 1991, ISBN 0-684-19215-2.
  • Allen Paul: Katyn: Stalin's Massacre and the Triumph of Truth. (1997) Northern Illinois University Press, 2010, ISBN 978-0-87580-634-1.
  • Ray Cowdery: Katyn: A Documentary Account of the Evidence. Victory WW2 Publishing Ltd., 1995, ISBN 0-910667-43-8.
  • George Sanford: Katyn and the Soviet Massacre of 1940: Truth, Justice and Memory. Routledge Chapman & Hall 2005, ISBN 0-415-33873-5.
  • George Sanford: The Katyn Massacre and Polish-Soviet Relations, 1941–1943. In: Journal of Contemporary History. 41, 2006, S. 95–111.
  • Frank Fox: God's Eye: Aerial Photography and the Katyn Forest Massacre. West Chester University Press, 1999, ISBN 1-887732-13-6 (Volltext online)
Deutsche Autoren
  • Manfred Vasold: Katyn. In: Wolfgang Benz: Legenden, Lügen, Vorurteile. dtv, München 1995, S. 115 ff.
  • Thymian Bussemer: Das internationale Rote Kreuz und die NS-Kriegspropaganda. Der Fall Katyn. In: Vorgänge. Jg. 39, 2000, S. 81–89.
  • Gerd Kaiser: Katyn. Das Staatsverbrechen – das Staatsgeheimnis. Aufbau, Berlin 2002, ISBN 3-7466-8078-6.
  • Martin Schaubs: Streitfall Katyn: die Wahrnehmung des Massakers in der sowjetrussischen, polnischen und westdeutschen Öffentlichkeit, 1980–2000. Tectum Verlag, Marburg 2008, ISBN 978-3-8288-9805-9.
  • Franz Kadell: Katyn: Das zweifache Trauma der Polen. Herbig Verlag, 2011, ISBN 978-3-7766-2660-5 (Inhaltsverzeichnis und Vorwort; PDF; 86 kB)
  • Anna Kaminsky (Hrsg.): Erinnerungsorte für die Opfer von Katyn. Leipziger Universitäts-Verlag, Leipzig 2013, ISBN 978-3-86583-773-8.

Filme[Bearbeiten]

NS-Propaganda
  • Im Wald von Katyn (1943)
Dokumentationen
Spielfilme

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: (dt. „Massaker von Katyn“) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Andrzej Wajda: Katyń Crime. Deutsche Textversion. Abgerufen am 1. September 2013.
Quellen
Literatur
Zeitgeschichte
Gedenken
Bildmaterial

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Beate Kosmala: Katyn. In: Wolfgang Benz, Hermann Graml, Hermann Weiss: Enzyklopädie des Nationalsozialismus. 1998, ISBN 3-608-91805-1, S. 542.
  2. Jörg Zägel: Vergangenheitsdiskurse in der Ostseeregion 2: Die Sicht auf Krieg, Diktatur, Völkermord, Besatzung und Vertreibung in Russland, Polen und den baltischen Staaten. Lit Verlag, 2007, ISBN 978-3-8258-0203-5, S. 95.
  3. Krzysztof Ruchniewicz: „Noch ist Polen nicht verloren“. Lit Verlag, 2007, ISBN 978-3-8258-0893-8, S. 43.
  4. Klaus-Michael Mallmann, Bogdan Musial: Genesis des Genozids: Polen 1939–1941. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004, ISBN 3-534-18096-8, S. 24.
  5. Cienciala, Lebedewa, Materski: Katyn: A Crime Without Punishment. 2008, S. 14–20.
  6. Katrin Boeckh, Hermann Beyer-Thoma: Stalinismus in der Ukraine: Die Rekonstruktion des sowjetischen Systems nach dem Zweiten Weltkrieg. Harrassowitz, 2007, ISBN 978-3-447-05538-3, S. 66.
