John Jay McCloy
John Jay McCloy (* 31. März 1895 in Philadelphia, Pennsylvania; † 11. März 1989 in Stamford, Connecticut) war ein US-amerikanischer Jurist, Verwaltungsfachmann, Banker, Lobbyist, Politiker und Präsidentenberater. McCloy war nach 1945 maßgeblich am politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau des Nachkriegsdeutschlands beteiligt. Auf Grund seiner engen Verflechtungen mit Politik und Wirtschaft galt McCloy als "Chairman of the American Establishment" und wurde vom renommierten Harpers Magazine als "einflussreichste Privatperson Amerikas" benannt.[1]
McCloy fungierte unter anderem als Offizier im Ersten Weltkrieg, als Rechtsberater der I.G. Farben, als Staatssekretär des US-Kriegsministers während des Zweiten Weltkrieges, war als Hoher Kommissar höchster Vertreter der alliierten Siegermächte in der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland, war nach Eugene Meyer der zweite Präsident der neu gegründeten Weltbank, Vorstandsvorsitzender von Rockefellers Chase Manhattan Bank, Vorstand bei Mercedes-Benz Nordamerika, Gulf Oil, United Fruit Company, AT&T,Westinghouse Electric, dem Pharmakonzern E.R. Squibb & Sons, dem heutigen Mischkonzern Honeywell, sowie Vorstandsvorsitzender der Ford Foundation und Ehrenvorsitzender des Council on Foreign Relations.
McCloy gründete 1952 mit dem deutsch-amerikanischen Weltbankier Eric M. Warburg, den American Council on Germany und die Atlantik-Brücke.
Leben[Bearbeiten]
1895 bis 1941: Ausbildung, Erster Weltkrieg und erste berufliche Stationen[Bearbeiten]
John Jay Snader McCloy wurde am 31.März 1895 in Philadelphia als Sohn des Versicherungsangestellten John Jay McCloy und Anna May Snader McCloy geboren.[2] Als er sechs Jahre alt war, starb sein Vater. Er besuchte zunächst von 1907 bis 1912 die Peddie School in New Jersey, machte anschließend mit Hilfe eines Stipendiums seinen Schulabschluss auf dem renommierten privaten Amherst College und schrieb sich 1916 bei der Harvard University in die juristische Fakultät Harvard Law School ein. Die Universitätsausbildung musste er durch den Ersten Weltkrieg vorerst unterbrechen. 1917 wurde er Leutnant der US-Armee, ein Jahr später wurde er zum Hauptmann befördert. Von 1918 bis 1919 diente er dem Expeditionskorps American Expeditionary Force in Frankreich und Deutschland. Nach der Rückkehr in die USA setzte er sein Studium in Harvard fort und erlangte 1921 einen Abschluss der Rechtswissenschaften. Während seines Harvard-Studiums verbrachte McCloy einige Zeit bei der mit ihm befreundeten Rockefeller-Familie und er lehrte David Rockefeller und dessen Brüder das Segeln.[3]
Nach seinem Studium begann McCloy im August 1921 seine Anwalt- und Bankerkarriere bei der 1792 gegründeten, ältesten Sozietät der USA, der prestigeträchtigen New Yorker Wirtschaftkanzlei Cadwalader Wickersham & Taft in Lower Manhattan. Im Dezember 1924 wechselte er zur ebenfalls reputierten Wall-Street-Kanzlei Cravath, Henderson & de Gerssdorff, heutzutage als Cravath, Swaine & Moore LLP eine der profitabelsten Anwaltskanzleien der Welt.
Kurz nach seinem Eintritt in die Kanzlei Cravath, Henderson & de Gerssdorff beteiligte diese sich mit der JP Morgan Bank an einem 110-Mio.-Dollar-Kredit an die damalige deutsche Regierung. Er reiste für die Investmentbank häufig nach Frankreich, Italien und Deutschland, da JP Morgan wie auch andere Wall-Street-Häuser Interesse am Wiederaufbau Europas hatten. Durch diesen intrigenreichen Arbeitsbereich wurde er tief in Industrie- und Militärspionage eingebunden und er lernte neben exotischen Orten unter anderem den Hauptverantwortlichen der deutschen Spionage Franz von Rintelen kennen.
