Autonome Region Kurdistan

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Herêmî Kurdistan (kurd.)
هه‌رێمی کوردستان (kurd.)
Flagge Kurdistans
Wappen der Region Kurdistan
Flagge Wappen
Amtssprache Kurdisch
und Arabisch
zudem regionale anerkannte Minderheitensprachen: Armenisch, Syrisch und Turkmenisch
Hauptstadt Erbil
Regierungssystem parlamentarische Demokratie
Staatsoberhaupt Präsident Masud Barzani
Regierungschef Nêçîrvan Idrîs Barzanî
Fläche 40.643 km² (inkl. umstrittener Gebiete: 78.736 km²)[1] km²
Einwohnerzahl 5.332.600[2] zusätzlich beherbergt Kurdistan noch ca. 2 Millionen Flüchtlinge[3]
Bevölkerungsdichte 115,4 Einwohner pro km² Einwohner pro km²
Bevölkerungs­entwicklung +3 % (2014) pro Jahr
Bruttoinlandsprodukt
  • Total (nominal)
  • BIP/Einw. (nominal)
(2011)[4]
  • 23,6 Mrd. USD
  • 4,452 USD
Human Development Index 0,642 (120.)[5]
Währung Irakischer Dinar
(1991 bis 2003 Schweizer Dinar)
Gründung Weg zur Autonomie
  • 11. März 1970: Teilautonomie
  • Oktober 1991: De facto Autonomie
  • 4. Juli 1992: Gründung der Regionalregierung
  • 30. Januar 2005: Anerkennung in der irakischen Verfassung
Nationalhymne Ey Reqîb
Nationalfeiertag 21. bzw 22. März (Newroz)
Zeitzone UTC+3
ISO 3166 IQ-SU, IQ-AR, IQ-DA
Internet-TLD .krd
Telefonvorwahl +964
Iraqi Kurdistan on world map.png
Offizielle GrenzenGebiete unter kurdischer KontrolleVon der kurdischen Regionalregierung beanspruchte GebieteRest des Irak
  • Offizielle Grenzen
  • Gebiete unter kurdischer Kontrolle
  • Von der kurdischen Regionalregierung beanspruchte Gebiete
  • Rest des Irak

Die Autonome Region Kurdistan (kurdischهه‌رێمی کوردستانHerêmî Kurdistan, Kurdistanî Başûr (Südkurdistan); arabisch ‏إقليم كردستان العراق‎ Iqlīm Kurdistān al-ʿIrāq) ist die einzige autonome Region des Irak. Sie hat eine eigene Regierung und ein eigenes Parlament mit Sitz in der Hauptstadt Erbil. Die Autonome Region verfügt über eigene Streitkräfte (Peschmerga) hat eine eigene Flagge und eine Hymne.

1970 wurde im Norden die Kurdische Autonome Region gegründet und 2005 in Autonome Region Kurdistan umbenannt. Ihr offizielles Gebiet setzt sich aus den irakischen Gouvernements Dahuk, Erbil, as-Sulaimaniyya und Halabdscha zusammen. Darüber hinaus werden Teile der angrenzenden Gouvernements kontrolliert.

Namen[Bearbeiten]

Der Name der Region lautet gemäß der irakischen Verfassung Region Kurdistan (kurdischهه‌رێمى كوردستانHerêmî Kurdistan).[6] Der vollständige Name lautet Region Kurdistan Irak (kurdischهه‌رێمی کوردستانی عێراقHerêmî Kurdistanî Êraq; arabisch ‏إقليم كردستان العراق‎, DMG Iqlīm Kurdistān al-ʿIrāq). Die Regionalverwaltung gebraucht auch den Ausdruck Kurdistan-Irak. Die kurdische Regionalverwaltung bzw. -regierung selbst, die manchmal als Synonym für die Region benutzt wird, heißt auf kurdischحكومه‌تى هه‌رێمى كوردستانHikûmetî Herêmî Kurdistan, bzw. auf englisch Kurdistan Regional Government.

Kurdische Aktivisten verwendeten für alle kurdisch besiedelten Gebiete im Irak über die Grenzen der Region hinaus auch die Ausdrücke Südkurdistan (kurdischباشووری کوردستان‎) oder Zentralkurdistan.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Das Gebiet der autonomen Region Kurdistan liegt im Norden des Irak und besteht aus den Gouvernements Sulaimaniyya, Erbil, Duhok und Halabdscha. Es grenzt an drei Staaten: im Westen an Syrien, im Norden an die Türkei und im Osten an den Iran. Die nördlichste Stadt der Region ist Zaxo, die östlichste ist Halabdscha und die westlichste Dohuk.

Fläche der Region[Bearbeiten]

Das Autonomieabkommen vom 11. März 1970 sah ein Autonomiegebiet vor, das aus den Provinzen Erbil, Dohuk und as-Sulaimaniyya bestand. Dies umfasste eine Fläche von ca. 37.000 km². Die heutige Größe der autonomen Region liegt bei etwa 40.000 km². Weitere 38.000 km² sind unter kurdischer Kontrolle.

Umstrittene Gebiete[Bearbeiten]

Es bestehen größere Gebietskonflikte zwischen der kurdischen Regional- und der irakischen Zentralregierung, bei denen es um die territoriale Zugehörigkeit sowohl der Provinzen Kirkuk und Mossul als auch um verschiedene Distrikte anderer Gouvernements geht.[7]

Teile der geforderten Gebiete wurden von der kurdischen Regionalregierung nach dem dritten Golfkrieg besetzt (siehe Karte). Die Forderungen der kurdischen Regionalregierung, umstrittene Gebiete ebenfalls der autonomen Region einzugliedern, wurden von der Zentralregierung bislang abgewiesen. Dieser Prozess sollte durch ein im Artikel 140 der irakischen Verfassung festgelegtes Referendum Ende 2007 geklärt werden, wurde jedoch von der irakischen Zentralregierung[8][9] bis auf weiteres vertagt. Während der Irakkrise 2014 befreiten Peschmerga-Truppen Kirkuk von dem IS und besetzten anschließend die von der kurdischen Regionalregierung beanspruchte Stadt.[10]

In den Entwürfen der kurdischen Regionalverfassung werden folgende Distrikte zusätzlich als zur Autonomen Region Kurdistan zugehörig erklärt:

Landschaft[Bearbeiten]

Dukansee in der Nähe der Stadt Sulaimaniyya
Der Große Zab im Gouvernement Erbil

Die Region Kurdistan ist ein Gebirgsland. Im Nordosten befindet sich das Zāgros-Gebirge, mit dem höchsten Berg Cheekha Dar (3.611 m) des Iraks. Die Flüsse fließen zumeist von Nord nach Süd und teilweise von Ost nach West. Die wichtigsten Flüsse sind der Große Zab und der Kleine Zab. Der Große Zab entspringt in der südöstlichen Türkei, der Kleine Zab im nordwestlichen Iran. Beide Flüsse münden in den Tigris.

