Stromzähler

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Der Stromzähler ist ein über einen zeitlichen Verlauf integrierendes Messgerät zur Erfassung der Menge einer gelieferten bzw. verbrauchten elektrischen Größe.

Vorzugsweise wird der Begriff Stromzähler (auch Elektrizitätszähler) für Geräte verwendet, mit denen allerdings nicht elektrische Stromstärke, sondern elektrische Wirkleistung über der Zeit summiert wird, wodurch elektrische Energie gemessen wird. Der physikalisch korrekte Begriff ist also Energiezähler[1][2]. Gezählt werden in diesen Geräten mechanisch die Umdrehungen einer Scheibe, deren Drehzahl proportional zur Wirkleistung ist, oder elektronisch entsprechende Impulse.

Die Anzeige bezieht den Umrechnungsfaktor auf die Energie oder Arbeit ein. Die zugehörige physikalische Einheit ist das Joule (mit dem Einheitenzeichen J) bzw. die Wattsekunde (Ws); allerdings wird bei Stromzählern der Messwert in der größeren Einheit Kilowattstunde (kWh) angegeben.

Ferner gibt es auch Stromzähler, die in Gleichstromanwendungen tatsächlich elektrische Stromstärke aufsummieren, also elektrische Ladung erfassen (mit der Einheit Amperestunde). Sie haben aber keine Bedeutung mehr.

Mehrtarif-Stromzähler, Messung nach dem Ferrarisprinzip

Allgemeines[Bearbeiten]

Geöffneter Ferraris-Zähler

Falls der Strom gegenüber der Spannung eine Phasenverschiebung oder Verzerrung aufweist, ist bei der Leistung zwischen Wirk- und Scheinleistung zu unterscheiden. Nur die Wirkkomponente der Leistung und der Energie wird von den üblichen Messgeräten erfasst.

Die in deutschen Privathaushalten verbreiteten Zähler zur Verbrauchsabrechnung erfassen den Wirkstrom (entweder Wechselstrom oder Drehstrom) sowie die anliegende Wechselspannung. Sie ermitteln aus den Momentanwerten von Strom und Spannung durch Multiplikation (wie bei der Wirkleistungsmessung) und anschließende zeitliche Integration die genutzte Wirkenergie, die aus dem Stromnetz bezogen wurde.

Neben den üblichen Haushaltsstromzählern für 10(60) A sind für gewerbliche Nutzung (auch Baustellen, Festveranstaltungen) noch Stromzähler für 200 A verbreitet. Diese direktmessenden Stromzähler sind für die Nennspannung 230 V (entsprechend 400 V zwischen den Außenleitern) ausgelegt.

Hinter der Nennstromstärke wird in Klammern die Maximal- oder Grenzstromstärke in Ampere angegeben, die der Zähler dauernd aushalten kann, ohne beschädigt zu werden. Bis zu diesem Stromwert müssen auch die Eichfehlergrenzen eingehalten werden. Der Nennstrom ist vornehmlich für die Eichung relevant, auf diesen Wert beziehen sich die Messpunkte, die beim Eichvorgang geprüft werden.

Größere Energieabnahme in der Industrie wird oft über sogenannte Messwandlerzähler gemessen. Diese Zähler multiplizieren die Messdaten von Stromwandlern und Spannungswandlern. Die Sekundärseite dieser Wandler hat im Allgemeinen 5 A Nennstrom bzw. 100 V Nennspannung, für die auch der Zähler ausgelegt ist. Diese Messwandlerzähler sind ebenfalls nach dem Eichgesetz eichpflichtig.

Zähler für größere technische Anlagen können neben der Wirkenergie auch die aktuelle Wirkleistung anzeigen oder auch die Blindenergie in kvarh erfassen. Manche Zähler speichern Lastprofile, insbesondere den Betrag und den Zeitpunkt einer Lastspitze. Andere Zähler haben Impulsausgänge zur Weiterverarbeitung der momentanen Leistungs- oder Energiemessung.

