Herzogtum Teschen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Herzogtum Teschen 1746
Herzogtum Teschen 1880

Das Herzogtum Teschen bestand von 1281 bis 1849, zunächst als schlesisches Herzogtum unter der Herrschaft der Piasten im Reichsverband Polens. Ab 1348 war es ein Vasallenstaat des Königreichs Böhmen und ab 1526 mit dem Königreich Böhmen Teil der Habsburgermonarchie, damit folgend mittelbar im Heiligen Römischen Reich. Hauptort war Teschen, das heutige Cieszyn.

Geografie[Bearbeiten]

Der Höhenzug Westbeskiden, nordwestlicher Teil der Karpaten mit dem 1325 Meter hohen Lissahora (Lysá hora) als höchster Erhebung sowie die Flüsse Olsa und Weichsel prägten das Territorium. Über lange Zeit war das Herzogtum Grenzland zu Polen bzw. Preußen. Heute liegt der westliche Teil im äußersten Osten der Tschechischen Republik, das übrige Gebiet ist im Süden Polens zu finden.

Geschichte[Bearbeiten]

Wappen der Piasten von Teschen

Piastisches Herzogtum Schlesiens[Bearbeiten]

Durch eine Erbteilung des oberschlesischen piastischen Herzogtums Oppeln entstand 1281 das selbständige Herzogtum Teschen unter Mesko I.. Er erhob den schon 1155 erstmals durch Papst Hadrian IV. erwähnten Ort Teschen zur Residenz. Das Herzogtum zählte bereits zu dieser Zeit als zu Schlesien gehörig. Seine Herrscher riefen in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts deutsche Siedler ins Land, die vor allem die Beskiden und das Weichselgebiet kolonisieren sollten. Zu einem Zentrum deutscher Siedler wurde das Gebiet um Bielitz, wo ein ganzer Kranz deutscher Waldhufendörfer entstand. Sie bildeten bis in 20. Jahrhundert hinein eine deutsche Sprachinsel. Zusammen mit den anderen schlesischen Herzogtümern unterstellte sich auch Teschen 1298 der böhmischen Oberhoheit. Nach einer nochmaligen Teilung wurde 1327 das Herzogtum Auschwitz abgetrennt. Um 1494 begann die Einwanderung von Walachen aus den rumänischen Karpaten, die sich vor allem in den Gebirgsregionen ansiedelten. Unter Herzog Wenzel III. Adam, der faktisch ab 1545 regierte, wurde im Herzogtum die Reformation eingeführt. 1560 wurde das Gebiet von Bielitz zusammen mit Freistadt und Friedek von Herzog Wenzel III. Adam noch zu seinen Lebzeiten an seinen Sohn Friedrich Kasimir übertragen. Nach dessen Tod 1571 wurde die verschuldete Herrschaft Bielitz 1572 mit Zustimmung des Kaisers Maximilian II. als eine Minderstandesherrschaft an Karl von Promnitz auf Pless verkauft und dem Königlichen Amt Breslau unterstellt.

Teil im habsburgischen Österreich[Bearbeiten]

Nach dem Tod der Herzogin Elisabeth Lukretia 1653 erlosch der Teschener Familienzweig der Schlesischen Piasten, und das Herzogtum fiel als erledigtes Lehen an die Krone Böhmen, die seit 1526 die Habsburger innehatten. Sie leiteten im Herzogtum die Rekatholisierung ein. Erst 1707 wurde den Evangelischen in Schlesien mit der Altranstädter Konvention, die vom schwedischen König Karl XII. durchgesetzt worden war, erlaubt, so genannte Gnadenkirchen zu errichten. Die größte von ihnen wurde in der Stadt Teschen errichtet. Die Jesukirche wird auch noch nach 300 Jahren als evangelische Kirche genutzt. 1722 trennte Kaiser Karl VI. das Erbherzogtum Teschen von Böhmen ab und übergab es dem Herzog Leopold Joseph Karl von Lothringen, Vater des späteren Kaisers Franz I. Stephan. Nach dem Frieden von Breslau, der 1742 den Ersten Schlesischen Krieg beendete, verblieb das Herzogtum bei Österreichisch-Schlesien. Seitdem wurde es Österreichisch-Oberschlesien oder Teschener Schlesien bezeichnet. Unter dem Titel Herzog von Sachsen-Teschen herrschte von 1766 bis 1822 der Schwiegersohn Maria Theresias, Prinz Albert Kasimir von Sachsen-Teschen, Sohn des sächsischen Kurfürsten Friedrich August II., in Teschen. Im Zuge der Mitte des 19. Jahrhunderts beginnenden Industrialisierung entwickelte sich das Teschener Land zu einem der bedeutendsten österreichischen Zentren des Steinkohlenbergbaus und der Eisenverhüttung. Die amtliche österreichische Volkszählung vom 31. Dezember 1910 ergab, dass im Teschener Schlesien 434 821 Menschen lebten. Davon sprachen 53,8 % Polnisch, 26,6 % Tschechisch und 17,7 % Deutsch. Das Gebiet war dabei in folgende Politische Bezirke untergliedert: Bielitz-Land, Freistadt, Friedeck-Land, Teschen sowie Bielitz und Friedeck als Städte mit eigenem Statute.[1]

