Hammerskins

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Zwei gekreuzte Hämmer auf einem Zahnrad als Logo der Hammerskins

Die Hammerskins (auch Hammerskin-Nation) (HSN) sind eine neonazistische Vereinigung, die 1986 von Wollin Lange und Scan Tarret in Dallas, Texas, gegründet wurde. Mittlerweile gibt es Ableger davon in verschiedenen Ländern.

Anfänge[Bearbeiten]

Die Vereinigung breitete sich zunächst auf dem nordamerikanischen Kontinent aus. Sie besitzt einen hohen Organisationsgrad und versteht sich als Elite der Naziskins. Die Hammerskins sind in vielen Ländern weltweit mit „Divisionen“ vertreten, darunter in den USA, Kanada, England, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz, Spanien, Portugal, Ungarn, Neuseeland und Australien. Das Plattenlabel Free Your Minds Records steht in enger Verbindung mit den Hammerskins, die besonders aktiv in der Veranstaltung von Rechtsrock-Konzerten mit internationalen Bands sind, so in den letzten Jahren auch in Deutschland. Sie sind unterhalb der Bundesorganisation in einzelne „Chapter“ gegliedert, z. B. „Chapter Brandenburg“. Immer wieder gibt es internationale Treffen, die "Hammerfest" heißen.[1]

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Das Logo der Hammerskins, zwei Zimmermannshämmer als Symbol, ist der Symbolik des Thor nachempfunden. Man übernahm das Logo der fiktiven Faschisten aus dem Film The Wall von Pink Floyd. Mit dem Logo soll der Einklang zu den Nordischen Göttern und die Abstammung der „Nordischen Rasse“ verdeutlicht werden. Somit sollen die Wurzeln der antirassistischen Skinhead-Bewegung, welche in der britischen Arbeiterklasse liegen, für die Bewegung der Hammerskins vereinnahmt werden.

Ideologie[Bearbeiten]

Ihr Motto ist „Hammerskins forever, forever Hammerskins“ (Abgekürzt „HFFH“). Die Organisation steht der White-Power-Bewegung nahe, betont also insbesondere Vorstellungen von der „Reinheit der Rasse“ und idealisiert Krieger- und Männlichkeitsvorstellungen, die sie aus „historischen“ Vorbildern wie den Ariern, den Wikingern und den Nationalsozialisten zieht. Da die Hammerskins sich als elitäre Bruderschaft verstehen, werden potentielle Mitglieder einem besonderen Auswahlprozess unterworfen und unerwünschte Personen – z. B. Alkoholiker, „Verrückte“, „Maulhelden“ - (schon im Vorhinein) ausgeschlossen.

Crew 38[Bearbeiten]

Die Crew 38 ist ein internes Unterstützungsnetzwerk der Hammerskins, die Zahl 38 steht für die Buchstaben C und H, das Kürzel für "„Crossed Hammers“ – in Anlehnung an das Logo der Hammerskins. Das Netzwerk unterstützt beispielsweise Hammerskins, die in Konflikt mit der Justiz geraten sind. Das Label „Crew 38“ taucht in vielen Ländern auf, in welchen die HSN organisiert ist.[2]

USA[Bearbeiten]

Im Jahr 2000 listete die „Hammerskin Nation“ Webseite 19 Chapter, die über die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) verteilt liegen. Auch hier gibt es direkte Verbindungen zu Bands. So war beispielsweise Ed Wolbank, Musiker der Band Bound for Glory, eine zeitlang Anführer der Hammerskins in Saint Paul (Minnesota).

In den USA wurden viele Gewalttaten mit rechtsradikalem und rassistischem Hintergrund begangen. So wurde 1988 ein Nachtclub in Tulsa von Hammerskins angegriffen und seine nicht-weißen Besitzer getötet. Im Juni 1991 töteten in Arlington (Texas) drei Mitglieder der Hammerskins den Afroamerikaner Donald Thomas. Im selben Jahr wurde in Birmingham (Alabama) ein obdachloser Mann von Hammerskins an Weihnachten getötet. 1993 wurden in Massachusetts zwei Mädchen von Hammerskins angegriffen. 1999 wurde in der Nähe von Kalifornien der junge Afroamerikaner Randy Bowen von sechs Hammerskins angegriffen und schwer verletzt.[3] Im Jahr 2012 wurden in Wisconsin sechs Menschen in einem Sikh-Tempel von einem Mitglied der Hammerskins erschossen.[4][5]

Deutschland[Bearbeiten]

Seit 1991 ist die Existenz von Hammerskins in Deutschland bekannt. Im Zuge der Ermittlungen zum Nationalsozialistischen Untergrund hat das Bundeskriminalamt (BKA) eine 20-seitige Analyse zu Hammerskins in Deutschland erstellt. Die „Hammerskin-Division Deutschland“, die mitunter eng mit etablierten rechtsextremistischen Strukturen zusammenarbeitet, umfasst 193 Mitglieder und Symphathisanten. In Deutschland gibt es laut dem BKA elf regionale Chapter. Am aktivsten seien das Chapter Westmark[6] und die Chapter in Bremen, Sachsen und Bayern.[7] Endstation Rechts Bayern berichtete, dass es in Oberprex (Regnitzlosau) bereits Veranstaltungen des Freien Netz Süd und Hammerskins gegeben haben soll.[8]