Zur neuen Generation gehören die intelligenten Zähler.

Abrechnung[Bearbeiten]

Berechnet wird bei Kleinverbrauchern (Haushalten) nur die abgenommene Wirkenergie, also das zeitliche Integral der Wirkleistung.

Das Integral der Blindleistung wird bei Großverbrauchern (Industrie) zusätzlich gemessen und berechnet, weil diese Form der Leistung die Versorgungsnetze zusätzlich belastet. Sie erfordert sowohl stärkere Leitungen als auch Transformatoren und verursacht erhöhte Leitungsverluste. Daher ist auch die Blindenergie ein Abrechnungsmerkmal der Energieversorger.

Tarifumschaltung[Bearbeiten]

Bei Tarifkunden in Deutschland, zum Beispiel den privaten Haushalten, wird bei Bedarf die Ausführung mit zwei Tarifzählwerken eingesetzt. So kann in Zeiten geringer Nachfrage der Stromverbrauch für den Kunden günstiger abgerechnet werden. Dies wird vereinbart, um in den so genannten Schwachlastphasen, meist nachmittags und in der Nacht, elektrisch betriebene Wärmespeicherheizungen zu versorgen. Für die Energieversorger wird durch diese Zu- oder Abschaltung von Verbrauchern zur Wärmeerzeugung ein Ausgleich in der Netzbelastung erreicht.

Es gibt elektromechanische Energiezähler mit zwei und mehr Zählwerken, um zeitbezogen unterschiedliche Tarife abrechnen zu können. Zwischen diesen Zählwerken wird beispielsweise durch eingebaute oder externe Rundsteuerempfänger (die durch zentrale Rundsteueranlagen im Energieversorgungsunternehmen gesteuert werden) umgeschaltet.

Bei Sondervertragskunden (Industrie) waren weitere elektromechanische Zählwerke für die Energiemessung gebräuchlich. Hier wird vollständig auf elektronische Zähler mit einer Aufzeichnung der Momentanwerte des Lastgangs umgestellt. Vielfach sind diese Zähler mit einer Datenleitung, beispielsweise an das Telefonnetz, angeschlossen, um ohne Zeitverzug abrechnen zu können. Auch elektronische Zähler mit Drahtlosübertragung der Daten über Handynetze sind verbreitet.

Die Tarifumschaltung wird entweder durch eine Zeitschaltuhr oder über Rundsteueranlagen gesteuert. Bei der Rundsteueranlage werden die Steuersignale über das Stromnetz geschickt. Die Impulse werden im Niederfrequenzbereich (bis etwa 1 kHz) auf die Netzspannung von 50 Hz aufmoduliert.

Umstellung auf elektronische Zähler[Bearbeiten]

Nachdem neue elektronische Zähler schon länger für Industrieanwendungen eingesetzt werden, finden sie seit einigen Jahren auch Einzug in die privaten Haushalte. Die Verbreitung dort ist je nach Energieversorger sehr unterschiedlich. Beispielsweise liegt die Verbreitung in Deutschland unter 10 %, während in Schweden bereits über 90 % der Haushalte umgestellt sind.

Elektronische Zähler können mit Tarifumschaltern ausgestattet werden, die eine vereinbarte zeitabhängige Tarifeinstellung berücksichtigen.

Neue elektronische Zähler werden über Datenschnittstellen per Fernauslesung vom Energieversorgungsunternehmen und der Gebäudeautomation ausgelesen. Mit elektronischen Zählern kann die Tarifierung ohne Eingriff in den Zähler verändert werden. Es werden im Zähler keine elektro-mechanischen Zählwerke mehr benötigt. Bei diesen Zählern ist zu beachten, dass die Anzeige für die Hochpreistarife (HT) und Niedrigpreistarife (NT) eventuell anders angeordnet sind (HT-Anzeige oben und NT-Anzeige unten).