  7. Dietrich Beyrau: Schlachtfeld der Diktatoren. Osteuropa im Schatten von Hitler und Stalin. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 3-525-34021-4, S. 124.
  8. Włodzimierz Borodziej: Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert: Geschichte Polens im 20. Jahrhundert. C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60648-9, S. 196.
  9. Die Gesamtzahl ist umstritten: Katrin Boeckh, Hermann Beyer-Thoma: Stalinismus in der Ukraine: Die Rekonstruktion des sowjetischen Systems nach dem Zweiten Weltkrieg. 2007, S. 69.; Tadeusz Piotrowski: The Polish Deportees of World War II: Recollections of Removal to the Soviet Union and Dispersal Throughout the World. Mcfarland & Co, 2007, S. 4.
  10. Cienciala, Lebedewa, Materski: Katyn: A Crime Without Punishment. 2008, S. 23.
  11. Nikita Petrov, Arsenii Roginskii: The Polish Operation of the NKVD, 1937-8. In: Barry McLoughlin, Kevin McDermott: Stalin's Terror: High Politics and Mass Repression in the Soviet Union. Palgrave, 2003, ISBN 1-4039-0119-8, S. 153–172; Zahlen S. 164.
  12. Krzysztof Ruchniewicz: „Noch ist Polen nicht verloren“. 2007, S. 45.
  13. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 49.
  14. Cienciala, Lebedewa, Materski: Katyn: A Crime Without Punishment. 2008, S. 81.
  15. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 56–64.
  16. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 68.
  17. Włodzimierz Borodziej: Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert: Geschichte Polens im 20. Jahrhundert. München 2010, S. 240.
  18. Michael Parrish: The Lesser Terror: Soviet State Security, 1939–1953. Greenwood Press, 1996, ISBN 0-275-95113-8, S. 55.
  19. Krzysztof Ruchniewicz: „Noch ist Polen nicht verloren“. 2007, S. 46–50.
  20. Michael Parrish: The Lesser Terror: Soviet State Security, 1939–1953. Greenwood Press, 1996, ISBN 0-275-95113-8, S. 56.
  21. George Sanford: Katyn and the Soviet Massacre of 1940: Truth, Justice and Memory. 2005, S. 79 f.
  22. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 79–82; Zitate dort übersetzt.
  23. George Sanford: Katyn and the Soviet Massacre of 1940: Truth, Justice and Memory. 2005, S. 78.
  24. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 79 f.
  25. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 85.
  26. Cienciala, Lebedewa, Materski: Katyn: A Crime Without Punishment. 2008, S. 255.
  27. George Sanford: Katyn and the Soviet Massacre of 1940: Truth, Justice and Memory. 2005, S. 80.
  28. Tadeusz Piotrowski: The Polish Deportees of World War II: Recollections of Removal to the Soviet Union and Dispersal Throughout the World. Mcfarland & Co, 2007, S. 4.
  29. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 41–44.
  30. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 83 f.
  31. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 85–91.
  32. Gerd Kaiser: Katyn. 2000, S. 78, 90 und 102
  33. Jozef Mackiewicz: Katyn – ungesühntes Verbrechen. 1949, S. 123 (gestützt auf das Polnische Weißbuch 1948).
  34. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 289.
  35. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 106 f.; 111; Cienciala, Lebedewa, Materski: Katyn: A Crime Without Punishment. 2008, S. 125.
  36. George Sanford: Katyn and the Soviet massacre of 1940: truth, justice and memory. 2005, S. 112.
  37. Michael Parrish: The Lesser Terror: Soviet State Security, 1939–1953. 1996, S. 57.
  38. Michael Parrish: The lesser terror: Soviet state security, 1939–1953. Greenwood Press, 1996, ISBN 0-275-95113-8, S. 57.
  39. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 92–94.
  40. a b c Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 124.
  41. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 132.
