Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg

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Der Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg erfolgte am 8. Dezember 1941 mit der Kriegserklärung an das Kaiserreich Japan nach dem Angriff auf Pearl Harbor am Tag zuvor. Wenige Tage später, am 11. Dezember, erfolgte die Kriegserklärung Deutschlands und Italiens an die Vereinigten Staaten, die am gleichen Tag beantwortet wurde. Mit der Deklaration der Vereinten Nationen vom 1. Januar 1942 traten die Vereinigten Staaten in die Anti-Hitler-Koalition mit Großbritannien und der Sowjetunion als den Hauptalliierten ein. Dem Kriegseintritt war eine längere Phase diplomatischer Spannungen zwischen den USA und den Achsenmächten vorausgegangen, in der die USA die europäischen Westmächte und Nationalchina indirekt unterstützten und eigene Kriegsvorbereitungen vorantrieb. Das amerikanische Volk war zum Zeitpunkt des Kriegsausbruchs in Europa überwiegend isolationistisch eingestellt und lehnte einen Kriegseintritt ab.

Haltung der Vereinigten Staaten zum europäischen Krieg[Bearbeiten]

In einer Meinungsumfrage vom Herbst 1939 sprachen sich 95 % der US-Amerikaner gegen eine Kriegserklärung der USA an Deutschland aus. In weiteren Umfragen wünschten 84 % einen Sieg der Westmächte und 82 % gaben Deutschland die Schuld am Krieg.[1] Sie sagten jedoch auch aus, dass sich die USA umso mehr vom Krieg betroffen sähen, je weiter die deutschen Truppen in Richtung Großbritannien vorgedrungen seien. Präsident Franklin D. Roosevelt, dessen Sympathien wie die der meisten Amerikaner eindeutig auf Seiten der Westmächte lagen, verfolgte eine vorsichtige, aber doch zielstrebige Politik der Unterstützung der Alliierten bei gleichzeitiger Wahrung der Neutralität. Dank dieser Neutralität konnten amerikanische Journalisten wie William L. Shirer in Deutschland und später im besetzten Europa weiterarbeiten und die amerikanische Bevölkerung über die dramatischen Ereignisse der Neuordnung Europas infolge des am 1. September in Polen ausgebrochenen Krieges umfassend informieren. In seinen „Kaminreden“ an die Nation gelang es Roosevelt in den kommenden zwei Jahren, die Amerikaner nach und nach von seinem außenpolitischen Kurs zu überzeugen.

In der Vorkriegszeit der 1930er Jahre hatten die USA, beeinflusst von der Tätigkeit des Nye Committee, eine Reihe von Neutralitätsgesetzen verabschiedet. Diese waren aus Anlass des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges durch Roosevelt bereits unterlaufen worden, in dem die Vereinigten Staaten China unterstützten. Im November 1939 änderte der amerikanische Kongress die Neutralitätsgesetze und genehmigte den Verkauf von Kriegsmaterial an kriegführende Staaten.[2] Bedingung war jedoch sofortige Bezahlung und Transport der Ladung durch nichtamerikanische Schiffe, weshalb das Gesetz auch als Cash and carry-Act bekannt wurde. Dadurch wurde sichergestellt, dass nur die Westmächte Lieferungen erhalten konnten, da Handelsschiffe der Achsenmächte nicht an der britischen Blockade im Atlantik vorbeikamen. Gleichzeitig begann die US-Marine mit einer eigenen Neutralitätspatrouille die Überwachung der Schifffahrt im westlichen Atlantik.

Aus logistischen Notwendigkeiten begannen bereits 1939 geheim gehaltene Vorbereitungen für den Aufbau militärischer Infrastruktur im westafrikanischen Liberia. In diesen Plänen bildete Monrovia den Brückenkopf nach Nord-, Ost- und Südafrika. Der dort errichtete Flugplatz und der Marinestützpunkt wurden als Teil einer über die Karibik, Venezuela und Brasilien installierten Luftbrücke aufgefasst.[3]

Am 19. Juli 1940, nach dem Fall Dänemarks und Norwegens sowie der Beneluxstaaten und Frankreichs, erlangte der Two-Ocean Navy Act Gesetzeskraft, der eine Vergrößerung der United States Navy um 70 % binnen sechs Jahren vorsah. Am 2. September 1940 schlossen die Vereinigten Staaten mit Großbritannien das „Zerstörer-für-Stützpunkte-Abkommen“, durch das 50 noch aus dem Ersten Weltkrieg stammende amerikanische Zerstörer den Briten im Tausch gegen die Gewährung von Landnutzungsrechten in britischen Überseekolonien in der westlichen Hemisphäre überlassen wurden. Ebenfalls im September 1940 wurde der Selective Training and Service Act verabschiedet, mit dem erstmals die Wehrpflicht in Friedenszeiten eingeführt wurde. Am 4. September 1940 gründete sich das „America First Committee“ als wichtigstes Sprachrohr und Sammelbecken der amerikanischen Isolationisten.