Während McCloy mittlerweile in der Pariser Dependance von Cravath, Henderson & de Gerssdorff arbeitete, heiratete er 1930 die Deutsch-Amerikanerin Ellen Zinsser, eine Cousine von Konrad Adenauers Ehefrau Auguste Adenauer, geborene Zinsser. In den 1930er Jahren repräsentierte er als Firmenanwalt unter anderem die Rockefellers, den Weltbankier und Gründer der privatisierten US-amerikanischen Zentralbank FED Paul Warburg sowie die JP Morgan Bank, bei der sein Schwager John Zinnser mittlerweile im Vorstand saß.
Anschließend lebte er für ein Jahr in Italien und versorgte das diktatorische Regime des italienischen Staatsführers Benito Mussolini mit Krediten. Hauptaufgabe zu dieser Zeit war die Vergabe von umfangreichen Krediten an die Regierungen in Deutschland und Italien, bei der er in Verbindung mit deren faschistischen Führern stand. Neben Morgan und Rockefeller finanzierten DuPont, General Motors, IBM und Ford diese Länder und viele Kredite gingen direkt an das seinerzeit weltgrößte Chemieunternehmen I.G. Farben mit Hauptsitz in Frankfurt am Main. Die I.G.-Farben-Vertretungen in Nordamerika waren Kunden von Cravath Henderson & de Gerssdorff und McCloy war der Verbindungsmann nach Europa.[4]
Zwischen 1930 und 1939 bearbeitete McCloy den sogenannten Black-Tom-Fall, einen Sabotagefall aus dem Ersten Weltkrieg. McCloy erbrachte den Beweis, dass deutsche Geheimagenten für den Fall verantwortlich sind, woraufhin das Haager Schiedsgericht Deutschland zu einer Schadensersatzzahlung von 50 Millionen US-Dollar verurteilte, die bis 1979 abbezahlt wurden. 1940 wurde McCloy als Experte für Gegenspionage ins US-Kriegsministerium berufen.[5]
1941 bis 1945: Staatsdienst im Zweiten Weltkrieg und die Auschwitz-Kontroverse[Bearbeiten]
Zwischen 1941 und 1945 diente er als Unterstaatssekretär (Under Secretary) im US-Kriegsministerium und war hier mit einer Vielzahl unterschiedlicher Aufgaben befasst. In Algerien wirkte er bei der Gründung des französischen Komitees für die nationale Befreiung mit. Er war mitverantwortlich für die Internierung von 120.000 US-Amerikanern japanischer Herkunft, als Folge des Angriffs auf Pearl Harbor.
1944 sprach er sich gegen die Bombardierung der Bahnlinien aus, die zum KZ Auschwitz-Birkenau führten, zunächst mit dem Argument, dass eine Bombardierung seitens der Amerikaner technisch nicht durchführbar sei. Nachdem diese Aussage zweifelsfrei widerlegt worden war, da vielfach Flüge über dieses Gebiet hinwegführten und sogar Bombardierungen in unmittelbarer Nähe stattfanden, lehnte McCloy einen erneuten Antrag auf Bombardierung mit dem Hinweis ab, dass dabei schließlich auch Tote unter den KZ-Insassen zu beklagen sein würden.
Die besondere Fragwürdigkeit der Nichtbombardierung Auschwitzs zeigt sich insbesondere in den späteren Berichten überlebender Häftlinge, die angesichts der nahen Flieger hofften, die Krematorien, Vergasungskammern und Zufahrtswege würden doch noch bombardiert und so dem Morden Einhalt geboten.[6][7][8]
McCloy nahm als Unterhändler an den Konferenzen von Casablanca, Potsdam, Kairo und San Francisco teil. 1945 war er als Leiter der Abteilung für Zivilangelegenheiten (engl. Civil Affairs Division) im Kriegsministerium an der Besetzung Deutschlands beteiligt. Während des Zweiten Weltkrieges war er zudem Berater von Kriegsminister Henry L. Stimson und verfasste in dieser Funktion die Kapitulationsartikel für Japan. Noch in seiner Funktion als Staatssekretär gehörte McCloy zu einem kleinen Kreis von Personen die von der Absicht der US-Regierung erfuhr, Atombomben in Japan einzusetzen. McCloy sprach sich für eine Vorwarnung der japanischen Bevölkerung vor der Bombardierung Hiroshimas und Nagasakis mit Atombomben aus, konnte sich jedoch nicht durchsetzen.