In der Nähe der Stadt Ranya befindet sich der Dukandamm mit dem zugehörigen Dukansee, dem größten See der autonomen Region Kurdistans.

Klima[Bearbeiten]

In der Kurdistan Region herrscht ein semiarides Klima. Die Sommer sind niederschlagslos und heiß. In den Monaten Juni bis September erreichen die Temperaturen durchschnittlich 39 °C bis 44 °C, wobei an vereinzelten Tagen auch Werte von annähernd 50 °C erreicht werden. Die Winter sind insgesamt mild, mit Temperaturtiefen von 2 °C bis 7 °C und Temperaturhöhen von 7 °C bis 13 °C. In den Gebirgsregionen mit ihren Flüssen und einer reichen Vegetation ist das Klima kühl und regenreich.

Der März weist durchschnittliche Temperaturen zwischen 13 °C und 18 °C auf. Im darauf folgenden Monat steigen die Temperaturwerte drastisch, mit Durchschnittswerten von 27 °C bis 32 °C. Der Herbst hat vergleichbare Temperaturen wie der Frühling von durchschnittlich 24 °C bis 29 °C. Er ist allerdings von starken Niederschlägen geprägt, die auch den mittleren jährlichen Wert von 375–724 mm erklären.[13]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Die Gesamteinwohnerzahl der autonomen Region Kurdistan lag im Jahr 2014 bei geschätzten 5,3 Millionen Menschen. Etwa 36% der Bevölkerung sind jünger als 15 Jahre und 60% zwischen 15 und 64 Jahren. Nur 4% der Bevölkerung ist 65 Jahre oder älter.[14] Das Durchschnittsalter liegt bei 20 Jahren und die Lebenserwartung bei 70 Jahren.[15] Die Geburtenrate liegt bei 3,1 Kindern pro Frau, mit der höchsten Rate im Gouvernement Duhok (3,9) und der niedrigsten im Gouvernement Sulaimaniyya (2,3).[16]

Ballungsräume[Bearbeiten]

Die Urbanisierungsrate liegt über dem irakischen Durchschnitt von 68,9 % bei etwa 81,6 %. Es gibt in der autonomen Region zehn Großstädte. Die Gouvernement-Hauptstädte Sulaimaniyya, Erbil und Dohuk sind mit Abstand die bevölkerungsreichsten Städte der Region, und in diesen drei Städten lebt mehr als 50 % der Bevölkerung.[17]

Völker und Sprachen[Bearbeiten]

Die Bevölkerung besteht hauptsächlich aus Kurden. Minderheiten bilden Chaldäer, Assyrer, Turkmenen, Armenier und Araber. Neben dem Arabischen hat die Autonome Region zusätzlich kurdisch als Amtssprache. Sorani und Kurmandschi werden von der kurdischen Mehrheitsbevölkerung gesprochen. Im äußersten Südosten der Region gibt es außerdem Sprecher des Gorani[18]. Die Mehrheit der Bevölkerung beherrscht aber auch die Arabische Sprache, insbesondere Irakisch-Arabisch.[19]

Religion[Bearbeiten]

Die Mehrheit der Bevölkerung sind sunnitische Muslime. Daneben gibt es bedeutende Minderheiten der Jesiden, Juden (vgl. Kurdische Juden), Christen und Yarsan. Diese Minderheiten können in der Region ihre Religion weitgehend frei ausleben, zahlreiche Anschläge auf Kirchen und kirchliche Einrichtungen außerhalb des Kurdengebiets sorgten aber für eine Flucht von Angehörigen der christlichen Minderheiten in die autonome Region.[20] Teile der Jesiden, deren Hauptsiedlungsgebiet sich im Distrikt Sindschar befindet, flüchteten aufgrund der Irakkrise 2014 ebenfalls in die Region.[21] Sie beklagen sich aber über Diskriminierungen und fehlenden Schutz durch die Regierung der Autonomieregion.[22]

Geschichte[Bearbeiten]

Nach dem Untergang des Osmanischen Reiches[Bearbeiten]

Das Vilâyet Mossul auf dem Gebiet der heutigen Autonomen Region Kurdistan

Der heutige Nordirak war Teil des Osmanischen Reiches. Nach dessen Niederlage im Ersten Weltkrieg übertrug der Völkerbund Großbritannien das Mandat Mesopotamien, wobei das Gebiet der heutigen Region Kurdistan sich auf dem vormals osmanischen Vilâyet Mossul befand. Im Vertrag von Sèvres und dem 14-Punkte-Programm von Woodrow Wilson war das Selbstbestimmungsrecht aller Kurden im Osmanischen Reich festgeschrieben worden. 1921 wurde aus dem Gebiet von Mossul sowie aus den ehemaligen Vilâyets Bagdad und Basra das Königreich Irak gegründet, das aber zunächst unter britischer Kontrolle stand. Mahmud Berzanci, der kurdische Gouverneur von Sulaimaniyya, rief 1922 das Königreich Kurdistan mit Mustafa Yamolki als Bildungsminister aus, welches international nicht anerkannt wurde. Zwei Jahre später wurde Berzanci von den Briten militärisch besiegt. Die politische Zugehörigkeit des Mossul-Gebietes blieb umstritten, da die Türkei Ansprüche darauf erhob. Diese Mossul-Frage wurde erst 1926 durch den Völkerbund entschieden, der das Gebiet beim Irak beließ. Seit den späten 1920ern setzten sich die Barzani-Familie für die Unabhängigkeit der Kurden im Nordirak ein, zunächst unter Ahmed Barzani. Dieser führte mehrere Aufstände gegen die irakische Herrschaft an, die aber keinen dauerhaften Erfolg hatten.

Konflikt seit 1961 und Teilautonomie 1970/74[Bearbeiten]

Kurdisches Autonomiegebiet 1970-1975

1958 endete die irakische Monarchie nach einem Militärputsch unter Abd al-Karim Qasim. Die Kurden im Nordirak unter Führung von Mustafa Barzani forderten Autonomie, was 1961 zu einem Aufstand gegen die Zentralregierung führte. Dieser endete erfolgreich, als im Abkommen vom 11. März 1970 die Kurdische Autonome Region vom Irak gegründet und anerkannt wurde. 1974/75 nahm Bagdad dies jedoch zurück und setzte sich militärisch in Nordirak durch, woraufhin die Kurden Guerillakrieg führten. Die Zentralregierung versuchte in den Folgejahren ihren Einfluss auf die kurdischen Ölgebiete durch eine Politik der Arabisierung zu verstärken.

