Hinterradantrieb
Als Hinterradantrieb wird der Antrieb eines Kraftfahrzeugs über die bzw. eine Hinterachse bezeichnet, unabhängig von der Motoranordnung. Der Hinterradantrieb ist daher nicht zu verwechseln mit dem Heckantrieb, da dieser nur die komplette Antriebseinheit aus Heckmotor, Getriebe und Antriebsachse bezeichnet.
Weitere Arten von Radantrieben bei Fahrzeugen sind Vorderrad- bzw. Allradantrieb.
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Geschichte [Bearbeiten]
Der Hinterradantrieb ist die älteste Art der angetriebenen Achsen im Fahrzeugbau. Damit ließen sich die verschiedenen Funktionen auf die Achsen verteilen (Lenkung über Vorderachse, Antrieb und Bremse über Hinterachse) und so konstruktiv leichter umsetzen. Auch nach der erfolgreichen Etablierung des Frontantriebs ab den 1930er Jahren blieb der Hinterradantrieb bei Pkws lange Zeit der dominierende, weil robustere und kostengünstiger zu produzierende Antrieb. Erst ab den 1970er Jahren verlor er seine Dominanz, bleibt aber bis heute in der Oberklasse und bei Sportwagen der übliche Antrieb. Im Nutzfahrzeugbereich ist der Hinterradantrieb nach wie vor die vorherrschende Technik.
Ausführungen [Bearbeiten]
Der Hinterradantrieb wird in verschiedenen Antriebskonzepten verwendet:
- beim Standardantrieb mit Frontmotor
- bei der Transaxle-Anordnung
- beim Mittelmotor
- beim Heckantrieb
- beim Heckmotor (Omnibusse)
Bei älteren Konstruktionen und im Nutzfahrzeugsegment ist der Hinterradantrieb vorwiegend als Starrachse ausgeführt. Da Starrachsen eine hohe ungefederte Masse besitzen, was sich negativ auf den Fahrkomfort auswirkt, wurden sie im Lauf der Zeit durch Pendelachsen, Schräglenkerachsen oder Raumlenkerachsen ersetzt. Damit ging jedoch der Konstruktions- und Kostenvorteil des Hinterradantriebs verloren.
Vor- und Nachteile [Bearbeiten]
Vorteil des Hinterradantriebs ist die mögliche einfachere und günstigere Konstruktion. Der Achsantrieb kann z. B. durch Ketten statt durch Wellen erfolgen, das Differentialgetriebe kann durch Freilauf ersetzt werden. Solche Sparmaßnahmen kamen insbesondere bei den sog. „Brot-und-Butter-Autos“ der 1920er und 1930er Jahre zum Einsatz. Bei Fahrzeugen mit sehr kleiner Hinterachs-Spurweite (z. B. BMW Isetta) wurde teilweise ganz auf Ausgleichseinrichtungen verzichtet. Ein weiterer Vorteil ist der im Allgemeinen geringere mögliche Wendekreis, da bei der gelenkten Vorderachse keine Rücksicht auf den Antrieb genommen werden muss. (Da keine Antriebswellen an die Vorderräder geführt werden, ist ein größerer maximaler Einschlagswinkel möglich.) Durch die Trennung von Lenkung und Antrieb entstehen keine störenden Antriebseinflüsse auf die Lenkung. Durch die dynamische Achslastverteilung wird beim Beschleunigen die Hinterachse belastet, was die Traktion verbessert. Da bei den meisten hinterradgetriebenen Fahrzeugen die Zuladung vorwiegend auf der Hinterachse lastet, sorgt auch die Beladung für bessere Traktion.
Hinterradgetriebene Fahrzeuge sind i.d.R. übersteuernd. Im Grenzbereich führt das zum Ausbrechen des Hecks, was oft nur von geübten Fahrern abgefangen oder für einen kontrollierten Drift in einer Kurve konstant gehalten werden kann. Ein elektronisches Stabilierungssystem, z.B. Fahrdynamikregelung (ESC) Fahrdynamikregelung kann dem entgegenwirken und das Fahrzeug sicherer machen.
In Verbindung mit einem Frontmotor ist für die Kraftübertragung zusätzlich eine Kardanwelle erforderlich, was mehr Kosten, Gewicht und Raumbedarf bedeutet. Die Achslast der Antriebsachse ist in unbeladenem Zustand gering, mit entsprechenden Traktionsnachteilen vor allem auf feuchtem oder losem Untergrund.
Einsatzgebiete [Bearbeiten]
Bei PKWs gibt es folgende Einsatzgebiete für den Hinterradantrieb:
- Frontmotor: Stark motorisierte PKWs der Mittel- und Oberklasse, insbesondere auch mit gehobenem („Premium“) Anspruch an Komfort oder Sportlichkeit
- Mittelmotor: Sehr sportliche Fahrzeuge, meist mit deutlichen Einschränkungen der Platzverhältnisse.
- Heckmotor: Sportwagen, Kleinstwagen
Nutzfahrzeuge haben zumeist Hinterradantrieb.
- Frontmotor: Lastwagen und Transporter mit mehr als 3,5 Tonnen
- Mittel- und Heckmotor: Busse
Literatur [Bearbeiten]
- Max Bohner, Richard Fischer, Rolf Gscheidle: Fachkunde Kraftfahrzeugtechnik. 27.Auflage, Verlag Europa-Lehrmittel, Haan-Gruiten, 2001, ISBN 3-8085-2067-1
- Jan Trommelmans: Das Auto und seine Technik. 1. Auflage, Motorbuchverlag, Stuttgart, 1992, ISBN 3-613-01288-X
- Hans-Hermann Braess, Ulrich Seiffert: Vieweg Handbuch Kraftfahrzeugtechnik. 2. Auflage, Friedrich Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig/Wiesbaden, 2001, ISBN 3-528-13114-4
- Peter Gerigk, Detlev Bruhn, Dietmar Danner: Kraftfahrzeugtechnik. 3. Auflage, Westermann Schulbuchverlag GmbH, Braunschweig, 2000, ISBN 3-14-221500-X