Österreichische Musikzeitschrift

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Österreichische MUSIKZEITschrift
Beschreibung Musikzeitschrift
Verlag Böhlau (Wien)
Erstausgabe 7. Jänner 1946
Erscheinungsweise zweimonatlich
Verkaufte Auflage ca. 2.000, plus Sonderkontingente Exemplare
Herausgeber Daniel Brandenburg, Daniel Ender, Frieder Reininghaus
Weblink oemz.at
ISSN 0029-9316

Die Österreichische Musikzeitschrift (ÖMZ) ist eine in Wien erscheinende Monatszeitschrift. Gegründet wurde sie 1945 von dem österreichischen Kulturpolitiker und Musikkritiker Peter Lafite; bis Ende 2010 (65. Jahrgang) wurde sie herausgegeben von Marion Diederichs-Lafite mit insgesamt 745 Heften. Seit 2011 kam sie in neuer Herausgeberschaft zum Böhlau-Verlag Wien.

Geschichte[Bearbeiten]

Österreichische MUSIKZEITschrift, 1948

1946 begann Peter Lafite in der Zeit des Nachkriegsaufbaus zunächst durch die Signatarmächte mit Dimitri SchostakowitschBenjamin BrittenClaude Debussy, Maurice RavelArthur Honegger wie Erich Wolfgang Korngold; in der Musik des 20. Jahrhunderts setzte er sich ein für die „Wiener Schule“, für Igor Strawinsky, Werner Egk, Carl Orff, Paul Hindemith und kooperierte mit Joseph Marx, Marcel Rubin, Friedrich Wildgans und Josef Matthias Hauer. Mitarbeiter Friedrich Saathen, der zu Gottfried von Einem oder Ernst Krenek schrieb, fokussierte die Gegenwart (im Gegensatz zielte aber die ÖMZ darauf, mehr zu sein als nur ein „Rondo“ für Kenner). 1951 – in Fortführung der Zeitschrift mit Dolf Lindner als Redakteur – gibt Paul Kont Einblicke zur Szene Wien wie Darmstadt, während Rudolf Klein erst aus Donaueschingen berichtet und danach als Redakteur über Frank Martin bis Olivier Messiaen viel beiträgt. In dieser Aufbauphase sponsert die ÖMZ Kompositionsauftrag (1955 an Anton Heiller) und Wettbewerb (für Jungkomponisten 1956). Die Publikation 1961 zur „Die Wiener Schule“ mit Nachfolgern öffnet eine erweiterte Basis. Musikinformation durch Hardcover-Publikationen, Info-Seiten, Lose-Blatt-Kataloge unter Einsatz von Redakteur Walter Szmolyan wurde im Verbund von ÖMZ, ÖKB wie ORF aufgebaut. Direkte Zusammenarbeit entstand mit Karl Schiske, György Ligeti, Friedrich Cerha, Anestis Logothetis, weiters von Hans Erich Apostel, über Hans Werner Henze bis Otto M. Zykan. 1980 wurde die Zusammenarbeit mit Komponistenverbänden (IGNM, ÖKB, u.a.) intensiviert: Schulbildende von John Cage bis Walter Zimmermann (Komponist) traten in den Vordergrund; Heinz Karl Gruber, Dieter Kaufmann, Wilhelm Zobl engagierten sich für Einzelhefte. Redakteur Christian Baier legte freie Blicke auf minimal music oder experimentelle Opern, arbeitete mit Franz Koglmann und entdeckte Olga Neuwirth. Österreichs Musikszene, die in „Hörgänge“-Veranstaltungen wie in der aktuelle Ästhetik thematisierenden Reihe von „wien modern“ Gestaltung fand, wurde begleitet zentrierend auf Peter Ablinger, Bernhard Lang (Komponist), Klaus Lang, Gerd Kühr, Christian und Wolfgang Muthspiel bzw. Roman Haubenstock-Ramati, Wolfgang Rihm, Luigi Nono, Witold Lutosławski, Krzysztof Penderecki, Alfred Schnittke, u.a.m. Der Ausbau erfolgte 1994 bis 2011 nach journalistisch-optischer Reform dank eigener Herstellung und durch Web-Zugang über Artikel-Datenbanken. Als Erneuerung dienen die Rubriken „Echo“ für Uraufführungskritik, „Studio“ zur Partitur-Analyse und „Portrait“ als Förderung zu öffentlicher Diskussion. Thematisiert wird Österreichs Musiklandschaft, die IGNM-Geschichte, Musikinformationszentren Europas. Auf „Ideen – Ideologien – Wirklichkeiten“ zentrieren zwei Symposien 1988 und 2007. Redakteur und Mitherausgeber Daniel Ender pflegt Gespräche mit den Kreativen. Spezielle MUSIKZEITcovers gestalten hervorragende bildende Künstler. Im überschaubaren mitteleuropäischen Musikmarkt suchte stets die Zeitschrift das Lebendige aus anregender Vergangenheit wie zukunftszutragender Kreativität, hielt sich auch offen für Computer und Elektronik, mit Grenzgebieten von Improvisation, Jazz, auch Wortsprache / Libretti, Tanz / Performance und Film. Mit der Übernahme durch neue Herausgeber änderte sich das äußere Erscheinungsbild der Zeitschrift; außerdem wurden die Rubriken überarbeitet; diese sind Lehren und Lernen; Berichte; Festival, Musiktheater, Konzert; Rezensionen; Jodler und Gstanzln; Das andere Lexikon; Zu guter Letzt (Stand 2013:).

Wissenschaft[Bearbeiten]

Verantwortliche der Nationalbibliothek, der Universitäten und der Akademie der Wissenschaften veröffentlichten in dieser Fachzeitschrift zu Komponisten mit ihrem Werk / Biographie / Rezeption, zu Gesamtausgaben, zu Förderungen des Forschungsfonds wie zu Projekten spezieller Musikergesellschaften. In der global durch RILM (Répertoire International de Littérature Musicale) verschlagworteten Musikzeitschrift publizierten führende Autoren zu den Phasen der Musikgeschichte:

I Aus Fürstenzeiten Musik in Barock und Klassik
II „Wiener Schule“ und geistige Aufbrüche der Jahrhundertwende
Erster ÖMZ-Sonderband in Buchform, 1961
III Musik von 1945 bis zu heutiger Globalisierung
  • Ästhetik Ulrich Dibelius, Lothar Knessl, Leo Dorner, Daniel Ender
  • Cage Friedrich Spangenmacher, Wolfgang Gratzer
  • Minimal Christian Baier, Reinhard Kager
  • Postmoderne Carl Dahlhaus, Constantin Floros
  • Elektronik Dieter Kaufmann, Johannes Kretz

In der Erforschung heutiger Musik werden wissenschaftlich Lehrende sowie Komponisten kontaktiert (z.B. Karlheinz Essl, Beat Furrer, Georg Friedrich Haas, Johannes Maria Staud, Herbert Willi) und über die aktuelle Gegenwart (Donaueschinger Musiktage, Darmstädter Ferienkurse, Biennalen in München, Witten oder Venedig) regelmäßig berichtet.

Im Fokus des Wissenstransfers stand die internationale Musikwissenschaft mit vielen Artikeln seitens der Institute für Musikwissenschaft der Universitäten Wien, Salzburg, Graz, insbesondere der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien:

  • Soziologie Kurt Blaukopf, Alfons Silbermann, Elena Ostleitner
  • NS-Zeit Walter Pass, Oliver Rathkolb, Manfred Permoser
  • Sprache - Semantik Constantin Floros, Hartmut Krones
  • Analyse Erwin Ratz, Carl Dahlhaus, Rudolf Stephan, Manfred Angerer
  • Ästhetik Harald Kaufmann, Andreas Dorschel, Christoph Landerer
  • Hirnforschung Wilfried Gruhn, Peter Markl, Hellmuth Petsche

Das Anliegen, Wissen zu verbreiten, war in der Familie Lafite schon vorbereitet seit Carl Lafites Schubertiaden (1895), die in der Zusammenarbeit zum Schubertjahr mit O. E. Deutsch (1928) gipfelten. Überblick geben Tonträger-Artikel ab 1966 (Redaktion: Robert Werba, dann Peter Cossé), kenntnisreich sind die Buchrezensionen (seit 1980 Redaktion: Manfred Wagner). Zum Popularen schrieben über die Operette Moritz Csáky, Eberhard Würzl, Franz Mailer, zum Musical Peter Weck, Hans-Dieter Roser und der Volksmusik widmeten Serien Walter Deutsch wie Gerlinde Haid.

Interpretation[Bearbeiten]

In Erforschung verschiedener Interpretationsverständnisse widmete sich die ÖMZ dem Klang der Philharmoniker / Wiener Klangstil, Instrumentenbau (Horn), bis zur Originalklang-Bewegung (Josef Mertin Aufführungspraxis). Die Anfangskontakte galten den Dirigenten: Karl Böhm, Otto Klemperer, Josef Krips; Wilhelm Furtwängler, Clemens Krauss, Bruno Walter, Hans Swarowsky schlossen an; Michael Gielen, Nikolaus Harnoncourt, Herbert von Karajan folgten.