Während des Ersten Golfkriegs zwischen dem Irak und dem Iran erhoben sich die Kurden 1983 ein weiteres Mal. Die irakische Zentralregierung unter Saddam Hussein reagierte darauf mit der Anfal-Operation, welche die systematische Tötung und Deportation zahlreicher Kurden zur Folge hatte. 1988 wurde ein Giftgasangriff auf die Stadt Halabdscha geführt.

Autonomie ab 1991[Bearbeiten]

Kurdisches Autonomiegebiet ab 1991
Hauptartikel: Raperîn

Nach der Niederlage des Baath-Regimes im Zweiten Golfkrieg erhoben sich die Kurden im Aufstand von 1991. Die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Türkei errichten im Nordirak mit der Operation Northern Watch eine Flugverbotszone für die irakische Luftwaffe. Die Kurden konnten wiederum Autonomie erringen, dieses Mal von Dauer und in einem gegenüber 1970 etwas vergrößerten Gebiet. Im Mai 1992 wurde ein Parlament gewählt, das zu fast gleicher Sitzverteilung zwischen der Patriotischen Union Kurdistans (PUK, 51 Sitze) und der Demokratischen Partei Kurdistans (DPK, 49 Sitze) führte. Die DPK kontrollierte in der Folgezeit den Norden der Autonomen Region, die PUK den Süden. Das Verhältnis zwischen den beiden Parteien war angespannt und führte 1994 zu einem kurdischen Bürgerkrieg, in den auch Bagdad sowie der Iran involviert waren. Folge dieses Konflikts war die Schaffung von zwei kurdischen Verwaltungen - eine in Arbil und eine in Sulaimaniyya.

Seit dem Irakkrieg[Bearbeiten]

Aufteilung Kurdistans nach dem Krieg

2003 beteiligten sich die Kurden am Irakkrieg und konnten so ihren Einfluss und damit die Region vergrößern. In der neuen Verfassung des Irak wurde der Status der Region anerkannt und ihr volle Souveränität zugesichert. Der Status und die endgültige Größe der autonomen Region sollten in den nächsten Jahren geklärt werden. Am 30. Januar 2005 fanden neben den Wahlen zur irakischen Nationalversammlung auch Wahlen zum neuen kurdischen Parlament statt, letzteres auch mit dem Ziel, den DPK-PUK-Konflikt zu überwinden und die Verwaltungen in Arbil und Sulaimaniyya zu vereinen.

Am 13. Juni 2005 wurde nach monatelangen Verhandlungen über die Art und die Besetzung des Präsidentenamtes das Parlament in Erbil zusammengerufen und Masud Barzani zum Präsidenten der Region gewählt. Ministerpräsident wurde sein Neffe Nêçîrvan Idrîs Barzanî.

Am 21. Januar 2006 konnten sich die beiden großen Parteien endlich über die Zusammenlegung der beiden von ihnen kontrollierten Verwaltungen einigen. Dabei wurde Masud Barzani als Präsident und sein Neffe Nêçîrvan Barzani als Ministerpräsident bestätigt. Die Ministerposten wurden unter den Parteien aufgeteilt. Zum Kabinett gehören und gehörten ein Minister für die Landesverteidigung und ein Minister für auswärtige Angelegenheiten. Am 7. Mai 2006 trat zum ersten Mal das wiedervereinigte Parlament in Erbil zusammen.

Im August 2006 verkündete Barzani in einem Dekret, dass in der gesamten Region an öffentlichen Gebäuden nur die Flagge der Autonomieregion gehisst werden soll. Seiner Meinung nach repräsentierte die damalige irakische Fahne eine Vergangenheit voller Gewalt, Krieg und Tod für die kurdische Bevölkerung im Irak. Dieses Dekret führte zu einem „Fahnenstreit“, der viele davon überzeugt, dass die kurdische Regierung keine Föderation sondern einen eigenen Staat anstrebt. Doch mit der Zustimmung des irakischen Parlamentes für eine Interimsflagge für den Irak, ließ Barzani verkünden, dass von nun auch zusätzlich zur kurdischen auch die irakische Flagge an allen offiziellen Gebäuden gehisst werden wird. Ein Grund für die Annahme der Interimsflagge war die Tatsache, dass der Gipfel der Arabischen Liga Anfang 2008 in Erbil tagen sollte und daher ein Flaggenstreit vermieden werden sollte.

Türkischer Eingriff 2007[Bearbeiten]

Der Nordirak ist seit dem zweiten Golfkrieg 1991 ein Rückzugsgebiet der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Die Türkei besteht seit Jahren darauf, dass die Verantwortlichen vor Ort die PKK bekämpfen sollen. Die USA und die kurdische Regierung kamen dem nicht nach. Nachdem das türkische Parlament in einer Resolution im Oktober 2007 dem Militär freie Hand gab, wurden PKK-Stellungen im Dezember 2007 mehrmals mit Flugzeugen und Kanonen bombardiert. Dieser Konflikt schadet den Beziehungen zwischen der Türkei und der Regionalregierung und könnte unter Umständen eskalieren.

Unter der gegenwärtigen Regierung von Recep Tayyip Erdoğan wurden einige diplomatische Kontakte geknüpft. So besuchte im Oktober 2009 Ahmet Davutoğlu als erster türkischer Außenminister die Region.

