FASTECH 360

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Shinkansen-Baureihe E954/E955
Pfeilförmiger Steuerwagen E954-8 des FASTECH 360 S
Pfeilförmiger Steuerwagen E954-8 des FASTECH 360 S
Nummerierung: E954: Fastech 360S
E955: Fastech 360Z
Hersteller: Kawasaki HI, Hitachi
Baujahr(e): E954: 2005
E955: 2006
Achsformel: E954: 2'2' + 6 x Bo'Bo' + 2'2'
E955: 2'Bo' + 4 x Bo'Bo' + Bo'2'
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Kupplung: E954: 205 m
E955: 134 m
Länge: E954:
Endwagen: 27.500 mm
Mittelwagen: 25.000 mm
E955:
Endwagen:24.000 mm
Mittelwagen: 21.500 mm
Höhe: 3.650 mm
Breite: E954: 3.380 mm
E955: 2.900 mm
Drehgestellachsstand: 2.500 mm[1]
Höchstgeschwindigkeit: 405 km/h[2]
Dauerleistung: E954: 8.600 kW[2]
E955: 7.250 kW[2]
Stromsystem: 25 kV / 50 Hz
20 kV / 50 Hz (nur E955)
Stromübertragung: Oberleitung
2 Stromabnehmer
Anzahl der Fahrmotoren: E954: 24[2]
E955: 20[2]
Bremse: Motorbremsen, Scheibenbremse, Luftbremse
Zugsicherung: ATC-2, DS-ATC
ATS-P (nur E955)

Als FASTECH 360 werden zwei Prototypen der neuesten Generation japanischer Shinkansen-Hochgeschwindigkeitszüge bezeichnet. Sie sind auf eine technische zulässige Höchstgeschwindigkeit von 405 km/h und eine geplante Höchstgeschwindigkeit im Regelbetrieb von 360 km/h ausgelegt. [1] Die Bezeichnung „FASTECH 360“ ist eine Wortneuschöpfung aus Fast (engl. schnell), Technology (engl. Technologie) und 360 (km/h).

Technik[Bearbeiten]

Mit den FASTECH 360 wurden einige neue Techniken getestet.

  • Die Züge werden mit einer den Luftwiderstand erhöhenden Notfallluftbremse ausgestattet, wie sie im Luftfahrtbereich üblich ist.[3] Diese erinnert in ihrer Form an Katzenohren. Damit können FASTECH 360 Zügen bei der Fahrt mit 360 km/h bei einer Schnellbremsung innerhalb von 4000 m anhalten. Die Luftbremsen sind auf sieben Fahrzeugteilen der Baureihe E954 und auf fünf Fahrzeugteilen der Baureihe E955 installiert.
  • Jeder Stromabnehmer hat nur eine neu entwickelte zwölfteilige Schleifleiste. Damit soll die Stromübertragung zwischen Oberleitung und Zug verbessert werden, so dass die Züge mit nur einem Stromabnehmer fahren können.[2] Außerdem wurde mit dieser Maßnahme das von den Stromabnehmern erzeugte Geräusch verringert.
  • Durch eine Regelung des Luftdrucks in den Sekundärfedern der Drehgestelle können die Wagenkästen der FASTECH 360 um 2 Grad geneigt werden, um Kurven mit Radien von 4.000 Metern auf den Tohoku-Shinkansen mit 330 km/h sowie von 6.000 Metern mit 360 km/h zu durchfahren.[1]
  • Es wurden Endwagen mit verschiedenen Bugformen gebaut, um zu vergleichen, welche Form zur Verminderung des Tunnelknalls besser geeignet ist.[1] Die Baureihe E954 hatte ca. 16 m Buglänge im Stromliniendesign wie die Baureihe 500 im ersten Wagen (E954-1) und ein Pfeildesign wie die Shinkansen Baureihe E4 im achten Wagen (E954-8). Die Baureihe E955 besitzt einen Endwagen mit Pfeildesign und 13 m Buglänge (E955-1) und einem mit 16 m Buglänge (E955-6).

Bei der Testfahrt von einem gekoppelten Zug mit den Baureihen E954 und E955 konnte dieser nur bis 330 km/h die gesetzlichen Geräuschpegelobergrenzen einhalten[4]. Wegen der hohen Kosten für Lärmschutzmaßnahmen an Zug und Strecken wurde die geplante Höchstgeschwindigkeit der neuen Fahrzeugen der Baureihen E5 und E6 auf 320 km/h begrenzt.[1] Dabei konnte der Zug ohne die aerodynamisch wirkenden Luftbremsen allein mit den Scheibenbremsen bei einer Schnellbremsung einen Bremsweg von 4000 m einhalten.[3] Daher wurde auf die Luftbremse bei den Serienzügen verzichtet.