Der Liedgesang erblühte mit Julius Patzak wie Hilde Güden, Elisabeth Höngen, Erika Köth, Irmgard Seefried, später Juliane Banse, Ildikó Raimondi, zu Thomas Hampson (Sänger), Bo Skovhus u.a.m. Große Stimmbildner wie Walter Berry oder Dietrich Fischer-Dieskau brachten sich in die Musikzeitschrift ein, auch die schulbildenden Chorleiter Ferdinand Grossmann oder Hans Gillesberger. Große Pianisten fanden früheste Förderung: Alfred Brendel, Jörg Demus, Friedrich Gulda, Alexander Jenner; später Till Fellner, die Brüder Kutrowatz, Gottlieb Wallisch, Marino Formenti. Orgelkenntnisse von Johann Nepomuk David, Anton Heiller, Frank Martin, Kurt Rapf oder im Kirchenamt von Hans Haselböck, Peter Planyawsky, Robert Lehrbaumer kamen zur Sprache. Zu Violinbau und –Spielweise erläuterten Walter Salmen, Gerhard Stradner, Marianne Ronez; zuvor äußerten sich zur Kunst der Streicher Eduard Melkus, Yehudi Menuhin, Riccardo Odnoposoff, Franz Samohyl oder Enrico Mainardi; später Benjamin Schmid, Ernst Kovacic, Martha und Vahid Khadem-Missagh. Jüngst wurden Quartettbildungen wie Ensembles der Kammermusik, auch neuere Blasmusik oder diverse Orchester von der Ausbildung bis zu ihrer Zusammenlegung thematisiert.

Einbezogen wurden die in Österreichs Musikuniversitäten Lehrenden, auch Seminare und Kurse – von den legendären Interpretationsseminaren zur Wiener Schule mit Schönberg Schwager Rudolf Kolisch, den Musikseminaren der „Internationalen Sommerakademie PragWien Budapest“ bis zu Lied-Kursen in Japan. Workshops zur Zwölftonmusik auf der Expo Brüssel 1958 wirkten als exemplarischer Durchbruch und wurden als ÖMZ-Gütesiegel gewürdigt.

Festivals und Europäisierung[Bearbeiten]

ÖMZ präsentiert die "Plattform Kultur-Mitteleuropa" in China

Als Angelpunkt für Österreich nach 1945 wurden die Salzburger Festspiele gefördert als Bühne zur Internationalität. Bernhard Paumgartner und die ÖMZ kooperieren in Zielsetzung, Förderung, Ausbauprojekten. 1950 formt das Bundesministerium für Unterricht mit Peter Lafite die Gesetzesvorlage zum „Salzburger Festspielfonds“. Clemens Holzmeister publiziert zu den Festspielhäusern in Salzburg (1950, 1956, 1970) auch zu Theaterbauten in Europa. Die ÖMZ kooperiert in Sondereditionen mit dem „Fremdenverkehr“ (ab 1957), Sternstunden im Theater an der Wien (1961), Wiener Staatsoper 100 Jahre (dt., engl., frz.). Im Überblick werden Österreichs neue Festspiele in Zahlen und Typisierung von Manfred Wagner 1980 und 2000 dargelegt. Darüber hinaus werden Sonderhefte publiziert mit den Ländern in Mitteleuropa (1992-1995-1998-2005); zu zwölf europäischen Ländern, Russland und den USA werden englischsprachige Specials global verbreitet, mit der außenpolitischen „Plattform Kultur-Mitteleuropa“ erscheint eine chinesischsprachige Edition zur Präsentation in Fern-Ost.

Kritik[Bearbeiten]

Jeder der Familie Lafite hatten zuvor als Musikkritiker in anderen Publikationsmedien geschrieben. In der MUSIKZEITschrift wurde die Musikkritik in der medialen Umgebung als Kern positioniert.

Herausgeber- und Chefredaktionsteam seit 2011[Bearbeiten]

Seit 2011 wird die Österreichische Musikzeitschrift vom Herausgeber- und Redaktionsteam Frieder Reininghaus, Daniel Brandenburg, Daniel Ender und Doris Weberberger publiziert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Uwe Harten: Österreichische Musikzeitschrift (ÖMZ). In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 4, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2005, ISBN 3-7001-3046-5. (Druckausgabe: Bd. 4, Wien 2005, S. 1698.)
  • Manfred Permoser: Die Rezeption zeitgenössischer Musik seit ’45 im Spiegel der österreichischen Musikzeitschrift, in: ÖMZ 55/7 (2000), S. 24-44.
  • Marion Diederichs-Lafite: Musik der Zeit – Zeit für Musik, in: ÖMZ 50/11-12 (1995), S. 728-731.
  • Rudolf Stephan: Musikzeitschrift und musikalische Öffentlichkeit, in: ÖMZ 50/11-12 (1995), S. 732-740.
  • Marion Diederichs-Lafite: 65 Jahre MUSIKZEITschrift, in: ÖMZ 65/10-12 (2010), S. 37-45 (Spezialheft "Ausklang").

Weblinks[Bearbeiten]