Präsident Roosevelt unterzeichnet das Leih- und Pachtgesetz, März 1941

Dass Roosevelts immer deutlicher werdende Politik der Vorbereitung auf den Krieg dem Willen der Mehrheit der Amerikaner entsprach, wurde nicht nur in seiner praktisch unangefochtenen Wiederaufstellung als Kandidat der Demokraten für die Präsidentschaftswahl 1940 deutlich, sondern auch in der Position seines republikanischen Gegenkandidaten Wendell Willkie, der eine Vorbereitung der Streitkräfte auf alle Eventualitäten, auch die eines Krieges, als im nationalen Interesse notwendig ansah.[4] Im Januar 1941, nach seinem deutlichen Sieg über Willkie, hielt Roosevelt seine programmatische Vier-Freiheiten-Rede, in der er einmal mehr klar Position in Bezug auf die Notwendigkeit der Verteidigung von Freiheit und Demokratie gegen die Aggression der Tyrannei, wie sie von den Achsenmächten verkörpert wurde, bezog.[5] In seiner Rede vor dem Kongress warb er um dessen Unterstützung bei der von ihm geplanten Ausweitung der Rüstungsausgaben und der Lieferung von Kriegsmaterial an die noch verbliebenen Demokratien. Daneben wurden auch die amerikanischen Streitkräfte aufgerüstet. 1941 wuchs so ein Heer von über 1,6 Millionen Mann heran[6] und die Rüstungsproduktion stieg auf 4,5 Milliarden Dollar pro Jahr. Im März 1941 setzte Roosevelt das Leih- und Pachtgesetz durch, den sogenannten Lend-lease Act. Das Gesetz ermöglichte es der Bundesregierung, Kriegsgeräte an die Staaten zu verleihen, welche der Verteidigung der USA nach Ansehen des Präsidenten lebenswichtig erschienen. Bis zum Kriegsende nahm das Vereinigte Königreich Lieferungen von 30 Milliarden Dollar in Anspruch und die Sowjetunion, die im Juni 1941 von Deutschland und seinen Verbündeten überfallen wurde und auf die das Arrangement dann ausgeweitet wurde, im Wert von 12 Milliarden Dollar. Dies entsprach 427.000 Lastwagen, 15.000 Flugzeugen und 13.000 Panzern.

USS Kearny im Hafen von Reykjavík, zwei Tage nachdem sie von U-568 torpediert wurde. Das Loch auf der Steuerbordseite mittschiffs ist deutlich zu erkennen. Dahinter der US-Zerstörer USS Monssen.

Am 27. Mai 1941, nach den Ereignissen auf dem Balkan, in Nordafrika und im Atlantik, erklärte Präsident Roosevelt einen unbefristeten nationalen Notstand.[5] Im Juni wurden alle deutschen und italienischen Guthaben in den USA eingefroren und die Schließung der Konsulate dieser Länder angeordnet. Nach dem japanischen Einmarsch in den südlichen Teil Französisch-Indochinas im Juli 1941 ließ Roosevelt auch die japanischen Guthaben einfrieren[7] und ordnete die Verstärkung der amerikanischen Verteidigung auf den Philippinen unter dem neuen Befehlshaber Douglas MacArthur an.

