Deutsch-Sowjetischer Grenz- und Freundschaftsvertrag

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Unterzeichnung des Vertrags durch Ribbentrop. Im Hintergrund Stalin, Molotow und Schaposchnikow, vorn u.a. der Botschafter der Sowjetunion, Alexander Schkwarzew und Gustav Hilger.

Der Deutsch-Sowjetische Grenz- und Freundschaftsvertrag stellt eine Ergänzung des Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes vom 24. August 1939 dar und wurde am 28. September 1939 in Moskau zwischen dem deutschen Außenminister Joachim von Ribbentrop und dessen sowjetischem Amtskollegen Wjatscheslaw Molotow geschlossen.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Der von Adolf Hitler forcierte hastige Abschluss des Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes hatte zu Fehlern im Vertrag geführt, der Korrekturen erforderte. Eile war geboten, da die Sowjetunion am 17. September 1939 mit der Besetzung Ostpolens begonnen hatte und rasch auf die teilweise nicht exakt definierten Demarkationslinien vorrückte. Außerdem sollten einem Wunsch Josef Stalins entsprechend größere Grenzkorrekturen erfolgen.

Vertragsinhalt[Bearbeiten]

Karte vom 28. September 1939 mit den Unterschriften von Stalin und Ribbentrop. Die kleineren Unterschriften Stalins bezeichnen abgestimmte kleinere Veränderungen der Linie.

Diese Vereinbarungen wurden in drei geheimen Zusatzprotokollen zu einem Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag festgelegt. Dabei wurde auch Litauen der sowjetischen Interessensphäre zugeteilt. Im Gegenzug erhielt Deutschland die Woiwodschaft Lublin und Teile der Woiwodschaft Warschau. Dies korrigierte die Tatsache, dass aufgrund der Hast bei den Verhandlungen zum Hitler-Stalin-Pakt der Fluss Pisa bei der Definition der Teilungslinie vergessen worden war („Geheimes Zusatzprotokoll I“ vom 28. September 1939). Die Vertragsparteien verpflichteten sich des Weiteren darauf, in den beiden Teilen des besetzten Polen „keine polnische Agitation [zu] dulden, die auf die Gebiete des anderen Teiles hinüberwirkt“ („Geheimes Zusatzprotokoll II“ vom 28. September 1939). Außerdem wurde vereinbart, dass die deutschen Bevölkerungsgruppen aus der sowjetischen Interessensphäre, „sofern sie den Wunsch haben“, nach Deutschland umgesiedelt werden durften und dass die dafür Beauftragten der Reichsregierung diese Umsiedlung unter Billigung der Sowjetunion mit den „zuständigen örtlichen Behörden“ arrangieren würden. Ohne dass die Bevölkerungsgruppen spezifiziert wurden, bezog sich dies vor allem auf Bessarabiendeutsche, Deutsch-Balten und Bukowinadeutsche. Eine sinngemäße Verpflichtung übernahm die Reichsregierung für die in „ihren Interessengebieten ansässigen Personen ukrainischer oder weißrussischer Abstammung“ („Vertrauliches Protokoll“ vom 28. September 1939).

In der Literatur werden Bestimmungen der Zusatzprotokolle dieses Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrags häufig fälschlich als Bestimmungen des ursprünglichen Hitler-Stalin-Paktes vom 23. August ausgewiesen. Dies gilt insbesondere für die Zuordnung Litauens zur sowjetischen Einflusssphäre und für die vereinbarten Umsiedlungen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Maier, Horst Rohde, Bernd Stegemann, Hans Umbreit: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 2: Die Errichtung der Hegemonie auf dem europäischen Kontinent. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1979, ISBN 3-421-01935-5 (Beiträge zur Militär- und Kriegsgeschichte).
  • A. G. Ploetz (Hrsg.): Geschichte des Zweiten Weltkrieges 1939–1945. 2. erweiterte Auflage, Ploetz, Würzburg 1960.
  • Donal O’Sullivan: Stalins „Cordon sanitaire“. Die sowjetische Osteuropapolitik und die Reaktionen des Westens 1939–1949. Schöningh, Paderborn [u. a.] 2003, ISBN 3-506-70142-8 (zugleich: Eichstätt, Kath. Univ., Habil.-Schr., 2001).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Deutsch-Sowjetischer Grenz- und Freundschaftsvertrag – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien