W. Averell Harriman

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W. Averell Harriman Harrimans Unterschrift

William Averell Harriman (* 15. November 1891 in New York City; † 26. Juli 1986 in Yorktown Heights, New York) war ein US-amerikanischer Politiker der Demokratischen Partei, Geschäftsmann und Diplomat.

Biografie[Bearbeiten]

Familie, Ausbildung[Bearbeiten]

Harriman war der Sohn des Eisenbahnmoguls E. H. Harriman und von Mary Williamson Averell; sein Bruder war E. Roland Harriman. Averell war zuerst mit Kitty Lanier Lawrence verheiratet, die im Jahre 1936 verstarb. Später heiratete er wieder, Marie Norton Whitney, die ihren Ehemann Cornelius Vanderbilt Whitney verlassen hatte, um Harriman zu ehelichen. Seine dritte und letzte Hochzeit war die mit Pamela Beryl Digby, der früheren Ehefrau von Winston Churchills Sohn Randolph und des Broadway-Produzenten Leland Hayward.

Er war ein erfolgreicher Student der Yale University und wurde dort auch zusammen mit Prescott Bush in die Skull & Bones-Gesellschaft berufen.

Politische Karriere[Bearbeiten]

Harriman arbeitete unter US-Präsident Franklin D. Roosevelt als Sondergesandter in Europa und nahm an dem Treffen zwischen Winston Churchill und dem Präsidenten in Placentia Bay im August 1941 teil. Das Ergebnis dieses fünf Tage währenden Treffens wurde bekannt als die Atlantik-Charta, eine gemeinsame Erklärung der Prinzipien der USA und Großbritannien. Roosevelt beauftragte ihn mit der Vorbereitung des Leih- und Pachtgesetzes, das die Lieferung von Militär- und Versorgungsgütern an die Sowjetunion voraussah. [1]

Er war von 1943 bis 1946 US-Botschafter in Moskau. 1944 unterstützte er in einem Schreiben an das State Department in Washington die sowjetische Version des Massakers von Katyn, nach der die Massenexekutionen von der Wehrmacht begangen worden seien. Er hatte im Januar 1944 seine Tochter Kathleen mit einer Journalistendelegation zu einer Konferenz der sowjetischen Untersuchungskommission unter Nikolai Burdenko nach Katyn geschickt. [2] 1952 mussten sich beide von dem Untersuchungsausschuss des US-Kongress unter Leitung des demokratischen Abgeordneten Ray J. Madden vorhalten lassen, naiv auf die sowjetische Propaganda hereingefallen zu sein. [3]

Wie Roosevelt war Harriman ursprünglich von Stalin fasziniert. In seiner Zeit als Botschafter in Moskau änderte sich allerdings seine Einstellung zur Sowjetunion: Er wurde zum Verfechter der Containment-Politik. 1946 entsandte ihn der neue US-Präsident Harry S. Truman als Botschafter nach Großbritannien. Doch schon nach wenigen Monten berief Truman ihn zum Handelsminister, wobei er die Stelle des Truman in Auslandsfragen kritisch gegenüberstehenden Henry A. Wallace einnahm.

Im Rennen um die Nachfolge des Republikaners Thomas E. Dewey auf dem Gouverneursposten von New York im Jahr 1954 bezwang er den von Dewey geförderten Irving Ives. Er war ab dem 1. Januar 1955 für eine vierjährige Amtszeit Gouverneur, bis der Republikaner Nelson Rockefeller ihn 1958 besiegte. Harriman bewarb sich in den Jahren 1952 und 1956 um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten, unterlag aber beide Male Adlai Stevenson, der dann wiederum die Wahlen gegen den Republikaner Dwight D. Eisenhower verlor.

In der Regierung Kennedy wurde er zum Ambassador at Large ernannt, eine Position, die er bis November 1961 innehatte. Später wurde er assistierender Staatssekretär für Fernost-Beziehungen (Assistant Secretary of State for Far Eastern Affairs). Bis zum April 1963 verblieb er auf diesem Posten, bis er Staatssekretär für politische Angelegenheiten wurde. Er führte dieses Amt unter der Regierung von Präsident Johnson bis März 1965 weiter, bis er erneut zum Ambassador at Large ernannt wurde und dieses Amt über die verbleibende Legislaturperiode von Johnson bekleidete. Seine Haltung im Vietnamkrieg ist sehr umstritten, weil er die Friedensverhandlungen von Paris ablehnte. Er war auch Mitglied des Council on Foreign Relations.

Harriman erhielt die Presidential Medal of Freedom (Freiheitsorden) 1969.

