Die Zauberflöte (1975)

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Filmdaten
Deutscher Titel Die Zauberflöte
Originaltitel Trollflöjten
Produktionsland Schweden
Originalsprache Schwedisch
Erscheinungsjahr 1975
Länge 135 Minuten
Altersfreigabe FSK 6
Stab
Regie Ingmar Bergman
Drehbuch Ingmar Bergman
Libretto (original): Emanuel Schikaneder
Libretto (schwedisch): Alf Henrikson
Produktion Måns Reuterswärd
Musik Komponist: Wolfgang Amadeus Mozart
Orchester: Sveriges Radios Symfoniorkester
Leitung: Eric Ericson
Kamera Sven Nykvist
Schnitt Siv Lundgren
Besetzung

Die Zauberflöte (Originaltitel: Trollflöjten) ist Ingmar Bergmans viel beachtete Filmversion von Wolfgang Amadeus Mozarts Oper Die Zauberflöte aus dem Jahr 1975. Sie wurde anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Schwedischen Rundfunks in Auftrag gegeben und erstmals am Neujahrstag des Jubiläumsjahres 1975 im schwedischen Fernsehen ausgestrahlt. Später wurde der Film international in den Kinos gezeigt.[1]

Hintergrund[Bearbeiten]

Produktion[Bearbeiten]

Die Produktionskosten betrugen zwischen 2,5 und 4 Millionen Schwedische Kronen (entsprach 1974 etwa 1,5 bis 2,5 Millionen Deutsche Mark), womit Die Zauberflöte die bis dahin teuerste schwedische Fernsehproduktion war.[2]

Laut Filmhistoriker Peter Cowie wollte Bergman die Aufführung aus dem Jahr 1791 im Theater auf der Wieden in Wien möglichst originalgetreu wiederaufleben lassen. Er hoffte, den Film im historischen Drottningholmer Schlosstheater, einem der wenigen weltweit noch existierenden Barocktheater, drehen zu können. Die Bühne wurde jedoch als „zu fragil“ für die Unterbringung eines Filmstabes bewertet. Während einige Außenaufnahmen in Drottningholm entstanden, wurde die Bühne unter der Leitung von Henny Noremark bis ins Detail, komplett mit den Seitenbühnen, Vorhängen und Windmaschinen, in den Studios des Schwedischen Filminstituts nachgebaut.[3][2]

Der Ton wurde nicht synchron zum Film aufgenommen, stattdessen wurden Musik und Gesangsstücke vorher aufgezeichnet und während der Dreharbeiten von den Darstellern lippensynchron nachgesungen.[3]

Filmstart[Bearbeiten]

Die Zauberflöte lief am 1. Januar 1975 im schwedischen Fernsehen, startete am 10. Oktober desselben Jahres in den schwedischen Kinos und am 16. September 1976 in der BRD.[4][2][5]

Analyse[Bearbeiten]

Anpassungen der Vorlage[Bearbeiten]

Bergman führte einige wesentliche Veränderungen im Ablauf ein: In dieser von der Freimaurer-Symbolik und des Isis- und Osirismythos befreiten Version ist Sarastro der Vater von Pamina. Dieser hält seine Tochter (aus moralisch und juristisch untadeligen Gründen) in seiner Obhut.

Auch stellen sich die drei Knaben selbst vor, und werden nicht von den drei Damen ins Geschehen eingeführt, so dass es in Bergmans Fassung vom ersten Augenblick an offensichtlich ist, dass die drei Knaben nicht im Dienst der Königin stehen.

Die Oper ist, statt auf deutsch wie im Original, komplett auf schwedisch gesungen und gesprochen.

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Theatralische Stilmittel[Bearbeiten]

Bergman erinnert den Zuschauer ständig daran, dass er sich in einer Theateraufführung befindet. Als die Ouvertüre beginnt, füllt die Nahaufnahme eines jungen Mädchens das Bild. In Folge werden eine Vielzahl von Gesichtern aus dem Theaterpublikum, von Menschen von verschiedenster Herkunft und Alters und beiderlei Geschlecht gezeigt. Das junge Mädchen aus der Ouvertüre erscheint im Verlauf des Films immer wieder in Zwischenszenen und reagiert auf die Darbietung mit einem Mienenspiel, das den sich wandelnden Stimmungen der Handlung und der Musik folgt.

Beim Wechsel der Szenen offenbaren sich die Mechanismen des Theaters: Beim Erscheinen der Königin der Nacht wechselt auch der Tag zur Nacht und der Zuschauer kann aus dem Blickwinkel des Theaterpublikums die Veränderungen des Bühnenhintergrunds mitverfolgen.

Ebenso, als Papagena und Papageno sich in einer Winterlandschaft freudestrahlend begegnen, wechselt beim Klang des Glockenspiels theatralisch die Szenerie vom Winter zum Sommer während die beiden Darsteller sich gegenseitig Teile ihrer Winterkleidung abstreifen.

Weiterhin werden in der Pause und in Zwischenszenen während der Aufführung auch Einblicke in das Geschehen hinter der Bühne gewährt. Während zum Beispiel Tamino die Flöte spielt, zeigt die Kamera mit einem kurzen Blick zur Seitenbühne Pamina und Papagena, obwohl sie sich im Verlauf der Handlung noch gar nicht begegnet sind.

In der Pause versammeln sich Sarastros Leute zum Geplauder auf der Bühne und Sarastro selbst sitzt und liest eine „Parsifal“-Partitur während die Kamera zu einem von Monostatos Kumpanen (ein Junge mit dunklem Make-up und im Narrenkostüm) schwenkt, der gerade ein Comic-Heft liest.

Pamina und Tamino spielen Schach im Umkleideraum und die Königin der Nacht raucht eine Zigarette direkt vor einem Schild „Rauchen polizeilich verboten!“.