In seiner Funktion als Berater Franklin D. Roosevelts wandte er sich entschieden gegen den Morgenthau-Plan, der Deutschland auf einen Agrarstaat reduziert hätte.[9]
1945 bis 1952: Anwalt, Präsident der Weltbank, Hochkommissar in Deutschland[Bearbeiten]
Im Anschluss an die Zeit als Staatssekretär kehrte er in seinen zivilen Beruf zurück und wurde 1945 Teilhaber der Anwaltskanzlei Milbank, Tweed, Hadley & McCloy, für die er bis zu seinem Tode im Jahre 1989 hauptsächlich als Lobbyist im Ölgeschäft tätig war.
Von 1947 bis 1949 wurde McCloy Nachfolger von Eugene Meyer als Präsident der 1946 gegründeten Weltbank.
McCloy war vom 2. September 1949 bis 1. August 1952 amerikanischer Hochkommissar in Deutschland und damit Nachfolger des Militärgouverneurs General Lucius D. Clay. In dieser Position, die seine Talente als Diplomat und Manager forderte, residierte er zunächst noch in Bad Homburg, später in der Villa Cappell in Bad Godesberg.[10] McCloy förderte in dieser Funktion die Umsetzung des Marshallplans und die Integration der Bundesrepublik in den Westen.
Der Kriegsveteran McCloy, der im Ersten Weltkrieg kurz vor dem Waffenstillstand an Gefechten in der Gegend von Koblenz teilgenommen hatte, war nun erneut Teil einer amerikanischen Besatzungsmacht in Deutschland und sagte über diese Zeit: "Viele von uns, die während des Ersten Weltkriegs an der Besetzung Deutschlands beteiligt waren (...) hatten erfahren, wie bitter diese Besetzung war. Und wir alle hatten noch gut die Reparationsfrage, die Wiederbesetzung der Ruhr, die Schikanen, die Agitation und die Irritationen in Erinnerung, aus denen Hitler, als er an die Macht kam, so Kapital schlagen konnte."
McCloy hatte die Vision, dass das vom Krieg verwüstete Deutschland eines Tages seine Rolle als starke europäische Macht wieder einnehmen werde und dieses neue Deutschland unter einer ordentlichen politischen Führung in der westlichen demokratischen Werteordnung neu erblühen werde. McCloy traf bei seiner Ankunft in Deutschland auf moralische und physische Trümmerfelder, und so begann er schnell, seine Vision in die Tat umzusetzen. Seine Aufgabe war es, wie es seine spätere Mitstreiterin bei der Gründung der Atlantik-Brücke, Marion Gräfin Dönhoff, formulierte, "tagtäglich Entscheidungen zu treffen, die auf Jahre hinaus die Entwicklung bestimmten".
McCloy setzte sich früher bereits für Strafprozesse anstatt Standgerichte gegen die deutschen Hauptkriegsverbrecher ein und wurde so ein Wegbereiter der Nürnberger Prozesse. Als höchster Vertreter der Alliierten begnadigte er allerdings wieder 89 der verurteilten Kriegsverbrecher, was zu heftigen Kontroversen führte, von Seiten McCloys jedoch als "Geste der Versöhnung" ausgelegt wurde.
Am 31. Januar 1951 gab er die endgültigen Entscheidungen für die Gnadengesuche der in Nürnberg verurteilten Kriegsverbrecher bekannt. Nach Beratungen mit dem Advisory Board on Clemency, dem sogenannten „Peck Panel“, entschied sich McCloy in mehreren Fällen für eine drastische Verkürzung der Haftstrafen der Kriegsverbrecher, was sogar Eleanor Roosevelt dazu hinriss, ihn zu fragen „wieso wir so viele Nazis befreien“. Die bekanntesten Begnadigungen sind die von Friedrich Flick, einem der größten finanziellen Unterstützer der NSDAP, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach und dem I.G.-Farben-Vorstand und Mitverantwortlichen für die Errichtung des KZ Auschwitz III Monowitz, Fritz ter Meer. Darüber hinaus erhielten Flick und Krupp von Bohlen und Halbach auf McCloys Betreiben hin das gesamte 1945 konfiszierte Vermögen ihrer Firmen zurück. Dies war vor allem vor dem Hintergrund fraglich, dass es vornehmlich mit der Produktion von Rüstungsgütern und der Beschäftigung von Zwangsarbeitern und KZ-Insassen, die daraufhin vielfach ausgezehrt in den Tod geschickt wurden, erwirtschaftet wurde.