  42. Gerd Kaiser: Katyn. 2000, S. 354.
  43. Tadeusz Kisielewski: Katyń. Zbrodnia i kłamstwo. Posen 2008, S. 74–90.
  44. Tadeusz Kisielewski: Katyń. Zbrodnia i kłamstwo. Posen 2008, S. 105–113.
  45. Der Standard, 9. August 2006: Gräber polnischer Soldaten in der Ukraine entdeckt.
  46. Włodzimierz Borodziej: Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert: Geschichte Polens im 20. Jahrhundert. C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60647-2, S. 197.
  47. Tadeusz Kisielewski: Katyń. Zbrodnia i kłamstwo. Posen 2008, S. 95–97.
  48. Siehe die Bände der Warschauer Forschungsstelle Karta/Polski Memorial unter Quellen und Dokumente im Literaturverzeichnis.
  49. Andrzej Paczkowski: Polen, der Erbfeind. In: Das Schwarzbuch des Kommunismus, München 2004, S. 405.
  50. Natalia Lebedewa: The Tragedy of Katyn. International Affairs, Moskau, Juni 1990, S. 102 f. (kostenpflichtig)
  51. Frank Fox: Jewish Victims of the Katyn Massacre. In: East European Jewish Affairs 23/1 (1993), ISSN 1350-1674, S. 49–55.
  52. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 101 f.
  53. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 91 f. und S. 97.
  54. George Sanford: Katyn and the Soviet Massacre of 1940: Truth, Justice and Memory. 2005, S. 114 f.
  55. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 115 f.
  56. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 122.
  57. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 136–146.
  58. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 147–156 und S. 174.
  59. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 156–160.
  60. Thymian Bussemer: Propaganda: Konzepte und Theorien. Mit einem einführenden Vorwort von Peter Glotz. Vs Verlag, Münster 2008, S. 186 f.
  61. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 171 f.
  62.  Ostblock/Katyn: Ein schrecklicher Mißgriff. In: Der Spiegel. Nr. 34, 1956, S. 28-29 (22. August 1956, online).
  63. Zitiert nach Brigitte Esser: Die Chronik des Zweiten Weltkriegs. München 1994, ISBN 3-570-14339-2, S. 228.
  64. Friedemann Bedürftig (Hrsg.): Chronik des Zweiten Weltkriegs. Chronik Verlag, 2004, S. 278.; zur Benutzung durch NS-Propaganda siehe Friedrich Herber: Gerichtsmedizin unterm Hakenkreuz. Leipzig 2002, S. 305–313.
  65. Karl-Heinz Janßen: Katyn: Kampf gegen die Lüge. In: Die Zeit. 22. Juli 1988.
  66. Thymian Bussemer: Propaganda: Konzepte und Theorien. Mit einem einführenden Vorwort von Peter Glotz. Vs Verlag, Münster 2008, S. 188. und S. 186, Anm. 380.
  67. Volker Ullrich: Nazi-Propaganda und Stalin-Terror: Vor 65 Jahren wurden die Massengräber von Katyn entdeckt. im Deutschlandfunk, 13. April 2008.
  68. Josef Wulf: Presse und Funk im Dritten Reich: Eine Dokumentation. Band 1 von Kultur im Dritten Reich. Ullstein, 1989, ISBN 3-550-07055-1, S. 266.
  69. Ralf Georg Reuth (Hrsg.): Joseph Goebbels Tagebücher, Band 4: 1924–1945. 2. Ausgabe. Piper, München 1992, 2009, ISBN 978-3-492-11414-1, S. 1463.
  70. Dieter Pohl: Die Herrschaft der Wehrmacht: Deutsche Militärbesatzung und einheimische Bevölkerung in der Sowjetunion 1941–1944. Fischer Tb., Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-596-18858-1, S. 136 f.
  71. Wolfgang Benz, Peter Reif-Spirek (Hrsg.): Geschichtsmythen. Legenden über den Nationalsozialismus. Metropol, 2. Auflage. Berlin 2004, ISBN 3-936411-28-X, S. 69 f.