Über das zu Dänemark gehörende Grönland war bereits im April 1941 eine Vereinbarung zwischen US-Außenminister Cordell Hull und dem dänischen Botschafter Henrik Kauffmann getroffen worden, die den USA die Errichtung von Stützpunkten auf der Insel erlaubte.[8] Im Juli dieses Jahres landeten die USA außerdem Truppen auf Island, um die Briten von der Aufgabe der Verteidigung der Insel zu entlasten und um von hier aus den Schiffsverkehr nach England besser schützen zu können. Dieser litt unter deutschen U-Boot-Angriffen erheblich. Im Atlantik häuften sich dadurch die Zusammenstöße zwischen amerikanischen Schiffen und deutschen U-Booten. Nach einem Zwischenfall zwischen einem amerikanischen Zerstörer und einem deutschen U-Boot im Atlantik gab er die Direktive shoot on sight („Angriff bei Sichtung“) aus. Die ersten amerikanischen Todesopfer des bis dato unerklärten Krieges, elf Matrosen, kamen am 17. Oktober bei der Torpedierung des eskortierenden Zerstörers USS Kearny im Konvoi SC-48[9] südlich von Island ums Leben.[5] Am 31. Oktober wurde der eskortierende Zerstörer USS Reuben James im Konvoi HX-156[10] vom deutschen U-Boot U 552 versenkt.

Anfang Oktober wurde auf einer Konferenz in Moskau die Erweiterung des Lend-Lease-Programms auf die Sowjetunion vereinbart. Die Vereinbarung (1. Moskauer Protokoll) sah bis zur Mitte des folgenden Jahres die Lieferung von Waffen und kriegswichtigen Gütern an die Sowjetunion im Wert von rund einer Milliarde US-Dollar vor.[11]

Atlantik-Charta[Bearbeiten]

Im August 1941 verkündeten Winston Churchill, der britische Premierminister, und Franklin D. Roosevelt die Atlantik-Charta. Diese war geprägt vom Überfall auf die Sowjetunion und orientierte sich an einem ähnlichen Programm des amerikanischen Präsidenten im Ersten Weltkrieg, Woodrow Wilson, dem 14-Punkte-Programm. Die zentralen Forderungen der Atlantik Charta waren:

  1. Die Atlantik-Charta besagte, dass Großbritannien und die USA keine territoriale Expansion suchen würden.
  2. Sie wünschen durch den Weltkrieg allgemein keine landschaftlichen Veränderungen, es sei denn, die betreffenden Völker wünschen dies.
  3. Sie wünschen, dass sämtliche Völker das Recht haben ihre Regierungsform danach zu wählen, unter welcher sie leben wollen.
  4. Sie wünschen, dass jeder Staat nach dem Krieg gleichermaßen Zugriff auf den Welthandel hat.
  5. Sie erstreben die wirtschaftliche Zusammenarbeit der Völker um bessere Arbeitsbedingungen und wirtschaftlichen Aufschwung zu erlangen.
  6. Sie wünschen, dass alle Völker innerhalb ihrer Grenzen in Frieden leben können, wenn die Nazi-Herrschaft zerstört worden ist.
  7. Dieser Friede soll es außerdem jedem Menschen ermöglichen, friedlich die Meere und Ozeane zu bereisen.
  8. Sie hoffen außerdem auf eine Abrüstung, durch welche die Staaten Sicherheit vor Drohungen und Gewaltanwendung erlangen. Sie denken, dass die Gewaltanwendung unterdrückt werden müsse, um ein dauerhaftes System der allgemeinen Sicherheit zu erlangen.

Entscheidung im Pazifik[Bearbeiten]

Machtbereich der imperialen Mächte in Asien/Pazifik 1939

Die Entscheidung über den Kriegseintritt fiel jedoch im Pazifik. Das aufstrebende Japanische Kaiserreich war seit 1936 bzw. 1937 mit dem Deutschen Reich unter Hitler sowie Italien unter Mussolini im Antikominternpakt verbündet, bemühte sich jedoch um die Vermeidung eines Kriegs mit den USA, mit dem es in der Frage des japanischen Kriegs gegen China immer wieder zu diplomatischen Spannungen gekommen war. Ein „moralisches Embargo“ der USA zur Ausfuhr von Flugzeugen und Ausrüstung an Länder, die dafür bekannt waren, damit Zivilisten anzugreifen, war seit Juli 1938 in Kraft.