Proteste ab 2011[Bearbeiten]

In Erbil versuchten am 25. Februar 2011 2000 Menschen eine Protestaktion gegen die Regionalregierung durchzuführen. Viele Menschen wurden dabei festgenommen. Mesud Barzani kündigte daraufhin Reformen an.[23] Am 17. Februar 2011 brachen zunächst in Sulaimaniyya Proteste aus, die überwiegend von Jugendlichen getragen wurden. Anlass war eine Brandstiftung im Büro der Partei Gorran in Erbil.[24] Überwiegend junge Leute protestierten gegen die Korruption der beiden herrschenden Parteien, fehlende öffentliche Versorgung und die fehlende freie Berichterstattung der Journalisten. Das Hauptquartier der DPK wurde mit Steinen beworfen, anschließend wurden drei junge Männer von den Sicherheitskräften durch Schüsse getötet. Die Unruhen weiteten sich auf andere Städte aus und hielten über mehrere Wochen an. In Erbil und Dohuk wurden alle Demonstrationen verboten. Insgesamt wurden 10 Demonstranten im Verlauf der Proteste getötet und etwa 500 verwundet.[25]

Irakkrise 2014[Bearbeiten]

Peschmerga bei der Einnahme Kirkuks im Juni 2014

Durch den Vormarsch der Organisation Islamischer Staat und dem Ausbruch der Irakkrise 2014 konnten die Kurden viele der von ihnen beanspruchten Gebiete einnehmen. Dies wurde durch den Rückzug der irakischen Armee möglich. So kam die ölreiche Stadt Kirkuk im Juli 2014 unter kurdische Kontrolle.[10] Der Streit zwischen Erbil und Bagdad über nicht umgesetzte Volkszählungen, Referenden und Probleme mit den Ölverkäufen verschärfte sich dadurch. Masud Barzani gab die Ausarbeitung eines Referendums über die Unabhängigkeit der kurdischen Region in Auftrag.[26] Dadurch erhöhte sich der Druck auf Premierminister Nuri al-Maliki.

Durch ihre jahrelange Kriegserfahrung gelten die Peschmerga im Krieg gegen den IS als zuverlässige Verbündete. Sie kämpfen sowohl im irakischen Teil Kurdistans als auch im syrischen, vor allem in der stark umkämpften Stadt Ain al-Arab.[27] Die Jesiden werfen den Peschmerga jedoch vor, sie bei der Einnahme des Sindschar-Gebirges durch den IS im Stich gelassen und nicht gegen die Terrororganisation gekämpft zu haben.[22]

Mitte Dezember startete die kurdische Armee die bisher größte Bodenoffensive des Nahen Osten gegen den IS. Hierbei wurden nach Angaben Barzanis vor allem die Regionen um das Sindschar-Gebirge befreit, darunter auch Gebiete in der Nähe der für die Religionsminderheit der Jesiden wichtigen Stadt Sindschar (Şengal).[28] Ein Vertreter der Jesiden vor Ort erklärte jedoch, von der Ankunft der Peschmerga noch nichts bemerkt zu haben.[29]

Politik[Bearbeiten]

Die Autonome Region hat weitgehende Rechte. So darf kein Soldat der irakischen Armee ohne Erlaubnis die kurdischen Gebiete betreten. Die Mannschaftsstärke der Streitkräfte der kurdischen Regionalregierung wurde bereits 2007 auf 110.000 Mann beziffert.[30] Sie dürfen auch im übrigen Irak operieren.

Parlament[Bearbeiten]

Ergebnis der Parlamentswahl 2013
Hauptartikel: Parlament Kurdistans

Das Parlament Kurdistans wurde am 19. Mai 1992 zum ersten Mal gewählt. Die Wahlen finden im Vier-Jahres-Turnus statt. Das letzte Mal wurde im Jahre 2013 gewählt. Von den 111 Sitzen sind elf den Minderheiten der Region vorbehalten. Es gibt eine Frauenquote von 30%.[15]

Außenbeziehungen[Bearbeiten]

Die kurdische Regionalregierung bemüht sich unabhängig von der Zentralregierung des Iraks darum, sich alternative Zugänge zum Meer sowie Transport- und Kommunikationswege, zu schaffen.[7] In der autonomen Region gibt es - zusätzlich zu den Botschaften in Bagdad - ausländische Vertretungen in Erbil. Die betreffenden Staaten sind unter anderem die USA, Italien, China, Russland, Frankreich, Großbritannien, Japan, Niederlande, Brasilien, Weißrussland, Türkei, Iran, Tschechien und Südkorea. Deutschland eröffnete am 18. Februar 2009 ein Generalkonsulat. [31]

Beziehung zu Israel[Bearbeiten]

Bis zum Ende der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts lebten an die einhunderttausend kurdische Juden in den Regionen, die heute die Autonome Region ausmachen. Durch die Gründung des Staates Israel und den darauffolgenden Kriegen zwischen arabischen Staaten einerseits und Israel andererseits gab es eine große Massenabwanderung von Juden aus den arabischen Staaten. Die kurdischen Juden ließen jedoch ihre Beziehungen zur alten Heimat nicht abreißen und traten im noch jungen Israel als Fürsprecher der Kurden auf. Dies spiegelte sich auch in der Außenpolitik Israels. Ab spätestens den 1960er Jahren intensivierte Israel seine Kontakte zu den Kurden, einerseits durch die erfolgreiche Lobby-Arbeit der kurdischstämmigen Israelis, andererseits auch aus der Hoffnung heraus, neue Verbündete im Kampf gegen die Araber zu gewinnen. [32]

Nach dem kurdischen Aufstand gegen die Zentralregierung in Bagdad im Jahre 1961, intensivierten sich die Beziehungen zwischen Israel und den irakischen Kurden. Der damalige Anführer des kurdischen Widerstandes, Mustafa Barzani, konnte vom Historiker Îsmet Şerîf Wanlî davon überzeugt werden, Kontakte mit Tel Aviv aufzunehmen. Führende israelische Politiker, wie Schimon Peres oder Levi Eschkol, waren große Befürworter dieser kurdisch-israelischen Beziehungen. Schon zu dieser Zeit entsandten sie israelische Vertreter nach Kurdistan. Weitaus enger wurden die israelisch-kurdischen Beziehungen nach der Machtübernahme durch die Baath-Partei, zu welcher auch Saddam Hussein gehörte, im Irak. Der gemeinsame Feind führte zu einer engeren Kooperation zwischen Kurden und Israelis und führte dazu, dass auch kurdische Vertreter in dieser Zeit vermehrt nach Israel entsandt wurden. Durch massive Waffenlieferungen durch Israel an die Kurden vermutete die arabische Presse, dass sich mehrere tausend israelische Agenten in den kurdischen Regionen des Irak aufhielten. Laut der Historikerin Ofra Bengio jedoch, waren es gerade mal eine Handvoll.

Große Teile der kurdischen Bevölkerung befürworten engere Beziehungen zu Israel, so belegen Umfragen der vergangenen Jahre. Die Tendenz ist steigend. Jedoch befindet sich die kurdische Regierung derzeit in einem Dilemma. Einerseits würde sie gerne engere und offizielle Beziehungen zu Israel aufbauen, andererseits wird sie von den proiranischen Schiiten im Irak des Verrates am Irak bezichtigt. Auch der mächtige Nachbar Iran übt, in dieser Hinsicht, großen Druck auf die Regierung in Erbil aus.