  72. Paul Milata: Zwischen Hitler, Stalin und Antonescu: Rumäniendeutsche in der Waffen-SS. 2. Auflage. Böhlau, Wien 2009, ISBN 978-3-412-13806-6, S. 183.
  73. Heinz Boberach (Hrsg.): Meldungen aus dem Reich. Die geheimen Lageberichte des Sicherheitsdienstes der SS 1939–1945. Herrsching 1984, ISBN 3-88199-158-1, Band 13, S. 5145 (vom 19. April 1943).
  74. Dirk Rupnow: Vernichten und Erinnern. Spuren nationalsozialistischer Gedächtnispolitik. Wallstein, 2005, ISBN 3-89244-871-X, S. 57.
  75. Christian Hartmann und andere (Hrsg.): Der deutsche Krieg im Osten 1941–1944: Facetten einer Grenzüberschreitung. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2009, ISBN 978-3-486-59138-5, S. 187 und Anm. 202.
  76. Dirk Rupnow: Vernichten und Erinnern. Spuren nationalsozialistischer Gedächtnispolitik. Wallstein, 2005, ISBN 3-89244-871-X, S. 58 f. und Fn. 13.
  77. H. Joachim Schwagerl: Rechtsextremes Denken. Neuauflage, Fischer, 1993, ISBN 3-596-11465-9, S. 73.
  78. Holocaust-Referenz: Ein Massenmord an polnischen Offizieren.
  79. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 172 f.
  80. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 213–221.
  81. Jörg Osterloh, Clemens Vollnhals: NS-Prozesse und deutsche Öffentlichkeit: Besatzungszeit, frühe Bundesrepublik und DDR. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2011, ISBN 978-3-525-36921-0, S. 160 f.
  82.  Ostblock/Katyn: Ein schrecklicher Mißgriff. In: Der Spiegel. Nr. 34, 1956, S. 28-29 (22. August 1956, online). Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 225 f.; Cienciala, Lebedewa, Materski: Katyn: a crime without punishment. 2008, S. 233 f.
  83. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 224.
  84. George Sanford: Katyn and the Soviet massacre of 1940: Truth, Justice and Memory. 2005, S. 176.
  85. zitiert in der Nachmittagssitzung 14. Februar 1946.
  86. Dokument 054-USSR abgedruckt in IMT: Der Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher… Band XXXIX, fotomech. Nachdr. München 1989, ISBN 3-7735-2528-1, S. 290–332.
  87. Zeno.org: Nürnberger Prozess, 168. Tag, 1. Juli 1946 (weitere Sitzungen siehe dort)
  88. Whitney R. Harris, Christoph Safferling, Ulrike Seeberger: Tyrannen vor Gericht: Das Verfahren gegen die deutschen Hauptkriegsverbrecher nach dem Zweiten Weltkrieg in Nürnberg 1945–1946. Berlin 2008, S. 247.–253.
  89. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 228.
  90. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 416 f.; George Sanford: Katyn and the Soviet massacre of 1940: truth, justice and memory. 2005, S. 220.
  91. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 446 f.
  92. Rudolf Walther: Das Verbrechen von Katyn. In: Die Zeit. 18. November 2007.
  93. Gilbert-Hanno Gornig: Äußerungsfreiheit und Informationsfreiheit als Menschenrechte. Duncker & Humblot, 1988, ISBN 3-428-06540-9, S. 753.
  94. Jochen Laufer: Pax Sovietica: Stalin, die Westmächte und die deutsche Frage 1941–1945. 2009, ISBN 978-3-412-20416-7, S. 309.
  95. Klaus Zernack: Polen und Rußland. Zwei Wege in der europäischen Geschichte. Propyläen, 1994, ISBN 3-549-05471-8, S. 455–457.
