Dornheim (Thüringen)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Dornheim
Dornheim (Thüringen)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Dornheim hervorgehoben
50.83510.994166666667290Koordinaten: 50° 50′ N, 11° 0′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Ilm-Kreis
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Riechheimer Berg
Höhe: 290 m ü. NHN
Fläche: 7,87 km²
Einwohner: 570 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 72 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99310
Vorwahl: 03628
Kfz-Kennzeichen: IK, ARN, IL
Gemeindeschlüssel: 16 0 70 008
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Längwitz 71
99310 Dornheim
Webpräsenz: vg-riechheimer-berg.de
Bürgermeister: Burkhard Walther (FFW Dornheim e. V.)
Lage der Gemeinde Dornheim im Ilm-Kreis
Alkersleben Altenfeld Angelroda Arnstadt Böhlen Bösleben-Wüllersleben Dornheim Elgersburg Elleben Elxleben Frankenhain Frauenwald Friedersdorf Gehlberg Gehren Geraberg Geschwenda Gillersdorf Gossel Gräfenroda Großbreitenbach Herschdorf Amt Wachsenburg Ilmenau Ilmtal Kirchheim Langewiesen Liebenstein Martinroda Gehren Neusiß Neustadt am Rennsteig Osthausen-Wülfershausen Pennewitz Plaue Rockhausen Schmiedefeld am Rennsteig Stadtilm Stützerbach Amt Wachsenburg Wildenspring Wipfratal Witzleben Wolfsberg Thüringen Landkreis Schmalkalden-Meiningen Suhl Landkreis Hildburghausen Landkreis Sonneberg Landkreis Saalfeld-Rudolstadt Landkreis Weimarer Land Erfurt Landkreis GothaKarte
Über dieses Bild

Dornheim ist eine Gemeinde im Ilm-Kreis in Thüringen in Deutschland.

Geografie[Bearbeiten]

Dornheim liegt etwa 4 km östlich von Arnstadt am Wolfsbach. Die Gemeinde gehört der Verwaltungsgemeinschaft Riechheimer Berg an. Der Verwaltungssitz ist in der Gemeinde Kirchheim.

Die Dornheimer Flur liegt am Südrand des Thüringer Beckens und grenzt im Westen an den Stadtrand von Arnstadt. Im Süden sind Anhöhen der Thüringer Waldes begrenzend. Östlich des Ortes verläuft die die Gemarkung teilende Bundesautobahn 71. Die Landesstraße 1046 verbindet den Ort mit Arnstadt und den östlich von Dornheim liegenden Dörfern.

Die schweren Böden des Thüringer Beckens haben eine hohe Bodenfruchtbarkeit.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Dornheim grenzt, im Uhrzeigersinn von Norden beginnend, an Arnstadt, Alkersleben und Wipfratal

Geschichte[Bearbeiten]

Archäologische Spuren einer menschlichen Besiedlung in der Dornheimer Flur gehen auf die Jungsteinzeit zurück. Viele Funde weisen auf eine aktive frühe Besiedlung im Dornheimer Umland nach.[2] Nördlich des Wolfsbaches befand sich bis etwa zum 13. Jahrhundert die Siedlung Wenigen-Dornheim.

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 815 in einer Besitzurkunde des Klosters Hersfeld. Der schwarzburgische Amtmann Christoph von Entzenberg erwarb 1553 ein Lehen und erbaute ein Rittergut. Sein Sohn Melchior ließ 1587 das „Gelbe Haus“ (auch Dornheimer Schloss oder Wasserschloss genannt) mit Wassergraben und Zugbrücke ausführen. Mitte des 18. Jahrhunderts erwarb Friedrich Gotthardt Bertuch den Besitz. Die Tochter Bertuchs heiratete den Arnstädter Unternehmer Christian Gottfried Schierholz (1787–1851), der eine Käserei, Spirituosenbrennerei und Essigfabrik im Rittergut einrichtete. 1820 übernahm er die Porzellanmanufaktur in Plaue und verlegte deren Produktion auch teilweise nach Dornheim. 18 Jahre lang wurde Schierholzsches Porzellan in Dornheim bemalt, gebrannt und von hier versandt. Durch erneute Heirat ging das Gut mit Schloss 1906 an die Familie von Witzleben.