Beziehung zur Türkei[Bearbeiten]

Die Beziehung der irakischen Kurden zur Türkei mit ihrem hohen kurdischen Bevölkerungsanteil war stets ambivalent. Die Türkei befürchtete, dass jeder politische Fortschritt der Kurden im Irak zu weitgehenden politischen Forderungen der Kurden in der Türkei führen würde. Auf der anderen Seite waren die kurdischen Parteien im Irak als Partner zur Bekämpfung der PKK wichtig, da die irakische Regierung seit 1991 faktisch keine Kontrolle im Nordirak besaß.

Gemäß der nationalistischen Politik der damaligen türkischen Regierungen wurden die Kurden in der Türkei bis in die frühen neunziger Jahren schlicht ignoriert und zur Assimilation gedrängt. Als Folge wurde die kurdische Frage stets als „Terrorproblem“ bezeichnet und entsprechend bekämpft. Kurdische Führer wie Barzani und Dschalal Talabani wurden schlicht als Stammesführer tituliert und so politisch klein-geredet. Mit dem zweiten Golfkrieg und der damit verbundenen Massenflucht irakischer Kurden in die Türkei, sah sich die türkische Regierung gezwungen, sich mit der kurdischen Frage auseinanderzusetzen. Die damalige Regierung unter Turgut Özal verlieh Barzani und Talabani Diplomatenpässe, und es fanden erste Besuche der beiden in Ankara statt.

Im offiziellen türkischen Sprachgebrauch wird die autonome Region Kurdistan als „Nordirakische Regionalregierung“ („Kuzey Irak bölgesel yönetimi“) bezeichnet.

Seit 2013 haben sich die diplomatischen Beziehungen zwischen der autonomen Region und der Türkei weitestgehend stabilisiert. Auch die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Region Kurdistan und der Türkei wurden ausgebaut: Viele Waren werden nun aus der Türkei in die Region exportiert. Im Gegenzug wird Erdöl über die im Jahre 2013 gebaute Öl-Pipeline in die Türkei gepumpt.

Im Zuge von Verhandlungen soll in Erbil ein türkisches Generalkonsulat eröffnet werden. Des Weiteren soll zwischen der Türkei und der autonomen Region eine Freihandelszone eingerichtet werden.

Militär und Sicherheitskräfte[Bearbeiten]

Kurdischer Streifenwagen in Sulaimaniyya
Hauptartikel: Peschmerga

Das Rückgrat der Sicherheitskräfte bilden die Peschmerga. Diese wurden vor Jahrzehnten als Milizen- und Guerillatruppe gegründet. Seit 2003 gibt es seitens Bagdads Bestrebungen, sie in die irakische Armee einzugliedern. Sie übernehmen die Aufgabe der Grenzsicherung in der autonomen Region. Ihre Mannstärke beläuft sich auf ca. 190.000[33]. Ihre Ausrüstung stammt vor allem aus Russland, jedoch seit 2003 und seit 2014 und dem Angriff des IS vor allem aus der EU. Vor allem Deutschland, Tschechien und Kroatien beliefern die kurdische Armee derzeit als Hauptlieferanten.

Die Region unterhält mit der Asayesch, der Zaniyar und der Parastin auch einige Nachrichtendienste. Die Asayesh hat zwei Hauptquartiere, eines in Erbil und eines in Sulaimaniyya. Die Zaniyar und die Parastin sind die parteieigenen Nachrichtendienste der PUK und der DPK.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In der Autonomen Region Kurdistan gibt es seit Jahren einen wirtschaftlichen Boom, auch durch die Aussicht auf die Erschließung größerer neuer Ölfelder, was westliche Investitionen und Ölunternehmen anlockt. Kurdistan gilt mit einer westlichen Orientierung bisher auch als politisch stabil. Hinzu kommt ein Zustrom von Kurden aus der Diaspora, die mit westlichen Kenntnissen, Kapital und Ideen für Investitionen zurückkehren. Daher ist eine wachsende Mittelschicht im Entstehen - in deutlichem Gegensatz zum Rest des Irak.[7]

Die Wirtschaft der Autonomen Region operiert in verstärktem Maße losgelöst vom Rest des Irak. Teile Kurdistans waren einst die „Kornkammer des Mittleren Ostens“, es hat fruchtbare Ebenen auf einer weiten, wasserreichen Hochebene, und die Landwirtschaft war eine Hauptstütze der traditionellen Wirtschaft. Sie wurde aber durch die Kriege in der Region empfindlich beeinträchtigt. Seit 2003 erholt sie sich langsam wieder.[7]

Die Region hat eine Wirtschaftswachstumsrate von über 8%.[15] Nach den Worten von Masud Barzani soll aus der Region nach dem Vorbild Dubai eine Freihandelszone entstehen. In der Region sind mehr als 200 türkische Unternehmen tätig. Der Handel mit der Türkei belief sich 2006 auf mehr als 2 Milliarden US-Dollar. Das gegenwärtige Handelsvolumen mit der Türkei inklusive Ölverträge und Bauaufträgen beläuft sich zu Zeit auf 5 Milliarden US-Dollar. Ab Mitte 2007 nahm die Dominanz türkischer Produkte wie Lebensmittel usw. ab. Man findet jetzt vermehrt Waren aus Syrien, Jordanien und Europa. Dies ist wohl darauf zurückzuführen, dass der Handel mit der Türkei in letzter Zeit erschwert wurde. Auch ist eine Abnahme der Anzahl und Bauprojekte türkischer Unternehmen zu erkennen, was wiederum auf die jüngsten Anschläge im Nordirak und dem nachlassenden Geldfluss von der Zentralregierung zurückzuführen ist. Im Jahr 2013 waren 2300 ausländische und 15.000 inländische (kurdische) Unternehmen in Kurdistan tätig.[34]

Erze & Mineralien[Bearbeiten]

Vor allem seit den 2000er Jahren bemühte sich die kurdische Regionalregierung, neben der Öl- und Gaswirtschaft auch andere Wirtschaftszweige aufzubauen, um damit die Abhängigkeit vom Rohöl zu reduzieren. Zu diesen Wirtschaftszweigen gehört auch die Erschließung und Ausbeutung von verschiedenen Erzvorkommen innerhalb der kurdischen Region. Laut dem kurdischen Minister für Bodenschätze Aschti Hewrami sind die politischen und rechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass in naher Zukunft Bodenschätze wie Eisen, Kupfer, Chrom, Gold, Platin und verschiedene weitere Mineralien in großem Ausmaß abgebaut werden können. Es wurden zwei Gesetze für diesen Sektor, ausgefertigt und verabschiedet. Eines legt die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Abbau von metallischen Mineralien fest. Der andere behandelt nicht-metallische Mineralien.[35] Vorgesehen ist, dass die Industrie sich privat, jedoch mit bestimmten Auflagen und Regulierungen, entwickelt.

