Bremer Rathaus

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Rathaus mit Roland, Dom und Bürgerschaft
Obere Rathaushalle, Foto von 1955

Das Bremer Rathaus ist eines der bedeutendsten Bauwerke der Gotik und der Weserrenaissance in Europa. Seit 1973 steht es unter Denkmalschutz.[1] Im Juli 2004 wurde es zusammen mit dem Bremer Roland von der UNESCO zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt.[2]

Das Gebäude ist Sitz des Senats und des Präsidenten des Senats und Bürgermeisters der Freien Hansestadt Bremen.

Lage[Bearbeiten]

Lage von Rathaus und Ratskeller

Das Bremer Rathaus liegt mitten in der Bremer Altstadt an der Nordoseite des Marktplatzes. Gegenüber an der Südwestseitean der Südostseite das moderne Haus der Bremer Bürgerschaft. Die Türme des Toms erheben sich südöstlich. Nördlich, nur durch die Straße Schoppensteel getrennt, steht die Kirche Unser Lieben Frauen. Im Winkel zwischen (Altem) Rathaus und Kirche sowie um diese herum erstreckt sich der Liebfrauenkirchhof. Auf dem Marktplatz steht vor dem Rathaus der Bremer Roland, an der Nordecke des Alten Rathauses auf dem Liebfrauenkirchhof die Bronzeplastik der Bremer Stadtmusikanten von Gerhard Marcks.

Aus sprachlicher Vereinfachung wird im Folgenden die dem Markt zugewandte Südwestseite als Südseite bezeichnet, die Schmalseiten als West- und Ostseite, die weitgehend mit dem Neuen Rathaus zugebaute Nordostseite als Nordseite.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Rathaus zwischen Liebfrauenkirche und Bremer Dom 1588/89 (Hogenberg-Plan)
1596, Rathaus noch mit gotischen Spitzbogenfenstern zum Marktplatz (Vorläufer der Dilich-Chronik)
Marktfront nach der ersten Umgestaltung mit zehn großen Rechteckfenstern, 1603 in der Delineatio fori aus der Dilich-Chronik
Renaissancefassade 1641, Marckt in Bremmen, Matthäus Merian d. Ä.[3]

Das Olde Radhus[Bearbeiten]

Das erste Bremer Rathaus stand am Südende der Häuserzeile zwischen Sögestraße, Liebfrauenkirchhof und Obernstraße und erstreckte sich mit einem Torbogen über die Einmündung der Sögestraße.[4] Es ist in einer Urkunde von 1229 als domus theatralis[5] und 1251 als domus consulum erwähnt. Angenommen wird, dass es vor der Emanzipation der Bürger gegenüber dem Erzbischof schon als Gerichtsgebäude gedient hatte und über mindestens eine offene Halle verfügte, da zu damaliger Zeit nicht in geschlossenen Räumen Gericht gehalten werden durfte.[6] Nach dem Bau des neuen Rathauses am Markt behielt die Stadt das alte Rathaus noch fast zwei Jahrhunderte, vermietete es allerdings 1483 an das Krameramt (d. h. die Gilde der Kleinhändler), später als Lagerhaus an das Hopfenamt. Schließlich wurde es 1598 verkauft und durch zwei Privathäuser ersetzt, oder zu solchen umgebaut. Die Kanzlei, auch Scriptorium genannt, auf dem heutigen Grundstück Sögestraße 9 an einer heute verschwundenen Querstraße zwischen Sögestraße und Liebfrauenkirchhof (heute Grundstück Sögestraße 9a / U.L.F. Kirchhof 21) war erst 1382 nach einem Einsturz wieder neu errichtet worden. 1498 wurde es abgerissen und durch drei Wohnhäuser für Bedürftige ersetzt.[7] (Vermutungen, es habe noch bis ins 19. Jahrhundert bestanden,[4] sind damit überholt.

Das neue, heute Alte Rathaus[Bearbeiten]

Um 1400, auf dem Höhepunkt der städtischen Entwicklung, wurde ein neues Rathaus geplant. Dieses Alte Rathaus wurde 1405–1410[8] als gotischer Saalgeschossbau erbaut. Es waren Bürgermeister Johann Hemeling, die Ratsherren Friedrich Wigger und Hinrich von der Trupe, die Baumeister Salomon und Martin sowie die Steinbildhauer Johannes und Henning, die für die Durchführung dieses gotischen Rathauses verantwortlich zeichneten.