  96. George Sanford: Katyn and the Soviet massacre of 1940: truth, justice and memory. 2005, S. 193;
  97. No evidence Polish hero murdered. In: BBC News. 29. Januar 2009, Abgerufen am 4. November 2011.
  98. Rainer Blasius: Doch ein Mord aus Staatsräson? Rolf Hochhuth soll polnischer Staatsanwältin helfen, den Tod von General Sikorski aufzuklären. In: FAZ. 2. September 2011.
  99. George Sanford: Katyn and the Soviet massacre of 1940: truth, justice and memory. S. 173.
  100. Jost Dülffer: Europa im Ost-West-Konflikt 1945–1991. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2004, S. 137.
  101. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 447.
  102. Cienciala, Lebedewa, Materski: Katyn: A Crime Without Punishment. 2008, S. 240.; George Sanford: Katyn and the Soviet massacre of 1940: truth, justice and memory. 2005, S. 209.
  103. Włodzimierz Borodziej: Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert: Geschichte Polens im 20. Jahrhundert. München 2010, S. 197 f.
  104. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 172.
  105. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 176–181.
  106. a b c Claudia Weber: „Too closely identified with Dr. Goebbels“: Die Massenerschießungen von Katyn in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Kriegs.
  107. Cienciala, Lebedewa, Materski: Katyn: A Crime Without Punishment. 2008, S. 333.; Poland: Death in Katyn Forest. In: Time. 17. Juli 1972.
  108. William L. Wight: Report on the Russians. The Reader’s Digest, Dezember 1944/ Januar 1945.
  109. Louis Robert Coatney: The Katyn Massacre: An Assessment of its Significance as a public and historical issue in the United States and Great Britain, 1940–1993. Dezember 1993.
  110. Cienciala, Lebedewa, Materski: Katyn: A Crime Without Punishment. 2008, S. 235.–237.
  111.  Katyn – ein Verbrechen der Sowjets. In: Der Spiegel. Nr. 1, 1952, S. 17-19 (2. Januar 1952, online). Die Zeit Nr. 34, 21. August 1952: Zeitspiegel.
  112. The Katyn Forest Massacre: Final Report (22. Dezember 1952); dazu Julius Epstein: Select Committee on the Katyn Forest Massacre (Madden Committee) (Witnesses Accounts; November 14, 1952 – Washington, D.C.)
  113. Franz Kadell: Katyn – Das zweifache Trauma der Polen. 2011, S. 156 f.
  114. Vanessa Gera und Randy Herschaft (Associated Press, 10. September 2012): Memos Show US Hushed Up Soviet Crime.; Der Spiegel, 12. September 2012: US-Nationalarchiv gibt geheime Dokumente zu Katyn frei
  115. John Neubauer, Borbála Zsuzsanna Török: The Exile and Return of Writers from East-Central Europe: A Compendium. Walter de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-11-021773-5, S. 33.
  116. a b c siehe Literaturverzeichnis.
  117. John Earl Haynes, Harvey Klehr: In Denial: Historians, Communism & Espionage. Encounter Books, 2005, ISBN 1-59403-088-X, S. 20.; Jamie Glazov (8. August 2000): The Lies of Katyn.
  118. Cienciala, Lebedewa, Materski: Katyn: A Crime Without Punishment. 2008, S. 242.
  119. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 363.
  120. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 369 f.
  121. Norman Davies: Im Herzen Europas. Geschichte Polens. 4. Auflage. Beck, München 2006, S. 428.
  122. Cienciala, Lebedewa, Materski: Katyn: A Crime Without Punishment. 2008, S. 248 f.
  123.  300000 Tote im Goldbergwerk: Die Opfer Stalins liegen noch in Rußlands Erde. In: Der Spiegel. Nr. 40, 1989, S. 200-201 (2. Oktober 1989, online).