In Deutschland besteht nach der Änderung des Energiewirtschaftgesetzes (EnWG) und der neuen Messzugangsverordnung (MessZV) (beide in Kraft getreten im September 2008) seit 1. Januar 2010 die Pflicht, bei Neubauten und Modernisierungen sogenannte intelligente Zähler zu verwenden.

Ebenfalls in Deutschland werden intelligente Zähler zunehmend im Rahmen von staatlich geförderten Pilotprojekten zur Einführung der Smart-Metering-Technologie eingesetzt. Seit Anfang 2006 finden auch staatlich geförderte Feldversuche mit ständigen Verbindungen über Internet (DSL) statt. Seit Ende 2008 bieten alle Energieversorger Zählgeräte mit Datennetzanschluss an.

In verschiedenen Ländern (z. B. in den USA) gibt es als Ergänzung des elektronischen Zählers eine integrierte Abschaltoption (remote disconnect). Damit kann der Energieversorger per Fernsteuerung den Verbraucher vom Stromnetz trennen, z. B. wenn dieser seine Rechnung nicht bezahlt hat. Dazu wird ein Relais in den Zähler eingebaut.

Aufgrund eines nicht regulierten Störfrequenzbereichs zwischen 3 kHz und 150 kHz kann es bei elektronischen Zählern zu starken Messabweichungen gegenüber der wirklichen Energiemenge kommen. Insbesondere bei der Einspeisung erneuerbarer Energie über Wechselrichter ist dieses Problem in der Praxis spätestens seit 2010 bekannt [3].

Lastabwurf[Bearbeiten]

Hauptartikel: Lastabwurf (Stromnetz)

Wird ein vereinbartes Tarifmerkmal überschritten, kann durch eine eingestellte Begrenzung des Leistungswertes oder der Energiemenge eine Last abgeworfen werden. Alternativ wird bei solchen Lastüberschreitungen für deren Dauer ein anderer Tarif zugrunde gelegt. Solche Tarife können mit einfachen Zählern nicht mehr erfasst werden.

Arten von Stromzählern[Bearbeiten]

Ferraris-Zähler[Bearbeiten]

Drehstromzähler nach dem Ferraris-Prinzip für Haushalte
Hauptartikel: Ferraris-Zähler

Weit verbreitet sind die Ferraris-Zähler nach dem Induktionsprinzip, benannt nach dem Italiener Galileo Ferraris. Hierbei wird durch den Ein- oder Mehrphasenwechselstrom sowie die Netzspannung in einem Ferrarisläufer (Aluminiumscheibe, auch Ferrarisscheibe) ein magnetisches Drehfeld induziert, welches in ihr durch Wirbelströme ein Drehmoment erzeugt. Dieses ist in jedem Augenblick proportional zum Produkt aus Strom und Spannung und somit im zeitlichen Mittel zur Wirkleistung. Die Scheibe läuft in einer aus einem Dauermagneten bestehenden Wirbelstrombremse, die ein zur Geschwindigkeit proportionales Bremsmoment erzeugt. Die Scheibe, deren Kante als Ausschnitt durch ein Fenster von außen sichtbar ist, hat dadurch eine Drehgeschwindigkeit, welche zur elektrischen Wirkleistung proportional ist. Die Zählung der Umdrehungen ist dann zur tatsächlich bezogenen elektrischen Energie proportional.

Ferraris-Zähler summieren in ihrem üblichen Aufbau auch bei Oberschwingungs- oder Verschiebungs-Blindstromanteilen nur die Wirkleistung. Es gibt ähnlich aufgebaute Blindverbrauchszähler, welche die induktive bzw. kapazitive Blindleistung summieren. Ihre innere Schaltung entspricht der Schaltung bei Blindleistungsmessung.

