Kloster Maulbronn

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Kloster Maulbronn
Klosterfront und romanische, spätergotisierte Klosterkirche mit Vorhalle
Klosterfront und romanische, später
gotisierte Klosterkirche mit Vorhalle
Lage Deutschland
Baden-Württemberg
Koordinaten: 49° 0′ N, 8° 49′ O49.00118.8129Koordinaten: 49° 0′ 4″ N, 8° 48′ 46″ O
Ordnungsnummer
nach Janauschek
139
Patrozinium Maria
Gründungsjahr 1138/1147
Jahr der Auflösung/
Aufhebung
1534
Mutterkloster Kloster Neuburg
Primarabtei Kloster Morimond

Tochterklöster

Kloster Bronnbach (um 1150)
Kloster Schöntal (1157)

Kloster Maulbronn*
UNESCO-Welterbe
UNESCO-Welterbe-Emblem
Staatsgebiet: DeutschlandDeutschland Deutschland
Typ: Kultur
Kriterien: (ii)(iv)
Referenz-Nr.: 546
Region: ª Europa
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 1993  (Sitzung 17)

* Der Name ist auf der Welterbe-Liste aufgeführt.
ª Die Region ist von der UNESCO klassifiziert.

Brunnenhaus, Innenansicht

Das Kloster Maulbronn ist eine ehemalige Zisterzienserabtei in der Ortsmitte von Maulbronn. Kleinstadt und Kloster liegen am Südwestrand des Strombergs, der sich im südlich des Odenwalds und nördlich des Schwarzwalds gelegenen Kraichgau erhebt. Die nächste Großstadt ist das baden-württem­bergische Pforzheim. Maulbronn gilt als die am besten erhaltene mittelalterliche Klosteranlage nördlich der Alpen. Hier sind alle Stilrichtungen und Entwicklungsstufen von der Romanik bis zur Spätgotik vertreten.

Die Anlage, die von einer Mauer umschlossen ist, beherbergt heute unter anderem mehrere Restaurants, die Polizei, das Rathaus von Maulbronn und andere Verwaltungsämter. In den Klostergebäuden befindet sich auch ein evangelisches Gymnasium mit Internat.

Das Kloster Maulbronn ist seit Dezember 1993 Weltkulturerbe der UNESCO.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten]

Unter der Ägide des Abtes Bernhard von Clairvaux erhielt der Zisterzienserorden auch im heutigen Deutschland großen Zulauf. In Südwest­deutsch­land ließ sich der Edelfreie Walter von Lomersheim von der Begeisterung anstecken. Er stiftete sein Erbgut Eckenweiher zwischen Mühlacker und Lienzingen zur Gründung eines Zisterzienserklosters, in das er selbst als Laienbruder einzutreten gedachte. Zu diesem Zweck entsandte das Kloster Neuburg im Elsass einen Abt, und zwölf Mönche - wie es heißt nach der Zahl der Apostel.

Mit der Neugründung dieses Klosters betraute man Abt Dieter von der Primarabtei Morimond, der am 24. März 1138 eintraf. Die Lage der gestifteten Ländereien scheint jedoch der Klostergründung wenig förderlich gewesen zu sein. Unter anderem scheint es an Wasser gefehlt zu haben.

Um 1146 nahm sich der zuständige Bischof von Speyer Günther von Henneberg persönlich der Sache an. Er erklärte den Ort für untauglich und schenkte dem Kloster das Bischofslehen zu Mulenbrunnen in einem abgeschiedenen Waldtal. Vermutlich im Sommer des Jahres 1147 wurde es dorthin verlegt.

Weitere Entwicklung[Bearbeiten]

Die Anlage entwickelte sich schnell zu einem wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Zentrum der Region.

Das Kloster stand ab 1156 unter kaiserlicher Schirmvogtei. Im Jahr 1232 wurde die kaiserliche Vogtei bestätigt. Der Konvent wählte dann jedoch den Bischof von Speyer zum Beschützer der Abtei. Dieser scheint die Vogtei als Untervogtei seinem Ministerialen Heinrich von Enzberg verliehen zu haben, der ab 1236 als Schirmer der Abtei urkundlich fassbar wird. Über die folgenden Jahrzehnte kam es dann immer wieder zu teilweise gewaltsamen Streitigkeiten mit den Herren von Enzberg, die versuchten, ihre Vogtei über das Kloster zum Ausbau der eigenen Position zu nutzen. Ab 1325 wurden die Pfalzgrafen bei Rhein mit der Schirmvogtei betraut.

Während des bayerisch-pfälzischen Erbfolgekrieges belagerte im Jahr 1504 Herzog Ulrich von Württemberg das Kloster, das nach siebentägiger Belagerung fiel.

Im Deutschen Bauernkrieg 1525 wurde das Kloster von aufständischen Bauern geplündert. Der Böckinger Bauernführer Jäcklein Rohrbach hielt sich damals in Maulbronn auf und beklagte sich bei Hans Wunderer über die Unordnung unter den Aufständischen, die sich nicht darauf einigen konnten, ob das Kloster verbrannt, abgerissen oder verkauft werden solle. Der Einmischung Rohrbachs ist es zu verdanken, dass die Gebäude letztlich erhalten blieben.

Vertreibung des Konvents im Zuge der Reformation[Bearbeiten]

Da das Herzogtum Württemberg protestantisch wurde, wurden die Mönche des Klosters von der politischen Autorität im Lande nicht geduldet. Das Kloster war zunächst als Sammelkloster für renitente Mönche aus allen Männerklöstern Württembergs vorgesehen. Abt und Konvent übersiedelten 1537 in ihr Priorat Pairis ins Elsass, der Abt starb 1547 in Einsiedeln. Nach der Niederlage im Schmalkaldischen Krieg musste der Herzog das Kloster im Jahr 1546/47 dem Konvent zurückgeben.

Der 1555 beschlossene Augsburger Religionsfrieden gab dem Herzog das Recht, das Bekenntnis seiner Untertanen zu bestimmen. Im Jahr 1556 erließ er die Klosterordnung, die den Grundstein für ein geregeltes Schulwesen in allen verbliebenen Männerklöstern Württembergs legen sollte. Die Umwandlung des Klosters in eine Schule blieb vom juristischen Standpunkt noch lange umstritten. Es gab zwei Versuche des Kaisers, die Entwicklung in Maulbronn rückgängig zu machen. Während des Interims in den Jahren 1548 bis 1555 und von 1630 bis 1649 aufgrund des kaiserlichen Restitutionsedikts konnten Mönche aufgrund der zeitweilig gegebenen Machtverhältnisse wieder in das Kloster einziehen.

Wirtschafts- und Besitzgeschichte[Bearbeiten]

In der Frühzeit des Klosters lebte es von frommen Schenkungen und Stiftungen des edelfreien Adels und der Ministerialität. Im 14. und 15. Jahrhundert erfolgte eine planmäßige Arrondierung und Verdichtung des Besitzes durch Güterkäufe. Am Ende der Entwicklung stand ein geschlossenes Klosterterritorium mit über zwanzig Dörfern, den sogenannten „Klosterflecken“.

Neben der Eigenbewirtschaftung der unmittelbar um das Kloster gelegenen Güter mit dem Elfinger Hof gab es Eigenbetriebe auch in Illingen, Knittlingen und Unteröwisheim. Außerdem wurden insgesamt etwa 2500 Hektar klösterlichen Waldes, verteilt auf etwa 25 Ortschaften, bewirtschaftet.

Im Übrigen wurden Güter und Privilegien verpachtet, was dem Kloster gemeinsam mit den Zehnteinnahmen erhebliche Einkünfte brachte. Darüber gibt die Größe des erhaltenen klösterlichen Fruchtkastens ein beredtes Zeugnis. Zur Verwaltung der Einkünfte aus den Klostergütern richtete der Konvent mehrere sogenannte Klosterpflegen ein. Insgesamt besaß das Kloster sieben Pfleghöfe, und zwar in Illingen, Kirchheim am Neckar, Knittlingen, Ötisheim, Speyer, Unteröwisheim und Wiernsheim.