In anderen Fällen versuchte McCloy eine juristische Verfolgung von Kriegverbrechern gänzlich zu verhindern. Das prominenteste Beispiel hierfür ist wohl der gegen Ende des Krieges untergetauchte Klaus Barbie, der 1947 auf Grund seiner als Chef der Gestapo in Lyon durchgeführten Deportationen und Massenfolterungen in Abwesenheit von französischen Gerichten zum Tode verurteilt wurde. Auch im Zuge der Aufklärung weiterer Verbrechen, bei denen Barbie möglicherweise als Zeuge auftreten könnte, wurden an die Bundesrepublik Auslieferungsgesuche gestellt, welche allerdings von McCloy persönlich im Jahre 1950 unter dem Hinweis darauf zurückgewiesen wurden, dass „kontinuierliche Anstrengungen unternommen würden, ihn zu lokalisieren“. In Wirklichkeit jedoch stand Barbie seit 1947 auf der Gehaltsliste der amerikanischen Spionageabwehr Counter Intelligence Corps, und McCloy regelmäßig Bericht über Aufenthaltsorte und Betätigungen - offiziell gesuchter - Kriegsverbrecher erstattete. Barbie, der vom CIC für spezielle, frankreichgerichtete Spionageaktivitäten eingesetzt wurde, ermöglichte man, von McCloy befürwortet, ebenso wie anderen SS-Männern wie Josef Mengele und Adolf Eichmann über die Rattenlinie eine Flucht nach Südamerika. [11][12]
Abseits dieses Kapitels wurden die deutsch-amerikanischen Beziehungen geprägt von McCloys Verständnis für die Aufgaben, die Deutschland in einer neuen Ära der Versöhnung und des Wiederaufbaus erwarteten. McCloy erkannte die entscheidende Bedeutung der Beziehung Deutschlands zu Frankreich und Westeuropa und die Chance der Vereinigten Staaten, friedliche und florierende transatlantische Beziehungen aufzubauen. Er entwickelte ein gutes Arbeitsverhältnis zu den deutschen Nachkriegspolitikern Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher.
McCloys Einsatz war insbesondere deshalb so effektiv, weil er das Vertrauen des US-Präsidenten genoss und ein ausgezeichnetes Verhältnis zum amerikanischen Heer sowie zum Geschäftsmann und Diplomaten W. Averell Harriman, dem Direktor des Marshallplans, hatte. Er benutzte seine fast diktatorische Macht, um in Deutschland Demokratie und die Wiederbelebung der Wirtschaft in jedem Detail voranzubringen, auch wenn er sich dabei manchmal auf politisch gefährlichem Grund bewegte. Insbesondere die aufgehobenen Urteile gegen die Familie Krupp, die während der Nürnberger Prozesse gefällt wurden, seien hier genannt. Während seiner Amtszeit trug er dazu bei, den Grundstein für „normalere" Beziehungen zu legen, die die souveräne deutsche Regierung später mit der neuen US-Botschaft in Bad Godesberg fortführen sollte.