Mit der Aluminiumscheibe ist ein Rollenzählwerk verbunden, so dass der Energiedurchsatz als Zahlenwert in Kilowattstunden (kWh) abgelesen werden kann. Mithilfe der am Zähler angebrachten Angabe Umdrehungen pro Kilowattstunde kann man visuell auch die aktuelle Leistung ermitteln, indem man über einen bestimmten Zeitraum die Umdrehungen beobachtet und zählt.

Doppel- und Mehrtarifstromzähler[Bearbeiten]

Zweitarifzähler mit integriertem Rundsteuerempfänger

Diese Zähler können den Verbrauch in zwei oder mehr Tarifen unterteilt zählen, siehe Abschnitt Tarifumschaltung und die nebenstehende Abbildung eines Zweitarifzählers mit integriertem Rundsteuerempfänger.

Elektronische Energiezähler[Bearbeiten]

Die seit einigen Jahren neu entwickelten elektronischen Energiezähler enthalten keine mechanisch bewegten Elemente. Der Stromfluss wird wahlweise mittels Stromwandlern, Strommesssystemen mit Rogowskispulen, Nebenschlusswiderständen oder Hall-Sensoren erfasst. Die Weiterverarbeitung der Messwerte erfolgt mit einer elektronischen Schaltung. Das Ergebnis wird einer alphanumerischen Anzeige (meist Flüssigkristallanzeige, LCD) zugeführt.

Zähler für Wirk- und Blindenergie auf dem Stand der Technik im Jahr 2014 erfassen auch Oberschwingungen von Spannungen und Strömen bis zur 16. Harmonischen. Die Ergebnisse werden dabei meist in einem Register gespeichert, das entweder direkt auf der Anzeige oder über Kommunikation abgelesen werden kann.[4]

Elektronischer Energiezähler mit Fernauslesung[Bearbeiten]

Fernablesbarer Haushalts-Stromzähler

In Italien stellt der Stromanbieter Enel seit dem Jahr 2000 alle 30 Millionen Zähler, auch im Haushaltsbereich, auf fernsteuerbare Geräte um. Diese sind mittels PLC (Powerline Communication) auslesbar.[5] Dem Kunden stehen auf dem Display umfangreiche Informationen zur Verfügung, auf Wunsch kommen bis zu drei verschiedene Tarife (Neben-, Haupt- und Spitzenzeit) zur Anwendung. Säumigen Kunden wird der Strom nicht ganz abgestellt, sondern per Fernsteuerung die verfügbare Leistung auf wenige hundert Watt gedrosselt.

Als Datenschnittstellen sind Infrarot, S0-Schnittstelle, M-Bus, Potentialfreier Kontakt, KNX (zuvor EIB), 20-mA-Stromschnittstelle (verbunden mit GSM-, PSTN-Modems) oder Power Line Carrier (PLC) gebräuchlich. Die Impulsausgänge (S0) liefern in der Regel eine Impulswertigkeit von 2000 bis 5000 Impulsen pro kWh. Dieser Wert muss dann, abhängig vom Zähler, mit einem festen Faktor von zum Beispiel 30 oder 50 multipliziert werden, um den kumulierten Messwert zu bekommen.

Nachrüstbare Zählerausleser[Bearbeiten]

Für Zähler konventioneller Bauart mit mechanischer Verbrauchsanzeige besteht die Möglichkeit, diese mit einem Auslesegerät zu versehen. Diese Geräte erfassen den Zählerstand der mechanischen Verbrauchsanzeige mit Hilfe einer optischen Einrichtung. Mittels Texterkennung (OCR) wird das erfasste Bild in eine elektronische Information verwandelt. Diese Information kann dann wie bei den elektronischen Energiezählern über diverse Datenschnittstellen weiter übermittelt werden. Damit ist ein automatisches Ablesen des Zählers möglich (englisch: AMR, Automated Meter Reading) und das manuelle Auslesen kann entfallen.