Klosterschule[Bearbeiten]

Im Januar 1556 nahm Abt Heinrich wie die anderen Prälaten des Landes die neue Klosterordnung an. Außer Maulbronn wurden gemäß dieser Regelungen noch zwölf weitere Männerkloster im württembergischen Herrschaftsbereich in evangelische Klosterschulen umgewandelt, um dort den Nachwuchs an evangelischen Pfarrern heranzubilden.[1] In Maulbronn existiert die Schule bis heute; mehrere bekannte Absolventen sind aus ihr hervorgegangen, unter ihnen Johannes Kepler, Friedrich Hölderlin und Hermann Hesse. Maulbronn ist eines der wenigen Seminare, das bis heute erhalten blieb. 1807 wurde die Schule in ein evangelisch-theologisches Seminar umgewandelt. Das Seminar ist heute ein staatliches Gymnasium mit Internat ab der 9. Klasse bis zum Abitur in Klasse 12. Circa 100 Schülerinnen und Schüler sind dort.

Filialklöster[Bearbeiten]

Chronologische Eckdaten[Bearbeiten]

1138 Klosterbau zu Eckenweiher durch Abt Dieter und 12 Mönche aus dem Zisterzienserkloster Neuburg im Elsass
1146 Hl. Bernhard von Clairvaux in Speyer
1147 Bischof Günther von Speyer übergibt sein Lehen "Mulenbrunnen" dem Abt Dieter, der das Kloster nach Maulbronn verlegt
1148 Papst Eugen III. verleiht dem neuen Kloster einen Schutzbrief
1153 Graf Ludwig von Württemberg schenkt dem Kloster das Dorf Elfingen
1156 Kaiser Barbarossa nimmt das Kloster in den Schutz des Reichs
1178 Erzbischof Arnold von Trier weiht die Klosterkirche
1201 Bau der Klosterfront (Keller und Laienrefektorium)
Um 1210 Bau der Vorhalle (Paradies)
Um 1215 Bau der Südhalle des Kreuzgangs
Um 1225 Bau des Herrenrefektoriums und des Kapitelsaals
Um 1300 Bau der Westhalle des Kreuzgangs
Um 1350 Bau der Nordhalle des Kreuzgangs mit Brunnenkapelle, der Osthalle mit Kapitelsaal und Johanneskapelle
1361 Johann I. von Rottweil wird Abt und ummauert das Kloster
1424 gotischer Umbau der Kirche
1430 Bau des Pfrundhauses
1441 Pfalzgraf als Schirmvogt befestigt das Kloster mit Mauern, Türmen und Zinnen
1479 Bau der Vorhalle des Klosters
1493 Bau des Parlatoriums
1495 Vollendung des Oratoriums
1501 Errichtung des Steinbaldachins im Mittelschiff der Laienkirche
1504 Herzog Ulrich von Württemberg besetzt das Kloster
1512 Johannes VIII. Entenfuß von Unteröwisheim wird Abt und entwickelt rege Bautätigkeit
1516 Johann Georg Faust soll vom Abt Entenfuß zum Goldmachen berufen worden sein
1517 Umbau des Herrenhauses mit der Wendeltreppe beendet
1518 Abt Entenfuß abgesetzt
1519 Ritter Franz von Sickingen brandschatzt das Kloster
1521 Pfisterei erbaut
1525 aufständische Bauern plündern das Kloster
1534 Herzog Ulrich von Württemberg säkularisiert das Kloster
1537 Abt Johann IX. verlegt nach seiner Flucht nach Speyer die Abtei nach Kloster Pairis im Elsass
1547 Durch das Augsburger Interim Kaiser Karls V. kommt das Kloster vorübergehend wieder in den Besitz der Zisterzienser. Abt Heinrich III. führt die katholische Religion und Ordensregel wieder ein und erlangt erneut die Anerkennung der Reichsunmittelbarkeit.
1550 Bau des Gesindehauses
1556 Herzog Christoph von Württemberg errichtet eine evangelische Klosterschule
1558 Valentin Vannius wird erster evangelischer Abt
1580 Erweiterung des Fruchtkastens
1586-89 Johannes Kepler von Weil der Stadt wird Schüler im Kloster
1588 Bau des Herzoglichen Jagdschlosses
Um 1600 Bau des Hörsaals über der Brunnenkapelle
1630 Rückgabe des Klosters mit Waffengewalt an die Zisterzienser - Christoph Schaller von Sennheim wird Abt
1632 Infolge der Siege des Schwedenkönigs Gustav Adolf verlassen die Mönche das Kloster wieder
1633 Neueinsetzung eines evangelischen Abts
1634 Wiederherstellung der evangelischen Klosterschule - Rückkehr von Abt Schaller mit den Zisterziensern
1648 Im Westfälischen Frieden wird Maulbronn dem Protestantismus zugesprochen
1649 Abt Buchinger zieht unter Protest ab
1651 Wiedereinsetzung eines evangelischen Abts
1656 Wiederherstellung der evangelischen Klosterschule
1692 Klosterschüler werden vor dem Mordbrenner Ezéchiel de Mélac in Sicherheit gebracht
1702 Wiedereröffnung der Klosterschule
1751 Abbruch des Abtshauses
1786-88 Friedrich Hölderlin Schüler in der Maulbronn Klosterschule
1806 König Friedrich I. von Württemberg säkularisiert das Kloster
1807 Zusammenlegung der Klosterschule Maulbronn mit Bebenhausen
1818 Maulbronn wird "Evangelisch-theologisches Seminar"
1823 Verlegung der Generalsuperintendenz von Maulbronn nach Ludwigsburg
1892 Brand des Pfrundhauses
1893-99 Abbruch des Professorhauses vor der Klosterfront und des so genannten Schlösschens (Famulus-Wohnung)
1928 Evangelisch-theologisches Seminar Maulbronn geht in den Besitz der Evangelischen Seminarstiftung über
1941 Beschlagnahme des Klosters und Schließung der Seminarschule durch nationalsozialistische Regierung
1945 Wiedereröffnung des Evangelisch-theologischen Seminars