  124. Katyn: A difficult road to the truth. auf: Ria/Nowosti. 12. April 2010.
  125. Cienciala, Lebedewa, Materski: Katyn: A Crime Without Punishment. 2008, S. 252.
  126. Benjamin B. Fischer: The Katyn Controversy: Stalin's Killing Field.
  127. Franz Kadell: Katyn – Das zweifache Trauma der Polen. 2011, S. 188.
  128. Cienciala, Lebedewa, Materski: Katyn: A Crime Without Punishment. 2008, S. 253.
  129. Michael Parrish: The lesser terror: Soviet state security, 1939–1953. 1996, S. 65.
  130. Cienciala, Lebedewa, Materski: Katyn: A Crime Without Punishment. 2008, S. 254.–256.
  131. Versöhnungsgeste am Ort eines Massenmordes. auf: Deutsche Welle. 7. April 2010.
  132. Irian Borodan: The New Nobility. Perseus Running Press, 2010, ISBN 978-1-58648-802-4, S. 100.
  133. Moskau stellt Akten zu Katyn-Massaker ins Internet. In: Der Spiegel. 28. April 2010.
  134. Katyn-Massaker: Blutspur führt ins Geheimarchiv.auf: RIA/Novosti. 29. April 2010.
  135. Zaur T. Gasimov: Militär schreibt Geschichte. Instrumentalisierung der Geschichte durch das Militär in der Volksrepublik Polen und in der Sowjetunion 1981–1991. LIT Verlag, 2009, ISBN 978-3-643-10001-6, S. 103.
  136. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 414 f.
  137. Krzysztof Komorowski, Witold Rawski: Anti-Katyń: Soviet prisoners of war in Poland: facts and myths. Ministry of National Defense, Military Bureau of Historical Research, 2006, ISBN 83-919435-9-3.
  138. Cold war on remembrance. In: Niedziela. 23/2011.
  139. Kommunisten schieben Katyn erneut Nazis in die Schuhe. In: Russland aktuell. 20. Oktober 2010.
  140. Robert Maier: Fedor von Bock und Frau Petrowa. Wie deutsche und russische Schulbuchautoren Wissen und Einstellungen zum Zweiten Weltkrieg vermitteln. In: Horst Möller, Aleksandr Cubar'jan (Hrsg.): Mitteilungen der Gemeinsamen Kommission für die Erforschung der jüngeren Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen: Band 4. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2010, ISBN 978-3-486-59080-7, S. 91.-94
  141. RiaNowosti, 24. November 2010: Tragödie von Katyn soll Völker Polens und Russlands näher bringen - Staatsduma; RiaNovosti, 26. November 2010: Russland und Polen vor Aussöhnung: Duma will Katyn-Verbrechen anerkennen – „Wremja Nowostej“; Der Spiegel, 26. November 2010: Duma verurteilt Massaker an Tausenden Polen.