Kassier-, Münz-, Prepaymentzähler[Bearbeiten]

Kassierstromzähler

(englisch prepaid für ‚vorausbezahlt‘)

In einigen Ländern gibt es auch Kassierzähler (Münzzähler), welche durch den Einwurf von Geld, Jetons oder neuerdings durch Chipkarten, Chipschlüssel oder Eingabe einer PIN den Abruf einer definierten Menge elektrischer Energie ermöglichen.

In Deutschland und in der Schweiz werden solche Zähler in Waschküchen von Mietshäusern und vereinzelt auch von Energieversorgungsunternehmen bei Kunden mit schlechter Zahlungsmoral eingesetzt. Sie verhindern auch den Aufbau von Geldschulden. Prepaymentzähler mit Chipkarten sind zum Beispiel in Südafrika, mit Chipschlüssel im Vereinigten Königreich weit verbreitet.

Lastgangzähler[Bearbeiten]

Lastgangzähler

Bei Großkunden (ab 100.000 kWh/a) wird der Stromverbrauch nicht nur anhand der genutzten Energie (in kWh) und Blindarbeit (in kvarh), sondern zusätzlich oder nur nach der genutzten Energie jeder Registrierperiode verrechnet. Hierfür werden Lastgangzähler installiert, die nach jeder Registrierperiode einen Messwert speichern. Dies wird als registrierende Leistungsmessung (RLM) bezeichnet.

In einem Lastgangzähler können mehrere Lastgänge gleichzeitig erfasst und gespeichert werden. Typischerweise werden diese Zähler per Fernablesung ausgelesen.

Die Registrierperiode ist in Deutschland auf 15 Minuten festgelegt. Der gespeicherte Messwert kann die

  • durchschnittlich genutzte Leistung in kW bzw. kvar
  • Zählwerksstand in kWh bzw. kvarh
  • Energieverbrauch in kWh bzw. kvarh

der letzten Registrierperiode sein.[6] Für kleinere Kunden wird der Lastgang anhand eines Standardlastprofils (z. B. H0 für Haushaltskunden) nachgebildet.

Energiekostenmessgerät[Bearbeiten]

Energiekostenmessgerät

Mit Energiekostenmessgeräten kann der Stromverbrauch einzelner Geräte gemessen werden, auch über einen längeren Zeitraum. Dies ist bei Geräten wie Kühlschränken sinnvoll, die keinen gleichmäßigen Stromverbrauch haben. Meist kann man den Preis pro kWh eingeben und sieht dann die Kosten, die ein Gerät verursacht. Beim Kauf eines Messgerätes ist es wichtig, auf die Messgrenze und die Genauigkeit zu achten. Viele der vermeintlich preiswerten Geräte sind oft sehr ungenau und können kleinere Leistungsaufnahmen z. B. unterhalb von 4 Watt sowie hohe Blindanteile und Scheitelfaktoren nicht exakt verarbeiten. Für private Verbraucher ist es oft möglich, Energiekostenmessgeräte kostenlos bei den Stromversorgern oder Verbraucherzentralen auszuleihen. So kann die Anschaffung eines meist nur vorübergehend zum Aufspüren von Ressourcen zum Energiesparen genutzten Gerätes vermieden werden.

Gleichstrom- bzw. STIA-Zähler[Bearbeiten]

Historischer Gleichstromzähler

Gleichstromzähler haben aufgrund der allgemeinen Versorgung aller Länder mit Wechselstromnetzen keine Bedeutung. Meist werden Gleichstrombahnen, Stahlwerke oder Galvanikanlagen, die typischen Großverbraucher, in privaten Netzen betrieben, die aus dem Wechselspannungsnetz gespeist werden.

Altertümliche Gleichstromzähler arbeiteten nach ähnlichem Prinzip wie die oben beschriebenen Ferrariszähler, jedoch wurde das leistungsproportionale Drehmoment mit einem Gleichstrommotor erzeugt, dessen Erregung durch eine vom Laststrom durchflossene Spule erzeugt wurde und dessen Ankerstrom über einen Vorwiderstand aus der Netzspannung gewonnen wurde.