Kultur und Bildung waren andere wichtige Anliegen McCloys. Unter seiner Führung widmete die Hohe Kommission jungen Menschen in Deutschland besondere Aufmerksamkeit. Während McCloys gesamter Amtszeit setzte er sich für ihre Entwicklung zu westeuropäischen Staatsbürgern ein, die über die Vereinigten Staaten gut informiert sein sollten. Die deutschen Universitäten, die in das nationalsozialistische System und seine ldeologie mit hineingezogen worden waren, bedurften nach amerikanischer Lesart einer gründlichen Neuausrichtung. Viele der Rektoren wurden aus ihren Ämtern entfernt, und die Lehre auf allen Ebenen fand unter amerikanischer und britischer Anleitung statt. Shepard Stone, ein Freund und Kollege McCloys, sowie Gründer des Aspen-Instituts Berlin, hatte ein besonderes Interesse an der Reform des deutschen Bildungswesens, und die Hohe Kommission unterstützte besonders die Freie Universität Berlin mit finanziellen Mitteln. Für die Gründung der Hochschule für Gestaltung Ulm waren, vermittelt durch Walter Gropius, amerikanische Stiftungen zentrale Geldgeber und Förderer. McCloy unterstützte die Initiative zur HfG-Gründung als Project No. 1. Die HfG sollte einen College-ähnlichen Campus nach US-Vorbild erhalten, damit die Hochschulangehörigen in freier Gemeinschaft Lehrender und Lernender zusammenleben konnten. John McCloy überreichte Gründungsmitglied Inge Scholl kurz vor seinem Abschied als Hochkommissar im Jahre 1952 einen Scheck über eine Million DM. [13]
Nach seiner Amtszeit als Hoher Kommissar war McCloy entscheidend daran beteiligt, eine ganze Reihe von Stipendien und Fellowships ins Leben zu rufen, die dazu beitragen sollten, über Jahrzehnte hinweg die deutsch-amerikanischen Beziehungen zu festigen. Die Harvard University und die Columbia University waren an akademischen Fellowship-Programmen beteiligt. Weiterhin gab es Stipendien des American Council on Germany, einer Organisation, an deren Gründung McCloy und seine Frau Ellen McCIoy beteiligt waren.
Ebenso wichtig war, dass McCloy den mit dem ihm freundschaftlich verbundenen Jean Monnet dazu ermutigte, Deutschland wieder in die westliche Staatengemeinschaft einzugliedern. Er initiierte Deutschlands Beitritt zur NATO, was nur ein Jahrzehnt nach dem Ende des verheerenden Krieges die Wiederbewaffnung Deutschlands bedeutete. Er setzte sich auch nachdrücklich für die amerikanische Zustimmung zum Schuman-Plan ein, der zur Bildung der Montanunion, der Europäischen Gemeinschaft und schließlich zur Europäischen Union führte. [14]
1952 bis 1989: Politikberatung, Chase Manhattan Bank und Warren Kommission[Bearbeiten]
Im Anschluss an seine Zeit als Hochkommissar gründete er 1952 mit seinem Freund, dem deutsch-amerikanischen Weltbankier und US-Offizier während des Zweiten Weltkriegs Eric M. Warburg, den American Council on Germany und seine deutsche Schwesterorganisation, die Atlantik-Brücke. "McCloy wurde in seinem Denken tiefstens von Eric M. Warburg beeinflusst, der 1938 aus Deutschland emigriert war und kurz darauf McCloy erstmalig begegnete", so der Ehrenvorsitzende der Atlantik-Brücke und deutsche Diplomat Walther Leisler Kiep in seinem Buch "Bridge Builder: An Insider’s Account of Over 60 Years in Postwar Reconstruction, International Diplomacy, and German-American Relation".[15].
Von 1952 bis 1965 war er zunächst Berater, dann ab 1953 Vorsitzender der Ford Foundation für Friedensfragen. Zwischen 1953 bis 1960 war McCloy Vorstandsvorsitzender von Rockefellers Chase Manhattan Bank. In der Zeit von 1954 bis 1970 war er Vorstandsmitglied des US-amerikanischen Think Tanks Council on Foreign Relations in New York. Von 1972 bis 1987 war er Vorsitzender des American Council on Germany. [16]
1961 wurde er von John F. Kennedy als Sonderberater für Abrüstungsfragen berufen. Mit dem sowjetischen Unterhändler und ehemaligen Botschafter in der Bundesrepublik, Walerian Sorin, kam es zum Abschluss des McCloy-Sorin-Abkommens, das im Dezember 1961 von der UNO-Vollversammlung einstimmig angenommen wurde. Das Abkommen wurde in der Folge im Artikel VI des Atomwaffensperrvertrags kodifiziert.