Im Winter 1938/39, nach der deutschen Annexion des Sudetenlandes, führte das amerikanische Joint Planning Committee eine Neubewertung der strategischen Optionen der Achsenmächte für einen Einbruch in die westliche Hemisphäre durch, aus der es die sogenannten Rainbow-Pläne für die Abwehr eines solchen Angriffs ableitete. Diese erweiterten die nach dem Ersten Weltkrieg entstandenen „farbcodierten“ Pläne, wie den War Plan Orange für einen Krieg gegen Japan, um die Möglichkeit eines Mehrfrontenkrieges im Atlantik und Pazifik. Dabei ging man anfänglich noch davon aus, dass man, bei gleichzeitiger Unterstützung der europäischen Demokratien gegen Deutschland, sich militärisch hauptsächlich im Pazifik gegen Japan würde engagieren müssen.[12]

Als abschreckende Maßnahme gegen einen japanischen Kriegseintritt war die US-Pazifikflotte im Mai 1940 nach ihren jährlichen Übungen um Hawaii nicht zu ihren Basen an der amerikanischen Westküste zurückgekehrt, sondern verblieb auf einer vorgeschobenen Position in Pearl Harbor. Der unerwartet schnelle Zusammenbruch Frankreichs im Juni 1940 und die drohende Gefahr eines deutschen Angriffs auf Großbritannien über den Kanal verschärften die Bedrohungssituation für die Vereinigten Staaten erheblich, da damit nicht nur die atlantische Verteidigungsposition ins Wanken geriet, sondern auch Japan sich ermutigt fühlen könnte, die Besitzungen der europäischen Mächte in Südostasien anzugreifen, was langfristig zur Errichtung einer japanischen Hegemonie über weite Teile Asiens führen würde. Als Japan im Sommer 1940 begann, auf die französischen Behörden in Indochina Druck zur Überlassung von Stützpunkten auszuüben, reagierten die USA mit dem Verbot der Ausfuhr von Maschinenteilen, Flugbenzin und Schrottmetall nach Japan.[13] Japans Unterzeichnung des sich indirekt gegen die USA richtenden Dreimächtepakts Ende September 1940 verschärfte nur noch die Fronten.

Im November 1940 richtete der amerikanische Chief of Naval Operations Admiral Harold R. Stark ein Memorandum (sog. Plan Dog Memo) an den Präsidenten, in dem er die Bedrohung, die von einer möglichen Niederlage Großbritanniens ausging, als für die Sicherheit der USA folgenschwerste darstellte. Daher müsse vorrangig die Fähigkeit zur Führung offensiver Operationen in Europa und Afrika hergestellt werden. Um einen gleichzeitigen unbegrenzten Konflikt im Pazifik zu verhindern, müsse Japan von einer weiteren Expansion in Südasien durch verstärkte amerikanische Präsenz, die im Notfall das Halten dieser Gebiete erlaubte, abgehalten werden. Obwohl Roosevelt sich nicht auf eine solche Strategie festlegen wollte, begannen im Januar 1941 getarnte britisch-amerikanische Stabsgespräche auf Basis von Starks Memorandum.[14] Im Mai 1941 tauschten beide Länder offizielle Militärmissionen aus.

Im August 1941 verhängten die USA gemeinsam mit Großbritannien und Niederländisch-Indien ein Embargo auf die Ausfuhr von Erdöl nach Japan. Dieses war zu 90% seines Bedarfs von diesen Importen abhängig, rund die Hälfte seiner Einfuhren hatte es zuvor aus den USA bezogen. Damit wurde Japans gesamte geopolitische Strategie in Ostasien zur Errichtung einer Großostasiatischen Wohlstandssphäre unter Einschluss Chinas in Frage gestellt. Um sich in den Besitz von Ölquellen, etwa die Niederländisch-Indiens, zu setzen, die für seinen Fortbestand als Wirtschafts- und Militärmacht notwendig waren, musste das Japanische Kaiserreich nun einen Krieg mit Großbritannien und japanischen Befürchtungen zufolge auch mit den USA riskieren, wenn es sein Ziel der Unterwerfung Chinas unter seine Vorherrschaft nicht aufgeben wollte. Eine solche Aufgabe kam für die japanischen Ultranationalisten und Expansionisten, die in der Kaiserlichen Armee einen starken Rückhalt fanden, jedoch nicht in Frage. In der Folge setzte sich immer mehr die bellizistische Fraktion gegen die der vor allem in der Wirtschaft vertretenen Traditionalisten durch. Die von einem Teil der Führung der Kaiserlichen Marine gehegten Zweifel bezüglich der Erfolgsaussichten eines Krieges mit den Vereinigten Staaten, darunter die des Oberkommandierenden der Vereinigten Flotte Yamamoto Isoroku, wurden zunehmend ignoriert. Im Sommer begann die Marine mit der Ausbildung ihrer Angriffsflotte, der Kidō Butai, und ihrer Marineflieger für den späteren Angriff auf Pearl Harbor, für den Pläne bereits seit Anfang des Jahres ausgearbeitet worden waren. Als Vorlage diente den Planern der britische Angriff auf die italienische Flotte im Hafen von Tarent im November 1940.