Ein Bauelement, das als echter Stromzähler bezeichnet werden kann, wird zuweilen als Betriebsstundenzähler eingesetzt: es besteht aus einer mit einem Elektrolyt abgeschlossenen Quecksilbersäule ähnlich einem kleinen Thermometer. Bei Stromdurchfluss wird das Quecksilber an das gegenüberliegende Ende befördert, wodurch der Bereich des Elektrolyten durch die Säule wandert. Das Strom–Zeit–Produkt erscheint linear als vom Elektrolytvolumen zurückgelegte Strecke auf dem als Behälter dienenden Glasröhrchen. Wird das Bauteil über einen Vorwiderstand an konstanter Spannung betrieben, lässt sich die Betriebszeit ermitteln. Nach Ablauf der Zeit kann das Gerät umgepolt erneut eingesetzt werden – der Bereich des Elektrolyten wandert nun zurück.

Beim Quecksilberelektrolytzähler, auch STIA-Zähler (mercury electricity meter) oder Edisonzähler genannt, wurde nicht der (feste) Niederschlag gemessen, sondern die Zersetzungsprodukte – Quecksilber und Wasserstoff. Er war nach Erlöschen der Patente von Edisons Elektrolytzähler dessen Weiterentwicklung. Das Quecksilber fiel beim Stromdurchgang in ein Glasrohr. Dieses war über einer Skale installiert, welche die Kilowattstunden darstellte. Nachteil dieser Technik war, dass nach einer gewissen Zeit das Glasröhrchen vollständig gefüllt war und keine weitere Zählung möglich war. Deshalb musste der Zähler in relativ kurzen Zeitabständen abgelesen und danach das Messrohr gekippt werden, um einen erneuten Zählerlauf zu ermöglichen. Die vor allem bei Kleinverbrauchern verwendeten Stia-Zähler (Bezeichnung Stia = Schott Jena; Erfinder: Max Grossmann, Jena, 1922 [7]) arbeiteten mit einer Quecksilberanode, zwischen Anode und Kathode befand sich eine poröse Scheidwand. Viele alte Zähler weisen auf den Beschriftungen die Bezeichnung Unter–Stia auf. Dies bedeutet, dass diese Zähler als Unterzähler in einer größeren elektrische Anlage (z. B. Mehrfamilienhaus) fungierten.

Wasserstoffzähler funktionierten ähnlich. Bei ihnen wurde der an der Kathode entstehende Wasserstoff aufgefangen und dann der Verbrauch ebenfalls an einer Skale abgelesen.

Elektrolytzähler hatten eine hohe Messgenauigkeit (± 1 %) und waren relativ einfach. Daher stellten sie für die Erfassung von kleinen Stromverbrauchsmengen eine Alternative zu den Motorzählern dar.

Mit der Umstellung auf Wechselstrom ging die Zeit der Elektrolytzähler zu Ende.

Normen[Bearbeiten]

Für Wechselstrom-Elektrizitätszähler gelten die Europanormen EN 50470 und EN 62053. Für die zugehörige Datenkommunikation sind EN 62056 (in einigen Teilen z. Zt. Entwurf) sowie für Fernwirkeinrichtungen EN 60870 zu beachten.

Genauigkeit[Bearbeiten]

Verkehrsfehlergrenzen[Bearbeiten]

Die relativen Fehlergrenzen als Maß für die Genauigkeit der Zähler liegt im Haushaltsbereich bei 2 %. Bei hoher zu zählender elektrischer Arbeit sind auch Zähler der Genauigkeitsklassen 1, 0,5 und 0,2 (meist in Verbindung mit Messwandlern) im Einsatz. Höchste Anforderungen bestehen zum Beispiel an der Übergabestelle vom Kraftwerk ins Netz oder zwischen Übertragungsnetzen. Die Genauigkeitsklasse ist auf den Zählern hin und wieder angegeben. Diese Angabe kann so aussehen: etwa ein Kreis, in dem sich eine Zahl befindet oder Kl. 2 oder (1), wobei die Zahl immer die relative Verkehrsfehlergrenze in Prozent angibt. Aus speziellen Legierungen aufgebaute Ringbandkerne ermöglichen hochpräzise elektronische Energiezähler in gleichstromtoleranter Ausführung.

Gesetzliche Eichung[Bearbeiten]

Jeder Energiezähler, der für die Abrechnung des Energieverbrauch genutzt wird, trägt in Deutschland bisher eine Eichmarke nach dem Eichgesetz.

Stromzähler, die im geschäftlichen Verkehr eingesetzt werden, unterliegen in Deutschland der Eichpflicht. Nach Ablauf der Eichgültigkeitsdauer (8 Jahre bei elektronischen Zählern, 12 Jahre für mechanische Messwandlerzähler mit Induktionswerk [mit Läuferscheibe] oder 16 Jahre für mechanische Zähler mit Induktionswerk) muss das Messgerät ausgetauscht oder die Eichgültigkeit verlängert werden. Ausnahmen sind möglich. Ein übliches Verfahren zur Verlängerung der Eichgültigkeit ist die Stichprobenprüfung.

Die Eichung wird bei (staatlich anerkannten) Prüfstellen durchgeführt. Viele Netzbetreiber und Hersteller unterhalten eigene Prüfstellen. Es gibt jedoch auch Firmen, die sich auf die Eichung spezialisiert haben. Als Staatsbehörde für die Eichung zuständig ist in Deutschland die PTB in Braunschweig.

Technische Qualität[Bearbeiten]

Energiezähler mit MID-Kennzeichnung

Die Europäische Messgeräterichtlinie (MID) regelt seit 30. Oktober 2006 das Inverkehrbringen verschiedener neuer für den Endnutzer bestimmter Messgeräte in Europa – unter anderen eben auch der Wirk-Stromzähler. Sie regelt nicht die Eichpflicht und die Anforderungen nach dem Inverkehrbringen bzw. der Inbetriebnahme. Dies bleibt nationalem Recht vorbehalten. Allerdings müssen sich die Mitgliedstaaten vor der Kommission und den anderen Mitgliedstaaten rechtfertigen, wenn sie dies nicht regeln. MID-konforme Messgeräte müssen vor der ersten Inbetriebnahme nicht mehr geeicht werden.

Die MID-Anforderungen ersetzen derzeit viele gültige nationale Anforderungen für geeichte Zähler (zum Beispiel in Deutschland, Österreich, Schweiz und skandinavischen Ländern). Sie sind überwiegend identisch mit der PTB-Zulassung in Deutschland, teilweise etwas härter. Für ältere Zulassungen (etwa PTB) gilt eine Übergangsfrist bis 30. Oktober 2016. Alle am 30. Oktober 2006 auf dem Markt befindlichen Zähler mit PTB-Zulassung können also bis 30. Oktober 2016 weiterhin in Verkehr gebracht werden. Nur neu eingeführte Messgeräte müssen der MID entsprechen. Die entsprechende Prüfung wird in Deutschland übrigens ausschließlich von der PTB durchgeführt, kann jedoch in jedem Mitgliedstaat beantragt werden und muss dann in jedem Mitgliedstaat anerkannt werden.

Bei Stromzählern gilt die MID formal nur für Wirkstromzähler. Hieraus ergibt sich eine Problematik für Zähler, die sowohl Wirk- als auch Blindleistung messen: Für den Geräteteil der Wirkmessung ist eine MID-Konformitätserklärung erforderlich. Eine Ersteichung darf nicht mehr vorgeschrieben werden, der Teil für die Blindmessung muss herkömmlich nach dem jeweiligen Eichrecht zugelassen bzw. geeicht werden.

