Henry Morgenthau

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Politiker Henry Morgenthau, zu dessen Vater dem Botschafter siehe Henry Morgenthau senior.
Henry Morgenthau

Henry Morgenthau junior [ˈmɔːrgənθɔː] (* 11. Mai 1891 in Poughkeepsie, New York; † 6. Februar 1967 in New York City) war ein US-amerikanischer Politiker. Von 1934 bis 1945 bekleidete er das Amt des US-Finanzministers.

Familie, Studium und berufliche Laufbahn[Bearbeiten]

Morgenthau war der Sohn von Henry Morgenthau sen. und dessen Ehefrau Josephine (geb. Sykes). Sein Vater war von 1913 bis 1916 amerikanischer Botschafter in Konstantinopel (heute Istanbul). Dieser wurde in der Türkei Zeuge des Genozids an den Armeniern und verfasste einen Bericht, der 1918 in den Vereinigten Staaten veröffentlicht wurde.

Seine Großeltern waren jüdische Einwanderer aus Mannheim. Nach dem Besuch der Schule studierte Henry Morgenthau jun. Architektur und Agronomie an der Cornell Universität, schloss das Studium aber nicht ab. Stattdessen widmete er sich der Landwirtschaft.

Am 17. April 1916 heiratete er Elinor Joan Fatman (1892–1949), mit der er drei Kinder hatte. Nach ihrem Tod heiratete er am 21. November 1951 Marcelle Puthan Hirsch (1902–1972), die wie er verwitwet war. In den 1920er Jahren übernahm Morgenthau die Zeitschrift American Agriculturist und war als Vorsitzender der landwirtschaftlichen Beratungskommission des Staates New York tätig.

Eine weitere bekannte Persönlichkeit der Familie ist Morgenthaus Nichte, die autodidaktische Historikerin Barbara Tuchman. Sein Sohn Robert M. Morgenthau war bis zum Alter von 90 Jahren ein angesehener Staatsanwalt in Manhattan.

Finanzminister unter Roosevelt[Bearbeiten]

Unterschrift von Morgenthau auf US-$-Banknoten

Morgenthau jun. war ein enger Vertrauter und Freund von Franklin D. Roosevelt. Für Roosevelt fungierte er 1932 als Wahlkampfberater. 1933 wurde er Staatssekretär im US-Finanzministerium. Wie Roosevelt war Morgenthau finanzpolitisch konservativ eingestellt; er unterstützte allerdings mit Überzeugung Roosevelts Politik des New Deal. Ziele seiner Finanzpolitik waren unter anderem ein ausgeglichener Staatshaushalt und eine deflationistische Politik, insbesondere in der Zeit der Rezession 1937/38. Diese Einstellung gab er im zweiten Quartal 1938 auf, als Besserung nach wie vor nicht in Sicht war.

Bereits vor dem amerikanischen Kriegseintritt im Dezember 1941 bemühte sich Morgenthau, deutsche Auslandsguthaben zu blockieren, damit sie nicht von der deutschen Kriegswirtschaft genutzt werden konnten. Ab 1942 konnte Morgenthau die deutschen Guthaben in den USA beschlagnahmen und deutsche Tochterfirmen wie die IG-Farben-Werke unter amerikanische Leitung stellen. Auch auf neutrale Staaten und auf Südamerika, wo besonders Brasilien und Argentinien unter deutschem Einfluss standen, konnte er seine Bemühungen ausdehnen.

In Europa bekannt wurde Morgenthau durch den nach ihm benannten Morgenthau-Plan, der auf eine Denkschrift zurückgeht, die durch Indiskretion im September 1944 bekannt wurde. Ziel des Morgenthau-Plans war in erster Linie, das damalige Deutsche Reich nach Kriegsende in mehrere Staaten zu unterteilen, die jeweils demilitarisiert und zu Agrarstaaten umgewandelt werden sollten. US-Präsident Franklin D. Roosevelt verwarf den Entwurf nach einigen Wochen; er gelangte nie in ein konkretes Planungsstadium und war nie zur politischen Realisierung vorgesehen.

Die nationalsozialistische Propaganda benutzte ihn für ihre Durchhalteparolen. Im Oktober 1945 publizierte Morgenthau ein Buch mit dem Titel Deutschland ist unser Problem. Darin erklärte er seinen Plan.

Morgenthau trat zurück, als Harry S. Truman nach dem Tod von Franklin D. Roosevelt (12. April 1945) Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wurde. Er erhielt 1945 die Medal for Merit, damals die höchste zivile Auszeichnung der USA.

Nach seinem Rücktritt im April 1945 blieb Morgenthau mehrere Jahre aktives Mitglied einer Gruppe, die sich (zusammen mit anderen Prominenten wie Eleanor Roosevelt, der früheren First Lady) für einen „harsh peace“ mit Deutschland einsetzte.[1]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Henry Morgenthau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Steven Casey: The campaign to sell a harsh peace for Germany to the American public, 1944–1948. In: History. Bd. 90, Nr. 297, 2005, ISSN 1468-229X, S. 62–92.