Ort und Gestalt des Gebäudes waren eine Demonstration städtischen Selbstbewusstseins gegenüber der Authorität des Erzbischofs. Es dominierte nun mehr als der Dom und das erzbischöfliche Palatium den etwa hundert Jahre zuvor fertiggestellten Marktplatz. Seine Hallen waren ein paar Spannen länger und breiter als die große Halle im Erdgeschoss des Palatiums.[9] Nach dessen Vorbild setzte man sogar die Eingänge – an die Enden, statt dem Platz zugewandt.

In diesem Gebäude befanden sich der Ratskeller, die Untere Halle und die Obere Halle, sowie nordseitig Einzelräume, die später mehrfach verändert wurden. Die Arkade an der südlichen Längsseite diente als Gerichtslaube und durfte nicht für Marktzwecke genutzt werden. Zwei Wehrgänge mit zinnengekrönten Brustwehren, einer an der Dachtraufe und ein gedeckter über der Arkade, gaben dem Bau einen martialischen Charakter, der durch vier erkerartige Ecktürme noch verstärkt wurde. Andererseits wurden die Wände mit Skulpturen zwischen den Fenstern geschmückt. Seit der Bauzeit zieren die Figuren des Kaisers und der sieben Kurfürsten die Marktplatzseite, Darstellungen von Propheten und des Hl. Petrus die Ost- und die Westseite.

Bald nach dem Bau des alten Rathauses wurde nach 1410 an der Nordwand ein erster Anbau mit einem Sitzungszimmer für die Ratsherren und weitere Räume für die Verwaltung geschaffen. Im 15. Jahrhundert wurden an der Nordseite zusätzliche Kellerräume (Senats- und Kaiserzimmer, Apostel- und Rosekeller) und darüber die ältern Kanzleiräume und darüber die alte Wittheitsstube und ein Archivraum errichtet (1490). Dabei verschwand die Freitreppe, die im östlichen Teil der Nordwand von der Straße in die obere Rathaushalle geführt hatte.

Renaissance-Umbauten[Bearbeiten]

1545 entstand am westlichen Teil der Nordwand, nur durch einen schmalen Durchgang von der Magdalenenkapelle des Palatiums getrennt, ein dreigeschossiger Anbau. Er wurde „nye dornßen“ genannt und beherbergte die Wittheitsstube. Dabei wurde einer der vier Ecktürme entfernt. Die Renaissancefassade mit Erker harmonierte mit der gotischen Ostfassade besser, als die verzerrten zeitgenössischen Darstellungen vermuten lassen.

Südostfassade 1535 bis 1908 in richtigen Proportionen (A. Radl/W. Jury 1818/1820), links der Willehadiblock
Kanzleianbau von 1682/83, rechts über den Stadtmusikanten das letzte der 1404/10 vier gotischen Treppentürmchen

Um Ende des 16. Jahrhunderts genügte die Marktseite dieses gotischen Rathauses nicht mehr dem Repräsentationsbedürfnis des Senats, und er beschloss einen Umbau. Der aus Rheda stammende nunmehr bremische Baumeister Lüder von Bentheim erhielt den Auftrag. Unter seiner Leitung wurden zwei Umbauten durchgeführt: Im ersten Schritt wurden die zehn dem Markt zugewandten Fenster der oberen Rathaushalle vergrößert; der benötigte Graustein wurde schon 1595 gekauft.[10] Eine Darstellung aus dem Jahr 1596 zeigt noch Fenster mit Spitzbögen, eine von 1603 hingegen jene breiten Fenster mit waagerechtem Abschluss, von denen acht noch heute bestehen.

Danach entwarf er den Plan, auf dessen Grundlage die Südfassade ihre heutige Gestalt bekam. Der Mittelteil wurde abgerissen. Ein großer durchfensterter Erker entstand, gekrönt von einem flandrischen Giebel. Die gotischen Ecktürme wurden bis auf den nördlichen entfernt. Die Brustwehren der beiden Wehrgänge wurden durch dekorativ durchbrochene Brüstungen ersetzt, der bisher gedeckte untere zu zwei offenen Balkons umgestaltet. Die Fassade im Stil der Weserrenaissance zeigt Architekturelemente nach Vorlagen von Meistern der Niederländischen Renaissance wie Hans Vredeman de Vries, Hendrick Goltzius und Jacob Floris. Ein reichhaltiger Fassadenschmuck mit Figuren und Reliefs, Körpern, Köpfen, Engeln und Fabeltieren schmückt die Marktplatzseite.