Haushaltsstromzähler in Schwellenländern[Bearbeiten]

Stromzähler im Außenbereich (mit Glashaube) Kanada
Stromzähler jeweils für eine abschließbare Steckdose

Bevölkerungsreiche Länder wie China und Indien sind seit Jahren sehr engagiert dabei, Haushaltsstromzähler flächendeckend einzuführen. Hierbei wird der Einbau elektronischer Zähler mit Zahlsystemen auf Chipkartenbasis favorisiert.

Montage[Bearbeiten]

In vielen Ländern (USA, Skandinavien, China) sind Haushaltsstromzähler häufig außerhalb des Hauses angebracht. In Deutschland sind die Systeme meist im Haus auf einer sogenannten Zählertafel oder, normgerecht, in einem Zählerschrank installiert (siehe dazu Verteiler). Für diese Zählerschränke gab es die sogenannte TAB (technische Anschlußbedingung) des jeweiligen Energieversorgers. Mit der TAB 2000 wurde der Versuch unternommen, diese Vielzahl an TABs zu vereinheitlichen. Die TAB 2000 bzw. ihre Nachfolger werden inzwischen von den meisten Energieversorgern angewendet und durch Anhänge auf die eigenen Bedürfnisse (Netzformen, Steuerung von Verbrauchern, ...) angepasst. Die TAB 2000 und ihre Nachfolger haben inzwischen in Form von Anwendungsregeln Einzug in die VDE-Normen gehalten.

Bei Ein- und Zweifamilienhäusern kann die Montage wahlweise in einem frei zugänglichen Raum innerhalb des Gebäudes oder in einem speziellen Hausanschlussraum erfolgen. In manchen Regionen findet man auch Hausanschlußkästen im Freien, an der Grundstücksgrenze oder am Gebäude. Bei neueren Mehrfamilienhäusern ist ein Hausanschlussraum vorgeschrieben.

Bei Einfamilienhäusern befinden sich oft im Zählerschrank die Sicherungen für die einzelnen Räume und Geräte sowie die Verteilung der Datentechnik (Sat-/Kabelanschluß, Netzwerktechnik, Telefon). Für Mehrfamilienhäuser ist es üblich, die Sicherungen in mehrere Stufen zu unterteilen und die letzte Stufe in Unterverteilungen in der jeweiligen Wohneinheit unterzubringen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stromzähler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kurt Bergmann: Elektrische Meßtechnik. Elektrische und elektronische Verfahren, Anlagen und Systeme 5., überarbeitete und ergänzte Auflage. Vieweg, Braunschweig u. a. 1993, ISBN 3-528-44080-5.
  2. Jörg Hoffmann (Hrsg.): Taschenbuch der Messtechnik Fachbuchverlag Leipzig im Carl-Hanser-Verlag, München u. a. 1998, ISBN 3-446-18834-7.
  3. Jörg Kirchhof: Grenzwertlücke – Wechselrichter stört Elektrizitätszähler. Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik, 2010 (online-Artikel, pdf-Datei, eingesehen am 16. Februar 2012)
  4. Energieverbrauchszähler für Wirk- und Blindenergie, auf dem neuesten Stand der Technik, ABB Asea Brown Boveri Ltd, 8050 Zurich, Switzerland, abgerufen am 9. April 2014
  5. Der Stromzähler denkt mit Artikel im Handelsblatt vom 3. November 2007
  6. Leistungsbeschreibung für Messung und Abrechnung der Netznutzung (PDF; 345 kB) des Verbandes der Netzbetreiber (VDN)
  7. Patent US1557931: Electrolytic electricity meter. Veröffentlicht am 20. Oktober 1925, Anmelder: Jenaer Glaswerk Schott & Genossen, Erfinder: Max Grossmann.