Heckmotor
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Heckmotor ist die Bezeichnung für die Motoranordnung in Kraftfahrzeugen über bzw. hinter der Hinterachse. Die Motoranordnung unterscheidet sich von der Frontmotor- bzw. Mittelmotoranordnung. Die Verbindung des Heckmotors mit Getriebeeinheit und angetriebener Hinterachse wird als Heckantrieb bezeichnet.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Konstruktive Vor- und Nachteile
Da das Gewicht des Motors die angetriebenen Hinterräder belastet, drehen sie bei glatter Fahrbahn oder beim starken Beschleunigen nicht so leicht durch. Bei PKW mit Heckmotor entfällt die Kardanwelle, das Fahrzeug wird leichter und ist billiger herzustellen. Nahezu alle modernen Busse haben einen Heckmotor. So sind bei Linienbussen niedrigere Böden und größere Stauräume bei Reisebussen möglich, zudem ist der Fahrer den Motorgeräuschen weniger ausgesetzt.
Beim Kurvenfahren mit hohen Querbeschleunigungswerten hat der Heckantrieb Nachteile. Heckgetriebene Fahrzeuge neigen zum Übersteuern und im Extremfall zum Ausbrechen des Hecks. Schalthebel und Getriebe sind weit voneinander entfernt und brauchen eine aufwendigere Übertragungseinrichtung, oft in Form einer Fernschaltwelle. Teilweise erfordert dies zusätzliche Gelenke und Umlenkhebel, was die Schaltpräzision beeinträchtigen kann und dem Fahrer ein ungenaueres Schaltgefühl vermittelt. Durch die größere bewegte Masse sind die Betätigungskräfte beim Schaltvorgang höher. Statt einer Fernschaltwelle findet sich bei modernen Fahrzeugen auch eine Seilzugschaltung oder ein elektromotorischer Steller.
Heckmotorwagen neigen, anders als heckgetriebene PKW mit Frontmotor, besonders bei lang gestreckter Limousinenform durch das geringe Gewicht auf der Vorderachse, bei Rollsplitt oder feuchter Fahrbahn eher zum Untersteuern. Beim Käfer oder Porsche tritt dieses Problem nicht so stark in Erscheinung, da die kompakte Bauweise eine bessere Gewichtsverteilung erlaubt. In Amerika gibt es seit der Einstellung des Chevrolet Corvair 1969 keine Heckmotorlimousinen mehr, in Europa entwickelten und fertigten die tschechischen Automobilhersteller Škoda (bis 1987) und Tatra (bis 1999) Limousinen mit Heckmotor. Die schlechte Gewichtsverteilung der Heckmotorlimousinen von Škoda ist im ehemaligen Ostblock vielen Leuten noch heute bekannt, so lautete ein üblicher Rat an Škoda-Fahrer, sie sollten sich einen Sack Zement in den Kofferraum auf die Vorderachse packen. Heute (2008) gibt es Heckmotoren nur noch bei Bussen, wenigen Sportwagenherstellern und sehr kleinen (Smart Fortwo) oder sehr billigen Fahrzeugen (Tata Nano).
[Bearbeiten] Beispiele für PKW mit Heckmotor
- Benz Motorwagen
- Porsche 356, 911
- Smart Fortwo, Smart Roadster
- VW Käfer, Transporter, VW Brasilia, VW Typ 181, 1500, 411/412
- Chevrolet Corvair (englischsprachig)
- Škoda 1000MB / 1100MB, Škoda Garde, Škoda Rapid
- NSU Prinz und Sport Prinz, Prinz 1000/TT/TTS, Wankel Spider, Typ 110
- Fiat 500, 600, 850, 126, 133
- Simca 1000
- Mercedes-Benz 130H, 170H
- Tatra 77, 87, 97, 600 (Tatraplan), 603, 613, T 700
- BMW 600, 700
- Hillman Imp
- Renault 4CV, Dauphine, Caravelle, R8, R10, Alpine
- Glas Goggomobil
- Saporoschez 965, 966, 968
[Bearbeiten] Literatur
- Hans-Hermann Braess, Ulrich Seiffert: Vieweg Handbuch Kraftfahrzeugtechnik. 2. Auflage, Friedrich Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig/Wiesbaden, 2001, ISBN 3-528-13114-4

