Eduard Steuermann

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Eduard Steuermann gibt 1957 in Darmstadt ein Klavierseminar

Edward (früher Eduard) Steuermann (* 18. Juni 1892 in Sambor, Galizien, Österreich-Ungarn heute Sambir, Ukraine; † 11. November 1964 in New York) war ein österreichisch-US-amerikanischer Komponist und Pianist.

Leben[Bearbeiten]

Steuermann stammte aus einer galizisch-jüdischen Familie. Sein Geburtsort Sambor war ein Teil der k.u.k Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Steuermann hatte drei Geschwister, darunter die Schauspielerin und Drehbuchschreiberin Salomea Steuermann (Salka Viertel) sowie der polnische Fußballnationalspieler Zygmunt Steuermann.[1]

Steuermann studierte Klavier bei dem Tschechen Vilém Kurz, später ab 1910 in Basel bei Ferruccio Busoni sowie 1912–14 auf Empfehlung von Engelbert Humperdinck in Berlin Komposition bei Arnold Schönberg. Nach seinem Debüt in Polen als Elfjähriger begann er eine ausgedehnte Konzerttätigkeit, die ihn von Europa nach USA und Israel führte; er spielte u. a. unter Fritz Busch, Otto Klemperer, Anton Webern und Hermann Scherchen. Seit 1919 war er der maßgebliche Pianist des Schönberg-Kreises; mehrere Klavierkompositionen Schönbergs wurden von ihm uraufgeführt, zum Beispiel Pierrot Lunaire.

1938 emigrierte er nach Los Angeles, wo bereits seine ältere Schwester Salka lebte.[2] 1944 spielte er als Erster das Klavierkonzert von Schönberg mit dem NBC Orchester unter Leopold Stokowski. 1948–1964 lehrte er sowohl an der Juilliard School, seit 1952 als Professor, in New York als auch am Philadelphia Conservatory of Music. Auch gab er regelmäßig Meisterkurse in mehreren europäischen Ländern. So lehrte er 1957 anlässlich der Internationalen Ferienkurse für Neue Musik in Darmstadt. Zu seinen Schülern gehörten Alfred Brendel, Lili Kraus, Georg Knepler, Theodor W. Adorno, Charlotte Eisler und Andor Losonczy.[3]

Im Jahre 1949 heiratete er Clara Steuermann. 1964 verstarb er an Leukämie. Die Dokumente aus seinem Nachlass sowie die seiner Frau wurden der Library of Congress zur Archivierung übergeben.

Während mit dem Begriff der Zweiten Wiener Schule im Allgemeinen neben Schönberg dessen Schüler Alban Berg und Anton Webern verbunden werden, kennt man Eduard Steuermann zwar als einen genialen Pianisten, als Komponist ist er jedoch nahezu unbekannt geblieben. Theodor W. Adorno, der mit Steuermann befreundet war, hat 1924 bei ihm ebenfalls studiert. Steuermann galt Adorno als "einer der originellsten und merkwürdigsten Komponisten der Gegenwart, alles eher als das, was man sich unter einem auch-komponierenden Pianisten vorstellt, beste und strengste Schönberg-Schule, dabei von einem durchaus eigenen […] Ton", dessen "Musik in ihrer dunklen und oft rätselhaften Verschlungenheit, auch einem sehr tiefliegenden und keineswegs etwa folkloristisch dingfest zu machenden jüdischen Element […] etwas genuin Kafkasches" habe.

Werke[Bearbeiten]

Unter Steuermanns Kompositionen, die bis heute noch weitgehend ungedruckt sind, befinden sich zahlreiche Klavierstücke, darunter die 1924 entstandene, 1954 revidierte Sonate, um deren Neuentdeckung sich Maria Luisa Lopez-Vito mit zahlreichen Aufführungen verdient machte; Kammermusik für verschiedene Besetzungen, Orchester-Variationen und eine Orchestersuite sowie viele Lieder, u. a. auf Texte von Kafka, Hofmannsthal und Brecht. Er fertigte außerdem Klavierauszüge der Kompositionen Erwartung und Die glückliche Hand von Schönberg an und transkribierte seine Kammersymphonie Nr. 1 für Klavier. – Für die Brahms-Ausgabe der Universal Edition gab Steuermann mehrere Bände heraus.

Schriften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Theodor W. Adorno: Gesammelte Schriften. Bd 17, 18. Suhrkamp, Frankfurt 2003, ISBN 3-518-06511-4, S. 311ff., 195ff.
    (nach Steuermanns Tod (1964) und Eduard Steuermanns Brahms-Ausgabe (1932))
  • Die Komponisten Eduard Steuermann und Theodor W. Adorno. Aus ihrem Briefwechsel. In: Adorno-Noten. Hrsg. von Rolf Tiedemann. Galerie Wewerka-Edition, Berlin 1984, ISBN 3-924306-14-1, S. 40ff.
  • Elliott Carter: Edward Steuermann. In: The Musical Quarterly. Cary NC 52. 1966, ISSN 0027-4631, S. 93ff.
  • René Leibowitz: Il silenzio di Eduard Steuermann. In: L’Approdo Musicale Torino 19/20, 1965, S. 229 ff.

CD[Bearbeiten]

  • Kolja Lessing und Herbert Henck: Hommage à Eduard Steuermann, Tacet C 186 (2 CDs, 1957/2009)
  • Ravinia Trio: Trio für Klavier, Violine und Violoncello (1954), Verklärte Nacht (Transkription für Klaviertrio von Eduard Steuermann; Komposition von Arnold Schönberg), Divox 1992.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Edward Steuermann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Salka Viertel: Unbelehrbares Herz. Erinnerungen an ein Leben mit Künstlern im 20. Jahrhundert. Frankfurt a.M. 2010, S.104.
  2. Salka Viertel, a.a.O., S.211.
  3. Der Spiegel, 30. Juli 2012, S. 135.