Barock[Bearbeiten]

1682/83 wurde der Anbau der alten Kanzlei durch eine neue größere Kanzlei mit Schleppdach ersetzt. Sie nahm annähernd zwei Drittel der Rückwand ein, hatte in der ersten Etage zwölf Fenster und unter den beiden mittleren einen Eingang mit klassischer Attika und Pilastern. Die Erdgeschossfenster hatte dieselbe Breite wie die des Obergeschosses.[11] Der größere Teil dieses Anbaus samt Portikus fiel dem Bau des Neuen Rathaus zum Opfer. Der Rest beherbergt die neue Wittheitsstube und das Stadtbüro des Ratskellers. Barockes Decor weisen nur noch zwei Fensterstürze an der Schmalseite auf.

Erweiterungsbau[Bearbeiten]

Rathaus vom Kirchhof U. Lieben Frauen im Nordwesten; von rechts: Arkade zum Markt, Schmalseite des Hauptgebäudes, Kanzleianbau von 1682/83, Erweiterungsbau von 1909/13

Von 1819 bis 1908 diente das Stadthaus neben dem Rathaus den erweiterten Verwaltungsanforderungen, es war auf den Fundamenten des ehemaligen erzbischöflichen Palatiums errichtet worden. Um 1900 genügte dieses dezente klassizistische Gebäude nicht mehr den räumlichen und repräsentativen Ansprüchen der wachsenden Stadt. Ein erfolgloser Wettbewerb wurde 1904 für einen Erweiterungsbau ausgeschrieben, wonach der Altbau und der Neubau sich zu einem harmonischen Gesamtbild zusammenfügen sollten. 1907 erhielt nach einem zweiten, beschränkten Wettbewerb der Münchener Architekt Gabriel von Seidl den Planungsauftrag. Das alte Stadthaus wurde 1909 abgerissen und von 1909 bis 1913 wurde das Alte Rathaus durch einen dreimal so großen, aber sehr dezenten rückwärtigen verklinkerten Anbau im Stil der Neorenaissance erweitert. Wie das Alte, hat auch dieses Neue Rathaus ein Kupferdach.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Durch Verschalung der Außenwände und durch mutige Brandwachen im hölzernen Dachstuhlbereich überstanden Rathaus und Roland die Bomben des Zweiten Weltkriegs, die mehr als 60 % von Bremen zerstörten, weitgehend unbeschädigt. Es wurde mehrfach, zuletzt 2003, restauriert.

Architektur und Ausstattung[Bearbeiten]

Altes Rathaus[Bearbeiten]

Das Alte Rathaus ist über 41 Meter lang und ca. 16 Meter breit. Hinzu kommt noch der drei Meter tiefe gotische Laubengang mit 11 Jochen. Prägend sind die Renaissancefassade mit dem Mittelrisalit aus glasierten und unglasierten Backsteinen und das Kupfer gedeckte Walmdach. Das Gebäude gründet über einen Ratskeller als dreischiffige Halle mit Kappengewölbe.

Fassade[Bearbeiten]

An der Fassade zum Markt sind zwischen den Fenstern unter Baldachinen und auf Konsolen die acht Figuren der alten gotischen Fassade zu sehen, bestehend aus dem Kaiser und daneben (von links) den sieben Kurfürsten des Reiches: Mainz, Trier, Köln, Böhmen, Pfalz, Sachsen und Brandenburg. Hierdurch wird die Verbundenheit Bremens zum Reich betont und der Anspruch eine Freie Reichsstadt zu sein.

Die Bedeutung der figürlichen Konsolen unter den Statuen der Hauptfassade ist unsicher, einzelne Autoren vermuten in ihnen Förderer und Stifter des Rathausbaus.[12]

An Ost- und Westfassade befinden sich dann noch weitere Figuren, die neben dem Stadtheiligen St. Petrus ursprünglich sieben Propheten darstellen, die auch an anderen mittelalterlichen Rathäusern als Ausdruck von Gerechtigkeit und politischer Weisheit zum festen Programm bürgerlich-städtischer Selbstdarstellung gehören. Ihre Benennung ist umstritten und kann aus den Konsolmotiven nicht sicher abgeleitet werden. Die Figuren der Westfassade (Kopien) tragen Spruchbänder, ursprünglich mit niederdeutschen Weisheitssprüchen, die im 16./17. Jahrhundert im Sinne einer Umdeutung dieser Prophetenfiguren zu antiken Philosophen übermalt wurden. Sie werden gedeutet als: Hesekiel/Platon, Jeremia/Aristoteles, Jesaja (mit Weinstock oder Wurzel)/Demosthenes und Daniel oder David (mit Löwe und Bär)/Marcus Tullius Cicero.