Von Präsident Johnson wurde er 1963 auch zum Mitglied der Warren-Kommission ernannt, die die Hintergründe des Attentats auf John F. Kennedy untersuchen sollte. Während er anfänglich erhebliche Zweifel an der Theorie des Einzeltäters anmeldete, die Verzögerungen bei den Ermittlungen und andere Unstimmigkeiten bemängelte, ließ er sich schließlich doch unter dem starken Einfluss von Allen W. Dulles dazu umstimmen, den abschließenden Bericht zu unterzeichnen. Den West-Berlin-Besuch Kennedys 1963 initiierte McCloy, nachdem er mit Chruschtschow Gespräche geführt hatte. Während der Kuba-Krise war er Mitglied des entsprechenden Koordinationskomitees.
McCloy pflegte enge und freundschaftliche Beziehungen zum Schah von Persien, Mohammad Reza Pahlavi, und versuchte in diesem Sinne Einfluss auf die Iranpolitik der USA in den 1970er-Jahren auszuüben. Im Spätherbst 1979 waren McCloy, David Rockefeller und Henry Kissinger Auslöser und Hauptdarsteller einer internationalen, weltweit umstrittenen Affäre. Sie hatten gemeinsam mit Rockefellers Beratern US-Präsident Jimmy Carter überredet, den schwer krebskranken Schah von Persien ins Land zu lassen, damit er sich in einem US-Hospital behandeln lassen konnte. Der Schah erreichte New York im Oktober 1979, und wurde umgehend ins Cornell Medical Center des NewYork-Presbyterian Hospital transportiert. Als dieser Umstand im Iran bekannt wurde, kam es daraufhin am 4. November 1979 zur Erstürmung der US-amerikanischen Botschaft in Teheran durch iranische Studenten und zur 444 Tage andauernden Geiselnahme von 52 US-Diplomaten, der sogenannten "Geiselnahme von Teheran". [17]
John Jay McCloy verstarb kurz vor seinem 94. Geburtstag am 11. März 1989 in Stamford, Connecticut.
Sonstiges[Bearbeiten]
- McCloys Ehefrau Ellen, eine geborene Zinsser, war die Cousine von Auguste Zinsser, der 1948 verstorbenen Ehefrau des ersten Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer.
- McCloy und seine Ehefrau hatten zwei Kinder. John Jay McCloy II (* 5.November 1937) und Ellen Z. McCloy (* 16. Juli 1941).
- McCloy war einer der sogenannten sechs Wise Men. Zwei Diplomaten, zwei Bänker und zwei Anwälte, die als Außenpolitikberater für die Präsidenten von Franklin D. Roosevelt bis Lyndon B. Johnson arbeiteten. Die sechs Weisen waren: Dean Acheson, W. Averell Harriman, George F. Kennan, Robert A. Lovett und John McCloy.
- McCloy arbeite als Präsidentenberater für John F. Kennedy, Lyndon B. Johnson, Richard Nixon, Jimmy Carter und Ronald Reagan.
- Im Bonner Stadtteil Mehlem wurde ein Rheinuferweg mit Blick auf das Siebengebirge John-Jay-McCloy-Ufer benannt.
- Im Jahre 1983 schuf die Volkswagen-Stiftung mit dem McCloy Academic Scholarship Program „in Anerkennung seiner besonderen Leistungen für den Wiederaufbau Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg“ ein Stipendienprogramm, das deutschen Studierenden ein Studium an der Kennedy School of Government der Harvard University ermöglicht. Das Programm wird seit 1993 federführend von der Studienstiftung des deutschen Volkes weitergeführt.
Ehrungen[Bearbeiten]
- Ehrenbürger von Rothenburg ob der Tauber 1948, da er die Bombardierung verhindert hatte
- Ehrenbürger von Berlin am 1. April 1985 anlässlich seines 90. Geburtstages
Literatur[Bearbeiten]
- Erika J. & Heinz-D. Fischer (Hrsg.): John J. McCloys Reden zu Deutschland- und Berlinfragen. Publizistische Aktivitäten und Ansprachen 1949-1952. Berlin-Verlag Spitz, Berlin 1986, ISBN 3-87061-318-1
- The Chairman: John J. McCloy - The Making of the American Establishment, Kai Bird, New York: Simon & Schuster, 1992 ISBN 0-671-45415-3
- The Wise Men: Six Friends and the World They Made: Acheson, Bohlen, Harriman, Kennan, Lovett, and McCloy Walter Isaacson & Evan Thomas, New York: Simon & Schuster, 1986.
