Die Unberührbare

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Filmdaten
Originaltitel Die Unberührbare
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2000
Länge 110 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Oskar Roehler
Drehbuch Oskar Roehler
Produktion Käte Ehrmann,
Ulrich Caspar
Musik Martin Todsharow
Kamera Hagen Bogdanski
Schnitt Isabel Meier
Besetzung

Die Unberührbare ist der vierte Spielfilm des deutschen Regisseurs Oskar Roehler aus dem Jahr 2000. Roehler verarbeitet darin die Endphase des Lebens seiner Mutter Gisela Elsner.

Handlung[Bearbeiten]

Herbst 1989: Im Fernsehen laufen die Bilder vom Fall der Berliner Mauer, während die Schriftstellerin Hanna Flanders in ihrer Münchner Wohnung mit dem Dramatiker Ronald telefoniert und ihren Selbstmord mit Arsen ankündigt. Beide entschließen sich, noch eine Zigarette zu rauchen und Ronald überzeugt Hanna, die Arsenflasche aus der Hand zu legen.

Hannas Psyche wurde durch die Nachricht vom Fall der Mauer noch mehr erschüttert, als sie es ohnehin schon ist: Hanna ist nikotin- und tablettensüchtig und kann nicht mehr schlafen. Nun fühlt sie auch noch die Last, nicht mehr verlegt zu werden, da die DDR das einzige Land war, in dem ihre Bücher noch gedruckt wurden. Die Utopie, die Gedanken Lenins in der Bundesrepublik durchzusetzen, ist mit dem Fall der Mauer Utopie geblieben. Sie entschließt sich, nach Berlin zu ziehen. Der Umzug kostet einen Großteil ihres Vermögens, einen weiteren Teil ihres Geldes gibt sie für einen Mantel von Dior aus.

Sie besucht in Berlin zunächst ihren Sohn, der jedoch aggressiv reagiert, als Hanna in seiner Wohnung raucht, da er sich seit dem Mauerfall das Rauchen abgewöhnt habe, seine Berlin-Begeisterung nicht teilen kann und ihn auch noch nach Rauschgift fragt. Ihre latente Verachtung seiner schriftstellerischen Arbeit bringt ihn auf und sie geht. Hanna zieht in das Hotel Excelsior und verbringt die Nacht mit einem Prostituierten, unsicher, wie sie sich ihm gegenüber verhalten soll. Am nächsten Tag geht sie zu ihrem Verleger, der halbtrunken mit Freunden feiert und Hanna ankündigt, ihre Werke nun nicht mehr verlegen zu können.

Ihre Möbel sind noch nicht aus München angekommen. Hanna hat kaum Geld mehr und wird von der rührigen Grete in der Autorenwohnung des Verlags außerhalb der Stadt in einem Plattenbaugebiet untergebracht. Die Wohnung ist so heruntergekommen, dass Hanna die Nacht über in eine Bar flieht. Auch dort wird gefeiert und ein betrunkener Lehrer spricht Hanna an. Er habe alle ihre Werke gelesen und einige im Unterricht behandelt. Als er zudringlich wird, weist Hanna ihn ab und wird beschimpft und bedroht. Die Barbesucher helfen ihr.

Hanna flieht und findet am nächsten Morgen tränenüberströmt zu einem Imbisswagen. Eine junge Frau, die am Vorabend in der Bar war, nimmt sie in ihre Familie auf. Zum ersten Mal kann Hanna schlafen und auch ihre schwarze Perücke nimmt sie ab. Als sie erwacht, gesellt sie sich zur Familie, merkt jedoch, dass sie mit ihrer Trauer um den Fall der Mauer nicht auf Verständnis stößt. Nach einem kurzen Telefonat mit Ronald verlässt sie Berlin.