  142. Michael Parrish: The lesser terror: Soviet state security, 1939–1953. 1996, S. 53.–55.
  143. Krzysztof Ruchniewicz: „Noch ist Polen nicht verloren“. 2007, S. 52.
  144. George Sanford: Katyn and the Soviet massacre of 1940: Truth, Justice and Memory. 2005, S. 84.–86.
  145. Claudia Weber: G. Sanford: Katyn and the Soviet Massacre of 1940. (Rezension für H-Soz-u-Kult, September 2007)
  146. Beispiele: Natalia Lebedewa: Katyn: Prestuplenie Protiv Chelovechestva. („Katyn: Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.) 2. Auflage. Moskau 1996, Vorwort; Wojciech Materski: Kremlin versus Poland 1939–1945: documents from the Soviet archives. Institute of Political Studies, Polish Academy of Sciences, 1996, ISBN 83-8675911-9, S. 6; Tadeusz Piotrowski: Poland's Holocaust: Ethnic Strife, Collaboration with Occupying Forces and Genocide in the Second Republic, 1918–1947. Mcfarland & Co, 2007, ISBN 978-0-7864-2913-4, S. 32.; Norman M. Naimark: Stalin's genocides, Princeton University Press, 2010, ISBN 978-0-691-14784-0, S. 92. (deutsch: Stalin und der Genozid. Aus dem Amerikanischen von Kurt Baudisch. Suhrkamp Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-518-42201-4, S. 96); Neal Ascherson (The Guardian, 17. April 2010): An accident of history; Piotr Zając: Prześladowania ludności narodowości polskiej na terenie Wołynia w latach 1939–1945 – ocena karnoprawna zdarzeń w oparciu o ustalenia śledztwa OKŚZpNP w Lublinie. In: Zbrodnie przeszłości. Opracowania i materiały prokuratorów IPN. t. 2: Ludobójstwo. red. Radosław Ignatiew, Antoni Kura, Warszawa 2008, S. 34–49; Witold Kulesza (Instytut Pamięci Narodowej, Hrsg.): Zbrodnia Katyńska jako akt ludobójstwa (geneza pojęcia). (polnisch; abgerufen am 30. Oktober 2011)
  147. Franz Kadell: Die Katyn Lüge. Geschichte einer Manipulation: Fakten, Dokumente und Zeugen. 1991, S. 7; Victor Zaslavsky: Klassensäuberung: das Massaker von Katyn. Bonn 2008.
  148. Gerd Kaiser: Katyn. 2002, S. 410.
  149. Alexander Guryanov: Current Status of Katyn Case in Russia (2010, PDF; 86 kB) (“Memorial” Society, Moscow)
  150. Tragödie von Katyn keine Folge des Genozids. auf: Russland.RU 11. März 2005.
  151. Thomas Urban: Massaker im Zweiten Weltkrieg: Angehörige der Katyn-Opfer dürfen hoffen. In: Süddeutsche Zeitung. 12. Juni 2008.
  152. Russische Kriegsverbrechen verurteilt. auf: 20min.ch, 23. September 2009; Biuro Prasowe Kancelarii Sejmu: Uchwała Sejmu Rzeczypospolitej Polskiej z dnia 15 lipca 2009 r. w sprawie tragicznego losu Polaków na Kresach Wschodnich.
  153. Keine Ermittlungen zu Massenmord in Katyn. In: FAZ. 30. Januar 2009. (kostenpflichtig)
  154. Stalins Ehre: Enkel verklagt die „Nowaja Gazeta“. auf: Russland aktuell. 8. Oktober 2009; „Nowaja Gaseta“: Gericht weist Klage von Stalin-Enkel zurück. In: Der Spiegel. 13. Oktober 2010.
  155. Oberstes Gericht: Verschluss der Katyn-Akten gesetzeswidrig. In: Die Welt. 22. April 2010; Urteil zu Aufarbeitung des Massakers von Katyn in Russland. In: Russland.RU. 22. April 2010.
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  162. Case of Janowiec and others v. Russia (Applications nos. 55508/07 and 29520/09): Judgment. Strasbourg 16. April 2012
  163. Zeit, 16. April 2012: Menschenrechte Russland wegen Katyn-Massakers verurteilt
  164. Die Zeit, 21. Oktober 2013: Katyn-Angehörige scheitern mit Klage gegen Russland
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  167. Ost-Europa, Band 40, Ausgaben 1-3: Der Fall Katyn in den polnischen Medien. Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde, Deutsche Verlags-Anstalt, 1990, S. A-95
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  178. Joachim von Putkamer: Russland und das östliche Europa. In: Wlodzimierz Borodziej, Joachim von Puttkamer (Hrsg.): Europa und sein Osten: Geschichtskulturelle Herausforderungen. Oldenbourg, München 2012, ISBN 978-3-486-71593-4, S. 164.
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  182. Ein Gotteshaus für Katyn. In: Moskauer Deutsche Zeitung. 4. August 2012.
  183. Anna Lisbeth Jessen: Kraniet fra Katyn. Beretning om massakren i 1940. Høst & Søn, Kopenhagen 2008, ISBN 978-87-638-0703-6.
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54.77333333333331.788888888889Koordinaten: 54° 46′ 24″ N, 31° 47′ 20″ O