Amerikanischer Nachbau der PURPLE-Maschine

In den USA war man seit 1941 dank der langjährigen Anstrengungen zahlreicher in Militärdiensten stehender Kryptoanalytiker zum Nachbau der RED- und PURPLE-Maschine sowie anderer von den Japanern verwendeter Codes in der Lage, den abgehörten diplomatischen und teilweise den militärischen verschlüsselt ablaufenden Nachrichtenverkehr mit einiger zeitlicher Verzögerung mitzulesen. Die so gewonnenen Informationen, die man als „Magic“ (dt. Magie) bezeichnete, unterlagen jedoch einer so strengen Geheimhaltung, dass wichtige Informationen über die japanischen Kriegsvorbereitungen teilweise nicht die zuständigen militärischen Stäbe erreichten, was sich in Pearl Harbor als verhängnisvoll erweisen sollte.

Außerdem arbeitete man gemeinsam mit Großbritannien unter dem Codenamen Rainbow 5 einen Plan für einen gleichzeitigen Krieg in Europa und im Pazifik aus, in dem Großbritannien und die Vereinigten Staaten Alliierte wären.[15] Unter der Leitung von Albert Wedemeyer, einem Offizier der War Plans Division des War Department, wurde zusätzlich der sogenannte Victory-Plan für eine den Erfordernissen eines Zweifrontenkrieges angepasste strategische Operationsführung sowie die Bereitstellung von Truppen und Kriegsmaterial ausgearbeitet.[16]

Am 16. Oktober 1941 trat der japanische Premierminister Konoe zurück, nachdem die von der Kaiserlichen Konferenz gesetzte Frist zur Erreichung einer Einigung mit den USA abgelaufen war. Ab diesem Zeitpunkt war das Land unter der Regierung seines Nachfolgers, des bisherigen Heeresministers Tōjō Hideki, eindeutig auf einen Kriegskurs festgelegt. Am 26. November überreichte die US-Regierung den Vertretern Japans die von Außenminister Cordell Hull formulierte Hull-Note, die unmissverständlich den Rückzug der japanischen Truppen aus China und Indochina als Vorbedingung für weitere Verhandlungen über die Aufhebung des Ölembargos forderte. Dies wurde in Japan nur als letzte einer Reihe von Provokationen aufgenommen. Am selben Tag wurde die japanische Angriffsflotte nach Pearl Harbor in Marsch gesetzt. Am 27. November wurden alle US-Militäreinheiten im Pazifik in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Am 1. Dezember gab Kaiser Hirohito sein endgültiges Einverständnis für den Angriff. Der entsprechende Befehl wurde am nächsten Tag an die Flotte übermittelt.[17] Am 6. Dezember wandte sich Präsident Roosevelt noch einmal in einer persönlichen Friedensbotschaft an Kaiser Hirohito.

Brennende amerikanische Schiffe nach dem Angriff auf Pearl Harbor

Am 7. Dezember überfiel Japan ohne Kriegserklärung die amerikanische Pazifikflotte im Hafen von Pearl Harbor auf Hawaii. Dieser Angriff kostete 2.400 Menschen das Leben. Darüber hinaus wurden 8 Schlachtschiffe und 11 weitere Kriegsschiffe versenkt oder schwer beschädigt. Weitere Angriffe fanden an den nächsten Tagen auf Guam, den Philippinen, Wake und Midway statt.

Präsident Roosevelt unterzeichnet die Kriegserklärung an Japan

Mit diesem Angriff war die Diskussion über den Kriegseintritt der USA beendet. Am 8. Dezember hielt Roosevelt vor dem in gemeinsamer Sitzung versammelten Kongress seine Rede, in der er den Tag des Angriffs als “a date which will live in infamy” (deutsch: „ein Datum, das in Verrufenheit fortleben wird“) bezeichnete. 81 Prozent der Amerikaner verfolgten die Rede am Radio, was die höchste Einschaltquote der amerikanischen Geschichte darstellt. Unmittelbar im Anschluss erklärte der Kongress mit nur einer Gegenstimme (der der Pazifistin Jeannette Rankin) den Kriegszustand mit Japan. In einer Radioansprache am folgenden Tag erklärte Roosevelt, Deutschland und Japan würden bei ihrer Kriegsführung einem gemeinsamen Plan folgen und folglich seien Deutschland sowie Italien als Mächte zu betrachten, die sich als im Kriege mit den Vereinigten Staaten ansähen. Zwei Tage später, am 11. Dezember, erklärten Deutschland und Italien ihrerseits den USA den Krieg. Am gleichen Tag erklärte Roosevelt mit Autorisierung durch den Kongress den Krieg gegen diese beiden Staaten.[7]