- The Chase: The Chase Manhattan Bank, N.A., 1945-85, John Donald Wilson, Boston: Harvard Business School Press, 1986.
- Klaus Schwabe: Fürsprecher Frankreichs? John McCloy und die Integration der Bundesrepublik., In: Ludolf Herbst, Werner Bührer & Hanno Sowade (Hrsg.): Vom Marshallplan zur EWG. Die Eingliederung der Bundesrepublik Deutschland in die westliche Welt. Oldenbourg, München 1990, ISBN 3-486-55601-0
- Thomas Alan Schwartz: Die Atlantik-Brücke. John McCloy und das Nachkriegsdeutschland. Ullstein, Frankfurt/Berlin 1992, ISBN 3-550-07512-X
Weblinks[Bearbeiten]
- John Jay McCloy in der Notable Names Database (englisch)
- Literatur von und über John Jay McCloy im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Tabellarischer Lebenslauf von John Jay McCloy im LeMO (DHM und HdG)
Quellen[Bearbeiten]
- ↑ Minister without portfolio: The most influential private citizen in America, Harpers Magazine, Ausgabe Februar 1983
- ↑ Archiv des Amherst College
- ↑ Bridge Builder. An Insider's Account of Over 60 Years in Postwar Reconstruction, International Diplomacy, and German-American Relation - Walther Leisler Kiep; Seite 205
- ↑ The Last Gasp - The Rise and Fall of the American Gas Chamber; Autor: Scott Christianson; Verlag: University of California, 2010; ISBN 0-52025-562-3, Seite 126-129
- ↑ McCloy-Biografie des bundesdeutschen Haus der Geschichte
- ↑ Stellungnahme von John J. McCloy zur Nichtbombardierung der Bahnlinien nach Auschwitz
- ↑ Why the allies didn't bomb Auschwitz, The Guardian vom 9. September 2009
- ↑ The Bombing of Auschwitz: Should the Allies Have Attempted It? Autoren: Michael J. Neufeld/Michael Berenbaum; Verlag: University Press of Kansas, 2003; ISBN 0-7006-1280-7
- ↑ McCloy-Biografie des bundesdeutschen Haus der Geschichte
- ↑ Helmut Vogt: Wächter der Bonner Republik. Die Alliierten Hohen Kommissare 1949–1955, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2004, ISBN 3-506-70139-8, S. 57/58.
- ↑ Biografie in Englisch
- ↑ Die Begnadigung deutscher Kriegsverbrecher - John J. McCloy und die Häftlinge von Landsberg, Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Heft 3, 1990 (PDF; 1,7 MB)
- ↑ Zur Vorgeschichte der HfG
- ↑ A Vision Fulfilled. 50 Jahre Amerikaner am Rhein. Redakteure: Christine Elder and Elizabeth G. Sammis. Herausgeber: United States Embassy Bonn, 1999
- ↑ Bridge Builder.An Insider's Account of Over 60 Years in Postwar Reconstruction, International Diplomacy, and German-American Relation - Walther Leisler Kiep; Seite 205
- ↑ Biografie von John J. McCloy des American Council on Germany
- ↑ David Rockefeller: "Memoirs", S. 356-375, Random House Trade Paperbacks, ISBN 0-8129-6973-1
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | McCloy, John Jay |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Jurist und Politiker, Hoher Kommissar seines Landes in Deutschland (1949–1952) |
| GEBURTSDATUM | 31. März 1895 |
| GEBURTSORT | Philadelphia, Pennsylvania |
| STERBEDATUM | 11. März 1989 |
| STERBEORT | Stamford, Connecticut |
- Politiker (Vereinigte Staaten)
- Präsident der Weltbank
- Verwaltungsjurist
- Mitglied im Council on Foreign Relations
- Ehrenbürger von Berlin
- Ehrenbürger in Bayern
- Ehrenbürger der Freien Universität Berlin
- Attentat auf John F. Kennedy
- Träger des Bundesverdienstkreuzes (Großkreuz)
- Träger der Presidential Medal of Freedom
- Träger der Ernst-Reuter-Plakette
- Person (Nürnberger Prozesse)
- Geboren 1895
- Gestorben 1989
- Mann