Demokratische Partei Kurdistans

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پارتی دیموکراتی کوردستان (Kurd.)
Partiya Demokrata Kurdistanê
الحزب الديمقراطي الكردستاني (Arab.)
Demokratische Partei Kurdistan
Parteiemblem Parteiflagge
Masud Barzani
Partei­vorsitzender Masud Barzani
Gründung 16. August 1946
Haupt­sitz Hewlêr
Aus­richtung Kurdischer Nationalismus, Liberalismus, Konservatismus
Farbe(n) Gelb
Parlamentsmandate Im Repräsentantenrat: 26 von 325
Im Parlament Kurdistans: 28 von 111
Website www.kdp.se

Die Demokratische Partei Kurdistans (DPK) (kurdisch: Partîya Demokrata Kurdistanê - PDK) ist eine kurdische Partei, die seit 1979 von Masud Barzani geführt wird. Die Partei besteht seit April 1946 und ist neben der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) die zweite große Kurdenfraktion in der Autonomen Region Kurdistan.

In ihrem 1960 verabschiedeten Programm berief sie sich auf das Konzept des Kurdayetî, einer kurdisch-national inspirierten Massenbewegung, die keine Schöpfung von Parteien oder Personen, sondern eine objektiv existierende historische Bewegung sei[1].In der heutigen Zeit vertritt sie, vor allem in der ARK (Autonome Region Kurdistan), breite Schichten der kurdischen Bevölkerung.

Mustafa Barzani, der mehrere erfolgreiche Revolten gegen die Regierung in Bagdad geführt hat, gründete die DPK 1946. Die Gründung erfolgte im iranischen Kurdistan in Zusammenhang mit der Entstehung einer kurdischen Republik in Mahabad, die weniger als ein Jahr existierte. Nach dem Autonomieabkommen mit Bagdad 1970/74 spaltete sich die Partei und nach Mustafa Barzanis Tod übernahmen 1979 seine Söhne Masud und Idris Barzani die Führung.

Nach dem Zweiten Golfkrieg startete die DPK einen Aufstand gegen die irakische Regierung und wurde zu einer recht einflussreichen Oppositionsgruppe gegen Saddam Hussein. Die Peschmerga der DPK konnten relativ unbehelligt in der Flugverbotszone im Nordirak agieren.

Im Irak[Bearbeiten]

Die DPK wurde vor allem in der Region Arbil führende politische Kraft. 1964 wurde mit dem irakischen Staatspräsidenten Abd as-Sallam Arif ein Waffenstillstand abgeschlossen, der die nationalen Rechte der Kurden in Irakisch-Kurdistan anerkannte. Das führte zu Streitigkeiten innerhalb der DPK. Das politische Büro der DPK unter Leitung von Dschalal Talabani und Ibrahim Ahmed (Schwiegervater von Talabani) kritisierte, dass dieses Abkommen die Rechte der Kurden nicht genügend berücksichtige. Barzani wiederum lehnte Verhandlungen mit Bagdad vollkommen ab, berief daraufhin einen eigenen Kongress ein und ernannte ein neues Politbüro. Das ursprüngliche Politbüro spaltete sich ab, und seine Mitglieder flohen nach einem Angriff der Barzani-Peschmerga in den Osten des Landes und den Iran.

Die Gruppe um Talabani kehrte in den siebziger Jahren schließlich nach Nordirak zurück und etablierte ein eigenes Herrschaftsgebiet mit Sitz in Sulaimaniyya, dem soranisprachigen Gebiet Südkurdistans. Seitdem kam es immer wieder zu innerkurdischen Kämpfen der beiden Parteien. Die Zentralregierung förderte bis 1985 mit Geldern und Waffen für die Ahmad/Talabani-Gruppe die Kämpfe zwischen den Fraktionen und ernannte mit Taha Muhi ad-Din Maʿruf einen Vertreter der Ahmad/Talabani-Gruppe zum Vizepräsidenten.

Mit Unterstützung von Saddam Hussein kämpfte die DPK im DPK-PUK-Konflikt von 1994 bis 1997 gegen die PUK, welche vom Iran unterstützt wurde. Zwischen den Konfliktparteien PUK und DPK in Irak kamen etwa 3000 Menschen ums Leben. Zudem hatten zwischen 1970 und 1975 weitere aus der Ahmad/Talabani-Fraktion hervorgehende DPK-Ableger gebildet und im Rahmen der Nationalen Progressiven Front eine Regierungskoalition mit der irakischen Baath-Partei gebildet, z.B. die Kurdische Revolutionäre Partei unter Abd as-Sattar Sharif oder die sogenannte Neo-DPK unter Führung von Haschim Aqrawi und Barzanis ältestem Sohn Ubaidallah.[2]

Früher gab es auch zwischen der PKK und der DPK größere Konflikte. Heute ist das Verhältnis zur PKK eher neutral.

Zur Wahl eines Übergangsparlaments nach dem Irak-Krieg schloss sich die DPK mit der PUK, sowie weiteren kleineren Parteien, zur Demokratischen Patriotischen Allianz Kurdistans (auch Kurdische Allianz genannt) zusammen. Das Wahlbündnis gewann bei der Wahl am 30. Januar 2005 25,7 % und somit 71 von insgesamt 275 Sitzen in der irakischen Nationalversammlung, die als Übergangsparlament eine Verfassung erarbeiten soll. In der neuen irakischen Regierung sind 8 Mitglieder der Kurdischen Allianz Minister.

Nach eigenen Angaben strebt die DPK weder einen souveränen kurdischen Staat noch eine Vereinigung mit dem türkischen oder iranischen Teil Kurdistans an, sondern innere Autonomie innerhalb eines föderalen Irak.[3]

Ableger[Bearbeiten]

Es gibt mehrere Parteien gleichen Names in anderen Ländern:

Literatur[Bearbeiten]

  • Marion und Peter Sluglett: Der Irak seit 1958 - Von der Revolution zur Diktatur. Suhrkamp Frankfurt 1991

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Andrea Fischer-Tahir: »Wir gaben viele Märtyrer«. Widerstand und kollektive Identitätsbildung in Irakisch-Kurdistan, ISBN 978-3-89771-015-3, Münster 2003, S. 67
  2. Wie groß die abgespaltenen Gruppen tatsächlich waren, ist umstritten. Während kurdische und heute auch westliche Experten zumeist dazu neigen, sie als eine einflußlose Minderheit einzustufen, behaupteten einige DDR-Orientalisten (Lothar Rathmann, Gerhard Höpp, Martin Robbe) zumindest bis 1988, dieser Flügel habe die Mehrheit der ehemaligen DPK-Mitglieder vertreten.
  3. kdp.se

Weblinks[Bearbeiten]