Öl- und Gasvorkommen[Bearbeiten]

Der Irak besitzt die weltweit drittgrößten Ölvorkommen. Davon liegen in der Autonomem Region Kurdistan schätzungsweise 45 Milliarden Barrel Öl. Damit liegt diese weltweit auf Rang 6. Eines der größten Ölfelder der Welt ist das Kirkuk-Ölfeld. Schätzungen gehen davon aus, dass 1930 etwa 16 Milliarden Barrel Öl im Feld lagerten. Wie Bohrergebnisse aus den Jahren 2007–2009 zeigen, befinden sich in der Region weitere Felder mit mehr als 1 Mrd. Barrel Öl. Die erzielten Testförderraten an den durchgeführten Bohrungen von bis zu 40.000 Barrel pro Tag (bpd) zählen zu den höchsten der Welt.

Diese Ölvorkommen sind auch ein Grund für den jahrelangen Streit zwischen der kurdischen Regionalregierung und der Zentralregierung in Bagdad. Die kurdische Regierung hat seit 2003 mit 24 westlichen Ölgesellschaften (u.a. DNO ASA, Genel Enerji, Heritage Oil, KNOC, MOL, Dana Gas, OMV, Hunt, WesternZagros Resources, Sinopec, Gulf Keystone Petroleum, Vast Exploration, Groundstar Resources, Talisman Energy, Niko Resources) Verträge zur Erforschung und Ausbeutung von Ölfeldern geschlossen.

Anfang Mai 2009 vermeldete Heritage Oil den Fund eines gewaltigen Ölvorkommens. Die 710 m dicke ölführende Schicht enthält zwischen 2,3 und 4,2 Milliarden Barrel Öl.

Kirkuk–Ceyhan Öl-Pipeline

Am 8. Mai 2009 erteilte die Regierung in Bagdad eine Genehmigung zum Export von kurdischen Öl. Ab dem 1. Juni 2009 flossen 60.000 bopd vom Tawke-Feld über Pipelines zum am Mittelmeer gelegenen Ölverladehafen nach Ceyhan in der Türkei. Ende Juni 2009 begann dann auch der Export vom Taq-Taq-Feld mit 40.000 bpd. Im September 2009 stellte die Regionalregierung den Export jedoch wieder ein, da mit Bagdad keine Einigung über die Bezahlung der Exporte erzielt werden konnte. Weder die Regionalregierung noch die Ölförderer erhielten Geld. Nach den irakischen Wahlen Anfang 2010 und der Regierungsbildung Ende 2010 wurden neue Verhandlungen zur Beilegung dieses Konflikts aufgenommen, mit dem Ergebnis, dass am 3. Februar 2011 der Export mit 10.500 bpd aufgenommen wurde. Bereits 3 Tage später sollten 50.000 bpd erreicht werden und eine weitere Erhöhung auf 100.000 bpd folgen.

Der Verkauf erfolgt durch die staatseigene „State Oil Marketing Organization“ (SOMO) in Bagdad. Das Tawke-Feld wird von der DNO entwickelt. Genel Enerji (Türkei) und Sinopec (China) betreiben das Taq-Taq-Feld.[36][37][38]

Am 17. Mai 2009 erwarben die österreichische OMV und die ungarische MOL Anteile an den Gasfeldern Khor Mor und Chemchemal. Ab 2014/15 sollen aus diesem Feldern täglich 3 Milliarden Kubikfuß Gas nach Europa strömen.

Ende 2013 baute die Regionalregierung Kurdistans zusammen mit der Türkei eine eigene Ölpipeline, die einen Export von Erdöl über den Mittelmeerhafen Ceyhan nach Europa und weiteren Staaten ermöglichen soll. Im Mai 2014 begann der Erdölexport.[39]

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Kurdische Arbeiter im Norden der Region

Die häufigsten Erzeugnisse in der Landwirtschaft sind Weizen, Gerste, Tabak, Baumwolle und verschiedene Früchte, wie zum Beispiel Feigen. Der Anteil der Landwirtschaft am BIP der autonomen Region Kurdistan beträgt 17,5%. Vor allem die Regionen Sulaimaniyya und Duhok tragen einen hohen Anteil zur Landwirtschaft bei.[15]

Anteil der Gesamtproduktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse im Irak
E R Z E U G N I S Prozent
Baumwolle
  
30 %
Gerste
  
40 %
Tabak
  
98 %
Früchte
  
50 %

Bewässerung[Bearbeiten]

In Erbil und Sulaimaniyya wird die Wasserversorgung zum größten Teil durch Karezes (Qanat) hergestellt. Diese Art der Bewässerung erfolgt auf neun Ebenen. Allerdings laufen in Erbil sowie in Dohuk derzeit mehrere Bewässerungsprojekte, um in Zukunft Wasser einzusparen.

Tourismus[Bearbeiten]

Die Delal-Brücke in Zaxo stammt aus der römischen Antike und ist ein beliebtes Ausflugsziel

Der Tourismus in der Autonomen Region Kurdistan wird seit einigen Jahren massiv gefördert. Neben zahlreichen Luxushotels und verschiedenen Vergnügungsparks, mit unter anderem dem größten Riesenrad des Nahen Ostens in Sulaimaniyya, sollen Investoren mit Steuererleichterungen und Subventionen in die Region gelockt werden.

Zahlreiche Einkaufspassagen in vergleichsweise gigantischer Größe, wie zum Beispiel die Majidi-Mall[40] oder das City-Center,[41] eröffneten ab dem Jahr 2010 in Erbil und Sulaimaniyya.

