Geisterschiff
Als Geisterschiffe werden Schiffe bezeichnet, die verlassen auf See aufgefunden wurden oder, eigentlich schon verloren geglaubt, unter mysteriösen Umständen wieder auftauchen oder gesichtet werden. Ein ähnlicher Fall ist mit einem Luftschiff überliefert.
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Vorfälle [Bearbeiten]
In der Antike und im Mittelalter gab es häufiger Geisterschiffe, weil die ganze Besatzung während der Fahrt oftmals an Krankheiten, wie der Pest oder an Skorbut, gestorben war. Da die Toten von den Lebenden in aller Regel über Bord geworfen wurden, waren bei einer Sichtung nur wenige Leichen an Bord, welche auch nicht unbedingt offen sichtbar auf dem Deck liegen mussten.
Eines der berühmtesten Geisterschiffe ist die Mary Celeste, die 1872 ohne Besatzung treibend zwischen den Azoren und Portugal gefunden wurde. Ein Geisterschiff des 20. Jahrhunderts ist der Fünfmastgaffelschoner Carroll A. Deering. Auf der Rückreise von Rio de Janeiro nach Newport News wurde der Schoner unter vollen Segeln am 31. Januar 1921 auf den Diamantuntiefen am Kap Hatteras gestrandet aufgefunden. Keiner der 11-köpfigen Besatzung war an Bord oder wurde später aufgefunden, alle Rettungsboote waren verschwunden, ebenso die Navigationsgeräte. Lediglich die Schiffskatze konnte von der US-Küstenwache an Bord aufgefunden werden. Trotz intensiver Suchoperationen und Untersuchungen von mehreren US-Bundesbehörden konnte nie zur Sicherheit geklärt werden, was an Bord geschehen war. Von der Besatzung wurde keine Spur gefunden; das Wrack selbst blieb auf den Sandbänken liegen und wurde im März 1921 durch Sprengungen weitgehend zerstört, da man es als Gefahr für die Schifffahrt ansah.
Ein weiteres bekanntes Geisterschiff war die Baychimo. Der mit 1.322 BRT vermessene Frachtdampfer versorgte unter anderem abgelegene Siedlungen in den kanadischen Nordwest-Territorien und in Alaska und wurde im Oktober 1931 im Packeis eingeschlossen, worauf die Besatzung das Schiff aufgab. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten, zuletzt (angeblich) im Jahr 1969, wurde das treibende Schiff, das vermutlich zeitweilig vom Packeis wieder freigegeben worden war, immer wieder gesichtet. Eine Suchoperation im Jahr 2006 erbrachte jedoch kein Ergebnis.
Ein aufgeklärter Fall eines Geisterschiffs ist der deutsche Zweimastschoner Seeschwalbe, der am 23. Oktober 1921 im Sturm vor Memel nachweislich sank und dessen Besatzung gerettet wurde. Eine Woche später strandete das Wrack an der Kurischen Nehrung. Eine Untersuchung des Wracks ergab, dass durch den harten Aufprall auf dem Meeresboden der altersschwache Holzrumpf aufbrach und der Steinballast herausfiel. Danach schwamm das Wrack aufgrund seiner Holzladung wieder auf und legte innerhalb einer Woche rund 100 km zurück.[1]
Heutzutage können plötzlich verschwundene und unerwartet wiedergefundene „Geisterschiffe“ Fälle von Versicherungsbetrug oder moderner Piraterie sein.[2] So verschwand das unter panamaischer Flagge fahrende Schiff Tenyu in der Nacht zum 27. September 1998 urplötzlich in der Straße von Malakka mit einer Ladung von Aluminium im Wert von zwei Millionen Euro. Nach dreimonatiger Fahndung wurde es schließlich im chinesischen Hafen Zhang Jiagang aufgespürt, allerdings völlig unkenntlich umgebaut, neu gestrichen und mit einem neuen Namen versehen. Es hieß jetzt Sanei 1, ein Name, der von einem tatsächlich existierenden japanischen Schiff übernommen worden war und worauf sogar legale Papiere in Honduras ausgestellt worden waren.[3] An Bord befanden sich sechzehn neue indonesische Seeleute, und obwohl später drei von ihnen als Teilnehmer einer Gang von Piraten identifiziert wurden, die 1995 das Schiff Anna Sierra gekapert hatten, wurden die Besatzungsmitglieder nicht verurteilt. Die ursprüngliche Besatzung der Tenyu gilt als tot.
