Exit Deutschland

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Logo von Exit-Deutschland

Exit Deutschland ist eine von Diplom-Kriminalist und Ex-Kriminaloberrat Bernd Wagner und Ex-Neonaziaktivist Ingo Hasselbach mit Hilfe der Amadeu-Antonio-Stiftung und der Freudenberg-Stiftung gegründete Initiative. Sie hilft nicht nur Aussteigewilligen, sondern auch Menschen, die von Rechtsextremismus betroffen sind wie Familien und Menschen, die sich für demokratische Grundwerte engagieren wollen.

Geschichte[Bearbeiten]

www.istramo.com

Seit Sommer 2000 bietet die Initiative für Aussteiger aus der rechtsextremen Szene Hilfe zur Selbsthilfe an. Die Initiative wird durch die Stern-Aktion „Mut gegen rechte Gewalt“ unterstützt. EXIT-Deutschland wird durch Spenden finanziert sowie durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und das Bundesministerium für Justiz gefördert.

EXIT-Deutschland hilft Aussteigenden, neue Perspektiven außerhalb der rechtsextremen Szene zu entwickeln. Dabei vermittelt EXIT Kontakte, gibt praktische Hilfen und geht auf Fragen von Sicherheit, Sozialem und der persönlichen Aufarbeitung ein. Ökonomische und soziale Absicherung für ehemalige Rechtsextremisten sind ausgeschlossen. Auch vor strafrechtlicher Verfolgung wird nicht geschützt. EXIT-Deutschland analysiert rechtsextreme Bestrebungen, arbeitet mit Wissenschaft und Medien zusammen, um über Ideologie und rechtsextremes Handeln aufzuklären, zeigt Möglichkeiten demokratischen Handelns und der Deradikalisierung und berät Projekte und Institutionen. Der engste Partner ist seit 2012 das Institute for the Study of Radical Movements (ISRM).

2013 lief die Finanzierung von Exit aus, womit das Projekt kurz vor dem Ende stand. Da es sich um eines der erfolgreichsten Aussteigerprogramme handelt, erging ein Kabinettsbeschluss der damaligen Bundesregierung, das Projekt auch weiterhin zu fördern.[1]

Ausstieg[Bearbeiten]

Ein Ausstieg ist laut der Definition von EXIT-Deutschland dann erfolgt, wenn es eine kritische Reflexion, Aufarbeitung und ein erfolgreiches Infragestellen der bisherigen Ideologie gegeben hat. Diese Definition reicht im Bereich der Ausstiegsarbeit - da sie soziale, physische und psychische Dimensionen des Ausstiegs einschließt - über den definitorischen Rahmen heraus. Eine Kontaktaufnahme ist laut EXIT-Deutschland über Telefon, E-Mail, SMS und Briefe möglich. Darüber hinaus gibt die Initiative an, dass persönliche Gespräche mit Aussteigern, sofern möglich, auch in Gefängnissen geführt werden. Damit möchte man die Kontaktaufnahme und Haftbetreuung sicherstellen. Bei Problemen der Sicherheit wird nach Möglichkeiten, z.B. wenn Angriffe oder Verfolgungen aus der rechtsextremen Szene drohen oder vorliegen, geholfen.

Mit den Aussteigenden wird an der Überwindung der Ideologie und der Aufarbeitung der Vergangenheit, einschließlich begangener Straftaten gearbeitet. EXIT-Deutschland hilft Aussteigenden bei der Entwicklung persönlicher Kompetenzen und Einsichten zur Neugestaltung der persönlichen Beziehungen und der Neuorientierung im Alltag in Schule, Lehre und Beruf. Bis 2012 konnte Exit 434 Personen erfolgreich betreuen, bei neun Personen gelang der Ausstieg nicht.[2]

Operation Trojaner T-Hemd[Bearbeiten]

Das trojanische T-Shirt von EXIT-Deutschland (links vor rechts nach dem Waschen)

Für internationale Bekanntheit sorgte EXIT-Deutschland mit seiner Aktion "Operation Trojaner T-Hemd". Dabei handelte es sich um eine innovativ-subversive Zielgruppenansprache. Die T-Shirts wurden am 6. August 2011 in Gera auf dem Rechtsrockfestival „Rock für Deutschland“ von der NPD Thüringen als Veranstalter an der Kasse kostenfrei verteilt. Erst in den eigenen vier Wänden offenbarten die T-Shirts ihre wahre Absicht: Der Aufdruck mit einem Totenkopf, der Aufschrift „Hardcore Rebellen“ und den geschwenkten Fahnen der Freien Kräfte verschwand nach dem ersten Waschen und sichtbar wurde die Botschaft „Was dein T-Shirt kann, kannst Du auch — Wir helfen Dir Dich vom Rechtsextremismus zu lösen. EXIT-Deutschland“. Die Operation Trojaner T-Hemd fand über die Grenzen Deutschlands Anerkennung. Die EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström beschrieb die Aktion anlässlich einer Fachtagung als "A good example to illustrate how extremism propaganda can be countered".[3] Die Aktion sollte das Ausstiegsangebot in der Szene bekannter machen und v. a. die jungen und noch nicht gefestigten Rechtsextremen ansprechen.[4] EXIT-Deutschland erprobt unterschiedlichste Formen der Zielgruppenansprache. Im Rahmen des Aktionskreises ehemaliger Rechtsextremisten bzw. EXIT-Deutschland werden z. B. Flyer, Postkarten und Podcasts[5] entwickelt, die ähnlich funktionieren wie der T-Shirt-Trojaner. Mit dem 10-teiligen Videoprojekt "AUSSTIEG (K)ein Weg zurück" versucht EXIT-Deutschland Informationen zum Thema Ausstieg und die rechtsextreme Szene zu vermitteln.[6]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