Auch die Figuren aus dem Alten und Neuen Testament an der östlichen Fassade verknüpfen christliche und weltliche Bedeutungsinhalte: Petrus (mit Schlüssel), ein Prophet (Jonas? Daniel?, der sog. "Doktor") mit barettähnlicher Kopfbedeckung, ein Weiser, wohl Moses, der Gesetzgeber des Alten Testamentes (nach anderer Deutung Hiob), und ein Prophet auf Löwenkonsole, wohl Salomo (oder Moses?). Die Figuren könnten also insgesamt symbolisieren: „Drum spricht der Herr… Und ich will dir wieder Richter geben, wie vormals waren und Ratsherren wie am Anfang. Als dann wirst du eine Stadt der Gerechtigkeit und eine treue Stadt heißen“ (Jes. 1, 24–26).

Die Wappen von weiteren dreißig Fürsten und Städten sind in den Kreisblenden unter den Zinnen zu sehen. Die alte Ratslaube als Verkündungslaube über dem sechsten Arkadenbogen musste der neuen Fassade weichen.

Zwickelreliefs im zweiten Arkadenbogen: Vigilantia (Hahn) und Custodia (Gluckhenne)
Altes und Neuen Rathaus von Süden
Herolde am Ostportal, 2007

Mit der Umgestaltung zur Renaissancefassade erfolgten einige umfangreiche Eingriffe am gotischen Rathaus. Entscheidend neu sind das mächtige Mittelrisalit mit seinem viergeschossigen Giebel und die zwei kleineren Giebel. Hinter dem Mittelrisalit befindet sich die Güldenkammer. Hunderte Bildthemen zieren die Schaufassade und lassen Raum für Deutungen. Die Gluckhenne am zweiten Bogen ist die bekannteste Allegorie. Einer späteren Deutung nach werden Henne und Küken mit der Gründung Bremens in Verbindung gebracht: Fischer, die der Henne folgten, fanden so einen sicheren Ansiedlungsplatz. Tatsächlich symbolisiert sie die schützende Henne, so wie der Rat auch den Bürgern Schutz bieten wollte, während der Hahn und der Hund als Gegengruppe Wachsamkeit verkörpern sollen.

Die Arkaden und ihr symbolträchtiges Figurenprogramm bestehen aus 22 Frauenfiguren und dem darüber liegenden Fries, geschmückt mit einander zugewandten Figuren, die verschiedene Sternzeichen und die Kardinaltugenden Glaube, Hoffnung und Liebe sowie Klugheit, Mäßigkeit, Stärke und Gerechtigkeit darstellen. Zudem sind unter der Güldenkammer die vier Wappen der Bürgermeister um 1612 zu sehen (Heinrich Zobel, Johann Brand der Jüngere, Dietrich Hoyer und Arnold Gröning).

Die Herolde am östlichen Portal des Alten Rathauses sind zwei Reiterfiguren, die erstmals 1901 aufgestellt wurden. Der Bremer Kaufmann John H. Harjes hatte diese vom Bildhauer Rudolf Maison geschaffenen Figuren 1900 bei der Weltausstellung in Paris gesehen, gekauft und der Stadt geschenkt. Nach dem Zweiten Weltkrieg standen die Reiter seit 1956 im Park der Egestorff-Stiftung in Osterholz. 2007 wurden sie, nach einer Sanierung, wieder am Ostportal aufgestellt.

Bremer Ratskeller[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bremer Ratskeller
Bremer Ratskeller, um 1900

Der Bremer Ratskeller, mit der größten Sammlung deutscher Weine, ist eine traditionelle Gaststätte im Keller des Bremer Rathauses. Seit seiner Erbauung im Jahre 1405 werden dort deutsche Weine gelagert und verkauft. Mit seinem über 600-jährigen Bestehen ist der Bremer Ratskeller der älteste Weinkeller Deutschlands. Der Ratskeller besteht aus Großer Halle, Hauffsaal, Apostel- und Rosekeller, Senats- und Kaiserzimmer, Bacchuskeller sowie Zunftstube und Schatzkammer.

Untere Rathaushalle[Bearbeiten]

Die Untere Rathaushalle ist als einer der schönsten Profanbauten der Gotik in seiner Grundform fast vollständig unverändert erhalten geblieben. Im Gegensatz zur Oberen Halle ist dieser Raum schmucklos gehalten, mit einem Steinfußboden, sichtbaren Holzbalken und gekalkten Wänden. Die Decke der dreischiffigen Halle wird getragen von 2 mal 10 achteckigen Eichenholzstützen. Die Halle hat nach Osten und Westen je ein verziertes, gotisches Portal. Die Halle diente und dient für besondere Marktzwecke und Ausstellungen.

