Fagus-Werk

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Fagus-Werk*
UNESCO-Welterbe Welterbe.svg

Fagus Gropius Hauptgebaeude 200705 wiki front.jpg
Fagus-Werk in Alfeld (Frontale)
Staatsgebiet DeutschlandDeutschland Deutschland
Typ Kultur
Kriterien (ii)(iv)
Referenz-Nr. 1368
Regionª Europa
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung 2011  (Sitzung 35)

* Der Name ist auf der Welterbe-Liste aufgeführt.
ª Die Region ist von der UNESCO klassifiziert.

Fagus-Werk in Alfeld (Rückseite)

Das Fagus-Werk ist eine Fabrikanlage in Alfeld und Sitz der Firma Fagus-GreCon. Das Werk wurde 1911 von den Architekten Walter Gropius und Adolf Meyer entworfen und steht als eines der ersten Beispiele der architektonischen Moderne seit 1946 unter Denkmalschutz. Seit Juni 2011 gehört die gesamte Fabrikanlage zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Der Unternehmer Carl Benscheidt (1858–1947) erteilte Walter Gropius 1911 den Auftrag, für seine neue Schuhleistenfabrik[1] ein Fabrikgebäude zu errichten, das modernen Gesichtspunkten entsprechen und direkt an der Eisenbahnlinie Hannover–Alfeld-Kassel/Bebra liegen sollte. Hierbei konnte Gropius bei der Grundrissgestaltung auf einen bereits fertigen Vorentwurf des Architekten Eduard Werner zurückgreifen, um in der Fassadengestaltung völlig neue Wege zu gehen. Heute befindet sich in den Gebäuden außer der Schuhleistenfertigung auch ein Schuhmuseum. Der Name Fagus ist lateinisch und bedeutet Buche. Buchenholz war der Rohstoff für die seit 1858 in Alfeld ansässige industrielle Schuhleistenherstellung.

Die Fabrikanlage ist seit 1946 eingetragenes Baudenkmal und wurde seit 1984 umfangreich restauriert. Seit 2006 befindet sich im ehemaligen Lagerhaus eine Fagus-Gropius-Ausstellung. Am 25. Juni 2011 wurde die Fabrikanlage zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.[2]

[Bearbeiten] Details zur Architektur

Es wurden bereits charakteristische Elemente verwendet, die später den internationalen Stil bestimmen sollten. Besonders erwähnenswert sind Vorhangfassaden aus Glas, die klare kubische Form sowie die Gestaltung der Stahlträger. Die kreuzförmigen Pfeiler verändern sich nach oben hin und werden schlanker, dazwischen befindet sich die Glasschürze. Die Verglasung ist in einem Stahlrahmen gefasst, ursprünglich hatte Gropius die Fassade vor den Pfeilern geplant. Auf Deckenhöhe befinden sich Stahlverkleidungen statt der Glasscheiben, diese Blechschürze läuft an der Ecke bis um das Treppenhaus herum. Bisher wurden die Ecken eines Gebäudes immer sehr massiv ausgeführt und sollten einen festen Eindruck hinterlassen. Das revolutionäre an diesem Gebäude ist die „offene“ Ecke, die der Beginn der modernen Skelettbauweise war. Die Ecken des Gebäudes sind nicht einfach hervorkragende Betonbauten, sondern wurden durch eine Kreuzkonstruktion ausgesteift. Das Gebäude ist sehr schmal und sollte keinen monumentalen Eindruck hinterlassen, Leichtigkeit und Transparenz stehen in bewusstem Kontrast zum geschlossenen Stein-Ziegelbau. Gropius kümmerte sich zudem nicht nur um die Außengestaltung, sondern arbeitete viele Details und die Innenraumgestaltung aus.

Karl Benscheidt (1888–1975), Sohn des Firmengründers Carl Benscheidt, beauftragte 1928 den heute weltweit bekannten Fotografen Albert Renger-Patzsch (1897–1966), das Fagus-Werk zu fotografieren. Karl Benscheidt ließ ihm völlige Freiheit bei der Motivwahl. Es entstanden einige der berühmtesten Aufnahmen von Albert Renger-Patzsch. Drei Fotografien dieser Serie übernahm Carl Georg Heise, Buchautor und Herausgeber von „Die Welt ist schön“ (1928), in dieses Werk – darunter die „Schuhbügeleisen“, eine Inkunabel der neusachlichen Fotografie. Im April 1928 entstanden 50 bis 60, mit einem erneuten Auftrag im Jahre 1952 weitere 28 Aufnahmen. Die Negative des ersten Auftrags gingen im Zweiten Weltkrieg verloren, die des zweiten und eine Serie von Fotografien werden im Albert-Renger-Patzsch-Archiv aufbewahrt. Eine größere Anzahl von Abzügen befindet sich im Bauhaus-Archiv in Berlin.

[Bearbeiten] Literatur

  • Wulf Schadendorf: Das Fagus-Werk Karl Benscheidt Alfeld / Leine. (= Kleine Kunstführer für Niedersachsen, Heft 5.) Musterschmidt, Göttingen 1954.
  • Helmut Weber: Walter Gropius und das Faguswerk. Callwey, München 1961.
  • Karin Wilhelm: Walter Gropius. Industriearchitekt. Braunschweig 1983.
  • Heinrich Biermann, Norbert Hoffmann, Manfred Henke: Architektonische Kostbarkeiten im Landkreis Hildesheim. Köhler, Harsum 1993, S. 25–27.
  • Annemarie Jaeggi: Fagus. Industriekultur zwischen Werkbund und Bauhaus. Jovis, Berlin 1998, ISBN 3-931321-83-5.
  • Anne Sudrow: Der Schuh im Nationalsozialismus. Eine Produktgeschichte im deutsch-britisch-amerikanischen Vergleich. Wallstein, Göttingen 2010, S. 352-372; 572-591.
  • Arne Herbote: Lebensreform und Amerikanisierung : Anmerkungen zum Bauherrn des Fagus-Werks. In: der architekt, 2011, 4, S. 31-35.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Historisch auf der Seite der Fagus Gropius Ausstellung. Abgerufen am 3. Februar 2010.
  2. Deutsches Fagus-Werk bekommt Welterbe-Titel: Unesco zeichnet Gropius-Bau aus, zdf.de, 25. Juni 2011

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Fagus-Werk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
.

51.9837472222229.8125555555556Koordinaten: 51° 59′ 1,5″ N, 9° 48′ 45,2″ O

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