EXIT-Deutschland wurde für seine Arbeit mehrfach ausgezeichnet. So erhielt EXIT den Politikaward 2012[7], den Hyperland und wurde in die Best Practice-Projekt-Datenbank der Europäischen Kommission 2012 aufgenommen[8]. Laut Bundesregierung ist EXIT-Deutschland in Bezug auf die extern nachvollziehbaren Fallzahlen eines der erfolgreichsten Deradikalisierungsprogramme.[9] 2013 wurde EXIT-Deutschland mit dem Sonderpreis der Stadt Osnabrück ausgezeichnet.[10]

Journal[Bearbeiten]

JEX - Das Journal von EXIT-Deutschland

JEX - Journal EXIT-Deutschland - ist das Open Access Online-Journal von EXIT-DEUTSCHLAND. Es bietet nach eigenen Angaben einen "umfassenden, regelmäßigen (vierteljährlichen) und wissenschaftlichen interdisziplinären Austausch mit der Praxis zu den Themen Deradikalisierung, Extremismus und demokratische Kultur"[11].

Die Kernaufgabe des Journal EXIT-Deutschland ist nach eigenen Angaben, ein transparentes Sprachrohr für den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis zu sein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rechtsextremismus und Arbeitswelt: Ausstiege, Einstiege, Interdependenzen Text: Andreas Speit
  • Volkstod und Unsterblichkeit. Moderner Rechtsextremismus in Südbrandenburg - Agitation, Erscheinungsbild und Kontinuität. EXIT-Deutschland, Berlin Juni 2011 Hg. ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH
  • Lagebericht. Rechtsextremismus im Landkreis Dahme-Spreewald. EXIT-Deutschland, Berlin Mai 2011 Hg. ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH
  • Lebensbilder - Der Katalog EXIT-Deutschland, Berlin Juni 2012 Hg. ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH
  • Familien stärken - gegen Extremismus und Gewalt. Modellprojekt der ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH im Rahmen der Initiative EXIT-Deutschland am Beispiel des Landkreises Dahme-Spreewald. Hg. ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH, Berlin 2010
  • Erste Hilfe. Codes & Symbole EXIT-Deutschland, Berlin 2009 Hg. ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH
  • Letzter Halt: Ausstieg Wege aus der rechtsextremen Szene EXIT-Deutschland, Berlin Juni 2006 Hg. ZDK Gesellschaft Demokratische Kultur gGmbH

Beiträge:

  • Pilarczyk, Ulrike und Wichmann, Fabian (2013): Aussteigen aus dem Rechtsextremismus. Foto-Praxis, bildwissenschaftliche Analyse und Ausstellungsarbeit als Methoden individueller Reflexion und des wissenschaftlichen und (sozial)pädagogischen Kompetenzerwerbs. In: Medien Pädagogik. Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung. Themenheft Nr. 23: Visuelle Kompetenz.
  • Tunnel Licht Blicke. Aus der Praxis arbeitsmarktorientierter Ausstiegsarbeit der Projektträger des XENOS-Sonderprogramms „Ausstieg zum Einstieg“. Hrsg. Ralf Melzer, Friedrich-Ebert-Stiftung, Forum Berlin, Projekt "Gegen Rechtsextremismus" - Berlin, 2012
  • Wagner, Bernd (2008): Zu Rechtsextremismus und Ausstiegsprozessen. In: Blickpunkt Demokratie und Extremismus (01/12), S. 1–10.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aussteiger-Initiative "Exit" kann weitermachen Badische Zeitung vom 22. März 2013
  2. Antwort der Bundesregierung auf die kleine Anfrage (PDF; 101 kB)
  3. EUROPA - PRESS RELEASES - Press release - Speech: Stand up against violent extremism
  4. Operation Trojaner T-Hemd
  5. EXIT-Deutschland's sounds on SoundCloud - Hear the world’s sounds
  6. Die Folgen können auf dem [https://www.youtube.com/playlist?list=PLmtVwqt5zYKNauqHYnzJw-Ula0UZjSs9S YouTube-Chanel Videoprojekt "AUSSTIEG (K)ein Weg zurück"
  7. Politikaward 2012 für EXIT-Deutschland
  8. Best Praktice Projekt der europäischen Kommission 2012
  9. Antwort der Bundesregierung auf die kleine Anfrage (PDF; 101 kB)
  10. Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis 2013
  11. sfu.ca