Obere Rathaushalle[Bearbeiten]

Obere Rathaushalle, Zustand 1955
Teil der Decke in der Oberen Rathaushalle, Zustand 2007

Die Obere Halle, der bedeutsamste Raum im Rathaus, diente ursprünglich für Rats- und Gerichtssitzungen, heute finden dort Feiern, Empfänge und Konzerte statt. Mit seinen Ausmaßen (41 Meter lang, 13 Meter breit und 8 Meter hoch) gehört er zu den größten stützenlosen profanen Hallen des Mittelalters in Nordeuropa.

Vor dem Umbau von 1608 bis 1612 überspannte vermutlich ein gotisches Tonnengewölbe die Halle. Seitdem ist hier eine flache, ornamental bemalte Holzdecke eingezogen, gehalten von einer kunstvollen Konstruktion aus mächtigen Eichenstämmen. 33, allerdings 1857 übermalte Kaisermedaillons, von Karl bis Sigismund, zieren die reich ornamentierte Decke und propagieren damit den Status einer unmittelbar dem Reich untertanen Stadt. Von der Decke herab hängen Modelle von Orlogschiffen (Kriegsschiffe, die die Konvois der Kaufleute begleiteten) aus den Jahren 1545 (?), 1650, 1770 und 1779. Mit den Miniaturkanonen einiger Schiffe wurden früher sogar Böllerschüsse bei Festen abgeben. Drei der Modelle hingen bis 1811 im Schütting. Auch der Kronleuchter mit dem Doppeladler war 1869 ein Geschenk aus dem Schütting.

Kaiser Karl und Bischof Willehad, Wandgemälde von B. Bruyn, 1532

An den Wänden befinden sich zwei große Wandgemälde, die dem niederrheinischen Meister Bartholomäus Bruyn zugeschrieben werden. Eines, 1532 datiert, zeigt Kaiser Karl den Großen und Bischof Willehad, die als „Gründer“ der Stadt aufgefasst wurden. Zwischen beiden steht, ähnlich wie auf dem Stadtsiegel von 1366, der Bremer Dom – allerdings in seiner Form von 1532. Ein langes Textfeld daneben berichtet von der Gründung der Stadt, von „Kaerl de grothe und Wilhaed, de erste Bisschup in desser stad“, auch davon, dass Willehad nach Bremen geschickt wurde, „umb dit landt tho bekeren“ und behauptet, dass man mit „schepen“ „to segelen in dat hillige lands“ an den Kreuzzügen teilgenommen habe.[13] Das andere Wandbild des Malers, weiter rechts am Ostende der Nordwand, über der Stelle des ehemaligen Ratsgestühls, ermahnte mit einer Darstellung des Salomonischen Urteils zu guter Rechtsprechung. Es wird flankiert von sechs Halbfigurenbildern antiker und biblischer Leitfiguren (Moses, David, Josaphat, Cato, Cäsar und Cicero), die ebenfalls mit ihren dazugesetzten lateinischen Sentenzen Exempel der Gerechtigkeit geben.

An die Hansezeit erinnert eine große Darstellung des 1563/58 erbauten Hansekontors in Antwerpen. Das größte Gemälde des Saales ist aber jetzt wieder das über neun Meter breite Große Walbild von Franz Wulfhagen aus dem Jahr 1669. 2012 kam, nach fast 50 Jahren Auslagerung im Überseemuseum Bremen, das historisches Fischgemälde wieder zurück an seinem angestammten Platz an der Nordwand der Oberen Halle, rechts neben dem Wandgemälde von Kaiser Karl und Bischof Willehad. Das von dem Maler Paul Wohlers 1696 geschaffene 2,43 mal 3,70 Meter große, naturkundliche Gemälde „Der Schwertfisch“ wurde restauriert. Über der Schwanzflosse des in der Weser 1696 gefangene Fisch ist links am Horizont die Silhouette Bremens erkennbar.[14]

Portale in der Oberen Rathaushalle, Zustand 2007

Die Portale: Das östlichste Säulenportal an der Nordwand führte zur früheren nye dornßen oder Neuen Wittheitsstube, Bestandteil eines früheren Erweiterungsbaus von 1490 bzw. 1545 zwischen Rathaus und Palatium. Es wurde um 1550 im Stil der Hochrenaissance gebaut und verbindet heute das Treppenhaus zwischen dem alten und neuen Rathaus. Das zweite Portal von rechts enthält in einer von Poppe um 1900 in einer dem Knorpelstil nachempfundenen Rahmung die Tafel von 1491, die zwölf Regeln für weises und gerechtes Regieren auflistet. Das dritte Portal aus dem Jahr 1660 wird vom Bremer Wappen und drei Löwen bekrönt. Es führte einstmals in die Neue Rhederkammer, in der die für die Abrechnung von Ein- und Ausgaben zuständigen Ratsherren und Verwalter tätig waren. Das vierte Portal von rechts, das Braunschweiger Portal von 1573, ist ein Geschenk des Herzogs Julius von Braunschweig-Lüneburg, das von Adam Liquier geschaffen wurde. Das Alabasterportal trägt auf korinthischen Säulen ein von Löwen und Pilastern gerahmtes Relief mit allegorischen Gestalten für Weisheit, Frieden und Gerechtigkeit. Es führte ursprünglich in die sogenannte Collektenkammer, der einstigen Steuerbehörde Bremens. Ganz im Westen, direkt unter dem Wandbild mit Karl dem Großen und Willehad befindet sich ein schlichtes, klassizistisches Doppelportal, das heute zum Festsaal und zur Wittheitsstube führt.