Heutige Bedeutung des Klosters[Bearbeiten]

Die Klosteranlage ist heute fast ausschließlich im Besitz des Landes Baden-Württemberg und wird von der Einrichtung Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg betreut. Die Stadt Maulbronn nutzt den ehemaligen Marstall als Rathaus. Durch die Aufnahme in die UNESCO-Liste Weltkulturerbe zieht die Bauanlage Besucher aus aller Welt an.

Regelmäßig werden Klosterkonzerte veranstaltet, die die Akustik der Klosterbauten zur Geltung bringen.[2]

Architektur[Bearbeiten]

Klostertor[Bearbeiten]

Vor dem Haupteingang befand sich früher der Klostergraben, über den an Stelle der festen Steinbrücke ursprünglich eine hölzerne Zugbrücke führte. An der Westfront des Torturms sind noch die Öffnungen zu sehen, durch welche die Ketten zum Aufziehen der Brücke liefen.

In einer Zelle neben dem Klostereingang lebte der Pförtner, der Fremde in seiner Zelle Platz nehmen ließ und sie dann dem Abt meldete. Ordensbrüder durfte er sofort einlassen, Frauen überhaupt nicht. Gegen Männer war Gastfreundschaft heilige Pflicht: Arme und Kranke sollten empfangen werden, als ob Christus selbst käme.

Frühmesserhaus (heute Klostermuseum)

Klosterhof[Bearbeiten]

Der Klosterhof zeichnet sich durch sein geschlossenes Bild aus. Gleich hinter dem Tor, an der Stelle der Apotheke, befand sich die Klosterherberge. An die Apotheke schließt sich das Frühmesserhaus an, die Wohnung der Ordensgeistlichen, die in der gegenüber liegenden Kapelle die Messe zu lesen hatten. Diese Torkapelle hatte den Zweck, Frauen, die keinen Zutritt zum Kloster hatten, die Beteiligung am Gottesdienst zu ermöglichen.

Vor dem Renaissance-Rathaus steht eine alte Linde. Hinter der Klosterküferei ragt der Klosterspeicher, der so genannte Fruchtkasten, auf, der auf alten Fundamenten im Jahr 1580 in seiner jetzigen Größe errichtet wurde. Das Fachwerkhaus in der Mitte des Platzes ist die alte Klosterverwaltung. Ursprünglich war der Klosterhof entweder kleiner oder durch eine Mauer in einen äußeren und inneren Teil geschieden. Er wird heute im Osten von der Front des Klosters begrenzt.