Dornheim war 1682–1690 von Hexenverfolgung betroffen. Zwei Kinder, ein Schuljunge und ein 14-Jähriger, gerieten unter dem Vorwurf des Läusemachens und Mäusemachens in Hexenprozesse.[3]

Am 17. Oktober 1707 heiratete Johann Sebastian Bach in der Dorfkirche seine Cousine (2. Grades) Maria Barbara Bach. Zwischen 1733 und 1770 wirkte der bekannte Geograph und Universalgelehrte Johann Gottfried Gregorii alias Melissantes als lutherischer Pfarrer in Dornheim. Er trug erheblich zur Instandhaltung der Kirche bei. So ließ er zum Beispiel 1734 zwei kleine Glocken durch den Glockengießer Nicolaus Jonas Sorber aus Erfurt gießen. In Dornheim schrieb er sein Gemüths vergnügendes Hand-Buch für Bürger und Bauern (1744) mit zahlreichen Beschreibungen historischer Berufe (Organist, Orgelbauer, Glockengießer, Perückenmacher).[4]

Im August 1813 entführte ein preußisches Freikorps 200 französische Trainpferde aus Dornheim. Der Landkammerrat Schierholz konnte verhindern, dass die Franzosen, die Dornheim bereits umstellt hatten, in einem Racheakt das Dorf abbrannten.

Am 26. Oktober 1813, nach der Völkerschlacht bei Leipzig, trafen sich in Dornheim – unter der lange erhaltenen „Drei-Monarchen-Linde“ – die gegen Napoleon verbündeten Herrscher, der russische Zar Alexander I., der österreichische Kaiser Franz II. und der preußische König Friedrich Wilhelm III., um ihre Kampfhandlungen abzustimmen (Drei-Monarchen-Treffen). Der österreichische Kaiser übernachtete im Dornheimer Rittergut, der Zar im Arnstädter Schloss. Eine Teilnahme des preußischen Königs an dem Treffen ist nach neuesten Forschungen von Jürgen Frey/Dornheim (2013) jedoch sehr unwahrscheinlich geworden.[5] Das österreichische Heer lagerte zwischen Dornheim und Arnstadt, russische Garde biwakierte zwischen Dornheim und Kirchheim.

1923 war Carl Wilke Pächter der Domäne Dornheim mit dem Vorwerk Käfernburg, mit einer Betriebsfläche von 317 Hektar.[6] Ab 1936 bewirtschaftete Dr. Alfred Adalbert von Witzleben-Wurmb das Rittergut Dornheim, wie auch das Rittergut in Angelroda.

1944/45 stürzten mehrmals deutsche Jagdflugzeuge in Dorfnähe ab. Auch eine amerikanische "Fliegende Festung" wurde bei Dornheim abgeschossen. Die fünf Besatzungsmitglieder konnten sich mit Fallschirmen retten, sie landeten in der Nähe des Drei-Monarchen-Denkmals.

Das Dorf, das Schloss und das Inspektor-Haus nahmen ab Anfang 1945 eine große Anzahl von Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten auf.

Bevor Dornheim im April 1945 von US-Truppen besetzt wurde, lag es unter deren Artillerie-Beschuss. Anfang Juli 1945 übernahm Rote Armee die Besetzung von Dornheim, wie von ganz Thüringen. Damit wurde es Bestandteil der sowjetischen Besatzungszone und ab 1949 der DDR.

Alfred von Witzleben wurde am 25. Juli 1945 von der Sowjetischen Militäradministration verhaftet und kam im Dezember 1945 in einem sowjetischen Offizierslager um. Seine Frau Clementine und die drei Kinder wurden von den sowjetischen Behörden im Oktober aus Dornheim ausgewiesen, sie konnten später nach Westdeutschland flüchten.[7]

Eine aus dem Osten geflüchtete und von den Witzlebens aufgenommene Familie von Götz hat sich, einschließlich ihrer drei Kinder, am 23. August 1945 das Leben genommen - aus Furcht vor erneuter Verhaftung des Familienoberhaupts Georg Jürgen von Götz durch das sowjetische NKWD.[8][9]

Das schöne und völlig intakte Schloss wurde geplündert und war 1947 schon stark verwüstet. Die Museumsverwaltung Arnstadt konnte nur noch wenig Inventar retten. Anfang 1948 erfolgte der völlige Abbruch des Schlosses. Auch von den Wirtschaftsgebäuden des ansehnlichen Ritterguts ist wenig erhalten. Ein Rest des Wassergrabens um das Schloss existiert noch.

Die Güter wurden entschädigungslos enteignet und an umgesiedelte und landarme Bauern übereignet. In den 1950er Jahren folgte die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Nach wie vor prägt die Landwirtschaft Dornheim. Unmittelbar südlich des Ortes befindet sich ein Standort der Thüringer Fleisch- & Wurstspezialitäten Rainer Wagner GmbH. Der Garten- und Obstbau führt seine Tradition fort. Andere Industrie- und Handwerkszweige haben sich angesiedelt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirche von Dornheim
Kirche im Modell des Neideckvereins Arnstadt
  • Die Dorfkirche St. Bartholomäi, in der Johann Sebastian Bach 1707 seine Cousine Maria Barbara Bach heiratete, ist Hauptsehenswürdigkeit des Ortes. Auf dem Friedhof neben der Kirche befinden sich Grabmale der Familien Schierholz, von Witzleben und von Götz.
  • Das Drei-Monarchen-Denkmal (gegenüber dem Gelände des abgerissenen Ritterguts) erinnert an das Treffen von russischem Zaren, österreichischem Kaiser und preußischem König am 26. Oktober 1813 in Dornheim. Das Denkmal wurde 1863 errichtet, 1913 erweitert und verfiel ab 1945. 1991 wurde es von Bürgern des Ortes vorbildlich wieder instand gesetzt, auch eine Linde neu gepflanzt. Nach Recherchen von Jürgen Frey im Jahre 2013 kann der preußische König bei dem Treffen aber nicht anwesend gewesen sein.[10]
  • Eine große Schautafel am Rande des ehemaligen Gutsbezirks stellt das Schicksal von Schloss, Rittergut und dortigen Familien dar.
  • Denkmal für den polnischen Zwangsarbeiter Antonin Junkiewicz, der 1942 ums Leben kam und auf dem Friedhof begraben ist
  • Historische Grabdenkmale auf dem Friedhof