Im Januar 2003 wurde der in Malaysia registrierte Fischtrawler High Aim 6 ohne Besatzung vor der Küste des australischen Bundesstaates Western Australia treibend aufgefunden. Der letzte Funkkontakt zwischen Kapitän und Eigner (beide aus Taiwan) hatte relativ kurze Zeit zuvor in den 6.500 km entfernten Marshall-Inseln bestanden. Bald darauf war das Schiff als vermisst gemeldet worden. Auf dem Schiff fand sich eine Ladung von mehreren Tonnen verrottenden Fischs, neben ausreichenden Vorräten an Lebensmitteln und Treibstoff. Von der größtenteils indonesischen Mannschaft zeugten nur die sieben Zahnbürsten, die man in den Unterkünften fand. Es gab keine Anzeichen für einen Kampf oder Diebstahl von Ladung.[4] Ein weiterer bekannter Fall vor Australien ereignete sich drei Jahre später. Im März 2006 wurde vor der Küste des australischen Bundesstaates Queensland der treibende Tanker Jian Seng aufgefunden. Der Heimathafen des 80 m langen Schiffes war nicht mehr festzustellen, weil sowohl Name als auch Heimathafen am Heck übermalt worden waren. Indessen wurde herausgefunden, dass das Schiff schon über einen längeren Zeitraum verlassen gewesen sein musste. Da niemand Ansprüche auf den Tanker erhob und kein Eigner festzustellen war, wurde die Jian Seng im April 2006 schließlich versenkt. Ebenfalls vor der Küste von Queensland fand die australische Küstenwache im April 2007 den 12 m langen Katamaran Kaz II auf. Von den drei Besatzungsangehörigen fehlte jede Spur, obgleich an Bord die Computer angeschaltet waren und auch die Maschine lief. Der Vorfall konnte nicht abschließend geklärt werden[5].
Auch im Mittelmeer gab es in jüngster Zeit einen Vorfall dieser Art. So wurde im August 2006 vor der Küste Sardiniens der treibende historisierende Segelschiffnachbau Bel Amica von der italienischen Küstenwache aufgefunden. Der 20 m lange Zweimaster war vollständig von seiner Besatzung verlassen worden. Der Name Bel Amica gilt als nicht gesichert, jedoch wurde das Schiff anhand einer an Bord aufgefundenen Plakette, auf welcher diese Bezeichnung stand, so genannt[6]. Gleichwohl jedoch fand sich in keinem Schiffsregister ein Eintrag über einen Schoner dieses Namens, auch Eigner und Heimathafen konnten nicht eruiert werden. Der Vorfall, und auch wie viele Menschen sich an Bord befunden hatten und was diese zum Verlassen des Schiffes bewogen hatte, konnte nicht abschließend geklärt werden.
Am 24. März 2012 wurde von kanadischen Seeaufklärern das japanische Geisterschiff Ryō Un Maru entdeckt, das seit dem Tsunami vom 11. März 2011 als vermisst galt. Das Fischereischiff, das in einem schlechten Zustand, aber weiterhin schwimmfähig war, trieb über ein Jahr über den Pazifik. Am 5. April 2012 wurde es von der US-Küstenwache versenkt, um Gefahren für die Schifffahrt oder ein Aufgrundlaufen zu verhindern.
Anfang 2013 wurde das in den 1970er Jahren gebaute, ehemals sowjetische Passagierschiff Lyubov Orlova, im Schlepp auf dem Weg zu einer Abwrackwerft in der Dominikanischen Republik, führerlos, nachdem die Schleppverbindung gerissen war. Seitdem treibt das Schiff als Geisterschiff auf dem Nordatlantik umher[7].
