Goethe-Haus (New York)

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Eingangsportal des Goethe House, 1014, Fifth Avenunue

Das Goethe-Haus (auch Goethe House) in New York ist ein amerikanisch-deutsches Kulturzentrum, das von einer privaten Vereinigung gegründet wurde. Es ist mit dem Goethe-Institut verbunden und wird vom deutschen Auswärtigen Amt finanziert.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Goethe-Haus in New York wurde als Goethe House - The American-German Cultural Center and Library 1955 gegründet. Initiiert wurde die Non-profit Educational Corporation von an Deutschland interessierten amerikanischen Persönlichkeiten, zu denen Lucius D. Clay, John J. McCloy, Georg Shuster und James Bryant Conant gehörten.[1] Von deutscher Seite waren Botschafter Karl Heinrich Knappstein und Generalkonsul Georg Federer beteiligt. Präsident der Gesellschaft wurde Conant, Vorsitzender McCIoy.

Der erste Sitz des Goethe-Hauses war eine „Goethe-Etage”, sie befand sich im 9. Stock des Gebäudes 120 East 56th, auf der Ostseite Manhattans, in einer Nachbarschaft repräsentativer Wolkenkratzer. Es wurde am 12. April 1957 eröffnet und bestand aus Lese- und Aufenthaltsräumen.[2] Die Bücher der Bibliothek stellte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zur Verfügung.

1014, Fifth Avenue[Bearbeiten]

Metropolitan Museum (links). Am rechten Rand mit dem grünen Kupferdach: das Goethe-Haus.

Seit 1961 besaß die Goethe-House-Corporation das von der Bundesrepublik Deutschland 1960 gekaufte, schmale, sechsstöckige, palaisartige Gebäude 1014, Fifth Avenue. Es wurde 1906/1907 als vornehmes Stadthaus mit einer gegliederten, hellen Kalkstein-Fassade an der Ostseite des Central Park gegenüber dem Metropolitan Museum errichtet. Bauherr war ein amerikanischer Botschafter in Berlin, die Pläne stammten von den Architekten Welch, Smith & Provot. Im Inneren enthält es – auch heute noch – zeittypische Holzvertäfelungen, aufwendige, historische Stuckaturen, sowie Parkett und Eichentüren. Es steht unter Denkmalschutz. Das höhere rechte Nachbarhaus wurde 1910 nach einem Entwurf von McKim, Mead, and White erbaut. Der Architekt Philip Johnson bezog sich 1978 bei dem Bau des linken Nachbargebäudes, des Wohnhauses 1001 Fifth Avenue, auf diesen Entwurf.

Das Goethe-Haus wurde am 6. Februar 1961 mit Faust. Eine Tragödie in einem Gastspiel von Gustav Gründgens und vielen prominenten Gästen eingeweiht.[3] Erster Programmdirektor im neuen Haus wurde Hans Egon Holthusen. Bereits am 16. März 1961 hielt der Regierende Bürgermeister von Berlin Willy Brandt im Goethe-Haus eine vielbeachtete Rede, in der er zum Beistand für die geteilte Stadt aufrief. 1969 wurde das Goethe-Haus unter Direktor Peter Stadelmeyer in das Netzwerk der Goethe-Institute, mit Sitz in München, integriert. Die Gründerorganisation blieb beratend beteiligt.

Zahlreiche deutschsprachige Schriftsteller wie Uwe Johnson und Ingeborg Bachmann traten bei Lesungen auf. 1983 fand eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Die Verantwortung des Schriftstellers in einer gefährdeten Welt“ statt, an der Fritz J. Raddatz, Joyce Carol Oates, John Irving und Günter Grass beteiligt waren.

Das auf einem 446 m² großen Grundstück stehende Gebäude wurde zwischen April 1989 und Mai 1991 von den Architekten Peter Englert & Associates grundlegend saniert und den technischen Anforderungen angepasst. Die ehemalige Bibliothek wurde zu einem Auditorium mit modernen audio-visuellen Installationen und Lichttechniken ausgebaut. Nach den Umbau betrug die Nutzfläche des Goethe-Hauses 2126 m².[4] An dem neuen Sitz hatten, neben dem Auditorium, die umfangreiche Bibliothek mit den Leseräumen ebenso Platz wie Räume für die Administration, für Kunstausstellungen, Lesungen und für Musik- und Filmveranstaltungen.

Das Haus arbeitete von Anfang an zweisprachig, um die „amerikanische Intelligenz” mit deutscher Kultur vertraut zu machen.[5] Zum Publikum der Veranstaltungen gehörten am Anfang zahlreiche Deutsche, die aus dem nationalsozialistischen Deutschland emigriert waren und in New York wohnten. Die Veranstaltungen wurden meist in Zusammenarbeit mit heimischen Partnern durchgeführt. Das German American Partnership Program (GAPP) des Goethe-Hauses organisierte den Schüleraustausch zwischen höheren Schulen beider Länder.[6]

2009 wurden die Bereiche des Goethe-Instituts neu organisiert und auf verschiedene Gebäude aufgeteilt. Die Bibliothek und Administration wurde in die 72 Spring Street verlegt, für Veranstaltungen steht das Wyoming Building, 5 East 3 Street zur Verfügung, die Ausstellungsräume befinden sich als Goethe-Institut Curatorial Residencies Ludlow 38 in 38 Ludlow Street. Das Gebäude an der Fifth Avenue steht seither leer.[7]

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Atlantic monthly, Band 199, Verlag Atlantic Monthly Co., 1957, S. 189
  2. Deutsche Rundschau, Baden Baden, Ausgabe 1, 1957, S. 557
  3. Thilo Koch: Goethe in New York – Mephisto und Gretchen faszinierten die Amerikaner. In: Die Zeit, Nr. 8/1961
  4. Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
  5. Deutsche Kulturarbeit in New York. In: Zeitwende, die neue Furche, Band 34, Ausgaben 1-6, Hanseatisches Druck- und Verlagshaus, 1963, S.142 ff
  6. Anita M. Mallinckrodt: Die Selbstdarstellung der beiden deutschen Staaten im Ausland: „Image-Bildung“ als Instrument der Aussenpolitik. Verlag Wissenschaft und Politik, Köln, 1980, ISBN 978-3-8046-8569-7, S. 124 ff.
  7. Thomas E. Schmidt: Ein deutsches Spukschloss. In: Die Zeit, Nr. 24/2011.