Bilder[Bearbeiten]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Rat der Gemeinde Dornheim besteht aus 8 Ratsfrauen und Ratsherren.

(Stand: Kommunalwahl am 7. Juni 2009)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der ehrenamtliche Bürgermeister Burkhard Walther wurde am 27. Juni 2004 gewählt.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau ein silberner Balken, dieser belegt mit Notenlinien, einem Violinschlüssel sowie den Noten b-a-c-h; oben zwei und unten eine goldene Königskrone.“

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Johannes Jäger, latinisiert Crotus Rubeanus, 1480 in Dornheim geboren, während seines Studiums in Erfurt befreundet mit Luther und von Hutten, gehörte zum Erfurter Humanisten-Kreis, war Mitverfasser der Dunkelmännerbriefe und wurde 1520 Rektor der Erfurter Universität.
  • Johann Sebastian Bach (* 21. März 1685 in Eisenach; † 28. Juli 1750 in Leipzig), deutscher Komponist, heiratete am 17. Oktober 1707 in Dornheim in der Kirche "St. Bartholomäus" Maria Barbara Bach, seine Cousine 2. Grades
  • Johann Gottfried Gregorii alias MELISSANTES (* 17. Februar 1685 in Toba; † 4. August 1770 in Dornheim), Geograph, Kartographietheoretiker, Genealoge, Historiker, Journalist, Hymnologe und Volksaufklärer
  • Christian Gottfried Schierholz (1787-1851), Besitzer des Ritterguts Dornheim und Unternehmer
  • Reinhold Bärwinkel (1834 bis 1898), Landtagspräsident von Schwarzburg-Sondershausen, wuchs in Dornheim auf
  • Fritz Krieger (1841-1896), Jurist und Reichstagsabgeordneter

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Bienert: Das ehemalige Rittergut Dornheim im Ilmkreis. In: Das Schicksal geschundener und verschwundener Adelssitze, Thüringer Allgemeine, 2006

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. H. E. Müllerott: Bonifatius und die Wiege der Grafen von Käfernburg-Schwarzburg im Mittleren Thüringer Wald – Ur- und Frühgeschichtliche Funde aus der Gemarkung Dornheim. Arnstadt 1994, S. 71-75.
  3. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 255.
  4. Carsten Berndt: Melissantes: ein Thüringer Polyhistor und seine Berufsbeschreibungen im 18. Jahrhundert ; Leben und Wirken des Johann Gottfried Gregorii (1685–1770) als Beitrag zur Geschichte von Geographie, Kartographie, Genealogie, Psychologie, Pädagogik und Berufskunde in Deutschland; [ein Thüringer Geograph und Universalgelehrter (1685–1770)] , Rockstuhl, 2. Auflage Bad Langensalza 2014, ISBN 978-3-86777-166-5. S. 189-207
  5. Jürgen Frey:Was sich in Dornheim und Umgebung im Oktober 1813 ereignete. Dornheimer Heimatblätter, 12. Jahrgang, 09/2013, S. 2 - 11
  6. Jürgen Gruhle: Schwarzbuch der Bodenreform/Thüringen. Abgerufen am 20. Juni 2011 (Version vom 7. Juli 2010 im Internet Archive)
  7. Conrad von Witzleben-Wurmb: Ein alter Dornheimer erinnert sich. Dornheimer Heimatblätter, 10. Jahrgang, 10/2011, S. 13-15
  8. Grabmal auf dem Kirchhof: „Durch Kriegswirren am 24. August 1945 freiwillig aus dem Leben geschieden“
  9. Dornheimer Geschichte und Geschichten. Hrsg. "Freundeskreis zur Erhaltung der Traukirche von J. S. Bach in Dornheim e.V.". Dornheim 2001, Barthel-Druck Arnstadt. S. 81
  10. Jürgen Frey: Was sich in Dornheim und Umgebung im Oktober 1813 ereignete. Dornheimer Heimatblätter, 12. Jahrgang, 09/2013, S. 2-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dornheim (Thüringen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien