Deepak Lal

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Deepak Lal (* 1940 in Lahore) ist ein britischer Wirtschaftswissenschaftler indischer Herkunft. Er ist Inhaber derJames S. Coleman Professur (Professor of International Development Studies) für internationale Entwicklung an der University of California, Los Angeles (UCLA). Er war Professor am University College London für Wirtschafts- und Politikwissenschaft, Research Administrator der Weltbank und wurde von vielen Regierungen und internationalen Agenturen konsultiert. Er ist Professor Emeritus of Political Economy des University College London.

Er ist Autor von über 50 Büchern, von mehr als 200 Zeitschriftenaufsätzen und Mitautor zahlreicher Gutachten für internationale Organisationen. Seine Interessenfelder reichen dabei von Kultur- und Religionsgeschichte, Wirtschafts- und Politikgeschichte bis zu aktuellen Bereichen der Wirtschafts- Finanz- und Entwicklungspolitik. Deepak Lals unkonventionelle Thesen, die jedoch durch breite empirisch gewonnene Fakten gestützt sind, stoßen vor allem von Seiten der Vertreter egalitaristischer Positionen auf Widerspruch.

Von 2009 bis 2010 war Deepak Lal Präsident der Mont Pèlerin Society.

Leben[Bearbeiten]

Deepak Kumar Lal wurde in Lahore in eine weitverzweigte und wohlhabende indische Landbesitzerfamilie geboren. Mit der Teilung Indiens am 14. August 1947 verlor die Familie ihr Vermögen und ihren gesamten Landbesitz in Pakistan und musste nach Indien fliehen. Auf Wunsch der Familie sollte Deepak Lal Ingenieurwissenschaft studieren, begann auch zunächst ein Mathematikstudium in Delhi, um sich dann dem Studium der Geschichte zuzuwenden. Als Jahrgangsbester erhielt er eins der seltenen indischen Auslandsstipendien, und konnte das Studium der Ökonomie, Philosophie und Politikwissenschaften am Jesus-College in Oxford aufnehmen. Nach Abschluss des Studiums trat er 1963 zunächst in den diplomatischen Dienst Indiens ein und war für kurze Zeit an der indischen Botschaft in Tokio tätig. 1966 quittierte er den diplomatischen Dienst, um eine akademische Laufbahn einzuschlagen.

In den 1970er Jahren war er Mitglied in einer staatlichen indischen Planungskommission, die ihn nach eigenen Aussagen vom Sozialismus, von dem er bis dahin überzeugt gewesen sei, geheilt habe. [1] Von 1984 bis 1987 war er research administrator der Weltbank. Deepak Lal ist verheiratet mit Barbara Ballis und hat zwei Kinder.

Positionen[Bearbeiten]

Deepak Lal ist ein engagierter und eloquenter Befürworter des Wirtschaftsliberalismus. In seinen Büchern und Vorträgen tritt er für den Abbau von Hindernissen im internationalen Handel ein, befürwortet eine bedingungslose Freigabe der Wechselkurse und prangert einen zunehmenden Dirigismus in den westlichen Demokratien an. Nach seiner Ansicht verstärkt sich in den westlichen Staaten zunehmend die Tendenz, Verteilungs- und Wohlfahrtsziele zu Ungunsten individuellen Freiheitsrechte der Bürger zu forcieren.

Da bewegliche Wechselkurse den festen überlegen seien, könne der funktionslos gewordene IWF abgeschafft werden, und da die Globalisierung zu einem massiven Rückgang der Armut geführt habe, sei die Weltbank mittlerweile überflüssig geworden. Nach seiner Ansicht schaffe die imperiale Vormachtstellung der USA die Voraussetzung für den Freihandel, während Internationale Organisationen, wie die Vereinten Nationen, der IWF und die Weltbank zunehmend unter den Einfluss von NGOs geraten seien, die als Bremsklotz für die globale wirtschaftlichen Entfaltung wirkten. Diese Organisationen würden immer mehr zu Gefangenen der NGOs und schadeten deshalb mehr als sie nützten. Dasselbe gelte für die Umweltbewegung.

Die in den letzten 50 Jahre praktizierte Entwicklungshilfe insbesondere für Afrika hält Lal für einen vollständigen Fehlschlag, da sie einen ökonomischen Fortschritt, der mit den kulturellen und mentalen Bedingungen Afrikas kompatibel sein, behindert, sogar verhindert habe, anstatt ihn zu befördern. Die von außen implementierten politischen Formen mangele es an Legitimität, da sie nicht mit den kosmologischen Vorstellungen, der Kultur und der Mentalität der betreffenden Völker einhergingen. Das hohe Sendungsbewusstsein der Amerikaner, welches sich beispielsweise in übertriebenen Forderungen nach weltweiter Demokratie manifestiere, betrachtet Lal als außerordentlich problematisch. [2]