Ratsgestühl in der Oberen Rathaushalle, Zustand 2007

Bis 1811 stand in der Nordostecke der Halle das um 1410 geschaffene Ratsgestühl, das in vier Sitzreihen 24 Ratsherren Platz bot. Es war reich mit farbig gefasstem Schnitzwerk und Inschriften geschmückt. Auf den vier noch erhaltenen Seitenwangen (heute im Focke-Museum) sind Petrus, Paulus, Karl der Große und Bischof Willehad dargestellt. Ein 1901 bis 1904 nach Entwürfen von Johann Georg Poppe eingebautes neues Ratsgestühl wurde um 1955 weitgehend entfernt und verschleudert.

Ursprünglich führte eine außen hochgeführte Wendeltreppe in die obere Halle. Sie sollte nur einen kontrollierten Zugang zum Ratssaal zulassen, wurde aber 1532 als zu unsicher abgerissen. Dafür wurde eine neue Spindeltreppe im Inneren angelegt. Ein hölzerner Herkules als römischer Krieger aus der Renaissance bewacht den Aufgang.

Gläserne Wappen der Bürgermeister, Ratsherren und Elterleuten (Sprecher der Kaufmannschaft) aus dem 16. bis 18. Jahrhundert befinden sich in den Fenstern der Marktfassade, solche aus dem 19. Jahrhundert im domseitigen Ostfenster.

Güldenkammer, Zustand 2006

Die geräumige Güldenkammer wurde bereits 1595, wahrscheinlich auf Grundlage von Plänen von Lüder von Bentheim, in die Obere Halle eingebaut. Die „nye utlucht“ wurde mit kostbarem Mobiliar, Glasgemälden und vergoldeten Ledertapeten ausgestattet. Schon für 1688 ist der Name Güldenkammer belegt. Die alte Innenausstattung ist verloren gegangen. Die Güldenkammer diente und dient für besondere Veranstaltungen und Begrüßungen mit hohen Gästen. Die Empore war seit 1629 Ratsbibliothek, später Ratsarchiv und danach Raum für Musiker (erbaren Rades Spellüde) und aktuell für Presse- und Kameraleute. Das barocke Portal zur Güldenkammer ist eine Arbeit der bremischen Holzbildhauer Evert Lange und Servas Hoppenstede aus dem ersten Viertel des 17. Jahrhunderts. Das S. P. Q. B. (Senatus Populusque Bremensis) über dem Portal ist Hinweis, dass hier der Senat einstmals getagt hat. Außen, also zur Halle hin, sind Tafelbilder in das Schnitzwerk eingelassen, die wiederum vorbildhafte Gerechtigkeitsexempel wiedergeben. Die geschnitzte, barocke Wendeltreppe zum oberen Raum der Güldenkammer stammt von Ratszimmermeister Stolling und seinem Knecht Ronnich, dem die nach niederländischen Kupferstichvorlagen gearbeiteten Figuren am Treppengeländer zugeschrieben werden. Anfang des 19. Jahrhunderts war der Raum sehr verwahrlost. Das alte Gestühl wurde als Gerümpel entsorgt.

1905 wurde die nunmehr fast kahle Güldenkammer im Inneren vollständig von Johann Heinrich Vogeler im reinen Jugendstil mit vielen Naturmotiven ausgestaltet. Dazu schrieb er: „Die Kapitelle der flachen Pilaster ließ ich aus vergoldeter Bronze flach plastisch ausführen. Alle Dekorationsmotive entwarf ich in den Formen phantastischer Reiher mit wogendem Gefieder, so auch die aus Messing getriebenen Beleuchtungskörper. Der obere Teil der Wände über der Panellierung wurde mit einer reichen Ledertapete nach meinem Entwurf bedeckt.“ Die ornamentale, phantasievolle und harmonische Ausgestaltung des Worpsweder Künstlers umfasste alle Details: vergoldete Ledertapete, Täfelungen, Intarsien, Türgriffe, Kamingitter, Leuchter, Teppiche, Mobiliar; kurz: eines der wenigen so vollständig erhaltenen, so edel ausgeformten Raumensembles des Jugendstils.