Schließlich, als sich der Vorhang zum 2. Akt hebt, schaut der Junge von vorhin durch ein Guckloch im Vorhang, gefolgt von Sarastro, der es ihm an einer anderen Stelle im Vorhang nachmacht.

Filmische Stilmittel[Bearbeiten]

Im Gegensatz zur Betonung des Theaters als Aufführungsort werden auch cineastische Methoden der Inszenierung genutzt.

Einerseits fährt die Kamera häufig in Nahaufnahmen bis an die Gesichter und das Mienenspiel der Darsteller heran. Andererseits wird auch die Möglichkeit des Kinos genutzt, Raum und Zeit zu manipulieren.

Etwa in der Szene unmittelbar vor Papagenos erstem Auftritt in der Garderobe des Sängers. Hier springt er, offensichtlich überrascht von seinem jetzt bevorstehenden Einsatz, plötzlich auf und rennt in Richtung Seitenbühne, spielt dort wie beiläufig den gerade auszuführenden Akkord auf seiner Pfeife, wird von einer noch in Verkleidung befindlichen Bühnenarbeiterin hastig beim Umschnallen seines Vogelkäfigs unterstützt und betritt schließlich die Bühne, auf der er auf Tamino treffen wird.

In einer anderen Szene, als Tamino auf das Medaillon mit Paminas Bild schaut, wird diese darin lebendig, wobei ein mit finsterer Miene über ihre Schulter hervorlugender Monostatos noch kommende Probleme vorausahnen lässt.

Sehr filmisch auch mit ihren Wechseln der Kameraperspektive ist die auf realitätsnahe Darstellung bedachte Szenerie im Schnee mit Pamina und den drei Knaben, die fast wie eine Außenaufnahme wirkt.

Auch in der Schlussszene des Films stehen Theater und Kino gleich bedeutend nebeneinander: Die Aktionen gehen nahtlos ineinander über, als sich die Kamera zurückbewegt und zuerst Pamina und Tamino sich umarmend zeigt, dann den Weg freimacht für eine herabschwebende teiltransparente Kulisse. Die sich weiter von den Bühnenaktivitäten entfernende Kamera zeigt nun Papageno und Papagena sich umarmend und küssend. Das Paar wird von einer Gruppe kleiner Kinder umkreist (offensichtlich die kleinen, unmittelbar vorher besungenen Papagenas und Papagenos), während die Kamera sich weiter zurückzieht und den Zuschauerraum bereits erahnen lässt, um dann endgültig zum fallenden Theatervorhang überzublenden und im Applaus des Publikums zu enden.

Position in Bergmans Werk[Bearbeiten]

Bereits 1968 verwendete Bergman einen Auszug („O ew’ge Nacht!“, 1. Akt, 15. Auftritt) aus der Zauberflöte in einem seiner Filme, dem Drama Die Stunde des Wolfs. Weitere Werke, in denen Bergman auf Kompositionen von Mozart zurückgriff, waren Durst (1949), An die Freude (1950), Das Lächeln einer Sommernacht (1955) und Von Angesicht zu Angesicht (1976).

Kritiken[Bearbeiten]

„Mozarts komödiantisches Schauspiel vom Kampf der Mächte des Lichts und der Finsternis, von himmlischer und irdischer Liebe in einer kongenialen Filmfassung von Ingmar Bergman. Obwohl als TV-Produktion konzipiert, kommt die auf große Wirkung angelegte Gestaltung erst im Kino voll zur Geltung. Bergman hat sich nicht damit begnügt, eine Bühnenaufführung abzufilmen, sondern benutzt die Kamera als schöpferisches Mittel und Mitspieler im Geschehen; die Geschichte, in der sich Naives und Mythisches mischen, wurde auf ein menschliches Maß reduziert und fürs heutige Publikum begreifbar gemacht. Viele Motive aus Bergmans früherem Werk klingen an (die grüblerische Suche nach der wahren Kommunikation zwischen Gott und Mensch, Mann und Frau), hier allerdings ins Optimistische und Helle gewendet dank Güte, Toleranz, Weisheit und Liebe, die über Vereinsamung und Haß triumphieren. Ein optischer und musikalischer Genuß von seltener Ausgewogenheit und Schönheit.“

Lexikon des Internationalen Films[5]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Außerdem war Die Zauberflöte 1976 sowohl für den César als auch den Golden Globe Award in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ nominiert. Auch bei der Oscarverleihung 1976 wurde er in der Kategorie Bestes Kostümdesign nominiert, konnte sich jedoch nicht gegen Barry Lyndon durchsetzen.

DVD-Veröffentlichung[Bearbeiten]

Die Zauberflöte ist als US-amerikanische DVD aus dem Jahr 2000 erhältlich, die deutsche Veröffentlichung von Kinowelt/Arthaus (2008) ist derzeit vergriffen.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hauke Lange-Fuchs: Ingmar Bergman: Seine Filme – sein Leben, Heyne, München 1988, ISBN 3-453-02622-5, S. 222–225 u. 299–301.
  2. a b c Die Zauberflöte auf der Seite der Ingmar-Bergman-Stiftung, abgerufen am 22. Juli 2012.
  3. a b Peter Cowie: The Magic Flute, Essay in der DVD-Veröffentlichung der Criterion Collection aus dem Jahre 2000, abgerufen am 10. Oktober 2012.
  4. Ingmar Bergman: Bilder, Kiepenheuer und Witsch, Köln 1991, ISBN 3-462-02133-8, S. S. 372.
  5. a b Die Zauberflöte im Lexikon des Internationalen Films.
  6. Auszeichnungen 1975 der British Academy of Film and Television Arts, abgerufen am 24. Juli 2012.