Unternehmerische Laufbahn[Bearbeiten]

Harriman (Mitte) im Jahr 1925 in Berlin
Prescott Bush, sein Geschäftspartner nach dem Zusammenschluss von Brown Brothers and Harriman Brothers

Das Vermögen seines Vaters half ihm dabei, die Investmentbank W.A. Harriman & Co im Jahre 1922 zu gründen. Als sein Bruder E. Roland Harriman 1927 dem Unternehmen beitrat, wurde der Name in Brown Brothers Harriman & Co. geändert. 1931 fusionierten sie mit der Investmentbank Brown Bros. & Co., um die sehr erfolgreiche Brown Brothers Harriman & Co. zu kreieren. Bekannte Mitarbeiter waren George Herbert Walker und Prescott Bush, die desgleichen Angestellte von E.R. Harriman waren, also bei der Union Banking Corporation (UBC), die 1943 von der US-Regierung geschlossen wurde, weil sie mit dem Feind (Deutschland) Geschäfte machte.

Harrimans Besitz umfasste unter anderem: Brown Brothers & Harriman & Co; Union Pacific Railroad; Merchant Shipping Corporation und verschiedene Kapital-Investment Unternehmen (z.B. Polaroid). Mit seinem Besitz verbundene Unternehmen sind: Southern Pacific Railroad, (einschließlich der Central Pacific Railroad), Illinois Central Railroad; Wells Fargo & Co; Pacific Mail Steamship Co.; American Shipping & Commerce (HAPAG), American Hawaiian Steamship Co., United American Lines Co; Guarantee Trust Company und die Union Banking Corporation.

Chronologische Übersicht[Bearbeiten]

  • Vizepräsident, Union Pacific Railroad Co., 1915–1917
  • Direktor, Illinois Central Railroad Co., 1915–1946
  • Mitglied der Palisades Interstate Park Commission, 1915–1954
  • Vorsitzender, Merchant Shipbuilding Corp.,1917–1925
  • Vorsitzender, W. A. Harriman & Company, 1920–1931
  • Partner, Soviet Georgian Manganese Concessions, 1925–1928
  • Vorsitzender, Exekutiv Komitee, Illinois Central Railroad, 1931–1942
  • Senior-Partner, Brown Brothers Harriman & Co., 1931–1946
  • Vorsitzender, Union Pacific Railroad, 1932–1946
  • Mitbegründer der Wochenzeitung Today mit Vincent Astor (Astor (Familie)), 1935–1937 (fusioniert mit Newsweek 1937)
  • Administrator und Special Assistant, National Recovery Administration, 1934–1935
  • Gründer, Sun Valley Ski Resort, Idaho, 1935–1936
  • Vorsitzender, Business Advisory Council, 1937–1939
  • Chef, Materials Branch & Production Division, Office of Production Management, 1941
  • Botschafter in Großbritannien und Sonderbotschafter des Präsidenten beim britischen Premierminister, 1941–1943
  • Vorsitzender, Botschafter und Sonderbotschafter des Präsidenten bei der US President's Special Mission to the USSR, 1941–1943
  • Botschafter in der Sowjetunion, 1943–1946
  • Botschafter in Großbritannien, 1946
  • US-Handelsminister, 1946–1948
  • United States Coordinator, European Recovery Program (Marshallplan), 1948–1950
  • Special Assistant to the US President, 1950–1952
  • US Representative and Chairman, North Atlantic Commission on Defense Plans, 1951–1952
  • Direktor, Mutual Security Agency, 1951–1953
  • Kandidat, Democratic nomination for US President, 1952
  • Gouverneur von New York, 1955–1959
  • Kandidat, Democratic nomination for US President, 1956
  • US Ambassador-at-large, 1961
  • United States Deputy Representative, International Conference on the Settlement of the Laotian Question, 1961–1962
  • Assistant Secretary of State für Fernostangelegenheiten, 1961–1963
  • Special Representative to the US President, Nuclear Test Ban Treaty, 1963
  • Unterstaatssekretär im Außenministerium für politische Angelegenheiten , 1963–1965
  • US Ambassador-at-large, 1965–1969
  • Vorsitzender, President's Commission of the Observance of Human Rights Year, 1968
  • Personal Representative of the US President, Peace Talks with North Vietnam, 1968–1969
  • Vorsitzender, Foreign Policy Task Force, Democratic National Committee, 1976
  • Mitglied, American Academy of Diplomacy Charter, Club of Rome, Council on Foreign Relations, Knights of Pythias, Skull & Bones Society, Psi Upsilon Fraternity und Jupiter Island Club.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: W. Averell Harriman – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Richard Overy: Die Wurzeln des Sieges, Warum die Alliierten den Zweiten Weltkrieg gewannen, Stuttgart/München 2000, S. 406.
  2. Averell Harriman/Elie Abel: Special Envoy to Churchill and Stalin 1941-1946. New York 1975, S. 301-302.
  3. The Katyn Forest Massacre. US Government Printing Office. Washington 1952, vol. VII, S. 2127.