Paradies[Bearbeiten]

Vorhalle von Dijon (Notre-Dame) und Maulbronn im Vergleich

Die Vorhalle der Klosterkirche hat ihren Namen „Paradies" von der Sitte, den Vorraum der Kirche mit der Geschichte des Sündenfalls auszumalen. Die letzte Bemalung stammt aus dem Jahr 1522, ist aber bis auf geringe Reste abgefallen.

Das Paradies des Klosters Maulbronn markiert - wie viele Teile der dortigen Architektur - die Übergangszeit von der Romanik zur Gotik und zeigt burgundische Einflüsse. In der Kombination sind hohe, lichte Fenster und weite Gewölbe bereits deutlich gotisch, wohingegen noch keine Spitzbögen, sondern romanische Rundbögen die Fenster zieren. Teilweise werden auch Spitz- und Rundbögen miteinander arrangiert. Diese Form der Kombination ist in Deutschland einzigartig. Der Baumeister ist nicht namentlich bekannt, er wird daher nach dem Maulbronner Paradies Paradies-Baumeister genannt.

Der Meister des Maulbronner Paradieses[Bearbeiten]

Ein in der Frühgotik Nordfrankreichs, z. B. in der Bauhütte von Laon, 1160/70 geschulter Meister erhielt den Auftrag, die Vorkirche, den neuen Kreuzgang und den Speisesaal der Herrenmönche zu bauen. Dieser Baumeister kam über Burgund, das Ursprungsland der Zisterzienserbewegung, nach Maulbronn. Zunächst versah er den Speisesaal der Konversen mit Doppelstützen, um den Raum, wie nach Ausweis der Wandspuren schon von seinem Vorgänger vorgesehen, mit Kreuzrippen zu wölben. Dann errichtete er vor der Westseite der Kirche das sogenannte „Paradies“ (daher sein Name) und den Kreuzgang-Südflügel sowie das Herrenrefektorium mit dem für den spätromanisch-frühgotischen Übergangsstil bezeichnenden sechsteiligen Kreuzrippengewölbe. Er begann auch den West- und den Ostflügel des Kreuzgangs mit jeweils dem ersten Joch von Süden und legte damit die Breiten- und Höhenmaße des im übrigen hochgotischen Kreuzgangs fest. Er zerlegte statische Funktionen in Einzelglieder. Typisch für seine Arbeit sind die Summierung der röhrenförmigen, verschieden hohen Dienste und die „Lochform“ der Fenster (Vorformen des Maßwerkes der Hochgotik). Alle Rippen des Gewölbes folgen dem Halbkreis.

Der „Maulbronner Paradiesmeister“ hat später in Magdeburg am Bischofsgang des Domchores und in Halberstadt gewirkt.

Bemerkenswert sind auch die Portale, die das Paradies mit dem Kirchenschiff verbinden. Die Türblätter stammen aus dem 12. Jahrhundert und sind original erhalten. Selbst der ehemalige Lederbezug (siehe Detail-Bild) ist noch gut sichtbar.

Klosterfront
Klosterkirche (Innenansicht)

Klosterkirche[Bearbeiten]

Am Deckengewölbe konnte Joseph Victor von Scheffel noch die Buchstaben "A. v. k. l. W. h." (= All voll, keiner leer (oder - wahrscheinlicher - Kanne leer), Wein her!) lesen. Dies inspirierte ihn zu seiner Maulbronner Fuge[3]:

Im Winterrefektorium zu Maulbronn in dem Kloster,
Da geht was um den Tisch herum, klingt nicht wie Paternoster.
Die Martinsgans hat wohlgethan, Eilfinger blinkt im Kruge,
Nun hebt die nasse Andacht an, und alles singt die Fuge:
All Voll, Keiner Leer, Wein Her! Complete pocula!

Die Kirche ist eine dreischiffige Basilika, die in den Jahren 1147 bis 1178 zunächst in romanischem Stil erbaut wurde. Sie ist ungewöhnlich lang, da das Langschiff zwei Kirchen, die Laien- und die Mönchskirche, vereinigt. Ein romanischer Lettner trennt die Laienkirche, den so genannten Bruderchor, von der Mönchskirche, dem so genannten Herrenchor. Eine Besonderheit ist dabei das Kruzifix: Das Kruzifix und der Körper des Heilands sind aus einem einzigen Steinblock herausgemeißelt. Es ist dabei exakt so ausgerichtet, dass an den längsten Tagen im Jahr nach zehn Uhr die Sonnenstrahlen die Dornenkrone Christi aufleuchten lassen.