Im Jahr 2013 wurden 950 Millionen Dollar in die Tourismus-Branche investiert und eine Milliarde Dollar an Einnahmen erzielt. Bei einer Besucherzahl von 2,2 Millionen Touristen im Jahre 2012 und anvisierten 7 Millionen bis 2025 sollen die sowohl die Investitionen als auch die Einnahmen enorm steigen. Bereits 2014 waren 75% der Hotels in Kurdistan ausgelastet.[15]

Infrastruktur[Bearbeiten]

Strombedarf[Bearbeiten]

Vor allem der massive Energiebedarf macht der Region zu schaffen. Durch den aufkommenden Tourismus und dem Wirtschaftsboom hat sich der Energiebedarf zwischen 2004 und 2012 nahezu verdreifacht. Bis 2016 soll der Energiesektor von Privatunternehmen bedient werden.[15]

Telekommunikation[Bearbeiten]

Der Mobilfunk wird von 90% der Bevölkerung genutzt. Mobilfunk-Anbieter sind Zain Iraq, Asiacell und Korek Telecom. Nur 7-10 % der Bevölkerung haben jedoch derzeit Zugang zum Internet. Von der Regierung wurde daher ein Plan aufgelegt, welcher vorsieht, bis 2018 mindestens 50% der Bevölkerung mit Zugang zum Internet zu versorgen bzw. zumindest jedes Jahr weiteren 5 % der Bevölkerung Internet-Zugänge zu ermöglichen.[15]

Flughäfen[Bearbeiten]

Die Kurdische Autonome Region verfügt über zwei internationale Flughäfen:

Bildung[Bearbeiten]

Statue des auf dem Kopf stehenden Dichters vor der National-Bibliothek in Sulaimaniyya

Die Vorschule kann in der Altersklasse zwischen 4 und 5 Jahren besucht werden. Die Primärausbildung dauert 6 Jahre und ist für 6- bis 11-Jährige obligatorisch. Die Sekundärausbildung besteht aus 2 Zyklen von jeweils 3 Jahren; höhere Ausbildungen dauern 2-6 Jahre pro Zyklus.

Unterrichtssprache ist Kurdisch. Arabisch, obwohl Amtssprache des Irak, wird nur als Fremdsprache gelehrt.[7] Durch die forcierten Bemühungen der irakischen Zentral- und Regionalregierung im Bereich der Bildung soll von 2011 bis 2015 die Analphabetismusrate von 20-25% erheblich gesenkt werden.[42] Der Anteil am Gesamtbudget der Regierung für die Bildung betrug im Jahr 2013 16%.[35]

Neben der allgemeinen Bekämpfung des Analphabetismus ist es das Ziel der Regionalregierung, allen Schülern in ihrem Wirkungsbereich die bestmögliche Bildung zu ermöglichen. Langfristiges Ziel ist die Stärkung der eigenen Wirtschaft und die Erhöhung der Innovationsfähigkeit. Öffentliche Primär- und Sekundarschulen sind darum ebenso wie die staatlichen Universitäten kostenfrei.

Im Jahr 2013 kamen auf einen Professor 62 Studierende. Erklärtes Ziel des Bildungsministeriums ist es, das Verhältnis auf 1 zu 30 zu reduzieren.[34] Bis 2020 sind daher 3,4 Milliarden Dollar von der Regierung für Bildungsprojekte vorgesehen.[15]

Hochschulen[Bearbeiten]

Es gibt insgesamt 15 staatliche und 13 private Hochschulen in der Region.[43]

Die erste Universität, die Universität Sulaimaniya, wurde 1968 in Sulaimaniyya gegründet. 1981 wurde die Universität vom irakischen Regime nach Erbil verlegt und in Salahaddin-Universität umbenannt. Die Ursache lag in dem starken Rückhalt der kurdischen Widerstandsbewegung bei der Bevölkerung von Sulaimaniyya. Die Universität Sulaimaniyyawurde 1992 von der Regionalregierung wieder errichtet. Diese unterhält auch einen Standort in Dschamdschamāl.

Zwei Hochschulen neueren Datums befinden sich in Koya, die Universität Koya, und in Erbil, die Hawler Medical University. 2006 nahm die University of Kurdistan Hewlêr in Erbil ihren Lehrbetrieb auf. Einzige Unterrichtssprache ist Englisch. In Sulaimaniyya eröffnete ebenfalls die englischsprachige Hochschule The American University of Iraq - Sulaimani.

Kultur[Bearbeiten]

Musik[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kurdische Musik

Die kurdische Musik hat ihre Wurzeln in einer epischen Gesangstradition. In dieser werden Geschichtenerzähler (Çîrokbêj), Sänger (Stranbêj) und Barden (Dengbêj) unterschieden. Charakteristisch für die kurdische Musik sind einfache Melodien mit einem Umfang von nur drei oder vier Tönen, strophische Lieder mit derselben Dichtung und Musik am Ende jeder Strophe. Daneben gibt es auch Tanzmusik (Govend), die häufig auf Hochzeiten gespielt wird.

Während der Herrschaft von Saddam Hussein waren kritische Musiktexte gegen das Baath-Regime sowohl privat, als auch öffentlich verboten. Viele Musiker, die sich dieser Unterdrückung widersetzten, wurden mit dem Tod bestraft. Trotzdem entschlossen sich einige kurdische Musiker, darunter Erdewan Zaxoyi und Eyaz Zaxoyi, für die Peschmerga zu musizieren. Die Musikstücke produzierten sie heimlich und provisorisch. Dabei wurde der Gesang, meistens begleitet vom traditionellen Tembûr, auf eine Kompaktkassette aufgenommen. Da der Verkauf von Musik dieser Art verboten war, entwickelte sich ein Schwarzmarkt für die aufgenommenen Kassetten. Einige dieser Musiker verließen wegen der Verfolgung durch das Baath-Regime das Land und veröffentlichten in Ländern wie Iran und Syrien weiterhin kritische Musikstücke und Motivationsgesänge für die Peschmerga-Einheiten.[44]

Neben dem Tembûr werden auch weitere traditionelle Musikinstrumente, wie Bilûr (Flöte), Duduk (Oboe), Dahol (Trommel) und Zurna (Schalmei) oft genutzt. In der Ahl-e Haqq- und alevitischen Religion wird bei Zeremonien häufig die Langhalslaute Tembûr eingesetzt.

Durch die Digitale Revolution änderte sich auch in Kurdistan die Verwendung traditioneller Musikinstrumente. Die moderne, kurdische Popmusik nach der Jahrtausendwende verwendet nun überwiegend elektronische Instrumente, wie zum Beispiel Verstärker und Keyboard, um den Klang und Ton von traditionellen Instrumenten zu imitieren. Vereinzelt findet man heute noch digitalisierte Tembûr auf Hochzeiten und Feiern.