Bereits auf ihrer ersten Kriegskonferenz, der Arcadia-Konferenz in Washington D.C. vom 22. Dezember 1941 bis 14. Januar 1942, einigten sich die USA und Großbritannien dann auf die „Germany first“-Strategie, nach der zuerst Deutschland besiegt werden sollte, bevor man sich der Niederringung Japans zuwandte. Auf dieser Konferenz unterzeichneten die Vereinigten Staaten am 1. Januar 1942 auch die Deklaration der Vereinten Nationen, die ihren Eintritt in die Anti-Hitler-Koalition an der Seite von 25 weiteren Staaten, darunter Großbritannien, die Sowjetunion und China, markiert und die jeden unilateralen Separatfrieden mit den drei Hauptgegnern Deutschland, Japan und Italien ausschloss.

Pearl-Harbor-Kontroverse[Bearbeiten]

Bereits kurz nach dem Angriff auf Pearl Harbor wurden Stimmen laut, die ein vorheriges Wissen der amerikanischen Regierung über einen bevorstehenden japanischen Angriff unterstellten und die mangelnde Vorbereitung der Streitkräfte auf einen solchen kritisierten. Insgesamt acht Untersuchungen wurden in dieser Sache während des Krieges angestrengt und führten zur Aufdeckung von Mängeln bei der Auswertung nachrichtendienstlichen Materials und der Zusammenarbeit der Teilstreitkräfte.

Zwei spätere Untersuchungen konzentrierten sich auf von den Amerikanern abgefangenes Nachrichtenmaterial, darunter die Erklärung des Abbruchs der diplomatischen Beziehungen („14-Punkte-Telegramm“) durch Japan, die wegen einer nicht rechtzeitig fertiggewordenen Übersetzung erst nach den Angriffen durch Botschafter Nomura Kichisaburō überreicht wurde. In diesem Zusammenhang soll Roosevelt bereits am 6. Dezember geäußert haben, dies sei gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung.