Weitere Räume im inneren Bereich[Bearbeiten]

Ab etwa 1200 wurde, beginnend mit dem Westtrakt, innerhalb von 10 bis 20 Jahren die Klausur um den Kreuzgang nördlich der Kirche errichtet.

Das Laienrefektorium (erb. um 1201) ist nach der Kirche der umfangreichste überwölbte Raum im Kloster.

Die Tür gegenüber der Brunnenkapelle führt ins Herrenrefektorium (erb. um 1220 - 25), dem Speiseraum für die Mönche.

Im Kapitelsaal (13. Jh.) wurden in täglicher Versammlung allen Mönchen Kapitel aus der Ordensregel vorgelesen und eingeschärft. Diesem Zweck dienend war der Saal an allen vier Seiten mit Steinbänken versehen.

Die Brunnenkapelle aus dem 14. Jahrhundert springt südwärts ins Kreuzgärtchen vor. Der Waschraum im Kreuzgang ist von der Ordensregel vorgeschrieben. Die unterste Brunnenschale ist so alt wie die gotische Kapelle. Die beiden oberen Schalen wurden erst in neuerer Zeit hierher gesetzt.

Das Calefactorium ist ein backofenartiges Gewölbe, dessen Steine noch Spuren von Feuer tragen. Es ist der Raum, von dem aus die darüber liegende Wärmestube der Mönche geheizt wurde, der, abgesehen von der Klosterküche, einzige heizbare Raum im ganzen Kloster.

Das Parlatorium (um 1493) , der Sprechsaal des Klosters, war der Ort, wo die Mönche untereinander und mit den Oberen des Ordens die nötigsten Worte wechseln durften.

Erwähnenswert ist die Einzeigeruhr.

In der Parkanlage südöstlich außerhalb der Klostermauern wurde 2012 eine Stauferstele eingeweiht, die u.a. daran erinnert, dass Friedrich I. Barbarossa das Kloster ab 1156 als kaiserliche Schirmvogtei unter seinen Schutz gestellt hat.[4]


Orgeln[Bearbeiten]

Im Kloster Maulbronn befindet sich eine Orgel in der Klosterkirche und eine im heizbaren Winterspeisesaal, der auch als „Winterkirche“ bezeichnet wird. Im April 2000 wurde von der Orgelbaufirma Claudius Winterhalter (Oberharmersbach) ein neues zweimanualiges Instrument errichtet.[5]

Die Walcker-Orgel in der Klosterkirche wurde 2010 demontiert und durch eine neue Orgel mit 35 Registern auf drei Manualen und Pedal von Gerhard Grenzing (Barcelona) 2013 ersetzt.

Sondermarken und Sondermünzen[Bearbeiten]

Deutschland 2013

Zur Erhebung des Klosters Maulbronn zum UNESCO-Kultur- und Naturerbe der Menschheit erschien am 22. Januar 1998 eine Sondermarke der Deutschen Bundespost, auf dem die Klosterkirche und der Grundriss des Klosters gezeigt werden.

Ab 2013 ist das Kloster auf der Rückseite einer 2-Euro-Gedenkmünze zu sehen (Bundesländer-Serie) [6]. Das Motiv wurde vom Pforzheimer Flachgraveur Eugen Ruhl (Kürzel er) entworfen und zeigt die Vorhalle der Klosterkirche Maulbronn (Paradies) von 1220 und den dreischaligen Waschbrunnen.[7]

Legenden[Bearbeiten]

Darstellung der Gründungslegende im Gewölbe des Brunnenhauses

Ein Maultier findet den Ort für die Klostergründung

Ein Wappen an der Quellennische zeigt die Gründungslegende, in der es heißt, dass die Mönche unentschlossen waren, wo sie das Kloster bauen sollten. Sie beluden deshalb ein Maultier mit den Klosterschätzen und ließen es laufen. Das Maultier blieb an der Stelle des heutigen Brunnens (= Bronn) stehen, warf den Klosterschatz ab und scharrte mit dem Huf. Dort schoss sogleich eine Wasserfontäne empor, die die Mönche im Brunnen und später im Brunnenhaus fassten. So habe das Kloster Standort und den Namen Maulbronn erhalten.