Die Fanzines „Hammerskin“, „Wehrt euch“ und „Hass Attacke“ wurden oder werden von deutschen Hammerskins herausgegeben. Nach dem Verbot der Blood & Honour-Division Deutschland versuchen sich Hammerskins verstärkt auf dem Markt der rechtsextremen Musik- und Konzertorganisation zu profilieren, es gibt aber auch gemeinsam organisierte Konzerte.[9] Auch verschiedene Bands mit Namen wie Hetzjagd, Frontalkraft oder Deutsch Stolz Treue wurden in der Analyse den Hammerskins zugeordnet.[10] In Bremen gruppierte sich die die „Hammerskin-Sektion Bremen“ um die Band Endstufe.

Im Rahmen des Prozesses gegen die rechtsextreme Band Landser wurde der V-Mann und Hammerskin Mirko Hesse enttarnt, der am Vertrieb und Produktion einer CD (Ran an den Feind) der Band beteiligt war. Er wurde wegen Beteiligung am Vertrieb, sowie illegalen Waffenbesitzes zu vier Jahren Haft verurteilt.[11][12]

Das von NPD Mitglied Sven Krüger gebaute „Thinghaus“ in Grevesmühlen diente zeitweise als Treffpunkt für Hammerskins.[13] Im August 2011 fand beispielsweise ein konspiratives Solidaritätskonzert für Krüger statt, bei dem 200 Besucher aus dem Umfeld der verbotenen Hammerskins anwesend waren.[14]

Zudem soll der Neonazi Thomas Gerlach illegal Waffen für Hammerskins in Portugal beschafft haben.[15]

Im Februar 2013 fand in der Gemeinde Werlaburgdorf (Landkreis Wolfenbüttel) ein „national officers meeting“ statt, bei dem sich 30 Führungskader der Hammerskins trafen.[16]

Ähnlichkeiten mit der Hammerskinstruktur haben auch die Gruppen „Voice of Anger“ aus Memmingen und Kempten und „Hate Crew Schwaben“.[17][18]

Im Mai 2013 fand im sachsen-anhaltischen Nienhagen ein Konzert statt, zu dem viele Hammerskins und deren nahestehenden Gruppen anreisten.[19]

Siehe auch[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

  • Skin or die. Eine Reportage über die Hammerskins – Weiße Rassisten der Skinhead-Bewegung. Schweiz 1998. 56 Min., Farbe, VHS. Buch und Regie: Daniel Schweizer.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Hammerskin Nation archive.adl.org
  2. Konspirative Strukturen – „Hammerskins“ mit Verbindungen zur NPD? endstation-rechts.de vom 4. Juli 2011
  3. Hammerskin Most Violent Neo Nazi Skin Head Group In U.S-See Pictures guardianexpressla.com vom 7. August 2012
  4. Europas Neonazis feiern sich selbst fr-online.de vom 4. November 2012
  5. Wisconsin Sikh temple shooting suspect’s tattoos tell the tale of his white supremacist affiliations nydailynews.com vom 8. August 2012
  6. Ein „Wanderverein“ voller Glatzen fr-online.de vom 29. Januar 2013
  7. "Die Untergrund-Neonazis" zeit.de vom 1. Februar 2013
  8. Aktivitäten der rechten Szene in Oberfranken endstation-rechts-bayern.de
  9. "Die Untergrund-Neonazis" zeit.de vom 1. Februar 2013
  10. "Hetzjagd auf der Bühne" taz.de vom 11. Januar 2013
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAlexander Fichtner, Annelies Senf: Rechtsrock. Panzerfaust aufs Ohr. haGalil, 8. August 2003, abgerufen am 19. Dezember 2010.
  12. "Die erstaunliche Nazikarriere des V-Manns Mirko H." berliner-zeitung.de vom 3. November 2003
  13. "Grevesmühlen ist die Festung der Extremisten" abendblatt.de vom 29. August 2011
  14. „Freiheit für Sven Krüger“ – Hammerskins und NPD auf Soli-Konzert. Endstation Rechts, 1. August 2011, abgerufen am 11. September 2012.
  15. "Neonazis international bestens vernetzt" fr-online.de vom 19. Februar 2013
  16. "Hammerskins" im Landkreis Wolfenbüttel ndr.de vom 23. Februar 2013
  17. "Stimme des Zorns" im Raum Krumbach aktiv augsburger-allgemeine.de vom 18. April 2013
  18. "Polizei zerschlägt rechtsextreme Gruppe" augsburger-allgemeine.de vom 29. Januar 2009
  19. "Braunes Musik-Event in Folge" endstation-rechts.de vom 28. Mai 2013