Grenzgebiet von Tschechoslowakei und Polen[Bearbeiten]

Nach dem Zusammenbruch der österreichischen Monarchie sowie der Gründung der souveränen Tschechoslowakei und der Wiedererrichtung eines polnischen Staates als Folge des Ersten Weltkriegs brach im November 1918 zwischen der Tschechoslowakei und Polen ein heftiger Streit über das ehemalige Herzogtum Teschen aus. Er eskalierte am 23. Januar 1919 mit dem Beginn des „Sieben-Tage-Krieges“, als die Tschechen in die von Polen bereits unter Verwaltung genommene Teschener Region einmarschierten. Nachdem weder beiderseitige Verhandlungen noch ein von den Initiatoren des Versailler Vertrages angeordneter Volksentscheid zu einem Ergebnis führten, fällten die Alliierten im Juli 1920 einen Schiedsspruch, mit dem das ehemalige Herzogtum entlang des Flusses Olsa geteilt wurde. Damit erhielt die Tschechoslowakei die wertvollen Industriegebiete im Westen, während sich Polen mit den großen Städten Teschen und Bielitz begnügen musste, die Teil der Autonomen Woiwodschaft Schlesien wurden. Durch die Grenzziehung wurde die ehemalige Residenzstadt Teschen geteilt, nur die westlich der Olsa gelegene Vorstadt kam zur Tschechoslowakei.

Zwei Tage nach dem Münchner Abkommen annektierte Polen einen grenznahen Streifen (Zaolzie) des tschechischen Teils des Teschener Landes. Nach der deutschen Besetzung Polens erfolgte im September 1939 die Eingliederung dieses und des bereits seit 1920 polnischen Gebietes des Teschener Schlesien in das Deutsche Reich als Landkreise Teschen und Bielitz. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Grenzverhältnisse wiederhergestellt, die vor dem Münchner Abkommen galten.

Siegel des ersten Herzogs Mesko I. von 1288

Liste der Herzöge von Teschen[Bearbeiten]

Siehe: Teschen in der Liste der Herzöge von Schlesien

Dynastie der schlesischen Piasten[Bearbeiten]

Dynastie der Habsburger[Bearbeiten]

Infrastruktur[Bearbeiten]

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts war das Herzogtum ein Zentrum des Steinkohlebergbaus und der Eisenhüttenindustrie. Daneben dominierten der Maschinenbau und die Textilindustrie. Die bedeutendsten Bergbaugebiete befanden sich bei den Orten Karwin und Ostrau, daneben waren Teschen und Bielitz wichtige Industriestandorte. Die Industrialisierung war durch den Bau der Kaschau-Oderberg-Bahn und der Nordbahnlinie Kojetein–Bielitz gefördert worden. Seit 1849 war das Herzogtum in die drei Bezirkshauptmannschaften Bielitz, Friedeck und Teschen gegliedert. Die Stadt Teschen war stets Regierungssitz bzw. Verwaltungszentrum.

Moderne Karte der Region, mit polnischer Beschriftung

Folgende Orte hatten um 1900 den Status einer Stadt:

(deutscher Name, Einwohnerzahl 1880, heutige Ortsbezeichnung und Staatszugehörigkeit)

  • Bielitz, 13.060, Bielsko, heute Stadtteil von Bielsko-Biała, PL
  • Freistadt, 2.244, Fryštát, heute Stadtteil von Karviná, CS
  • Friedek, 5.912, Frýdek, heute Stadtteil von Frýdek-Místek, CS
  • Jablunkau, 2.425, Jablunkov, CS
  • Oderberg, 1.260, Bohumín, CS
  • Skotschau, 3.113, Skoczów, PL
  • Teschen, 13.004, heute geteilt in Cieszyn, PL / Český Těšín, CS

Dazu kommen die großen Bergbauorte

  • Karwin (Dorf), 4.961, Karviná, CS
  • Polnisch Ostrau (Marktflecken), 9.049, Slezská Ostrava, heute Stadtteil von Ostrava, CS

1910 hatte das Herzogtum 180.033 Einwohner, von denen 69,3 % Polen, 18,2 % Tschechen und 12,4 % Deutsche waren.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ludwig Patryn: Die Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1910 in Schlesien. Troppau 1912, S. 80 f.
  2. http://en.wikipedia.org/wiki/Idzi_Panic