Neues Rathaus[Bearbeiten]

Festsaal, 1955
Festsaal, 2007
Der Kaminsaal, 2007
Zimmer neben dem Festsaal, 2007
Gobelinzimmer, 2007
Hauptartikel: Neues Rathaus (Bremen)

Das Neue Rathaus wurde am 16. Januar 1913 seiner Bestimmung übergeben.[15]

Wandelhalle[Bearbeiten]

In der Wandelhalle im Erdgeschoss befindet sich ein Ölgemälde von Alexander Kircher mit der Darstellung des ersten Ost-West-Fluges über den Atlantik mit der Junkers W 33 Bremen im Jahre 1928.

Festtreppe[Bearbeiten]

Die Festtreppe mit ihren Vorräumen befindet sich an der Stelle der früheren nye dornßen und verbindet die Untere Halle, die Obere Halle und die Wandelhalle im Obergeschoss. Zu sehen ist der 1896 eingebaute Rathauskamin mit einer Inschrift.

Obere Wandelhalle[Bearbeiten]

Dieser reich geschmückte Raum führt zu den domseitigen Räumen des Bürgermeisters. Die Marmorstatue von Bürgermeister Johann Smidt stammt vom Bildhauer Carl Steinhäuser. Die Büste von Reichspräsident Friedrich Ebert weist auf seine Tätigkeit von 1891 bis 1905 in Bremen hin. Sie stammt vom Bildhauer Georg Kolbe. Weiter Büsten von Bundespräsident Theodor Heuss und Bürgermeister Wilhelm Kaisen sind zu sehen.

Festsaal[Bearbeiten]

Der Festsaal dient für große Empfänge. Hier hat von 1946 bis 1966 die Bremische Bürgerschaft getagt. Über der Wandtäfelung befinden sich vier Eckbilder mit Darstellungen vom Ansgaritor, der Braut, des Zwingers und des Hohentores vom Maler F. Jakobsen. Ein Gemälde des Malers Carl Vinnen stellt die Stadt Bremen im 17. Jahrhundert dar. Von einer Galerie aus kann man dem Festtreiben zusehen.

Senatssaal[Bearbeiten]

Im Senatssaal tagt der Senat der Freien Hansestadt Bremen. Die Teppiche stammen von Rudolf Alexander Schröder. Mit Seide überspannte Wände, Mahagonitüren, Stuckdecken und Kristallkronleuchter sind weitere Gestaltungselemente. Eine Wanduhr von Schröder und die Kaiserbilder schmücken den Raum.

Kaminsaal[Bearbeiten]

Der Kaminsaal ist der Raum für Empfänge. Der namensgebende Kamin ist aus französischem Marmor. Eine weiße Stuckdecke, dunkelrote Damasttapeten, dunkler Parkettfußboden, große Porträts des 17. Jahrhunderts und Kristalllüster prägen den Raum.

Hansazimmer[Bearbeiten]

Der von der Dampfschiffahrtsgesellschaft „Hansa“ ausgestattete Raum dient repräsentativen Empfängen des Bürgermeisters.

Gobelinzimmer[Bearbeiten]

Es verdankt seinen Namen den beiden großen französischen Gobelins aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, welche die Rückkehr der Zeustochter Artemis in den Olymp und den Tod Otos darstellt.

Silberkammer[Bearbeiten]

Zum hier verwahrten Repräsentationssilber des Rathauses siehe Ratssilber (Bremen)

Wichtige Ereignisse[Bearbeiten]