Zunächst führt ihr Weg zu ihren Eltern, die sie um Geld bittet. Die Mutter tritt ihr feindlich gegenüber, der Vater verständnisvoll, kann sich gegen ihre Mutter aber nicht durchsetzen. Mit 500 DM von ihrem Vater geht sie und trifft am Bahnhof auf ihren ersten Mann Bruno, der den gemeinsamen Sohn aus dieser Ehe allein aufgezogen hat. Er überredet sie, mit ihm nach Darmstadt zu fahren und sie übernachtet bei ihm. Es zeigt sich, dass auch er ein tiefes Trauma – den Flammentod einer geliebten Frau – nie verarbeiten konnte und zum Trinker geworden ist. Hanna verlässt ihn nach der einen Nacht und geht nach München. In ihrer alten Wohnung findet sie alles unberührt vor. Die Möbel sind immer noch unterwegs und sie schläft auf ihren Sachen, die sie in einer Reisetasche immer bei sich hatte. Am nächsten Morgen versucht sie, den gekauften Dior-Mantel zurückzugeben, doch wird eine Rücknahme verweigert. Hanna betrinkt sich in einer Bar und bricht schließlich auf offener Straße zusammen.

Sie erwacht in einem Krankenhaus, wo man ihr eröffnet, dass sie einen Nikotinentzug machen müsse, da sie sonst ein Raucherbein bekommen werde, das amputiert werden müsse. Neben einem Nikotinentzug, der jedoch keine Garantie für eine Rettung des Beines ist, muss Hanna eine Entgiftung beginnen, um von den Tabletten loszukommen. Sie erkennt, dass Zigaretten das einzige in ihrem Leben sind, das sie wirklich mag. Auch ein letzter Besuch von Ronald in der Entzugsklinik, der nach Wien zur Inszenierung eines seiner Stücke geht, gibt ihr keinen Trost mehr. Sie raucht auf der Toilette der Klinik heimlich eine letzte Zigarette und stürzt sich anschließend aus dem Fenster.

Kritik[Bearbeiten]

„In schwarz-weißen Bildern, die Ausdruck des psychischen Zustands der Hauptfigur sind, wird die Biografie der Dichterin aufgeblättert. Ohne Rückblenden zu benutzen, macht Regisseur Oskar Roehler, der Sohn von Gisela Elsner, die inneren und äußeren politischen Umstände dieser Vita begreifbar. Der Film, in seiner kritisch-zärtlichen Distanz ein Balanceakt, erweist sich in allen Belangen als künstlerisch eindrucksvoll und erregend. Maßgeblichen Anteil daran hat die überragende Hannelore Elsner in der Titelrolle.“

Lexikon des Internationalen Films[1]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

2001 wurde er als Bester Spielfilm mit dem Deutschen Filmpreis in Gold ausgezeichnet. Im gleichen Jahr erhielt der Film die Goldene Tulpe als bester Film des internationalen Wettbewerbs des International Istanbul Film Festivals. Hannelore Elsner erhielt für ihre Darstellung den Deutschen Filmpreis 2000 und den Bayerischen Filmpreis 2000 als Beste Hauptdarstellerin.

Literatur[Bearbeiten]

  • Cooke, Paul: Whatever Happened to Veronica Voss? Rehabilitating the „68ers“ and the Problem of Westalgie in Oskar Roehler’s Die Unberührbare (2000). In: German Studies Review. Vol. 27, Nr. 1, 2004, S. 33-44.
  • Frey, Mattias: No(ir) Place to Go: Spatial Anxiety and Sartorial Intertextuality in Die Unberührbare. In: Cinema Journal. 45, Nr. 4, 2006, S. 64-80.
  • Leal, Joanne: Time, Transformation and Tradition in Oskar Roehler’s Die Unberührbare. In: German as a foreign language Journal. Issue 1, 2006, S. 76-89. PDF
  • Moltke, Johannes von: Terrains Vagues. Landscapes of Unification in Oskar Roehler’s No Place to Go. In: Fisher, Jaimey; Prager, Brad (Hg.): The Collapse of the Conventional. German Film and Its Politics at the Turn of the Twenty-First Century. Detroit: Wayne State University Press, 2010, S. 157-185.
  • Roehler, Oskar (Hg.): "Die Unberührbare". Das Original-Drehbuch. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2002.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Die Unberührbare im Lexikon des Internationalen Films

Weblinks[Bearbeiten]