Zugtypen[Bearbeiten]

Nach den Testfahrten zwischen März und Juni 2003 mit den Baureihe E2 (mit einer Fahrgeschwindigkeit von bis 362 km/h) und Baureihe E4 (mit einer Fahrgeschwindigkeit von bis 340 km/h),[5] wurden zwei Prototypzüge entwickelt.

FASTECH 360 S (Baureihe E954)[Bearbeiten]

Stromlinienförmige Nase des Steuerwagens E954-1

Die Kennbuchstabe S ist der Anfangsbuchstabe von Shinkansen. Der Zug wurde als neuer Shinkansen Zug insbesondere für Tōhoku-Shinkansen hergestellt und als Garnitur S9 benannt. Er hatte acht Wagen: einen Buffetwagen (E954-4), einen 1.-Klasse-Wagen (E954-5) und sechs 2.-Klasse-Wagen.[6] Der Zug fuhr ab Juni 2005 Testläufe auf der Tōhoku-Shinkansen, später auch auf den Jōetsu- und Nagano-Shinkansen (nur zwischen den Bahnhöfen Takasaki und Karuizawa). Bei einer Testfahrt auf der Tōhoku-Shinkansen wurde am 1. März 2006 zwischen den Städten Sendai und Kitakami eine Höchstgeschwindigkeit von 368 km/h erreicht. Die eingeladenen Pressevertreter beschrieben die Vibrationen und Fahrgeräusche bei 360 km/h als vergleichbar mit der Baureihe E2 bei einer Höchstgeschwindigkeit von 275 km/h. Bei Testfahrten im August 2005 wurden bereits Geschwindigkeiten bis zu 398 km/h erreicht.[2] Der Zug konnte mit einer Fahrtgeschwindigkeit von bis 340 km/h die gesetzlichen Lärmschutzgrenzwerte einhalten.[4] Das Fahrzeug wurde nach Beendigung des Testprogrammes im September 2009 verschrottet.

FASTECH 360 Z (Baureihe E955)[Bearbeiten]

Der zweite Versuchszug mit der Bezeichnung S10 wurde für die Mini-Shinkansen hergestellt. Das "Z" steht bei FASTECH 360 Z für Zairai-Sen (在来線, dt. „herkömmliche Strecke“). Der Versuchszug S10 bestand aus sechs Wagen: ein Buffetwagen (E955-5), ein 1.-Klasse-Wagen (E955-2) und vier 2.-Klasse-Wagen.[6] Der dritte Wagen (E955-3) hatte keine Luftbremse. Die Testfahrten begannen im Jahr 2006 auf der Tōhoku-Shinkansen. Später wurde der Zug auch auf der Akita-Shinkansen getestet. Der Zug wurde im Dezember 2008 ausgemustert.[7]

Auf Basis des FASTECH 360 Z wurde die Shinkansen-Baureihe E6 entwickelt, die seit 2013 die Fahrzeuge der Baureihe E3 auf der Akita-Shinkansen ersetzen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: FASTTECH 360 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Technologie Entwicklung für schneller Shinkansen (Japanisch). JR East Technical Review Nr. 22, Japan Winter 2008. S. 6
  2. a b c d e f g FASTECH 360 新幹線電車用 駆動装置・集電装置. 東洋電機技報 Nr.114, Toyo Denki, Sep 2006.
  3. a b Bremsesystem der Shinkansen für höhere Geschwindigkeit (Japanisch). JR East Technical Review Nr. 22, Japan Winter 2008. S. 11-14
  4. a b Lärmschutz von FASTECH 360 (Japanisch). JR East Technical Review Nr. 22, Japan Winter 2008. S. 15-20
  5. JR East:Herstellung der Prototypen-Shinkansen (PDF; 270 kB). Presseinformation vom 10. Februar 2004 (Japanisch)
  6. a b JR電車編成表08夏号. JRR, Japan 2008, ISBN 9784882830498. S. 13
  7. 鉄道ファン (Eisenbahn Fun) Nr. 579. Kōyū-sya, Japan Juli 2009, S. 36