Luftfahrt [Bearbeiten]
Auch bei Luftschiffen gab es bereits einen „Geisterschiff-Zwischenfall“. Das US-Marine-Luftschiff L-8 „Ranger“ landete am 16. August 1942 schlaff, die Motoren im Leerlauf, mit intakter Kabine, aber ohne die Besatzung auf einer Straße in Dale/Kalifornien. Der Verbleib der zweiköpfigen Besatzung, die eine Patrouille vor San Francisco durchführen sollte, wurde nie aufgeklärt. Das Luftschiff wurde repariert und wieder in Dienst gestellt.
Medien [Bearbeiten]
Geisterschiffe sind auch ein beliebtes Thema in Filmen, Literatur und musikalischen Werken. Dabei sind sie oftmals ein beliebtes Objekt in Verbindung mit Piraten. Manche Geschichten um Geisterschiffe beziehen sich auf das „berüchtigte“ Bermudadreieck, in dem angeblich mehr Schiffe auf ungeklärte Weise verloren gegangen sein sollen als sonst nirgendwo auf der Welt. Nach Feststellungen der Versicherungsagentur Lloyd’s in London vom 4. April 1975 entbehren diese Ansichten aber jeder Grundlage.[8]
Geisterschiffe in musikalischen Werken [Bearbeiten]
- Der fliegende Holländer, Oper von Richard Wagner
- Le vaisseau fantôme. Oper von Pierre-Louis Dietsch
- Das Geisterschiff. Lied von Schandmaul
- The Rime of the Ancient Mariner. Lied von Iron Maiden (auf dem Album Powerslave) nach dem gleichnamigen Gedicht von Samuel Taylor Coleridge
- Das Geisterschiff. Titel zum Film „Das Geisterschiff“ gesungen von Hans Hartz (1998/99), komponiert von Pelizaeus
Geisterschiffe in Filmen [Bearbeiten]
- „Das Schiff ohne Hafen“ (1932)[9]
- Die „Altair“ in The Ghost Ship (1943)[10]
- „Ghost Ship“ (1952)[11]
- „Das Geisterschiff der schwimmenden Leichen“ (El Buque maldito, 1974)[12]
- die „Elizabeth Dane“ in dem Film The Fog – Nebel des Grauens (1980)
- das „Todesschiff“ (Death Ship, 1980)[13]
- das „Geisterschiff“ (Ghost Ship, 1992)[14]
- die „Akademic Vladislov Volkov“ in Virus – Schiff ohne Wiederkehr (1999)
- die „SS Corona Queen“ (Lost Voyage, 2001)[15]
- die „Queen of Scots“ in „Gefangen im Bermuda-Dreieck“ (The Triangle, 2001)
- die „Corona Queen“ in Lost Voyage - Das Geisterschiff (2001)
- die „Antonia Graza“ in „Ghost Ship“ (2002)
- die „Black Pearl“ und die „Flying Dutchman“ in den Fluch-der-Karibik-Filmen
- die „Aeolus“ in „Triangle – Die Angst kommt in Wellen“ (Triangle, 2009)
Geisterschiffe in Fernsehverfilmungen [Bearbeiten]
- „Kobra, übernehmen Sie“ (alternativ: „Unmöglicher Auftrag“; engl. OT: „Mission: Impossible“), Folge 132: „Das Geisterschiff“
- die „King George“ in „Sea Quest“, Staffel 1, Folge 9: „Knight Of Shadows“
- MacGyver Staffel 3 Episode 4 „Das Geisterschiff“
- Supernatural Staffel 3 Episode 6 „Morgenröte“
- NCIS Staffel 5 Episode 6 „Das Geisterschiff (Chimera)“
- Kommando Stingray, Episode 8: "Das Geisterschiff"
Geisterschiffe in der Belletristik [Bearbeiten]
- Thomas Brezina: SOS vom Geisterschiff. Krimiabenteuer. Maier, Ravensburg 2001, ISBN 3-473-56223-8.
- Samuel Taylor Coleridge: The Rime of the Ancient Mariner. The Enitharmon Press, London 2005, ISBN 1-904634-14-1.