Literatur[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kurdische Literatur

Der größte Teil der kurdischen Erzählungen wurde und wird mündlich überliefert und weitergegeben. Die schriftliche Literatur bestand bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts größtenteils aus Poesie. Aufgrund von politischen und sozialen Entwicklungen wurde der Anteil der Prosa größer. Die kurdische Literatur war im 20. Jahrhundert jahrzehntelang in ihrer Heimat Restriktionen und Verboten ausgesetzt. Mit der Auswanderung nach Europa entwickelten die Kurden hier eine Exilliteratur, die für die Entwicklung in den Heimatländern nicht unbedeutend war.

Bekannte kurdische Schriftsteller sind unter anderem Pîremêrd, Ibrahim Ahmed oder die adelige Mastura Ardalan. Vor allem die kurdische Stadt Sulaymaniyya gilt als das bedeutendste Zentrum der kurdischen Literatur.

Malerei[Bearbeiten]

Vertreter der zeitgenössischen Malerei aus der Region sind u. a. Sardar Kestay und Baldin Ahmad.

Sport[Bearbeiten]

Die am häufigsten betriebene Sportart in der Autonomen Region Kurdistan ist Fußball. Am 11. Januar 2006 wurde der kurdische Fußballverband Kurdistan Football Association mit 24 Mannschaften aus verschiedenen Städten - u.a. Erbil, Sulaimaniyya und Kirkuk - gegründet. Des Weiteren wurde eine kurdische Fußballauswahl aufgestellt, die Mitglied des NF-Board ist. Im Jahr 2008 nahm die Mannschaft am Viva World Cup teil und erreichte den vierten Platz. In den Turnieren von 2009 in Padanien sowie 2010 in Gozo belegte die kurdische Mannschaft je den zweiten Platz. 2012, als der Viva World Cup in Kurdistan stattfand, kamen die Kurden erneut bis ins Finale, wo sie auf die Türkische Republik Nordzypern trafen. Das Spiel endete 2:1 und Kurdistan wurde zum ersten Mal Meister des Viva World Cup.

Der spanische Fußballclub Real Madrid eröffnete im April 2012 mehrere Fußballschulen, sogenannte Akademien.[45]

Feiertage[Bearbeiten]

Fällt ein arbeitsfreier Tag auf einen Freitag oder Samstag, dann wird der folgende Werktag als arbeitsfreier Tag deklariert. [46]

Arbeitsfreie Tage sind:

Festtage sind unter anderem:

  • 18. Februar: Tag der Kurdischen Studenten Union
  • 7. März: Befreiung von Sulaimaniyya
  • 1. April: Assyrisches Neujahr
  • 22. April: Tag der Presse. An diesem Tag 1898 erschien die erste kurdische Zeitung Kurdistan
  • 17. Dezember: Tag der kurdischen National-Flagge[47]

Literatur[Bearbeiten]

  • Brendan O’Leary (Hrsg.): The future of Kurdistan in Iraq. University of Pennsylvania Press, Philadelphia 2005, ISBN 0-8122-3870-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Autonome Region Kurdistan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Kurdistan Region in Brief, Offizielle Webseite der Kurdistan-Regierung
  2. Number of population increased in Kurdistan region. Kurdistan Region Statistics Office, abgerufen am 30. Juli 2014.
  3. http://www.deutschlandfunk.de/erbil-zwischen-fluechtlingselend-und-unabhaengigkeit.799.de.html?dram:article_id=300697
  4. Kurdistan Region Statistics Office. Krso.net, November 2013, abgerufen am 8. Juli 2014.
  5. Human Development Report Office, abgerufen am 27. Dezember 2014
  6. Full Text of Iraqi Constitution. Washingtonpost.com, abgerufen am 6. Mai 2011.
  7. a b c d e Kurdistan zwischen Autonomie und Selbstverantwortung. Abgerufen am 21. Februar 2015.
  8. [1]
  9. [2]
  10. a b Die neuen Herren der Ölfelder. Abgerufen am 21. Februar 2015.
  11. [3]
  12. [4]
  13. „Kurdistan's geography and climate“, Offizielle Webseite der Regierung Kurdistans. Abgerufen am 23. August 2014.
  14. Kurdistan Region is a young society Statistikamt der Region Kurdistan. Abgerufen am 14. September 2014.
  15. a b c d e f g h The Kurdistan Region FACTS & FIGURES 2013 investingroup.org
  16. [5]
  17. A Brief Report of Kurdistan Region
  18. D.N. Mackenzie: Gurāni. Encyclopedia Iranica
  19. The Kurdish language
  20. [6]
  21. "Großteil der Jesiden konnte flüchten" Abgerufen am 23. August 2014.
  22. a b Patrick Franke, Waffen für die Falschen?, Süddeutsche Zeitung, 29. August 2014
  23. Gewalttätige Proteste in Irakisch-Kurdistan. Alsharq, 23. Februar 2004, abgerufen am 6. Mai 2011.
  24. Thomas Schmidinger: Neue Spielräume. Wie die KurdInnen in Irak und Syrien den Arabischen Frühling für sich nutzen, iz3w, Nr. 330, Mai/Juni 2012, PDF
  25. Calender of February 17 (17 Shubat), 2011 Martyrs in the Kurdistan Region, Kurdish News Network, 17. Februar 2014
  26. [7]
  27. [8]
  28. [9]
  29. Peschmerga erobern große Gebiete vom IS zurück, Die Zeit, 19. Dezember 2014
  30. ''Milliyet''. Milliyet.com.tr, 20. Juni 2007, abgerufen am 6. Mai 2011.
  31. Deutsches Generalkonsulat in Arbil/Irak eröffnet
  32. faz-net
  33. [10]
  34. a b Exclusive Interviwew. Abgerufen am 21. Februar 2015.
  35. a b Opportunities Unlimited. Abgerufen am 21. Februar 2015.
  36. UPDATE 1-Iraq starts exporting Kurdish oil - officials. Reuters, abgerufen am 6. Mai 2011.
  37. Kurdistan Regional Government. KRG, 5. Januar 2011, abgerufen am 6. Mai 2011.
  38. GeoExPro_1_2006. 2006, archiviert vom Original am 21. Mai 2009, abgerufen am 6. Mai 2011 (PDF).
  39. [11]
  40. [12]
  41. [13]
  42. [14]
  43. Universities in Kurdistan, Ministry of Higher Education & Scientific Research
  44. Kurdistan Regional Government (kurdisch), Offizielle Seite der Kurdistan-Regierung. Abgerufen am 17. Januar 2015.
  45. Real Madrid eröffnet Sportschulen im Nordirak. dtj-online.de, abgerufen am 17. Februar 2015.
  46. http://cabinet.gov.krd/p/p.aspx?l=12&s=020000&p=212
  47. http://rudaw.net/english/kurdistan/171220143