Vorhangfassade

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Eine Vorhangfassade, auch Vorhangwand genannt, (engl.: curtain wall = ‚Vorhangwand‘) ist eine Konstruktionsweise für Fassaden von Gebäuden. Die Vorhangfassade trägt nur ihr Eigengewicht und keine anderen statischen Lasten. Das Eigengewicht wird über das Tragwerk des Gebäudes abgetragen und diesem, über die Geschosse hinweg durchlaufend, vorgestellt.

Meist wird die Vorhangfassade mit einer Skelettbauweise kombiniert. Die Vorhangfassade wird mittels einer Unterkonstruktion am Tragwerk des Gebäudes aufgehängt. Die geschossübergreifende Fassade hat in der Regel eine Rahmenkonstruktion aus Stahl- oder Aluminiumprofilen, die großflächig mit Glas oder anderen flächigen Füllelementen ausgefacht ist. Eine Vorhangfassade kann als Pfosten-Riegel-Fassade oder als Elementfassade realisiert werden.[1]

Eine Vorhangfassade ist nicht mit einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade (engl.: rainscreen) zu verwechseln.

Technik und Normung[Bearbeiten]

Logo des Deutschen Instituts für Normung DIN EN 13830
Bereich Gebäudetechnik
Titel Vorhangfassaden – Produktnorm
Letzte Ausgabe 2003-11
ISO -

Vorhangfassaden sind in der Europäischen Norm EN 13830 genormt. Die Norm ist in Deutschland als DIN-Norm veröffentlicht.

Geschichte[Bearbeiten]

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Eine Vorhangfassade im Aufbau
Fabrikhalle Steiff in Giengen, gebaut 1903
Vorhangfassade am Bauhaus Dessau nach der Rekonstruktion (1996–2006 / Originalfassade kriegszerstört)
Vorhangfassade an der Rückseite der Kant-Garage, 1930
Die weitgehend im Original erhaltene Vorhangfassade der Kant-Garage heute (Foto 2007)

Unvollständige Auflistung nach einem Fachartikel von Miron Mislin im Portal glas-online.[2]

Vorbedingungen und Vorläufer[Bearbeiten]

  • Um 1832 verbesserte der englische Glasfabrikant R. L. Chance das Zylinderglas-Verfahren. Ab 1838 produzierte er Kristallspiegelglas, bei dem das Walzglas poliert und geschliffen werden konnte. Mit diesem Kristallspiegelglas wurde der Kristallpalast in London gebaut.
  • 1851 Crystal Palace in London von Joseph Paxton
  • Nach dem Brand von 1871 in Chicago wurden die ersten großen Stahlskelettbau-Konstruktionen im Hochhausbau entwickelt. Damit konnten die Außenfassaden freier mit Fenstern und Brüstungen gestaltet werden.
  • 1885, beim Home Insurance Building stellte William Le Baron Jenney das Stahlskelett hinter eine dünne, zwar noch steinerne Außenwand, aber das Prinzip des Curtain Wall wurde verwirklicht.
  • Ab 1891 erwies sich das Spiegelglasverfahren, das die Glaspreise senkte, als günstig für den Bau von großen Fenstern.
  • 1895 wurde das Reliance Building von dem Architekturbüro Bahnham & Root errichtet, ein Stahlskelettbau mit einer vor der Konstruktion angeordneten Curtain Wall mit Chicago Fenstern und dünnen Terracotta-Platten an den Brüstungen.
  • 1895, Studebaker Building, Arch. Solon S. Beman, zehngeschossig, gusseiserner Rahmen, Panelbrüstungen aus Gusseisen und breiten „Chicago Windows“
  • 1899–1900, Mc Clurg Building, Arch. Holabird & Roche, neungeschossig mit gusseisernem Rahmen.
  • 1899–1900, Warenhaus Tietz in der Leipziger Straße in Berlin, von B. Sehring und L. Lachmann mit einer Fensterfront von 20 m × 17,50 m, die als die erste Vorhangfassade Berlins gelten kann.
  • 1906–1907 fünf Fabrikationsgebäude der Eisenbahnwagonfirma A. Koppel aus Berlin wiesen bei seiner neuen amerikanischen Filiale bei Pittsburgh in Pennsylvania-Curtain-Wall-Fassaden auf. Die Fensterbänder im Oberlichtbereich wurden als durchgehende horizontale Fensterbänder „um die Ecke“ geführt. (American Machinist, October 19, 1907).

Erste Beispiele und Projekte[Bearbeiten]

  • 1903 Spielzeugfabrik von M. Steiff in Giengen a. Brenz mit gläsernen Vorhangfassaden an allen vier Gebäudeseiten.[3]
  • 1909 AEG-Turbinenfabrik in Berlin, von Peter Behrens. Die 13,35 × 15 m² große Glaswand (bei einer Gesamtbreite von 26,30 m), die sich auf einen Betonsockel von rund 2,5 m Höhe stützte, erfüllte die formal-konstruktiven Voraussetzungen für eine Vorhangfassade.
  • 1911–1914 Fagus-Werk von Walter Gropius in Alfeld a. Leine. Hier erstreckten sich acht gläserne Fensterkästen über drei Stockwerke von 10 × 4,35 m². Die gesamte Front ist in riesige Fensterflächen aufgelöst, die keine Tragfunktion ausüben, sie sind also Curtain Walls.
  • 1915–1918 Hallidie Building, ein zwölfstöckiges Gewerbe- und Bürohaus in San Francisco von Willis Polk. Die Vorhangfassade wurde in einem Abstand von rund 90 cm vor den tragenden oktogonalen Stahlbetonpfeilern befestigt.
  • 1921–1923 Entwürfe von Mies van der Rohe für Turmhochhäuser in Berlin von Mies van der Rohe
  • 1922 Maison Ozenfant. Wohnhaus und Atelier von Le Corbusier in Paris
  • 1927–1928 Kaufhäuser Schocken in Chemnitz und Stuttgart von Erich Mendelsohn
  • 1926 Bauhaus Dessau von Walter Gropius
  • 1929–1930 Kant-Garage in Berlin von Hermann Zweigenthal
  • 1930 Obdachlosenasyl (Cité de refuge) von Le Corbusier in Paris

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulrich Knaack: Façades: principles of construction. Birkhäuser, Berlin 2007, ISBN 978-3-7643-7962-9, S. 27 f.
  • Karl-Eugen Kurrer (Hrsg.): Annotations on the History of Curtain Walls in Industrial Buildings of the United States and Germany between 1890 and 1920. In: Proceedings of the Third International Congress on Construction History. Cottbus 2009, Vol. 3, Neunplus1, Berlin 2009, ISBN 978-3-936033-31-1, S. 1039–1047.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vorhangfassaden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Curtain Wall. In: Baunetzwissen, abgerufen am 18. Dezember 2009
  2. Zur Geschichte des Curtain Walls von 1890 bis 1930 von Miron Mislin. In: glas-online.de, 3, 2009, S. 46.
  3. Anfang des 20. Jahrhunderts projektierte Margaretes Neffe Richard neue Fabrikgebäude. In: monumente-online.de, abgerufen am 4. Februar 2010