Fragezeichen

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Dieser Artikel behandelt das Satzzeichen Fragezeichen (?). Das gleichnamige Album der Band Nena findet sich unter ? (Fragezeichen).
?
Satzzeichen
Leerzeichen  
Punkt .
Komma, Beistrich (AT; im Text) ,
Semikolon, Strichpunkt (AT) ;
Doppelpunkt :
Fragezeichen ?
Ausrufezeichen (DE),
Rufzeichen (AT),
Ausrufzeichen (CH)
!
Anführungszeichen„ “  » «  « »
Apostroph
Gedankenstrich, Bis-Strich
Bindestrich, Trennstrich,
Ergänzungsstrich
-
Doppelbindestrich
Schrägstrich /
Klammern ( )[ ]{ }⟨ ⟩
Auslassungspunkte
Mittelpunkt ·
Hochpunkt · ·
Interrobang
Aufzählungszeichen

Das Fragezeichen (?) ist ein Satzzeichen.

Das Fragezeichen in der Schrift[Bearbeiten]

?
¿

In der deutschen und in vielen anderen Sprachen, deren Schriften auf dem lateinischen Alphabet beruhen, bezeichnet es das Ende eines Fragesatzes. In den meisten lateinschriftlichen Sprachen (Ausnahme: Französisch) wird das Fragezeichen – wie jedes abschließende Satzzeichen – ohne Leerzeichen an das letzte Wort des Satzes geschrieben. Dies vermeidet ungewollte Umbrüche zwischen dem letzten Wort und dem Fragezeichen. Ein fehlerhaftes Leerzeichen vor dem Fragezeichen bezeichnet man umgangssprachlich auch als Plenk. Im typografischen Gebrauch wird oft vor dem Fragezeichen ein schmales Leerzeichen zur besseren optischen Trennung eingeschoben.

Im Spanischen wird ein Fragesatz zusätzlich durch ein auf dem Kopf stehendes Fragezeichen ¿ (U+00BF) eingeleitet. Eingeführt wurde es von der Real Academia Española 1754 in der zweiten Edition der Orthografie.[1] Die arabische Schrift kennt das Fragezeichen ebenfalls. Es ist jedoch an die Schreibrichtung angepasst: ؟ (U+061F). Das Neuhebräische, obgleich linksläufig wie das Arabische, verwendet hingegen das Fragezeichen in der Form, wie es aus den lateinischen Schriften bekannt ist. Auch andere Schriftsysteme, wie das chinesische, haben es übernommen.

;

Im Griechischen wird der Strichpunkt (;) als Fragezeichen (Ερωτηματικό) benutzt. In Unicode sind die Zeichen U+037E GREEK QUESTION MARK und U+003B SEMICOLON kanonisch äquivalent;[2] man wird also normalerweise das Letztere benutzen.

Durch ein Fragezeichen kann neben der Frage auch eine Aufforderung dargestellt werden: „Gehst du mal in den Keller, Getränke holen?“ ist keine Frage, sondern eine Aufforderung. Hier handelt es sich um einen Spezialfall einer rhetorischen Frage. In der frühen Neuzeit gab es dafür eine eigene Form des Fragezeichens. Der von Henry Denham in den 1580er-Jahren eingeführte Percontationspunkt (⸮, U+2E2E) verlor aber im 17. Jahrhundert wieder an Bedeutung.[3] In den 1960er-Jahren wurde mit dem Interrobang (‽, U+203D) erneut ein eigenes Schriftzeichen dafür eingeführt, das sich aber ebenfalls nie weiträumig durchsetzen konnte.

Ursprung[Bearbeiten]

Das Fragezeichen taucht erstmals in den Schriftreformen Karls des Großen auf. Seine Einführung war dabei eingebettet in die Durchsetzung der karolingischen Minuskel, die als nachhaltige Leistung der karolingischen Erneuerung und Wissenschaft gilt.[4] Allerdings wurde seine Funktion und Gestalt erst später auf die heutige gebracht.