Erfindung der Maultasche durch die Maulbronner Mönche

Eine von mehreren Theorien, wie die schwäbische Maultasche erfunden wurde, verweist auf das Kloster Maulbronn. Eine Legende erzählt, dass gewitzte Ordensbrüder des Klosters Maulbronn - als diese in der Fastenzeit Fleisch geschenkt bekommen hatten - dieses als gute Schwaben nicht verkommen lassen wollten. Um das Verbot zu umgehen, freitags und in der Fastenzeit Fleisch zu essen, hackten sie das Fleisch ganz klein und vermengten es mit Kräutern. So sah es nach Gemüsebrei aus. Zudem wurde es noch in Taschen aus Nudelteig versteckt, damit es der Herrgott vom Himmel nicht sehen könnte. Der "liebe Gott" soll dabei augenzwinkernd zugesehen haben. Im Volksmund wurde dieses Gericht nach dem Klosternamen als "Maul"tasche bezeichnet und wird auch scherzhaft "Herrgottsbscheißerle" genannt.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Martin Ehlers: Ortsgeschichte im Überblick, in: Maulbronn Heimatbuch. Maulbronn 2012, ISBN 978-3-933486-75-2, S. 77
  2. [1] Internetseite der "Klosterkonzerte Maulbronn", abgerufen am 22. Februar 2014
  3. http://de.wikisource.org/wiki/Allgemeines_Deutsches_Kommersbuch:318
  4. Stauferstele Kloster Maulbronn auf stauferstelen.net. Abgerufen am 22. März 2014.
  5. Nähere Informationen zur Orgel der Winterkirche
  6. Bundesbank Übersicht 2-Euro-Gedenkmünzen
  7. Susanne Roth: Maulbronn-Motiv mit Auflage von 30 Millionen. Zeitungsartikel von ca. 2013

Literatur[Bearbeiten]

  • Marga Anstett-Janßen: Kloster Maulbronn, Deutscher Kunstverlag München/Berlin 2000, ISBN 3-422-03084-0
  • Friedl Brunckhorst: Maulbronn: Zisterzienserabtei - Klosterschule - Kulturdenkmal, Schimper-Verlag Schwetzingen 2002, ISBN 3-87742-171-7
  • Karl Klunzinger: Urkundliche Geschichte der vormaligen Cisterzienser-Abtei Maulbronn. Stuttgart 1854.
  • Ulrich Knapp: Das Kloster Maulbronn. Geschichte und Baugeschichte. Stuttgart 1997.
  • Peter Rückert / Dieter Planck (Hrsg.): Anfänge der Zisterzienser in Südwestdeutschland. Politik, Kunst und Liturgie im Umfeld des Klosters Maulbronn. Oberrheinische Studien 16, Stuttgart 1999.
  • Maulbronn: Zur 850jährigen Geschichte des Zisterzienserklosters. Herausgegeben vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg. Stuttgart 1997. ISBN 3-8062-1283-X
  • Kloster Maulbronn 1178-1978. Ausstellungskatalog. Maulbronn 1978.
  • Carla Mueller / Karin Stober: Kloster Maulbronn., Hrsg.: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit dem Staatsanzeiger-Verlag, Stuttgart, Schriftenreihe: Führer Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Deutscher Kunstverlag München/Berlin 2006, ISBN 978-3-422-02053-5
  • Eduard Paulus: Die Cisterzienser-Abtei Maulbronn. Herausgegeben vom Württembergischen Alterthums-Verein, 2. Auflage, Bonz, Stuttgart 1882 (Digitalisat HAAB Weimar); 3., erweiterte Auflage 1889
  • Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg (Hrsg.): UNESCO-Welterbe. Kloster Maulbronn in Baden-Württemberg. Esslingen am Neckar, 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kloster Maulbronn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Kloster Maulbronn – Quellen und Volltexte