- Sir Arthur Conan Doyle: The captain of the Pole-star. In: Ders. The captain of the Pole-star : and other tales. Homewood Publishing Company, Chicago 1895
- Wilhelm Hauff: Die Geschichte von dem Gespensterschiff. In: Ders.: Sämtliche Märchen. Patmos-Verlag, Düsseldorf 2005, ISBN 3-491-96143-2.
- Frank Herbert: Der Wüstenplanet. Heyne, München 2001, ISBN 3-453-18567-6 (Die Ampoliros, der legendäre „Fliegende Holländer des Weltraumes“)
- Alfred Hitchcock, André Marx: Die drei Fragezeichen und das Geisterschiff. Kosmos-Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-07987-2.
- Edgar Allan Poe: Der Bericht des Arthur Gordon Pym ("The Narrative of Arthur Gordon Pym of Nantucket"). Weltbild, Augsburg 2005, ISBN 3-8289-7925-4.
- Dietlof Reiche: Geisterschiff. Dtv, München 2004, ISBN 3-423-62175-3.
- Sir Walter Scott: Rokeby. In: Ders.: The poetical works. OUP, London 1971, ISBN 0-19-254142-0.
- Bram Stoker: Dracula. Arena-Verlag, Würzburg 2007, ISBN 978-3-401-06110-8 (Demeter)
- Magdalena Petit:[16] El Caleuche. (spanisch)
- Hansrudi Wäscher: Sigurd-Comic Das Geisterschiff – Piccolo-Sonderband Nr. 15, Nov. 1955, Das Große Hansrudi-Wäscher-Buch, Norbert Hethke Verlag, 1987, ISBN 3-89207-059-8
- S. Wörishöffer: Die Diamanten des Peruaners, 1889.
- B. Traven: Das Totenschiff, 1926.
- Vladimir Volkoff: Geheimagent Lennet jagt das Geisterschiff, Franz Schneider Verlag 1987 (Bd. 7 der Geheimagent Lennet-Reihe)
Geisterschiffe im Hörbuch [Bearbeiten]
- Rainer Gülk (Hrsg.): Das Geisterschiff. Unheimliche Geschichten. Der Hörverlag, München 2004, ISBN 3-89940-469-6 (1 CD)
Literatur [Bearbeiten]
- Hellmut Hintermeyer: Rätselhafte See. Untergänge, Aberglaube, Phänomene, Legenden. Verlag Pietsch, Stuttgart 2003, ISBN 3-613-50409-X.
- Eigel Wiese: Das Geisterschiff. Die wahre Geschichte der Mary Celeste. Europa-Verlag, Hamburg 2001, ISBN 3-203-75103-8.
Weblinks [Bearbeiten]
- Fluch und Segeln – Geisterschiffe auf Spiegel Online
- Geisterschiffe – Das größte Rätsel der Seefahrt bei Welt der Wunder (4. Februar 2009)
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Klaus Reuter: Taifune, Driften, Geisterschiffe. Hoch Verlag, Düsseldorf 1977, ISBN 3-7779-0212-8.
- ↑ Tale of a Modern Pirate Gang (englisch).
- ↑ Piraterie in asiatischen Gewässern, die tageszeitung, 16. Juni 2000.
- ↑ Ghost ship mystery deepens, CNN World, 14. Januar 2003.
- ↑ http://news.bbc.co.uk/2/hi/asia-pacific/6574547.stm
- ↑ http://www.scotsman.com/news/international/mysterious-yacht-found-empty-off-millionaire-s-playground-1-1132480
- ↑ http://www.spiegel.de/panorama/kanada-ehemaliges-kreuzfahrtschiff-duempelt-voller-ratten-im-atlantik-a-882106.html
- ↑ skygaze.com
- ↑ IMDb
- ↑ IMDb
- ↑ IMDb
- ↑ IMDb
- ↑ IMDb
- ↑ IMDb
- ↑ IMDb
- ↑ Magdalena Petit in der spanischsprachigen Wikipedia