Quaestio.svg

Über die Herkunft des Zeichens gibt es mehrere Vermutungen. Eine leitet es aus dem lateinischen Wort Quaestio für Frage ab. Dieses Wort wurde an den Schluss des Fragesatzes gesetzt. Mit der Zeit erschien dieses Wort zu lang, daraufhin wurde es als Qo abgekürzt. Etwas später wurde dann aus Platzgründen das große Q über das kleine o geschrieben, und diese Kombination entwickelte sich zu dem heutigen Zeichen ?.

Eine andere Erklärung sieht den Ursprung im 9. Jahrhundert, als man am Ende einer Frage einen Punkt setzte, dem dann eine geschwungene Linie folgte, gleichsam eine schräg nach oben verlaufende Tilde (~), die den Stimmverlauf andeuten sollte, ähnlich wie die frühe Notenschrift der Neumen. Aus dieser Kombination könnte sich dann das heutige Fragezeichen entwickelt haben.

Das Fragezeichen im Computerbereich[Bearbeiten]

Im ASCII-Code hat das Fragezeichen den Zahlenwert 63 (dezimal) bzw. 0x003F (hexadezimal).

Hat eine Tastatur kein umgedrehtes Fragezeichen, so kann unter Microsoft Windows die Tastenkombination Alt+0191 oder Alt+168 verwendet werden, um ein solches zu erzeugen; man muss dazu den Ziffernblock auf der rechten Seite der Tastatur verwenden. Bei einem Macintosh wird dieses durch Alt+ß/? erzeugt. Auf Linux-Systemen mit neueren Versionen von X11 lässt sich das Zeichen durch Compose, ?, ? oder Alt Gr+? eingeben.

Platzhalter[Bearbeiten]

Bei Suchvorgängen mit dem Computer wird das Fragezeichen auch als Platzhalter für genau ein beliebiges Zeichen benutzt (siehe Wildcard). Beispielsweise liefert die Namenssuche mit M?ier ein Ergebnis Maier und Meier.

In regulären Ausdrücken steht das Fragezeichen für das (einmal) mögliche, aber nicht notwendige Vorkommen des vorangehenden Elements. So liefert die Suche nach Genitive?s die Fundstellen Genitivs und Genitives (im ersten Fall kommt das dem „?“ vorausgehende Element „e“ keinmal, im zweiten Fall genau einmal vor).

Bedingungsoperator[Bearbeiten]

In einigen Programmiersprachen bildet das Fragezeichen zusammen mit einem Doppelpunkt einen dreistelligen Operator, den sogenannten Bedingungsoperator. Beispiel (C++):

 std::string ausgabetext = anzahl>1 ? "Zahlen" : "Zahl";

Syntaktische Trennung[Bearbeiten]

In URLs trennt das Fragezeichen den query string vom Pfad ab; damit können zusätzliche Informationen übertragen werden, z. B.

 http://example.com/index.php?action=edit

Schachnotation[Bearbeiten]

Des Weiteren wird das Fragezeichen auch in der Schachnotation verwendet und kennzeichnet einen schlechten Zug.

Comics[Bearbeiten]

In Sprech- oder Gedankenblasen drücken Fragezeichen Unsicherheit, eventuell in Kombination mit Ausrufezeichen, Verwunderung aus.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Fragezeichen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Fragezeichen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1.  Roger Chartier: The Author’s Hand and the Printer’s Mind. Polity Press, Cambridge 2014, ISBN 978-0-7456-5601-4 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Unicode Character Code Charts: Greek and Coptic (PDF; 300 kB, englisch)
  3. Truss, Lynne. Eats, Shoots & Leaves, 2003. S. 142, ISBN 1-59240-087-6.
  4. Johannes Saltzwedel: Normlettern auf Pergament. Artikel vom 27. November 2012 im Portal spiegel.de, abgerufen am 29. Dezember 2012