Briefmarken und Münzen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Horst Adamietz: Herz einer Stadt – Das Rathaus in Bremen. Hauschild, Bremen 1970.
  • Stephan Albrecht: Das Bremer Rathaus im Zeichen städtischer Selbstdarstellung vor dem 30-jährigen Krieg. Marburg 1993.
  • Adolf Börtzler: Die sinnbildlichen Figuren an der Schauseite des Bremer Rathauses Versuch einer Deutung. 1956.
  • Konrad Elmshäuser: Der erste Roland und das erste Rathaus von Bremen. In: Bremisches Jahrbuch. Band 84. Bremen 2005, ISSN 0341-9622, S. 9–45.
  • Konrad Elmshäuser, Hans-Christoph Hoffmann, Hans-Joachim Manske (Hrsg.): Das Rathaus und der Roland auf dem Marktplatz in Bremen. Edition Temmen, Bremen 2002, ISBN 3-86108-682-4.
  • K. Elmshäuser, G. Hempel (Hrsg.): Das Rathaus und seine Nachbarn. Band II: Aus Bremens reicher Geschichte: Kirchen, Museen und Gerichte. H. M. Hauschild, Bremen 2006, ISBN 3-89757-353-9, S. 10: Konrad Elmshäuser: Vom Rathaus zum Hopfenhaus – Bremens ältestes Rathaus.
  • Rolf Gramatzki: Das Rathaus in Bremen.Versuch zu seiner Ikonologie. Bremen 1994.
  • Peter Putzer: Kaiser und Reich am Bremer Rathaus. Bemerkungen zu den bildlichen Darstellungen von Kaiser und Kurfürsten aus der Sicht der Rechtsgeschichte. In: Bremisches Jahrbuch. Band 76, Bremen 1997, S. 52–82.
  • Jürgen Schultze, Peter Elze: Die Güldenkammer des Bremer Rathauses. Worpswede 1985.
  • Herbert Schwarzwälder: Das Große Bremen-Lexikon. Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 3-86108-693-X.
  • Rudolf Stein: Romanische, gotische und Renaissancebaukunst in Bremen. Bremen 1962, S. 239–276 und 529–676.
  • Wilhelm Tacke: Das Neue Rathaus in Bremen oder Wie kommt der Sündenfall über das Portal? Bremen 2013, ISBN 978-3-8378-1040-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bremer Rathaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Denkmaldatenbank des LfD
  2. Rathaus und Rolandstatue in Bremen. Deutsche UNESCO-Kommission e.V., abgerufen am 1. Dezember 2013 (HTML).
  3. 1641 in J. A. Wredenhagen: De Rebus Publicis Hanseaticis, 1653 in Topographia Saxoniae Inferioris
  4. a b Christian Nikolaus Roller: Versuch einer Geschichte der Kaiserlichen und Reichsfreyen Stadt Bremen (1799), E-Book bei brema.suub.uni-bremen.de (Titelblatt), Theil 1 › III. Kapitel › A. b. a. (a) 1. Das Rathaus
  5. Bremisches Urkundenbuch, 1. Band (1863), S. 172/173, Urkunde Nr. 150
  6. Bremisches Jahrbuch, 5. Band (1870), F. Donandt: Der bremische Civilprocess im XIV. Jahrhundert (bei brema.suub.uni-bremen.de)
  7. siehe Elmshäuser 2006
  8. Konrad Elmshäuser, Hans-Christoph Hoffmann, Hans-Joachim Manske: Das Rathaus und der Roland auf dem Marktplatz in Bremen (Druck des UNESCO-Welterbeantrages); Edition Temmen, Bremen, 2002, ISBN 3-86108-682-4.
  9. Ernst Ehrhardt (1855–1944): Das Palatium der bremischen Erzbischöfe in der Stadt Bremen. In: Jahrbuch der bremischen Sammlungen. 3. Jahrgang 1910. (digitale Sammlung der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen)
  10. siehe Stein
  11. Vgl. Darstellung in Bremische Denkmale. Band 1, herausgegeben von der Abtheilung des Künstlervereins für bremische Geschichte und Alterthümer, Verlag Ed. Müller 1862, S. 13–17.
  12. Rolf Gramatzki: Das Rathaus in Bremen. Bremen 1994, S. 40–43 (zu allen Konsolen).
    Harald Steinmann: Eine Äbtissin des Klosters Lilienthal ziert das Bremer Rathaus. In: Heimat-Rundblick. Geschichte, Kultur, Natur. Nr. 102, 3/2012 (Herbst 2012). Druckerpresse-Verlag, ISSN 2191-4257, S. 24–25 (Der Ratsherr und zeitweilige Kämmerer Hinrich von der Trupe habe zum Beispiel unter der Darstellung des Markgrafen von Brandenburg (Figur ganz rechts) die Skulptur einer Äbtissin des Klosters Lilienthal hinsetzen lassen, die Anfang des 15. Jahrhunderts einen „ansehnlichen Betrag von 28 Gulden“ für den Rathausbau spendete.)
  13. Die Texte sind der gleichzeitigen Bremischen Chronik von Herbord Schene und Gerd Rinesberch in der Überarbeitung von Johann Hemeling entnommen
  14. Senatspressestelle vom 21. Juli 2012
  15. Neujahrsempfang des Bürgermeisters im Zeichen des Rathausjubiläums. senatspressestelle.bremen.de, 10. Januar 2013, abgerufen am 11. Januar 2013.

53.0761111111118.8080555555556Koordinaten: 53° 4′ 34″ N, 8° 48′ 29″ O