Weitere Kritik, darunter von hochrangigen Militärs und Offiziellen, konzentrierte sich auf die Behauptung, die USA hätten Japan in einen Krieg förmlich hineingedrängt oder zumindest ein solches Ergebnis unter Irreführung der amerikanischen Öffentlichkeit bewusst in Kauf genommen. Dies sei unter anderem geschehen, um den von der Regierung gewünschten Kriegseintritt auch gegen die europäischen Achsenmächte gegen den Widerstand der Isolationisten durchzusetzen und die vorbehaltlose Unterstützung des amerikanischen Volkes für die Kriegsanstrengungen sicherzustellen. So hatten führende Isolationisten wie Charles Lindbergh kurz nach den Angriffen ihre volle Unterstützung für den Kriegseinsatz erklärt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dirk Bavendamm: Roosevelts Krieg. Amerikanische Politik und Strategie 1937–1945. 2., durchgesehene und erweiterte Auflage. Herbig, München/ Berlin 1998, ISBN 3-7766-2058-7.
  • Horst Boog, Werner Rahn, Reinhard Stumpf, Bernd Wegner: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 6: Der globale Krieg – Die Ausweitung zum Weltkrieg und der Wechsel der Initiative 1941 bis 1943, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1990 (Nachdruck 1993), XX, 1184 S. ISBN 978-3-421-06233-8.
  • Steven Casey: Cautious Crusade. Franklin D. Roosevelt, American Public Opinion and the War against Nazi Germany. Oxford University Press, Oxford u. a. 2001, ISBN 0-19-513960-7.
  • Henry Steele Commager (Hrsg.): Documents of American History. Band 2: Since 1898. 9th edition. Prentice-Hall, Englewood Cliffs NJ 1973, ISBN 0-13-217000-0.
  • Waldo Heinrichs: Threshold of war. Franklin D. Roosevelt and American entry into World War II. Oxford University Press, New York NY/ Oxford 1989, ISBN 0-19-506168-3.
  • Peter Herde: Italien, Deutschland und der Weg in den Krieg im Pazifik 1941 (= Sitzungsberichte der Wissenschaftlichen Gesellschaft an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. Bd. 20, 1). Steiner, Wiesbaden 1983, ISBN 3-515-04001-3.
  • Richard M. Ketchum: The Borrowed Years 1938–1941. America on the Way to War. Random House, New York NY 1989, ISBN 0-394-56011-6.
  • Michael Libal: Japans Weg in den Krieg. Die Aussenpolitik der Kabinette Konoye 1940/1941. Droste, Düsseldorf 1971, ISBN 3-7700-0254-7 (Zugleich: Tübingen, Universität, Dissertation, 1968).
  • Heinz Magenheimer: Kriegsziele und Strategien der großen Mächte 1939–1945. Osning, Bielefeld/ Bonn 2006, ISBN 3-9806268-4-9.
  • Janet M. Manson: Diplomatic ramifications of unrestriced submarine warfare, 1939–1941 (= Contributions in Military Studies. Bd. 104). Greenwood Press, New York NY u. a. 1990, ISBN 0-313-26894-0.
  • George Morgenstern: Pearl Harbor 1941. Eine amerikanische Katastrophe. Herbig, München 1998, ISBN 3-7766-1996-1 (Originalausgabe: Pearl Harbor: The Story of the Secret War. Devin-Adair, New York NY 1947).
  • Charles Callan Tansill: Die Hintertür zum Krieg. Das Drama der internationalen Diplomatie von Versailles bis Pearl Harbour. Pour le Mérite, Selent 2000, ISBN 3-932381-11-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Pearl Harbor speech – Quellen und Volltexte (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gallup and Fortune Polls, in: The Public Opinion Quarterly, Vol. 4, No. 1 (März 1940), S. 83-115. Hier S. 98 ff.
  2. Neutrality Act of November 4, 1939 auf mtholyoke.edu, abgerufen am 6. Mai 2010.
  3. Liberia im Zweiten Weltkrieg (englisch) abgerufen am 2. November 2010.
  4. War Breaks Out auf historycentral.com, abgerufen am 6. Mai 2010.
  5. a b c U.S. Department of State: Chapter XIII: European War 1941, in: Peace and War United States Foreign Policy 1931-1941. U.S. Government Printing Office, Washington, D.C., 1943.
  6. „The Army numbered 1,643,477 […]“ in: Chapter 19: Between World Wars, in: American Military History. Center of Military History United States Army, Washington, D.C. 1989.
  7. a b U.S. Department of State: Chapter XIV: Discussion With Japan 1941, Pearl Harbor, in: Peace and War United States Foreign Policy 1931-1941. U.S. Government Printing Office, Washington, D.C., 1943.
  8. Text der Vereinbarung auf ibiblio.org, abgerufen am 15. September 2012.
  9. http://www.uboat.net/ops/convoys/convoys.php?convoy=SC-48
  10. http://www.uboat.net/ops/convoys/convoys.php?convoy=HX-156
  11. Richard M. Leighton, Robert W. Coakley: Global Logistics and Strategy, vol. 1. 1940–1943. Center of Military History, U.S. Army, Washington, D.C. 1995, S. 101 ff.
  12. Chapter I: The War Plans, in: Maurice Matloff, Edwin M. Snell: Strategic Planning for Coalition Warfare, 1941-1942. The War Department, Washington D.C. 1990.
  13. U.S. Department of State: Chapter XII: Relations With Japan 1938-1940, in: Peace and War United States Foreign Policy 1931-1941. United States Government Printing Office, Washington, D.C., 1943.
  14. Chapter II: German Victories and American Plans, in: Maurice Matloff, Edwin M. Snell: Strategic Planning for Coalition Warfare, 1941-1942. The War Department, Washington D.C. 1990.
  15. Chapter III: British-American Plans January-November 1941, in: Maurice Matloff, Edwin M. Snell: Strategic Planning for Coalition Warfare, 1941-1942. The War Department, Washington D.C. 1990.
  16. Introduction, in: Charles E. Kirkpatrick: An Unknown Future and A Doubtful Present: Writing the Victory Plan of 1941. Center of Military History United States Army, Washington, D.C. 1992.
  17. The Alpha: Pearl Harbor, December 1941 auf microworks.net, abgerufen am 6. Mai 2010.