In seinem jüngsten Buch Reviving the Invisible Hand äußert er eine ätzende Kritik an der grünen Bewegung und dem entwicklungsfeindlichen Verhalten vieler internationaler NGOs. Er spricht unverblümt seine Skepsis gegenüber dem im Westen weitverbreiteten moralischen Generalanspruch aus. Die grüne Bewegung wertet er als säkularen Religionsersatz in einer Welt, in der das Christentum und mit ihm dessen ethische Maßstäbe ihre Wirkkraft und Ordnungsfunktion verloren hätten. Als Religionsersatz habe die grüne Bewegung das Potenzial, die weltwirtschaftliche Globalisierung einmal mehr ins Stocken zu bringen. [3]

Umstritten sind seine Thesen über die Neuregelung der globalen Rohstoffausbeutung. Er tritt für die Gründung eines "International Natural Resources Fund" ein, der die Ausbeutung der Rohstoffvorkommen in den Ländern der Dritten und Vierten Welt, sogenannter "gescheiterter Staaten", organisieren soll. Diktaturen, wie beispielsweise in Iran, in Libyen oder afrikanischen Ländern wie dem Kongo setzten die erwirtschafteten Geldmengen nicht zum Wohl ihres Volkes ein sondern zur Durchsetzung verwerflicher Ziele, wie Alimentierung des Internationalen Terrorismus, der Entwicklung von Massenvernichtungswaffen oder dem Export des Wahabismus, der Staatsdoktrin Saudi-Arabiens, in andere islamische Staaten.

Die aktuelle Wirtschaftskrise sei nicht dem Versagen des Marktes geschuldet, sie habe viel mehr ihre Ursache im Versagen der Politik. Die aktuelle Krise bringt gemäß Deepak Lal nicht nur eine Verdüsterung der Wirtschaftslage, sondern führe auch zu ökonomische Langzeitschäden wie Staatsverschuldung und Inflation. Die Ursachen des ökonomischen Versagens westlicher Regierungen und westlich dominierter überstaatlicher Organisationen sieht er in einer Demoralisierung der Gesellschaft. Die Globalisierung habe zwar weltweit eine Modernisierung gebracht. Diese dürfe aber nicht mit Verwestlichung gleichgesetzt werden. Gerade die Krise mache deutlich, dass ein Bedarf an der Weiterentwicklung eigener Wertesysteme bestehe, zumal in Asien. [4].

Eine weiteres Thema, das ihn beschäftigt, ist die Genese des Kapitalismus in der westlichen Welt. Anders als Max Weber, der die Entstehung westlich-kapitalistischer Wirtschaftsgesinnung in der rationalen Ethik eines asketischen Protestantismus verortet, sieht Lal die Grundsteinlegung westlicher Wirtschaftssysteme und das Aufblühen kapitalistischer Wirtschaftsordnung in den Schriften des Augustinus. [5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zitiert nach: Georg Schwarz: Kultur als Teil der Ökonomie. 2009.
  2. Hofstettler 2006
  3. Hofstettler 2006.
  4. Deepak Lal: Unintendes consequences. The Impact of Factor Endwoments. Culture, and Politics on Long-Run Economic Performance. 2001
  5. Gerhard Schwarz: Unbeabsichtigte Folgen kirchlicher Gier. Deepak Lals provokative Erfolgsgeschichte des Westens. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr 55. 11. Februar 2000.

Schriften – Auswahl[Bearbeiten]

  • Reviving the Invisible Hand. The Case for Classical Liberalism in the Twenty-first Century. 2006. [1]
  • The Poverty of „Development Economics.“ 2002.
  • The Praise of Empires: Globalization and Order.
  • Unintended Consequences: The Impacted Factor Edowments, Culture and Politics on Long-Run Economic Performance . 2001. ISBN 978-0-26262154-0
  • Seeing like a State: How Certain Schemes to Improve the Human Condition.
  • The Political Economy of Poverty, Equity., and Growth.: A Comparative Study. 1999. ISBN 0198294328
  • Stagflation, savings, and the state : perspectives on the global economy. Publ. for The World Bank. Ed. by Deepak Lal and Martin Wolf. 1986. ISBN 0-19-520496-4
  • The Threat to Economic Liberty from International Organizations. In: Cato Journal. Vol. 25, Nr. 3. 2005. S. 503 -520. (PDF)

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Schwarz: Unbeabsichtigte Folgen kirchlicher Gier. Deepak Lals provokative Erfolgsgeschichte des Westens. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 35. 2000.
  • Georg Schwarz: Kultur als Teil der Ökonomie. In: Neue Zürcher Zeitung. 4. September 2009.
  • Der Inder Deepak Lal baut Brücken. In: Neue Zürcher Zeitung. 24. April 2009.
  • Martin Hostettler: Umweltschutz als säkulare Religion. Dirigismus und grüne Wolken verdüstern Zukunftsperspektiven. In: Neue Zürcher Zeitung. 2006. Nr. 210

Weblinks[Bearbeiten]